Plötzlich Santa

Pünktlich zur Winterzeit erscheint mit PLÖTZLICH SANTA eine charmante Familiengeschichte aus Norwegen über einen Weihnachtsfanatiker, der für einen Abend die Rollen mit dem echten Weihnachtsmann tauscht. Ob sich ein Kinobesuch lohnt, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Niemand liebt das Weihnachtsfest mehr als der Tischler Andersen (Thor Michael Aamodt). Verkleidet mit weißem Rauschebart und rotem Mantel, möchte er seine Familie an Heiligabend überraschen. Dabei rutscht der Tollpatsch auf dem Glatteis vor der Tür aus, fällt auf den mit Geschenken voll gepackten Schlitten und saust ungebremst den Berg hinunter – geradewegs gegen einen Baum. Eine schöne Bescherung, denn alle Geschenke sind kaputt. Zu seiner großen Überraschung trifft er dort auf den echten Weihnachtsmann (Anders Baasmo Christiansen), der Andersens Dilemma erkennt und ihm kurzerhand einen Tausch vorschlägt. Da seine Familie noch nie einen echten Tischler gesehen habe, bittet er ihn, seinen Kindern einen Besuch abzustatten. Im Gegenzug übernimmt er die Bescherung bei der Familie Andersen. Ein unvergesslicher Weihnachtsabend voller Wunder und Magie beginnt.

Kritik

Obwohl sich die Zeiten ändern, hat Weihnachten bis heute kaum etwas an Bedeutung verloren. Unterm Tannenbaum liegen heutzutage zwar schon für die Kleinsten vermehrt Gutscheine und Technik, kaum mehr Selbstgebasteltes oder solch banale Dinge wie Holzspielzeug, doch auch wenn sich unsereins immer mehr auf das Schenken fokussiert, sind Restaurants an den Feiertagen nach wie vor ausgebucht; das Zusammensein mit Familie und Freunden besitzt also immer noch einen hohen Stellenwert. Inwiefern sich Traditionen wie der Besuch des Weihnachtsmannes auf Dauer durchsetzen können, ist dagegen fraglich. Nicht jedoch für den Norweger Terje Rangnes („En helt vanlig dag på jobben“), der mit „Plötzlich Santa“ eine ganz und gar altmodische Geschichte über die Faszination für eben diesen Zeitgenossen inszeniert, mit dem der Tischler und Weihnachtsfanatiker Bestefar Andersen für einen Abend – den Heiligabend – die Rollen tauscht, da die Kinder von Santa Claus wiederum noch nie einen echten Tischler gesehen haben. Diese Idee ist charmant und bietet im überlaufenen Weihnachtsfilmsegment einmal etwas Anderes, als eine übliche „Ein ganz normaler Typ muss plötzlich die Aufgaben des Weihnachtsmannes übernehmen“-Geschichte. Doch die im Jahr 2016 produzierte Familienkomödie wirkt so dermaßen aus der Zeit gefallen, dass man davon sowohl irritiert sein, als auch es begrüßen kann.

Der echte Weihnachtsmann kommt die Familie Andersen besuchen…

Schon das altmodische, handgemalte Poster erinnert auf den ersten Blick an das Design eines Schokoladen-Adventskalenders, während dieser Eindruck des Zeitlosen sich auch im gezeichneten Vorspann widerspiegelt, in dem erzählt wird, wie aus Hauptfigur Bestefar Andersen einst der größte Weihnachtsliebhaber der Welt wurde: Als Kind wünschte er sich vom Weihnachtsmann nicht mehr als einen kleinen blauen Skiläufer aus Holz, den er schließlich bekam. Dass so eine Erinnerung aus einem Menschen einen regelrechten Weihnachtsfanatiker macht, was bis ins Erwachsenenalter nichts an Intensität eingebüßt hat, ist zwar unwahrscheinlich, unterstreicht in Kombination mit dem liebevollen Erzählkommentar aus dem Off allerdings die nahezu märchenhafte Aura, die „Plötzlich Santa“ umgibt. Auch die Filmlänge (die Komödie ist gerade einmal etwas mehr als eine Stunde lang) macht die Produktion wie geschaffen, um entweder als Weihnachtsmärchen auf der Bühne aufgeführt, oder rituell am Weihnachtsnachmittag mit der ganzen Familie angeschaut zu werden. Doch so liebevoll und detailgetreu das alles inszeniert und für die jungen Zuschauer ansprechend aufbereitet ist, bietet „Plötzlich Santa“ für die Erwachsenen nicht bloß recht wenige Highlights, die Umsetzung hinterlässt auch das eine oder andere Fragezeichen.

Das beginnt bei der Zeit, in welcher „Plötzlich Santa“ spielt respektive spielen soll: Während sich die Kids selbstgeschnitzte Puppenbetten oder Plattenspieler wünschen (womit alles darauf hindeutet, dass der Film in einer etwas weiter zurückliegenden Vergangenheit angesiedelt ist), kommen aber auch ferngesteuerte Autos, edler Modeschmuck und die zeitgeistige Kleidung der Figuren hinzu, die das Geschehen schon eher im Hier und Jetzt verorten. Gleichermaßen erinnert die Inneneinrichtung des Hauses an jene aus den „Michel aus Lönnerberga“-Filmen (was übrigens auch auf manche Slapstick-Momente zutrifft), genauso wie in „Plötzlich Santa“ Weihnachtsrituale zelebriert werden, die so in der Form veraltet sind. Das wäre per se nicht schlimm, schließlich würde es die Zeitlosigkeit des Weihnachtsfestes betonen. Doch in dieser Konstellation wirkt es vielmehr unausgegoren und unentschlossen, gleichwohl es keinerlei Auswirkungen auf die Geschichte selbst hat. Und die ist – mit Ausnahme des doch arg hysterischen Beginns, der nicht so recht erkennen lässt, weshalb Bestefars Frau Bestemor (Ann Canarius Elseth) so einen Groll gegen die Leidenschaft ihres Mannes hegt – doch recht charmant geworden.

Die Familie ist skeptisch: Sitzt da der echte Weihnachtsmann in ihrem Wohnzimmer?

Die schon aufgrund der übersichtlichen Laufzeit ohne jedwede Längen auskommende Geschichte bringt eine sich (fast) entzweite Familie über Umwege wieder zusammen und beweist außerdem, dass man sich daran erfreuen sollte, wenn Kinder sich von Mythen und Ausgedachtem noch faszinieren lassen. Dass es zu Beginn nämlich ausgerechnet die älteren Kinder sind, die dem Jüngsten die Legende vom Weihnachtsmann madig machen wollen, indem sie ihn verzweifelt von dessen Nicht-Existenz zu überzeugen versuchen, versteht sich als kleiner Seitenhieb auf die im zunehmenden Alter immer zynischer werdenden Erwachsenen; da muss erst der echte Weihnachtsmann kommen, um sowohl die älteren Kinder, als auch die schon sämtliche Freuden am Fest verlorene Ehefrau wieder davon zu überzeugen, dass es Wunder gibt. „Plötzlich Santa“ bleibt dabei weitestgehend frei von Kitsch und erlaubt sich gen Ende sogar noch eine kleine (für die Erwachsenen sogar als recht böse zu verstehende) Pointe, die zeigt, dass sich solche Ereignisse mitnichten ausschließlich auf die Harmonie am Weihnachtsabend auswirken müssen. Die hierzulande unbekannten Darsteller passen indes gut zueinander und unterfüttern die Entwicklung vom handfesten Krach hin zur Versöhnung glaubhaft mit Emotionen.

Fazit: Die charmante und liebevoll ausgestattete Komödie „Plötzlich Santa“ funktioniert als kurzweiliger Weihnachtsfilm vor allem für die jüngeren Zuschauer. Für die Erwachsenen offenbaren sich allerdings einige Ungereimtheiten, die das Seherlebnis durchaus beeinträchtigen können.

„Plötzlich Santa“ ist ab dem 16. November in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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