Der Vollposten

In Italien ist er der erfolgreichste Film aller Zeiten und dank der kongenialen Synchronisation von Schauspieler und Komiker Bastian Pastewka könnte die Beamten-Komödie DER VOLLPOSTEN auch hierzulande ein Hit werden. Mehr dazu in meiner Kritik.Der Vollposten

Der Plot

Checco Zalone hat das, wovon andere nur träumen können: Eine unbefristete Festanstellung in der Landesverwaltung für Jagd und Fischerei. Seine alles andere als arbeitsintensive Position sichert ihm nicht nur Geschenke der vorsprechenden Antragsteller, sondern auch die uneingeschränkte Hingabe seiner Dauerfreundin. Doch dann beschließt die Regierung eine Reform der öffentlichen Verwaltung und Checco wird vor die Wahl gestellt: Kündigung oder Versetzung. Stur klammert er sich an seine ihm heilige Festanstellung. Doch die eiskalte Beamtin Sironi (Sonia Bergamasci) will Checco loswerden und entsendet ihn an immer abgelegenere Orte, sogar weit über die Grenzen Italiens hinaus…

Kritik

Eigentlich ist die Zeit für Komödien wie „Der Vollposten“ längst vorbei. Und doch wurde die Beamtenpersiflage von Gennaro Nunziante („Sole a catinelle“) in ihrem Produktionsland Italien zum erfolgreichsten Film aller Zeiten. Ganz ohne das permanente Abrutschen in Gag-Gefilde unterhalb der Gürtellinie (eine zweideutige Eisbären-Szene lassen wir einmal außen vor) und unter Zuhilfenahme permanenter politischer Inkorrektheit, die sich trotzdem absolut liebenswert gestaltet, wirkt die Geschichte um einen Beamten, der aufgrund einer Gesetzesänderung einmal rund um den Erdball geschickt wird, in ihrer Bravheit angenehm aus der Zeit gefallen. Natürlich ist der Erfolg von „Der Vollposten“ in Italien auch auf den dortigen Stellenwert von Musiker, Schauspieler und Komiker Luca Pasquale Medici zurückzuführen. Dieser tritt nicht bloß permanent in Form der Kunstfigur Checco Zalone auf’s Parkett – daher auch der Name des Protagonisten. Auf deutsche Gefilde übertragen, ist der Bekanntheitsgrad Zalones ist mit dem eines Otto Waalkes oder Hape Kerkeling vergleichbar – oder eben eines Bastian Pastewka, der hierzulande die deutsche Synchronisation der Hauptfigur übernimmt und darin hervorragend aufgeht. Vermutlich hätte „Der Vollposten“ ohne den Schauspieler direkt nur halb so gut funktioniert, doch in dieser Humor-Darsteller-Zusammensetzung bereitet die mit satirischen Zügen versehende Comedy nicht bloß herrlich albernen Spaß, sondern versprüht obendrein viel Charme, ohne sich dabei an das Publikum anbiedern zu müssen.

Der Vollposten

Um sich bei den Zuschauern einzuschleimen, wäre die Kunstfigur Checco Zalone dann doch nicht niedlich genug. Ein Sympathieträger ist der mit Leib und Seele in seinem Beamtenberuf aufgehende Vollblutitaliener nämlich nicht unbedingt. Im ersten Drittel der Handlung gibt sich das Skript von Gennaro Nunziante und Checco Zalone alle Mühe, eine Menge an Italien-Klischees vom Stapel zu lassen, die den dort ansässigen Landsmännern die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Und natürlich erfüllt Zalones Figur jedes einzelne von ihnen. Er lebt bei Mutti, ist Verfechter ausladender Schauspielkünste beim Fußball und zu den genügsamen Autofahrern zählt er ebenfalls nicht. Wenn er schließlich aus purer Bequemlichkeit seine Dauerfreundin zu heiraten versucht, um seine Jobposition zu behalten, dichtet das Drehbuch ihm obendrein derart unsympathische Züge an, dass man sich zunächst gar nicht so sicher ist, ob man dem Trottel vom Dienst überhaupt die Daumen zu drücken will, dass er es über Umwege fertig bringt, in seinem geliebten Heimatstädtchen zu bleiben. Schnell kündigt sich jedoch an, dass es darum gar nicht geht. Die Handlung von „Der Vollposten“ wird zum Alibi, um eine gewisse Chronologie zu wahren und nebenher einen Kalauer nach dem anderen aufs Publikum loszulassen. Das gelingt definitiv nicht immer. Einige Gags sind so platt, dass ihre Pointe verpufft, bevor der Zuschauer auch nur auf die Idee kam, die Mundwinkel zu einem Lachen zu verziehen. Darüber hinaus ist die Schlagzahl selbiger so hoch, dass zwangsläufig ein paar von ihnen auf der Strecke bleiben müssen. Die Grundstimmung stimmt jedoch und wenn Checco auf seiner Station in Norwegen plötzlich durch aberwitzigste Signale an sein Heimatland Italien erinnert wird, gehört das zu den lustigsten Szenen, die das europäische Komödien-Kino in den vergangenen Jahren zu bieten hatte.

Hinter dieser geballten Ladung Anti-Italien-Humor, die stets durchklingen lässt, dass die Macher ihr Land abseits dieser passionierten Vorurteils-Parade doch verdammt gern haben, stehen die Schauspielleistungen in ihrer Wichtigkeit zwangsläufig zurück. „Der Vollposten“ ist definitiv kein Charakterkino und doch wäre der Film ohne Checco Zalone nur halb so viel wert. Wenngleich man ihm der Wandel vom egoistischen Tunichtgut hin zum liebenden Familienvater nicht wirklich abnimmt, ist es vor allem die Leidenschaft am komischen Spiel, die mithilfe eines hohen Timingverständnisses und dem Mut zu großen Gesten oft schon dann lustig ist, wenn die eigentliche Pointe noch auf sich warten lässt. Auch Sonia Bergamasci („Giulia geht abends nie aus“) als Checcos egozentrische Vorgesetzte beweist sich in ihrem ausladenden, lauten Agieren, das passend zur Figur nah am Overacting kratzt. Der Rest erfüllt seinen Zweck dem Film entsprechend auf solidem Niveau, kann jedoch nicht so eigene Akzente setzen, dass er den Film individuell formen könnte.

Der Vollposten

Mit seinen knappen eineinhalb Stunden besitzt „Der Vollposten“ genau die richtige Länge, um aufgrund seiner Gagdichte nicht doch irgendwann anstrengend zu werden. Wo sich andere Komödie darin versuchen, spätestens im letzten Drittel nochmal eine Extraportion Gefühl aufzufahren, um auch den oberflächlichsten Figuren zu später Läuterung zu verhelfen, bleibt „Der Vollposten“ von vorn bis hinten oberflächlich und setzt allenfalls auf Vorschlaghammer-Botschaften. Gleichzeitig macht Regisseur Gennaro Nunziante nie einen Hehl daraus, dass sein Film über den Status einer Gagparade gar nicht hinaus gehen soll. Selbst in der technischen Ausstattung, zu der unter anderem ein eher an Fernsehgefilde erinnernder Look sowie wenige, grottenschlechte CGI-Effekte gehören, spiegelt sich wider, dass die Intention der Macher jene war, das Publikum auf simple Weise zu bespaßen. Damit das gelingt, muss man gar nicht unbedingt besonders Italien-affin sein. Der Rundumschlag gegen Nunziantes Landsleute lässt sich gerade in den Momenten auch auf alle anderen übertragen, in denen die zunehmende Dummheit unserer Mitmenschen aufs Korn genommen wird. Und die ist ja nun mal leider länderübergreifend.

Fazit: Doof aber lustig! Mit seiner in Italien immens erfolgreichen Komödie „Der Vollposten“ zieht Regisseur Gennaro Nunziante nicht bloß seine Landsleute einmal quer durch den Kakao, sondern alles was ihm gerade vor die Nase läuft. Ob das Beamtentum, die Bewohner anderer Länder oder den zunehmenden Sittenverfall: Hier bekommt jeder sein Fett weg. Und zwar auf erstaunlich unterhaltsame, wenn auch nicht immer ganz kluge Art und Weise.

„Der Vollposten“ ist ab dem 22. September in den deutschen Kinos zu sehen.

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