Focus

Will Smith ist zurück! An der Seite von Shootingstar Margot Robbie führt er uns in dem irrwitzigen Heist-Movie FOCUS die vielfältigen Möglichkeiten als Taschendieb vor Augen und liefert dabei eine verflucht einfallsreiche Performance ab. Weshalb den Regisseure von „Crazy, Stupid, Love“ in diesem Fall jedoch schon nach etwa einer Stunde die Puste auszugehen scheint und warum der Film dennoch einen Ticketkauf wert ist, das erfahrt Ihr in meiner Kritik.

Focus

Der Plot

Nicky (Will Smith) ist ein langjähriger Meister der Irreführung. Eines Tages verliebt er sich in die Nachwuchs-Gaunerin Jess (Margot Robbie). Doch während er ihr alle seine Tricks beibringt, entwickelt sich ihre Beziehung zu intensiv – und endet in einer abrupten Trennung. Drei Jahre später hat sich Nickys Ex zur vollendeten Femme fatale gemausert und taucht in Buenos Aires bei einem hochkarätigen Autorennen auf. Nicky inszeniert dort einen neuen und äußerst gefährlichen Coup, aber schon bald bringt sie ihn völlig aus dem Konzept – und droht, den gewieften Ganoven mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.

Kritik

Die beiden Regisseure Glen Ficarra und John Requa haben in ihrer bislang noch recht übersichtlichen Karriere etwas geschafft, was nicht vielen Filmemachern vergönnt ist. Ihre Werke begeisterten sowohl Publikum als auch Kritiker – wickeln also die beiden wichtigsten Zielgruppen um den Finger und schaffen es somit, Anspruch und Unterhaltung munter zu kombinieren. Sowohl die bittersüße Romanze „I Love You, Philip Morris“, in der Ewan McGregor und Jim Carey ein vom Schicksal gebeuteltes Schwulenpärchen spielen, als auch die vielzitierte Romantic Comedy „Crazy, Stupid, Love“, für die Schauspieler Ryan Gosling gar für den Golden Globe nominiert wurde, bilden bislang die Vita der Filmemacher, die darüber hinaus auch als Drehbuchautoren für ihre eigenen und fremde Werke („Bad Santa“) fungieren. Mit ihrem stylischen Crime-Stück „Focus“ begeben sich Ficarra und Requa nun erstmalig raus aus ihrem präferierten Genre der Tragikomödie und schicken Hollywood-Beau Will Smith („Men in Black“) sowie Shootingstar Margot Robbie („Wolf of Wall Street“) durch einen amüsanten Twistride, irgendwo zwischen „Ocean’s Eleven“ und „Die Unfassbaren“.

Focus

Nach dem Boxoffice-Fehlschlag „After Earth“ zog sich Will Smith mit Ausnahme kleinerer Gastrollen eine Weile zurück aus dem Filmgeschäft. „Focus“ soll nun seine ultimative Rückkehr auf die Multiplexleinwände werden und diese Intention ist dem Hollywoodstar in seiner Performance anzumerken. „Focus“ ist für Smith nicht einfach nur ein Neuanfang, sondern wirkt sich wie eine Generalüberholung auf den einstigen Blockbusterschönling und Actionhelden aus. Zugegeben: Gut aussehen tut Will Smith immer noch, doch seine Art, sich in „Focus“ zu präsentieren, unterscheidet sich von der Selbstverständlichkeit und anklingenden Lethargie, mit welcher Smith zuletzt sämtliche seiner Rollenfiguren über die große Leinwand schickte. Er wirkt zwar nicht weniger cool und lässig als sonst, gleichsam ist sein Spiel so geerdet und ausdrucksstark wie nie. Dies mag bisweilen auch am Skript liegen: Allein in der ersten Hälfte feuern die auch für dieses Drehbuch verantwortlich zeichnenden Regisseure ein Feuerwerk gewitzter Dialoge und kurioser Ideen ab, die „Focus“ zu einer schwindelerregenden Dynamik verhelfen. Neben Smith ist Margot Robbie dafür nicht minder von Belang. Nach ihrer verführerischen „Wolf of Wall Street“-Performance unterstreicht die Schauspielerin mit ihrer Darbietung in „Focus“ einmal mehr ihren Status als aufsteigendes Hollywoodsternchen, das nicht nur Smith, sondern auch das Publikum alsbald in ihren Bann gezogen hat.

Den beiden Protagonisten bei ihren diebischen Streifzügen zuzuschauen, macht einfach unheimlich viel Spaß. Die zwei funktionieren sowohl als Liebespaar, als auch als Komplizen, denn immer dann, wenn das Duo mit den jeweiligen Gegensätzen des anderen spielt, wird es besonders amüsant. Smith gibt den stets überlegenen Macho, während sich Robbie nur dann in die Rolle des ihn anhimmelnden Love Interests fügt, wenn es für sie gerade von Nutzen ist. So findet der Film auch zu seinem zweigeteilten Erscheinungsbild denn das Zelebrieren der verschiedenen Taschenspielertricks, die in „Focus“ nie da gewesene Ausmaße annehmen und damit zum Teil durchaus an Zauberei der Marke „Die Unfassbaren“ erinnern, nimmt bloß die erste Hälfte der Laufzeit in Beschlag. Nach rund einer Stunde gibt es einen Bruch: Von nun steht in „Focus“ verstärkt das emotionale Verhältnis von Smith und Robbie im Vordergrund, was den Streifen zwar nicht schwächer werden lässt, das vorab aufgebaute, sehr imposante Tempo jedoch ausbremst. Die Stärken bleiben jedoch auch hier dieselben: Mit ihrem versierten Drehbuch und einer stilsicheren Kameraführung (Xavier Grobet), die mit technischen Spielereien immer wieder die Doppelbödigkeit der Story betont, halten die Regisseure ihr Publikum bei Laune.

Trotzdem sorgt die Dramaturgie von „Focus“ in manchen Momenten dafür, dass der Streifen nicht sein volles Potenzial auszuschöpfen vermag. Zum einen trägt daran die bereits erwähnte Aufteilung des Skripts Schuld, zum anderen fahren die Macher einen Kurs, der konsequent den ultimativen Coup ankündigt, nur um im Finale schließlich mit angezogener Handbremse zu fahren und die Ereignisse reichlich konventionell aufzulösen. Ein wenig erinnert dieses Vorgehen an TV-Serien, deren Entwicklung sich erst im Laufe der Jahre in eine bestimmte Richtung entwickelt. „Focus“ beginnt als verflucht-spaßige Vorführung der schier grenzenlosen Möglichkeiten des Taschendiebdaseins und findet seinen Höhepunkt nach rund einer Stunde – Stichwort: Pokertisch. Alles was im Film rund drei Jahre später passiert, mündet zwar ebenfalls in einen furiosen Schlussakt, kann jedoch nicht ansatzweise von der vorher eingeführten Spielfreude zehren und verliert seinen Zauber nach und nach. An der Lust, die Erklärung des Geschehens selbst erraten zu wollen, ändert dieser Umstand jedoch nichts. Zum Glück, denn so ergibt sich für das Publikum nach wie vor der Wille, am Gezeigten Interesse zu entwickeln.

Fazit: Stark geschriebene Dialoge, treffsichere Pointen, eine Prise Action und ein Hauch Erotik ergeben eine abwechslungsreiche Mischung, die das von Superhelden und Fantasyfranchises dominierte Blockbusterkino konsequent durchbricht. Leider tun die Macher „Focus“ mit der zweigeteilten Story keinen Gefallen, da dieser die Geschichte ausbremst und von nun an nicht mehr dieselbe Leidenschaft verkörpert, wie noch in den sechzig Minuten zuvor. Hoffen wir also auf eine Fortsetzung: Will Smith und Margot Robbie im Duo können sich gern öfter auf der großen Leinwand bekriegen.

 „Focus“ ist ab dem 05. März bundesweit in den Kinos zu sehen.

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