Dinky Sinky

In der mit einem Jahr Verspätung in die Kinos kommenden Tragikomödie DINKY SINKY möchte sich eine Frau mit Ende dreißig endlich den Wunsch vom eigenen Kind erfüllen – ganz ohne Mann. Weshalb daraus gleichzeitig eine perfekte Analyse der Generation 30 plus wird, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Frida (Katrin Röver) wünscht sich ein Kind. Doch erst erfüllt sich ihre Sehnsucht nicht und dann läuft auch noch der Mann davon. Während um sie herum ein regelrechter Babyboom ausbricht, verläuft ihr eigenes Leben vermeintlich rückwärts. Für Kummer bleibt keine Zeit. Sie ist 36 Jahre alt und der festen Überzeugung: jetzt oder nie. Es muss schnell ein neuer Lebenspartner her. Erst spät merkt Frida, dass die Jagd nach einem perfekten Leben nicht der Weg zum großen Glück ist.

Kritik

Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Deutschland ihr erstes Kind mit rund 29 Jahren. Das sind vier Jahre später, als noch vor vierzig Jahren, in denen eine Frau bereits mit 25 zum ersten Mal Mutter wurde. Die Tendenz geht daher zur späten Mutterschaft. Gleichzeitig wird aber auch der Anteil von Singles in unserer Gesellschaft immer größer. Ein Thema, das die Regisseurin Mareille Klein, die zuvor Dokumentationen und Kurzfilme inszenierte, in ihrem Spielfilmdebüt „Dinky Sinky“ aufgreift. Darin porträtiert sie eine Frau, die sich mit 36 Jahren endlich ein Baby wünscht, sich diesen Wunsch aber ohne Mann und ohne Geld nicht erfüllen kann, in ihrem Beruf als Sportlehrerin und in ihrem Freundeskreis allerdings permanent von Kindern und sich den Kinderwunsch erfüllenden Freunden konfrontiert wird. Die Kunst an „Dinky Sinky“ besteht darin, dass Klein ihren Film gleichermaßen unbequem wie leichtfüßig gestaltet; für Frauen in derselben Lebenslage ist ihr Film alles andere als motivierend. Erst recht, weil Klein auf das erlösende Happy End verzichtet. Gleichzeitig kann sich die Autorenfilmerin in die Belange ihrer Protagonistin perfekt hineindenken und erzählt und inszeniert so lebensecht, dass in ihrer tragikomischen Geschichte auch der Humor nicht zu kurz kommt – auch wenn dieser zumeist vornehmlich daraus besteht, lieber zu lachen, anstatt zu weinen.

Bei einer Taufe im Bekanntenkreis kommt Frida (Katrin Röver) mit verschiedenen Kindern in Kontakt.

Anders als etwa „24 Stunden“ oder „Die Lebenden reparieren“ ist „Dinky Sinky“ nicht einmal im Ansatz ein Film über Medizin. Auch wenn im Mittelpunkt der Geschichte klar der Kinderwunsch von Hauptfigur Frida steht, der in der ersten Hälfte, in der diese noch mit ihrem langjährigen Freund zusammenwohnt, auch ausgiebig mit einem Facharzt diskutiert wird, rückt Mareille Klein schnell davon weg, das Problem des Nicht-Kinderkriegens aus theoretischer Sicht zu betrachten. Vielmehr geht es der Regisseurin darum, den Gemütszustand ihrer Hauptfigur einzufangen. Und auch, wenn dieser vornehmlich von Fridas Kinderwunsch dominiert wird, sammelt Klein mit der Zeit immer mehr Facetten zusammen, aus denen sich das eigentliche Problem ergibt: „Dinky Sinky“ seziert das Leben einer Frau in den Dreißigern, die von ihrer Umgebung nicht ernst genommen wird, was sich in der Kinderfrage einfach nur am deutlichsten abzeichnet. Denn ohne Mann, kein Kind – und in dieser Hinsicht wird Frida weder von ihrem Freund Tobias (Till Firit) ernst genommen, noch von ihrer Mutter (Ulrike Willenbacher), als Frida ihr eröffnet, sich den Wunsch vom Baby mittels anonymer Samenbank erfüllen zu wollen.

Auch in ihrem Freundeskreis bestätigt sich dieser Eindruck: Manchmal sind es nur kurze Momente wie etwa die sukzessive Missachtung der früher so gut in ihre Clique integrierten Frida, als diese mit der Zeit immer mehr den Anschluss an ihre aktiv Familienplanung betreibenden Freunde zu verlieren scheint, die zeigen, dass die ständig von Leuten umgebende, junge Frau in Wirklichkeit ziemlich allein ist, mit ihrem Problem. Nicht jede Szene verläuft dabei subtil und frei von Klischees; als Fridas Ex-Freund schon wenige Wochen später mit neuer Flamme auf Wohnungssuche geht, was Fridas beste Freundin ihr zuvor wohlweislich verschwiegen hat, dann tun sich zwischenmenschliche Gräben zwischen den Figuren auch, die man sicher auch hätte eleganter aufbauen können. Trotzdem zeichnet Klein ihre Figuren weitestgehend klischeefrei – vor allem die im Mittelpunkt stehende Frida lässt sich nicht einfach in die Schublade der verzweifelt ihre biologische Uhr ticken hörende Hysterikerin stecken. Dafür unterfüttert die Autorin den Charakter mit genügend ambivalenten Zügen und Emotionen, die aus Frida eine gleichermaßen glückliche wie engagierte, aber auch traurige, genauso erwachsene wie kindische und hilflose Frau machen, die mit beiden Beinen fest im Leben steht und sich trotzdem auf eine Herzensangelegenheit erfüllen möchte, eh es aufgrund naturgegebener Grenzen nicht mehr möglich ist.

Frida versucht, ihr Glück auf Dates zu machen…

Dabei ist es vor allem spannend, wie Mareille Klein die Auswirkungen aufzeigt, die Fridas Wunsch auf ihr gesamtes Umfeld hat. Während die detaillierten Überlegungen nach künstlicher Befruchtung, Samenbank und Kinderwunschklinik eigentlich eher im Stillen stattfinden, hat der damit verbundene, emotionale Druck Einfluss in sämtliche Bereiche von Fridas Privat- und Berufsleben. In einem Subplot an Fridas Schule erwächst aus beiläufig gemachten Notizen plötzlich ein riesiges Problem um Privatsphäre und Erpressung – ein spannender Aspekt, der zugleich aufzeigt, wie schwer sich private Probleme manchmal mit dem Berufsleben vereinbaren respektive voneinander trennen lassen. In diesen Momenten ist „Dinky Sinky“ am stärksten und profitiert vor allem davon, wie natürlich und improvisiert die Regisseurin ihre Akteure vor der Kamera agieren lässt. Die lebensechten Dialoge sowie die auf technischen Schnickschnack verzichtende Inszenierung tun ihr Übriges, um bis zuletzt den Eindruck aufrecht zu erhalten, man habe hier eineinhalb Stunden am Leben einer echten Figur teil. Das i-Tüpfelchen dessen ist Katrin Röver („Sibylle“), die als Frida zu einer echten Identifikationsfigur wird, die – auch ohne im Film einen klar definierbaren Erfolg zu haben – einen charakterlichen Wandel erlebt, der nicht mit der Brechstange, sondern ganz natürlich und nachvollziehbar daherkommt, der entsprechend subtil dargeboten wird. Eine ganz feine Leistung von allen Beteiligten!

Fazit: Mareille Kleins Tragikomödie „Dinky Sinky“ über eine Frau, die endlich ein eigenes Kind möchte, ist eine zu einhundert Prozent authentische Studie darüber, wie es ist, sich seine eigenen Wünsche zu erfüllen, selbst wenn man sich dabei nicht auf die Unterstützung Anderer verlassen kann.

„Dinky Sinky“ ist ab dem 8. Februar in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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