Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Mit HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER schafft es nach dem total vermurksten Rotkäppchen („Red Riding Hood“) und einem schon annehmbareren Schneewittchen („Snow White and the Huntsman“) nun eine weitere Grimm-Story auf die Kinoleinwände. Und zwar in Form eines actiongeladenen Splatterfestes, das die Märchenbrüder sich im Grabe umdrehen lässt. Ob aus Frust oder vor Freude, das verrät meine heutige Kritik. 

Hänsel & Gretel: Hexenjäger

Der Plot

Einst wurden die Geschwister Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) von ihrem Vater im Wald ausgesetzt. Ganz wie die Gebrüder Grimm es schon erzählten, trafen die beiden auf ein Knusperhäuschen, wurden gefangen genommen und schafften es schließlich mit List, die Hexe in ihrem eigenen Ofen zu verbrennen. Etliche Jahre später sind aus den Geschwistern knallharte Hexenjäger geworden, die mit jeder Menge Handwerkszeug und fiesen Ideen den Viechern den Garaus machen. So  kommt es, dass die zwei vom Augsburger Bürgermeister angeheuert werden, die finstere Hexe Muriel (Famke Janssen) zur Strecke zu bringen, die für die kommende Blutmond-Nacht die Opferung vieler, armer Kinderseelen plant. Mithilfe des übereifrigen Fans Ben (Thomas Mann), der von einem Geheimnis umgebenen Mina (Joanna Kulig)  und einem Ork namens Edward nehmen es Hänsel und Gretel mit einer Hexenschar auf, von der sie so nie zu träumen wagten.

„Don’t Eat the F*&@ing Candy!“

Kritik

Mit „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ ging Regisseur Tommy Wirkola ein großes Wagnis ein. Auf der einen Seite bediente sich der Regisseur, der mit dem Streifen seine erste internationale Produktion feiert, mit dem Grimm’schen Märchen eines Stoffes, der schon vielfach verfilmt wurde und dessen Verlauf auch nur jedem halbwegs Märchen-affinen Bücherwurm bekannt ist. Auf der anderen Seite entschied er sich mit der hier dargebrachten Neuauflage der Story für eine Neuinterpretation, die in ihrer Form eigentlich gar keine Basis in Form des klassischen Märchens gebraucht hätte. Dank dieser Kombination gewinnt der Streifen bereits von vornherein an Skurrilität, wodurch ihm eine gewisse Aufmerksamkeit sicher ist. Ein Splatter auf Basis eines Kinderbuchs: Die Idee ist zugleich gewagt wie interessant.

Das offenkundige Potential des Drehbuchs weiß Wirkola zu Beginn leider nicht vollständig auszuschöpfen, sodass gerade die Anfangsphase enttäuscht. Man sparte merklich an Ironie und es fehlt der Witz, für den das Skript eigentlich wie gemacht zu sein scheint. Für einen Streifen mit dem Titel „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ nimmt sich vor allem die erste halbe Stunde viel zu ernst, als dass sich das wohlige Gefühl eines gelungenen Mash Up-Films einstellen könnte. Der Charme dieser Streifen zieht sich aus der wohlgewählten Mischung aus Verneigungen vor dem Original, kessen Ironisierungen, Witz und dem Einbringen innovativer Ideen. Trash sollte „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ offenbar nicht werden doch für einen ernst zu nehmenden Hollywood-Actioner ist die Szenerie dann doch wieder zu absurd. Würde man den Streifen anhand der ersten 30 Minuten beurteilen, müsste sich die erste, richtig große Regiearbeit von Tommy Wirkola (leider!) das Prädikat „gescheitert“ aufdrücken lassen müssen. Doch glücklicherweise nimmt nicht nur die Handlung ab dem zweiten Drittel merklich an Fahrt auf. Auch die Darsteller scheinen sich langsam einzugrooven und irgendwer zog hier gewaltig an der Gag- und Splatterschraube. Allen voran Sidekick Ben, verkörpert von einem herrlich durchgeknallten Thomas Mann („It’s Kind of a funny Story“, „Project X“), weiß dank seines akzentuierten Spiels zu gefallen und sorgt dafür, dass man seine trottelig ausgelegte Figur eines waschechten Hänsel und Gretel-Fans im Laufe der Zeit ins Herz schließt.

Dabei hält „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ immer müheloser die Waage zwischen blutiger Actionkost und spitzzüngigen Pointen, während auch die eher als Alibi für den Spaß angelegte Story im Laufe der Spielzeit sympathische Züge annimmt. Dennoch kann man auf Basis der Handlung keine allzu tiefgründigen Twists erwarten, geschweige denn überhaupt etwas, das dazu verleitet, den Streifen ernst zu nehmen. Ab dem Moment, in welchem Wirkola sich dieser Stärken des Buches bewusst wird, wird deutlich, dass ein Ruck der Dynamik durch die Produktion geht. Lässt sich nun auch das Publikum auf derart flache Unterhaltung ein, wird aus „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ ein großer Spaß. Auch der hervorragend genutzte 3D-Effekt trägt einen Großteil dazu bei und rechtfertigt den Aufschlag an der Kinokasse endlich mal wieder.

Die Darstellerleistungen der Hauptakteure werden ansehnlicher, je abgedrehter die Story wird. Während sich Jeremy Renner („Marvel’s The Avengers“, „Das Bourne Vermächtnis“) bis an die Zähne mit witzigen Hexenjagd-Gadgets und diversen Schießeisen bewaffnet ansehnliche Fights mit den Hexen liefert, meint man, das Funkeln in seinen Augen zu sehen, da ihm die Dreharbeiten einen ungeheuren Spaß machten, wie er in mehreren Interviews bereits berichtete. Seine Kollegin Gemma Arterton („Immer Drama um Tamara“, „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“) glänzt als attraktive Jägerin in knallengen Outfits und gibt daher vor allem für die männliche Zuschauerschaft eine äußerst ansehnliche Gretel ab. Unter den Antagonisten, sprich Hexen, sticht vor allem Famke Janssen („GoldenEye“, „96 Hours“) als ebenso schöne wie blutrünstige Muriel hervor. Dank einer gelungenen Mischung aus CGI-Effekten und waschechten Make Up-Künsten nimmt man der sich verwandelnden Schönheit beide Seiten ihres Charakters ab und lernt, ihre perfide Art zu genießen.

In Sachen Effekte ließen es die Macher allen voran im Showdown ordentlich krachen. Da wird geschossen, geköpft und gemeuchelt was das Zeug hält. Immer mit dabei: jede Menge Blut. Zimperlich geht es hier nicht zu. Eine FSK-Bewertung ab 16 dürfte daher nicht unbedingt sicher sein. Gleichzeitig wird das Blutvergießen hier derart übertrieben in Szene gesetzt, dass sie auch nicht meilenweit entfernt scheint. 

Fazit: „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ ist ein kurzweiliger Splatterspaß für alle, denen es nicht schwer fällt, ihr Gehirn für eineinhalb Stunden an der Kinokasse abzugeben. Die Effekte können sich sehen lassen, den Darstellern bei ihrer kreativen Art, Hexen zu vernichten, zuzuschauen, macht jede Menge Spaß und das 3D ist gelungen. Das große Finale entschädigt weitestgehend für die sehr schwache, erste halbe Stunde. Zudem hätte man sich trotz der Steigerung mehr Biss und Ironie in der Inszenierung gewünscht, weshalb „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ sicherlich keine Chance auf einen etwaigen Kultstatus hat. Daran hindert ihn auch eine mehr als gezwungen wirkende Lovestory-Inszenierung, die als einer von mehreren Handlungssträngen der einzige ist, den man so ruhig hätte streichen können.

„Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ startet am 28. Februar bundesweit in den Kinos.