Daddy’s Home 2

Nachdem sich die bösen Mütter bereits in „Bad Moms 2“ zum gemeinsamen Weihnachtsfest verabredet haben, dürfen in DADDY’S HOME 2 auch die Väter ran. Und das gerät erstaunlich unterhaltsam. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Langweilig gegen cool. Spießig gegen lässig. Schusselig gegen souverän: Das Duell um den Titel als „Super-Dad“ haben der übervorsichtige Brad (Will Ferrell) und der draufgängerische Dusty (Mark Wahlberg) mittlerweile ausgefochten, auch wenn kleinere Sticheleien und Rivalitäten weiterhin an der Tagesordnung sind. Bis eines Tages ihre eigenen Väter vor der Tür stehen und die beiden sich wohl oder übel zusammenraufen müssen, um die Weihnachtsfeiertage zu retten. Denn sich gegen Dustys adrenalinstrotzenden Macho-Dad (Mel Gibson) und Brads übertrieben liebevollen und emotionalen Vater (John Lithgow) durchzusetzen, bedarf einiger Nerven und jeder Menge Männlichkeit. Ein aberwitziger Wettbewerb zwischen vier erwachsenen Männern beginnt…!

Kritik

Es kommt immer wieder mal vor, dass sich in Hollywood die Themenideen zufällig doppeln. Wir erinnern uns an „White House Down“ und „Olympus Has Fallen“, genauso wie die beiden ähnlich gestrickten RomComs „Freunde mit gewissen Vorzügen“ und „Freundschaft plus“. Nach den beiden Biopics über Winston Churchill, von denen „Churchill“ in diesem Jahr in die Kinos kam und Oscar-Anwärter „Die dunkelste Stunde“ Anfang Januar erscheinen wird, bieten sich auch die beiden Komödiensequels „Bad Moms 2“ und „Daddy’s Home 2“ an. Die Prämisse der ersten Filme ähnelte sich gar nicht so sehr: In „Bad Moms“ rebellierte eine Handvoll Mütter gegen die an sie gestellten Ansprüche, während sich in „Daddy’s Home“ der leibliche sowie der Stiefvater miteinander arrangieren musste. Die Fortsetzung dagegen baut auf exakt dieselbe Idee: Plötzlich stehen die Väter der Väter respektive die Mütter der Mütter vor der Tür, um gemeinsam mit ihren Zöglingen turbulente Weihnachten zu feiern. In „Bad Moms 2“ funktionierte die Idee solide, wenngleich nicht völlig konsequent – an die Heiligkeit des Weihnachtsfests schienen sich die Macher nämlich nicht heranzutrauen. „Daddy’s Home 2“ nimmt diese Rücksicht dagegen nicht – und macht in seiner puren Anarchie und ganz und gar unkonventionellen Festtagsstimmung ordentlich Laune.

Kurt (Mel Gibson), Dusty (Mark Wahlberg), Brad (Will Ferrell) geben dem kleinen Dylan (Owen Vaccaro) Nachhilfe in Sachen Frauen.

In Teil eins lieferte sich Mark Wahlberg („Ted 2“) alias Draufgänger-Daddy Dusty einen irren Kampf mit dem etwas verweichlichten Vorzeige-Stiefvater Brad, gespielt von Will Ferrell („Zoolander No. 2“), um die Gunst der beiden Kinder. Ohne einmal unter die Gürtellinie zu rutschen oder sich über seine Protagonisten lustig zu machen, überzeuge bereits „Daddy’s Home“ als zwar derbe, aber angenehm harmlose Comedy. Die pointierte Durchschlagkraft erlang der Film vorwiegend über seine mitunter vollkommen absurden Slapstick-Einlagen, etwa wenn sich der ehemals gar nicht so untalentierte Brad auf einer Halfpipe versucht und nach einer halsbrecherischen Aktion nur knapp mit dem Leben davon kommt. Das Pendant dazu liefert in „Daddy’s Home 2“ ein Schneepflug, der sich in einer Lichterkette verfängt und eine Reihe skurriler Geschehnisse in Gang setzt. So richtig realistisch ist auch das kaum; genauso wenig wie die Tatsache, dass Brad im ersten Teil mehrere Stromschläge eines Hochspannmastes überlebte. Doch ein wenig gewinnt man langsam den Eindruck, das „Daddy’s Home“-Franchise spiele ohnehin in seiner ganz eigenen Welt. Ob man diese mag, ist mehr denn je Geschmackssache, denn gerade der eher grobmotorisch angelegte (Körper-)Humor des hier auch als Produzent auftretenden Will Ferrell verhilft „Daddy’s Home 2“ zu einer ganz eigenen Note. Die bösen Mütter entsprachen da schon eher dem Mainstream, wenngleich beide Filmreihen auch interessante Figuren etablieren und obendrein mit Starappeal punkten konnten.

Mark Wahlberg und Will Ferrell, die in „Daddy’s Home 2“ häufiger mit, anstatt zuvor noch gegeneinander spielen dürfen, haben nicht bloß sichtbaren Spaß an ihren Rollen, sie erhalten mit Mel Gibson (Regisseur von u.A. „Hacksaw Ridge“) und John Lithgow („Die Erfindung der Wahrheit“) prominenten Zuwachs. Dabei fallen den beiden Männern nicht bloß völlig konträre Figurentypen zu (Gibson gibt den toughen Draufgänger, Lithgow den harmoniebedürftigen Knuddler), beide Darsteller spielen in der Komödie auch konsequent mit ihrem Image und ziehen es gleichsam genüsslich durch den Kakao. In Kombination mit Wahlberg und Ferrell ergeben sich dadurch herrlich verrückte Situationen, etwa wenn Dusty und sein Dad immer wieder die merkwürdigen Begrüßungs- und Kussrituale zwischen Brad und seinem Vater beäugen und kommentieren (müssen). Gleichzeitig sorgen die Großspurigkeit und das scheinbar völlige Unwissen darüber, wie man seine Kinder richtig erzieht, von Seiten Kurts für ebenso ungläubige Blicke: Ob Dustys Vater den Kleinen Nuttenwitze erzählt, oder der plötzlich eine Vorliebe für Waffen entwickelnden Tochter das Schießen beibringen will: Beide Väter bekleckern sich nicht mit Ruhm und manövrieren sich im großen Bogen am Prädikat „Durchschnittsdad“ vorbei; und je extremer diese Erkenntnis, desto lustiger wird es.

Sara (Linda Cardellini) und Dylan packen Geschenke ein.

Erzählerisch ist „Daddy’s Home 2“ eine stimmige Symbiose aus handelsüblicher Hollywood-Komödie und familientauglichem Weihnachtsfilm; dramaturgisch übrigens 1:1 aufgebaut wie der eingangs erwähnte „Bad Moms 2“. In einem Countdown werden die letzten fünf Tage vor dem Weihnachtsfest erzählt, die aus allesamt aus dem Ruder laufenden Ereignissen wie dem Schlagen des Weihnachtsbaums, dem Kauf von Geschenken oder das Schmücken des Hauses besteht. Zwischendrin nimmt sich der wiederkehrende Drehbuchautor und Regisseur Sean Anders („Kill the Boss 2“) die Zeit, um die Differenzen innerhalb beider Familien näher zu beleuchten. Es ist zwar auch dem Genre geschuldet, dass für allzu tiefschürfende Erkenntnisse hier kein Platz ist (Differenzen zwischen Vätern und Söhnen werden ebenso schnell vom Zaun gebrochen, wie auch später wieder geschlichtet), doch es reicht aus, um jede Figur im „Daddy’s Home“-Kosmos sukzessive in sein Herz zu schließen. Eh diese Erkenntnis dem Film letztlich jedoch zu mehr Kitsch verhilft, als es ihm gut täte, karrt Anders im Finale schließlich ein wahrlich untypisches Happy End an, das nicht bloß mit einem irrwitzigen Cameo auffährt, sondern sich auch als rührende Liebeserklärung an das Kino als Ort der Harmonie und des Zusammenkommens erweist.

Fazit: Adieu, besinnliche Weihnachtszeit! Der„Daddys Home 2“ ist quasi das männliche Pendant zur zahmen „Bad Moms“-Sause und punktet zur Feier des Tages nicht bloß mit einer hohen Gag-Trefferquote und dem Mut zur Imperfektion, sondern auch mit zwei (Groß-)Vätern, die das ohnehin absurde Daddy-Duo nochmal gehörig durcheinander bringen.

„Daddy’s Home 2“ ist ab dem 7. Dezember bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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