Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft

In der deutschen Familienkomödie HILFE, ICH HAB MEINE ELTERN GESCHRUMPFT ist der Name Programm, wenn ein Teenie sich plötzlich mit seinen viel zu kleinen Eltern herumschlagen muss. Tricktechnisch gerät die Comedy charmant, inhaltlich dafür besonders austauschbar. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Es spukt wieder in der Schule von Felix (Oskar Keymer). Diesmal treibt aber nicht der wohlwollende Schulgründer Otto Leonhard (Otto Waalkes) sein Unwesen, sondern die verhasste und vor langer Zeit verstorbene Direktorin Hulda Stechbarth (Andrea Sawatzki). Ein Zufall lässt den seinerzeit geschrumpften und skelettierten Schülerschreck wieder auferstehen. Derweil ist Felix genervt von seinen Eltern (Axel Stein und Julia Hartmann). Denn kaum läuft es für ihn am Otto-Leonhard-Gymnasium unter der Leitung von Schuldirektorin Dr. Schmitt-Gössenwein (Anja Kling) so richtig gut, wollen seine Eltern mit ihm nach Dubai umziehen. Felix ist dagegen und wünscht sich, dass seine Eltern auch mal gezwungen sein sollten, das zu tun, was er will. Dieser Wunsch geht schneller in Erfüllung als Felix es erwartet hat, denn nach einem unfreiwilligen Aufeinandertreffen mit Hulda werden seine Eltern plötzlich geschrumpft. Auf einmal ist Felix derjenige, der sich um seine Eltern kümmern muss, was gar nicht so einfach ist. Gemeinsam mit seinen Freunden schmiedet er einen Plan, wie er seine Eltern wieder groß machen und die Schule vor Hulda retten kann…

Kritik

Wer es nicht besser wüsste, der könnte angesichts des aktuellen Kinoprogrammes auf die Idee kommen, dass sich da ein neuer Trend anbahnt: Neben Alexander Paynes futuristischer Tragikomödie „Downsizing“, in der Matt Damon und ein Haufen weiterer Hollywoodstars zwecks Umweltschonung am sogenannten Downsizing teilnehmen und sich auf Daumengröße schrumpfen lassen, präsentiert „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ der jüngeren Zielgruppe ein ähnliches Szenario. Auch hier werden große Menschen in kleine verwandelt, wenngleich das in Tim Tragesers Schul- und Familiencomedy weitaus weniger durchdacht vonstattengeht. Drehbuchautor Gerrit Hermans („Hexe Lilli rettet Weihnachten“), der auch schon das Skript zum Vorgänger „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“ verfasste, geht es nicht um einen hintersinnigen Kommentar auf Ressourcenknappheit, der Payne in „Downsizing“ mithilfe des Schrumpfens zu Leibe rücken will. Hier steht einzig und allein der Spaß an den verschobenen Größen- und damit verbundenen Machtverhältnissen im Mittelpunkt. Ein wenig Grusel und Spannung, Slapstick und Albernheiten sind auch dabei – doch das Endergebnis ist ebenso bieder wie uninteressant.

Felix (Oskar Keymer) traut seinen Augen nicht: Seine Eltern wurden geschrumpft!

Zugegeben: Einzig und allein auf dem versehentlichen Schrumpfen wollte sich schon Sven Unterwaldt Jr. im Vorgänger „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“ nicht ausruhen. Darüber hinaus handelte der Film – wie das Gros gängiger Familienfilme – auch vom Wert wahrer Freundschaft, von gegenseitigem Vertrauen und besaß obendrein eine amtliche Portion Gruselcharme. „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ geht anders als der Auftaktfilm auf kein Buch zurück. Doch da der erste Teil mit über einer Million Zuschauern zu einem Achtungserfolg avancierte, ist die Weiterführung eine wirtschaftliche Pflicht. Dass man sich vorwiegend auf die Erfolgszutaten des ersten Teils besinnt, verhilft der Komödie jedoch nicht unbedingt zu Eigenständigkeit. Erneut entsteht ein Großteil des Humors daraus, wie sich die geschrumpften Figuren (in diesem Fall Felix‘ Eltern) in der viel zu großen Welt zurecht zu finden versuchen. Dabei werden Alltagsgegenstände zweckentfremdet und der ihnen zuvor unterlegene Sohn wird plötzlich zur einzigen Rettung für das geschrumpfte Ehepaar. Exakt so funktionierte schon „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“ – nur eben mit der mittlerweile recht sympathischen Schuldirektorin Dr. Schmitt-Gössenwein. Dass mehrere Filme innerhalb einer Reihe nach ähnlichem Muster funktionieren, wäre erst einmal weder besonders neu, noch schlimm, sofern die Umsetzung funktioniert. Leider findet sich am Drumherum wenig, womit sich selbst als Kind etwas anfangen ließe.

Zwischen vereinzelten Humor-Lichtblicken wie die optisch ansprechend in Szene gesetzte Morgentoilette der Eltern, die in Sneakern schlafen, sich in Zahnputzbechern duschen und anschließend mit dem Gesicht voraus in eine riesige Cremedose fallen, versucht sich eine Geschichte zu entwickeln, die auf der einen Seite abgegriffener kaum sein könnte, sich auf der anderen indes als bemüht hip bei den Jugendlichen anzubiedern versucht. Der Plot um Felix‘ Eltern, die mit dem Gedanken spielen, aus Jobgründen nach Dubai auszuwandern, existiert einzig und allein, um nach den turbulenten Ereignissen den eigentlichen Zusammenhalt heraufzubeschwören, während diverse Differenzen zwischen Felix und seinen Freunden nur vereinzelt für Spannung sorgen. Dass hier am Ende alles auf eine größtmögliche Harmonie zusteuert, wäre im Anbetracht des Genres noch nicht einmal schlimm, ließe Autor Hermans nicht so oft beliebig Handlungsfäden fallen. Neben dem sehr geradlinigen Verlauf der Geschichte und den holzschnittartigen Figuren rückt die den Film eigentlich von anderen ihrer Art abhebende Prämisse des Schrumpfens fast schon in den Hintergrund. „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ wird so zu einem x-beliebigen Familienabenteuer, dessen beschworene Harmonie sich mit den eingeschobenen Gruselmomenten beißt.

Andrea Sawatzki hat zwar sichtlich Spaß an ihrer Rolle der Direktorin Hulda Stechbarth, könnte mit ihrer zombieähnlichen Art aber gerade junge Zuschauer verschrecken.

Als wäre die für Neueinsteiger in die Reihe ohnehin kaum verständliche Idee rund um die skelettierte, sich später wie ein Zombie fortbewegende Direktorin Hulda Stechbarth (die Andrea Sawatzki immerhin mit sichtbar viel Spaß am Irrsinn verkörpert) sowie den Schulgeist Otto Leonhard nicht schon abgefahren genug, liefern sich die beiden nicht bloß untereinander haarsträubende Scharmützel, sondern auch mit den anwesenden Schülern. Andrea Sawatzki („Casting“) dabei zuzusehen, wie diese mit knirschenden Knochen und absurde Grimassen schneidend durch das Schulgebäude spaziert und dabei möglichst unauffällig Konversation zu pflegen versucht, ist als Erwachsener zwar tatsächlich recht komisch – zumal sich eine überraschende Ähnlichkeit zwischen der Schauspielerin und Otto Waalkes („Kartoffelsalat“) feststellen lässt, deren Gesichter sich im Film immer mal wieder überlagern. Für die jungen Zuschauer erweckt Sawatzkis Äußeres allerdings einen fast schon surrealen und damit unangenehm morbiden Eindruck. Auch Ottos typische Comedian-Attitüde passt nur bedingt zu seiner Rolle, der sich aber immerhin Leidenschaft attestieren lässt. Ganz anders einem Großteil der jungen Darsteller, unter denen Oskar Keymer („Conni & Co 2“) noch am souveränsten aufspielt. Das mag auch an den bemüht auf Jugendslang geschriebenen Dialogen legen, die das Skript ihm und seinen Kollegen in den Mund legt. Es ist nicht bloß schwer vorstellbar, dass Felix und seine Freunde jeden morgen lässig mit dem Skateboard zur Schule cruisen, sondern auch, dass sie sich genau so unterhalten, wie sie es hier tun. Irgendwie passt in „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ kaum etwas so richtig zusammen.

Fazit: „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ hat ein paar ganz nette Ideen, die sich zwangsläufig aus den verschobenen Größenverhältnissen geschrumpfter Menschen und ihrer Umgebung ergeben. Davon einmal abgesehen, irritieren die Gruselmomente, während die beschworene Harmonie vor allem langweilt.

„Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ ist ab dem 18. Januar in den deutschen Kinos zu sehen.

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