Jack Reacher: Kein Weg zurück

Tom Cruise ist einer der wenigen Schauspieler, mit dessen Namen man noch richtig werben kann. Entsprechend eng wurde die Filmhandlung von JACK REACHER: KEIN WEG ZURÜCK um den Hollywoodstar herum gestrickt. Fluch oder Segen? Das verrate ich in meiner Kritik.Jack Reacher: Kein Weg zurück

Der Plot

Jahre nachdem er sich aus dem Kommando einer Eliteeinheit der Militärpolizei zurückgezogen hat, wird der umherziehende Rächer Jack Reacher (Tom Cruise) von seinem alten Leben eingeholt. Als seine geschätzte Nachfolgerin im Amt, Major Susan Turner (Cobie Smulders), zu Unrecht der Spionage bezichtigt wird, setzt Reacher setzt alles aufs Spiel, um ihre Unschuld zu beweisen und die wahren Verantwortlichen hinter dem Mordan mehreren Soldaten zu entlarven. Dabei muss sich der top trainierte Hüne nicht bloß mit zwielichtigen Gestalten herumschlagen, sondern auch mit der Frage, ob die ins Visier der Schurken geratene Teenagerin Samantha (Danika Yarosh) seine leibliche Tochter ist…

Kritik

Das Kino des 21. Jahrhunderts ist voller Helden. Superhelden, Actionhelden, Animationshelden – wir Zuschauer finden es faszinierend, wenn einer etwas kann, was wir nicht können. Mittlerweile lassen wir die Heroen auch gemeinsam Abenteuer bestreiten („The Avengers“) oder sie im Extremfall sogar gegeneinander kämpfen („The First Avenger: Civil War“, „Batman v Superman“).  Hauptsache, wir können uns an den außergewöhnlichen Kräften eines Einzelnen erfreuen. Das funktioniert, solange die Helden ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Doch als wir Regisseur Edward Zwick („Bauernopfer – Spiel der Könige“) vor einigen Wochen zum ausführlichen „Jack Reacher“-Interview trafen, musste er schon ganz schön lange überlegen, bis er uns eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage geben konnte, was denn nun eigentlich das Alleinstellungsmerkmal seines Helden sei. Die 1997 von Lee Child geschaffene Romanfigur Jack Reacher definiert sich zwar über eine ausgeprägte Physis, eine große Schlagkraft und einen unbedingten Gerechtigkeitssinn, aber das tun nun mal auch die meisten anderen Actionfilm-Protagonisten. Welch ein Glück, dass Christopher McQuarrie, der Regisseur des ersten „Jack Reacher“-Films, damals Tom Cruise („Mission Impossible: Rogue Nation“) für die Hauptrolle gewinnen konnte. Mit dem nicht unbedingt für seine enorme Körpergröße bekannten Schauspieler entfernte sich McQuarrie zwar klar von der Vorlage und ob man in seinem Film nun Jack Reacher oder Ethan Hunt vor sich hat, wird auch nicht immer auf den ersten Blick deutlich. Doch von dem Starappeal des 54-jährigen (!) New Yorkers profitiert nun mal jeder Film.

Tom Cruise alias Jack Reacher nimmt wie in jedem Film die Sache selbst in die Hand.

Patrick Heusinger spielt den Jäger – leider deutet der Name des Schurken auch die Austauschbarkeit seiner Figur an.

Im Grunde haben „Jack Reacher“ und die Fortsetzung „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ ein exakt umgekehrtes Problem: Gefiel im ersten Teil immerhin der Grundkonflikt mitsamt Widersacher und Sidekick (Rosamund Pike), während Hauptfigur Jack Reacher nicht wirklich mit Wiedererkennungswert punkten konnte, gelingt es den Drehbuchautoren Richard Wenk („Die glorreichen Sieben“), Marshall Herskovitz („Last Samurai“) und Edward Zwick, in ihrem Film nun, den Charakter des Jack Reacher mehr in den Fokus zu rücken und sie immerhin in Teilen mit einem Profil zu versehen. Der Ex-Soldat zeichnet sich zwar immer noch vornehmlich durch eine gewisse Unnahbarkeit aus (was es bei einem vollständig auf seine Person zugeschnittenen Film bisweilen schwer macht, mit ihm mitzufiebern), doch mithilfe kleiner Gesten, der Interaktion mit Cobie Smulders („How I Met Your Mother“) und Newcomerin Danika Yarosh („Heroes Reborn“) sowie einem familiären Subplot erhält Reacher zunehmend menschliche Züge. Dagegen wirkt die Zeichnung der Schurken und die gesamte Thriller-Handlung wie ein Mischmasch aus diversen Ideen, die man alle irgendwie schon in Thriller-Franchises der Marke „Bourne“ oder „Bond“ zu sehen bekam. „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ bietet inhaltlich also absolut nichts Besonderes. Das was er aber bietet, ist immerhin auf handwerklicher Ebene sehr ordentlich geraten.

Der Fakt, dass Tom Cruise einen Großteil seiner Stunts selbst zu machen versucht, ist mittlerweile nicht bloß Filminsidern bekannt. Doch wie sehr ein Projekt von dieser darstellerischen Aufopferungsbereitschaft profitieren kann, zeigt sich in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ erneut mehr als deutlich. Die simplen, bodenständigen Kampf-Choreographien gefallen nicht bloß deshalb, weil sie sich zu jeder Zeit in einem (für Actionfilmverhältnisse) plausiblen Rahmen abspielen, sondern vor allem, weil durch den Verzicht auf Doubles eine angenehm ruhige Übersicht gewährleistet ist. Vom Trend zu das Geschehen nahezu unkenntlich gemachten Schnittgewittern, wie man sie zuletzt etwa in „Jason Bourne“ zu sehen bekam, sagen sich die Macher von „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ los. Auch die Actionszenen selbst reizen die Kreativität dahinter zwar nicht aus, doch die Verfolgungsjagden und Schießereien im Film wirken aufgrund ihrer Echtheit ebenso bedrohlich. Im Finale begeben sich Jäger und Gejagter dann auch in höhere Sphären – die Szenerie eines Halloween-Umzugs verleiht dem Film außerdem einen gewissen Bond-Charme (Stichwort: „Spectre“). Im Großen und Ganzen wirkt all das zwar absolut nicht bahnbrechend oder innovativ, bietet im Anbetracht der hohen Produktionsstandards aber genau das, was Liebhaber des Genres erwarten dürfen, wenn ihnen an zwei Stunden geradliniger Actionunterhaltung gelegen ist.

Jack Reacher versucht, herauszufinden, ob Samantha wirklich seine Tochter ist.

Jack Reacher versucht, herauszufinden, ob Samantha wirklich seine Tochter ist.

Neben Tom Cruise spielen in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ auch zwei Damen eine wichtige Rolle. Cobie Smulders beweist sich nach ihren Auftritten in „Agents of S.H.I.E.L.D.“ und „The Avengers“ erneut von ihrer knallharten Seite und steht ihrem männlichen Schauspielkollegen in nichts nach, wenn Widersacher aus dem Weg geräumt und Schurken über der Haufen geschossen werden müssen. Gleichzeitig bringen Smulders und die Newcomerin Danika Yarosh einen Großteil der Emotionalität im Film unter. Das klingt nach einem Klischee, doch Jack Reacher wurde bereits im ersten Film als insgesamt recht verschlossener Charakter etabliert. Im zweiten Teil gelingt es den Frauen, den Ex-Marine sogar ein Stück weit aus der Reserve zu locken. Die Interaktion zwischen den drei Hauptfiguren ist nicht nur sehr angenehm, sondern macht in entscheidenden Momenten auch richtig viel Spaß, wenn der mit seinen zwei Stunden ein wenig zu ausladend geratene Grundkonflikt für eine Weile beiseite geschoben wird und die menschlichen Entwicklungen untereinander in den Fokus gerückt werden. Patrick Heusinger („Black Swan“) bleibt als Bösewicht „The Hunter“ leider derart farblos, dass die Bedrohung für Reacher und sein Gefolge einzig und allein über die permanente Betonung ihrer selbst funktioniert. In den Zweikämpfen erweist er sich trotzdem als ebenbürtiger Gegner für Reacher und Susan Turner.

Fazit: Regisseur Edward Zwick bietet solide Blockbusterkost für den Hausgebrauch. Der stark von der Präsenz seines Hauptdarstellers Tom Cruise profitierende Actionthriller „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ punktet nicht über Originalität und Überraschung, sondern mittels seiner handwerklich starken, erzählerisch schnörkellosen Inszenierung.

„Jack Reacher: Kein Weg zurück“ ist ab dem 10. November bundesweit in den Kinos zu sehen.

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