Jumanji: Willkommen im Dschungel

Dem Remake des Abenteuerklassikers „Jumanji“ gingen große Befürchtungen voraus – völlig zu Unrecht. Die modernisierte Neuauflage JUMANJI: WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL ist ein ebenso harmloses wie launiges Abenteuer, über das sich auch Hardcore-Fans der Vorlage kaum aufregen dürften. mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Beim gemeinsamen Nachsitzen im Schulkeller entdecken die vier Teenager Bethany (Madison Iseman), Spencer (Alex Wolff), Fridge (Ser’Darius Blain) und Martha (Morgan Turner) unter all dem Gerümpel eine alte Spielkonsole. Auch ein Videospiel ist mit dabei, doch von „Jumanji“ hat keiner von ihnen je etwas gehört. Als Spencer sich an dem Game probiert, ertönen aus der Ferne plötzlich Trommelschläge und schon im nächsten Moment werden die Teens in das Spiel hineingesaugt. Hier müssen sie in den Körpern von Avataren (Jack Black, Dwayne Johnson, Kevin Hart und Karen Gillan) ein aufregendes Abenteuer bestehen, um ein einsames Dschungelparadies von einem alten Fluch zu befreien. Dabei bekommt es die Gruppe mit allerlei zwei- und vierbeinigen Widersachern zu tun, wächst aber auch zu echten Freunden zusammen…

Kritik

Ein Film wie „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ passt eindeutig in diese Zeit; und damit ist nicht die ewig gleiche Leier darüber gemeint, dass Hollywood heutzutage alles remaket, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist (auch wenn das stimmt). Vielmehr zeichnet sich seit einigen Monaten ein angenehmer Trend in Richtung niveauvoll-harmloser Kinobespaßung ab. Nach einem scheinbar inoffiziellen Wettkampf, in welchem sich Filmemacher und Drehbuchautoren von US-Comedys gegenseitig in der Verwendung von Gags unter der der Gürtellinie und möglichst viel Fäkal-Vokabular zu übertreffen versuchten, ist es an vorderster Spaßmacher-Front der amerikanischen Traumfabrik mittlerweile deutlich ruhiger geworden. Davon profitieren gerade Neuauflagen von bekannten Stoffen (Stichwort: „Baywatch“ oder jetzt eben „Jumanji“), denn auch wenn es vielleicht vor ein bis zwei Jahrzehnten bereits ein wenig schlüpfrig zuging, gefällt es schon, zu sehen, wenn die Inszenatoren von heute den familientauglichen Tonfall von einst beibehalten. „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ ist ein Family-Abenteuer im besten Sinne, denn obwohl sich dem Film sicherlich nicht die größte inhaltliche Substanz nachsagen lässt, ist er letztlich doch ein riesiger Spaß für alle Altersklassen und geht außerdem sehr liebevoll mit der Vorlage um.

Martha wird zu Karen Gillan, Bethany zu Jack Black, Fridge zu Kevin Hart und Spencer zu Dwayne Johnson.

Lange war nicht klar, ob es sich bei „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ nun um ein Remake, oder um ein Sequel des Films aus dem Jahr 1995 handeln solle; eine Fortsetzung, die viele Jahre nach dem letzten Teil angesiedelt ist, würde ebenso zum aktuellen Kinotrend passen, wie eine Neuauflage, doch letztlich ist die 2017er-Version von Joe Johnstons beliebtem Abenteuerfilm eine Mischung aus beidem geworden. „Jumanji“ endete damals damit, dass das gleichnamige Brettspiel im Jahr 1995 an einen Strand geschwemmt wird und von dort aus Spaziergänger zu sich lockt. In der Eröffnungsszene des neuen Films sehen wir das Spiel nun genau dort wieder liegen, doch anstatt mit einem Brettspiel haben wir es hier naheliegenderweise mit einem Videogame zu tun, denn – so ehrlich müssen selbst die nostalgischsten Verehrer des Originals sein – eine im Hier und Heute angesiedelte Geschichte über Teenager zu erzählen, die mit Neugier und Feuereifer ein Brettspiel für sich entdecken, würde sich wohl kaum mehr glaubhaft erzählen lassen. Trotzdem ist es einer der ersten Gags, zu sehen, wie sich in der riesigen Spieleverpackung eben nicht das Jumanji-Brett befindet, sondern lediglich eine Konsolendisc; doch in Sachen Modernisierung soll es das dann auch schon gewesen sein, denn viel mehr Zugeständnisse an eine Änderung unser aller Sehgewohnheiten macht der Film nicht. Stattdessen orientiert er sich am Abenteuerfilmrhythmus der Vorlage, dreht allerdings den Spieß um – anstatt die Spielfiguren in diese Welt zu holen, wird die Protagonistenclique ins Spiel hineingesaugt. Dem Spaß tut das allerdings keinen Abbruch.

Während der Auftakt von „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ noch ein wenig klischeehaft und schwerfällig ausfällt (eine Gruppe zufällig zusammengewürfelter Teenager dabei zuzusehen, wie sie nach und nach zum Nachsitzen verdonnert wird, gab es von „Breakfast Club“ bis hin zu „Power Rangers“ einfach schon viel zu oft zu sehen), drückt Regisseur Jake Kasdan („Sex Tape“) mit dem Schauplatzwechsel mächtig aufs Gas. Nach kurzer Eingewöhnungszeit an die neuen Avatar-Körper und das Entdecken der einzelnen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen (Stichwort: Kuchen!), begibt sich das Quartett auf den Weg in Richtung Dschungeldickicht, wo es fortan in regelmäßigen Abständen mit allerlei Widersachern konfrontiert wird. Der Erzählrhythmus, der wie bei einer Schnitzeljagd aus Durch-den-Dschungel-Laufen, Aufgabe meistern und das Suchen der nächsten Aufgabe besteht, bietet den Charakteren zwar wenig Raum zur Entfaltung. Auch erzählerisch ist „Jumanji“ vornehmlich auf kurzweiliges Entertainment ausgelegt und lässt Raffinessen konsequent vermissen. Gleichzeitig ist die Abenteuerkomödie aber auch völlig frei von Längen und funktioniert so ganz ohne Handlungsballast letztlich doch als das am besten, als was sie ohnehin konzipiert ist. Die Gruppe aus vier Drehbuchautoren, darunter Chris McKenna („Community“) und Erik Sommers („Spider-Man: Homecoming“), legt den Schwerpunkt auf eine kurzweilige Mischung aus actiongeladener Spannung und figureninternem Spaß und schafft es, dass sich trotz des wiederkehrenden Dramaturgie-Musters nicht das Gefühl der Wiederholung einschleicht, während man sich gen Ende sogar traut, einige familienfilmuntypischen Handlungsschlenker zu wählen, die dem Film fernab allzu generischer Happy Endings zusätzlich Persönlichkeit verleihen.

Ruby Roundhouse ist eine fantastische Martial-Arts-Kämpferin.

Für Letzteres sorgen auch die Schauspieler. Nach dem Tod von Robin Williams schien die Diskussion um die Sinnhaftigkeit einer „Jumanji“-Fortsetzung für eine kurze Zeit besonders hoch zu kochen; mit der Auswahl der vier Hauptdarsteller Dwayne Johnson („Baywatch“), „Jack Black („Gänsehaut“), Kevin Hart („Central Intelligence“) und Karen Gillan („Guardians of the Galaxy: Vol. 2“) fahren die Macher hervorragend, denn nicht bloß die Chemie innerhalb dieses Quartetts ist hervorragend. Sie alle bringen genügend Selbstironie mit, um die mitunter absurden Handlungsideen liebevoll zu erden und gleichzeitig das Augenzwinkern nicht zu vergessen. Selbige zudrücken muss man indes hin und wieder bei den Effekten. Wenngleich „Jumanji“ ein tolles Szenenbild besitzt, das die meiste Zeit über den Eindruck erweckt, der Film sei tatsächlich an Originalschauplätzen gedreht worden, fügen sich die Computerelemente teilweise nur bedingt in die haptische Umgebung ein. Bei den animierten Tieren geht das im Anbetracht der Prämisse, dass wir es hier ohnehin mit einem Computerspiel zu tun haben, noch in Ordnung. Doch spätestens wenn Dwayne Johnson auf einem Motorrad einen fast senkrechten Felsvorsprung entlangfährt, geben Greenscreen und CGI sichtbar einander die Hand. Auf der anderen Seite sind da aber auch Momente wie ein riskantes Hubschrauber-Manöver, das sich auf der großen Leinwand sehen lassen kann; wenn ein „Valerian“ die Shortlist der „Besten Effekte“ bei den Oscars entern konnte, dann „Jumanji“ erst recht.

Fazit: Allen Befürchtungen zum Trotz ist „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ eine absolut kurzweilige Abenteuerkomödie geworden, in der überdurchschnittlich viele Gags zünden. Daran trägt auch die sympathische Besetzung Mitschuld, genauso wie das nahezu ballastfreie Skript. Erzählerisch muss man allerdings auf Raffinessen verzichten, während die Qualität der Effekte von „richtig stark“ bis „furchtbar“ reicht.

„Jumanji – Willkommen im Dschungel“ ist ab dem 21. Dezember bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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