Star Wars: Die letzten Jedi

Zwei Jahre nach „Das Erwachen der Macht“ kommt mit STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI die achte Episode der Sternensaga in die Kinos. Hätte man sich da nicht vielleicht doch noch ein wenig mehr Zeit lassen sollen? Das und mehr verrate ich in meiner Kritik – natürlich spoilerfrei!

Der Plot

Nachdem Rey (Daisy Ridley) den in die Jahre gekommenen Luke Skywalker (Mark Hamill) auf einer einsamen Insel gefunden hat, bittet sie ihn, sich der Rebellion anzuschließen. Doch Luke denkt nicht dran, seine beschauliche Neu-Heimat zu verlassen und sieht in seiner Besucherin außerdem eine Kraft, die er zu fürchten scheint. Trotzdem willigt er ein, Rey zur Jedi-Kämperin auszubilden. Zur gleichen Zeit setzt Keylo Ren (Adam Driver) seine Ausbildung bei Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) fort, doch ist er der dunklen Seite wirklich schon komplett verfallen? An wieder anderer Stelle wacht Finn (John Boyega) aus seinem Koma auf und muss gemeinsam mit Poe Damaron (Oscar Isaac), Prinzessin Leia (Carrie Fisher) und vielen anderen Rebellen einen massiven Angriff der Ersten Ordnung zurück schlagen.

Kritik

Seit 2015 soll jedes Jahr einer kommen: ein neues Abenteuer aus dem „Star Wars“-Universum. Das hatte man seitens Lucasfilm so angekündigt, als der Konzern von der Walt Disney Company geschluckt wurde. Und auch, wenn sich die Fans zunächst über möglichst viel neuen „Star Wars“-Input freuten, wich die Euphorie doch schnell der Skepsis. Im 12-Monats-Rhythmus solle abwechselnd eine neue Episode sowie ein neues Spin-Off erscheinen; den Anfang machten „Das Erwachen der Macht“ als Episode sieben sowie „Rogue One: A Star Wars Story“, nun gefolgt von „Episode 8: Die letzten Jedi“ und dem ersten Solo-Abenteuer eines einzelnen Helden, in diesem Fall Han Solo, das sogar schon im Mai 2018 erscheinen soll. Da es der Disney-Konzern wie kein zweiter versteht, das Optimum an Geld aus ein und demselben Projekt herauszuholen, wurden allerdings schnell Stimmen laut, die dem Vorhaben regelmäßig erscheinender „Star Wars“-Filme Raffgier im Sinne der Studiobosse, nicht aber der Fans vorwarfen. Und auch die Frage, ob man wirklich jedes Mysterium des Universums kleinteilig entschlüsseln soll, wurde an vielerlei berichterstattenden Stellen aufgeworfen. Im Falle von „Episode 7“ und „Rogue One“ sollte sich diese Befürchtung noch nicht bewahrheiten. „Die letzten Jedi“ hingegen fällt nun allerdings deutlich von den beiden Vorgängern ab und erweckt zusätzlich den Eindruck, dass das tatsächlich nicht der Fall wäre, hätte man einfach noch ein, zwei Jahre mehr verstreichen lassen, um die Geschichte, die Figuren und den Film an sich zu kreieren. So ist „Die letzten Jedi“ in erster Linie aufgrund der technischen Finessen unterhaltsam, erzählerisch bekommt es der Zuschauer allerdings vor allem mit Leerlauf zu tun.

Daisy Ridley schlüpft erneut in die Rolle der Rey.

„Die letzten Jedi“ setzt auf die Sekunde genau dort an, in der „Das Erwachen der Macht“ aufgehört hat – zumindest auf dem Papier. Der erste erzählerisch wichtige Moment ist nämlich der, in welchem Rey auf Luke Skywalker trifft und ihm sein Laserschwert übergibt. Bis es soweit ist, eröffnet der Film allerdings mit einer von diversen Weltraumschlachten, von denen es in den kommenden 152 Minuten noch viele weitere geben wird; und nicht immer sind diese in ihrem Ausmaß so relevant, dass sich die üppige Laufzeit rechtfertigen ließe. Mit zweieinhalb Stunden ist „Die letzten Jedi“ der bislang längste Film des „Star Wars“-Universums, der dem Publikum dadurch genug Zeit gibt, das Non plus Ultra des aktuellen technischen Standards zu bestaunen. In sämtlichen Facetten triumphieren die Macher mit tricktechnischen Bildgewalten, die sich sehen lassen können. Das bezieht sich nicht bloß auf das Design der Raumschiffe und Flugszenen; auch im Detail – sei es nun das einmal mehr auf Andy Serkis („Planet der Affen: Survival“) angewendete Motion-Capture-Verfahren, um den Supreme Leader Snoke zum Leben zu erwecken, oder die vielen Sidekick-Wesen, von den neuen Cuteness-Catchern, den pinguinähnlichen Porgs bis hin zu den eleganten Chrystal Foxes – ist „Die letzten Jedi“ eine herausragende Augenweide, was vor allem daran liegt, wie selbstverständlich hier haptische Sets mit Computereffekten verschmelzen. Das bringt in wichtigen Momenten die Kurzweil zurück in den Film, die der schleppenden Erzählung zum Opfer fällt; vor allem eine ausladende Szene gen Ende des Films, in der sich das Team lediglich die berauschende Vielfalt der Natur zunutze macht, ist eines seiner großen Highlights.

„Star Wars: Die letzten Jedi“ macht entgegen seiner beiden deutlich fokussierter erzählten Vorgänger so viele verschiedene, mitunter auch geografisch weit voneinander entfernte Handlungsstränge auf, dass darunter nicht bloß das Zusammengehörigkeitsgefühl des gesamten „Star Wars“-Ensembles leidet (wodurch auch der Film eine merkwürdige Distanz zum Zuschauer wahrt), sondern auch die Dynamik der Erzählung selbst. Unter Zuhilfenahme eines eher unglücklichen Schnitts, der immer wieder dafür sorgt, dass die verschiedenen Subplots einander harsch ausbremsen, schaut sich der Film überraschend holprig, bis das Tempo von „Episode 8“ ziemlich genau auf der Mitte sogar völlig zum Erliegen kommt. Das liegt nicht bloß an reichlich irrationalen Entscheidungen von Seiten mehrerer Figuren (die an dieser Stelle natürlich nicht näher erläutert werden sollen), sondern auch daran, dass einer der Handlungsstränge rund um eine neu eingeführte Figur, gespielt von Benicio del Toro („Sicario“), regelrecht ins Leere läuft. Dafür führt es die um ihn herum agierende Crew in einige beeindruckende Setpieces (Stichwort: Casino), die allerdings gar nicht so recht in die „Star Wars“-Welt passen und in einem „Valerian“ deutlich besser aufgehoben wären. Deutlicher lässt es sich kaum beschreiben, wie dicht Licht und Schatten in „Star Wars: Die letzten Jedi“ beieinander liegen.

Optisch ist „Star Wars: Die letzten Jedi“ erwartungsgemäß das Maß aller Dinge.

„Episode 8“ ist immer dann am stärksten, wenn sich das Skript von Rian Johnson („Looper“) möglichst weg vom klassischen Gut-gegen-Böse-Kampf begibt. Der einmal mehr aufkeimende Konflikt zwischen einer hellen und einer dunklen Seite der Macht verleiht dem Universum nicht unbedingt jene neuen Facetten, die man sich nach mehreren Jahrzehnten „Star Wars“-Geschichte durchaus erhoffen durfte. Stattdessen sind es vereinzelt die zwischenmenschlichen Momente (etwa jene zwischen Luke Skywalker und Rey), mit denen der Film punkten kann – zumal hier dann auch endlich wieder etwas Humor Einzug in den Film erhält. Auch für eingefleischte Fans hat sich der auch auf dem Regiestuhl Platz genommene Johnson manch ein hübsches Schmankerl ausgedacht, das in den deutschlandweiten Mitternachtspreviews Szenenapplaus regelrecht provoziert. Doch das größte Problem an dem Film ist, dass er – mehr als andere Franchise-Teile zuvor – schlicht nicht für sich alleine stehen kann und damit kaum dazu einlädt, neue Fans an Land zu ziehen. „Star Wars: Die letzten Jedi“ ist ein Film für die bereits bestehenden Liebhaber – und zwar zum Großteil für jene, die für ein erneutes Abtauchen in die Welt der Sternenkrieger auch in Kauf nehmen, dass die Geschichte selbst nicht übermäßig stark ist. Geliefert bekommen sie dafür die beste Qualität in Sachen Effekte und Setpieces, in den stärksten Momenten eine herausragende visuelle Vielfalt und einen Cast, unter dem nicht bloß die Chemie stimmt, sondern der sichtbar für das brennt, was er tut, ohne sich dabei vereinzelt zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Doch im Vergleicht zu den Höhepunkten der „Star Wars“-Saga ist eine solche Zusammenfassung leider nur Durchschnitt.

Fazit: „Star Wars: Die letzten Jedi“ bestätigt nun zum ersten Mal die Befürchtungen, dass ein so flotter Veröffentlichungsrhythmus immer neu erscheinender Filme auch Nachteile haben kann. So hervorragend die Darsteller funktionieren und so perfekt die Effekte daherkommen, so zäh ist die Geschichte, bei der auch vereinzelte Überraschungen und viel Fanservice nicht verschleiern können, wie unausgegoren sie eigentlich ist.

„Star Wars: Die letzten Jedi“ ist ab dm 14. Dezember bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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