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Das startet am 18. Januar 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 18. Januar 2018, der einen ganzen Schwung awardrelevanter Filme bereithält. Alexander Paynes „Downsizing“ hat allerdings nicht umsonst einen Backlash erlitten, während das Churchill-Portrait „Die dunkelste Stunde“ auch neben der Performance von Gary Oldman Einiges zu bieten hat. Nach seiner Aufführung auf dem Fantasy Filmfest ist der Thriller „It Comes at Night“ auch endlich regulär in den Kinos zu sehen, während die Actionkomödie „Hot Dog“ bislang nicht der Presse gezeigt wurde. Mehr zu diesem Film gibt’s allerdings schon morgen an dieser Stelle.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE DUNKELSTE STUNDE  | Regie: Joe Wright | UK 2017

Mai 1940: Das anfängliche Kriegsglück der Nazis stürzt die britische Regierung in eine existenzielle Krise, Premierminister Chamberlain tritt zurück. Nur dem reichlich unpopulären Winston Churchill traut man zu, die scheinbar ausweglose Lage in den Griff zu bekommen. Er übernimmt das Amt, sieht sich aber bald von Öffentlichkeit und Regierungsmitgliedern bedrängt, mit den scheinbar unaufhaltsamen Nazis über einen Friedensvertrag zu verhandeln. Doch durch seine außerordentliche Weitsicht und Integrität gelingt es Churchill dennoch, an seiner Überzeugung festzuhalten und für die Freiheit seiner Nation zu kämpfen. Als die Luftschlacht um England entbrennt und die deutsche Invasion droht, wenden sich das überrumpelte britische Volk, der skeptische König und sogar seine eigene Partei von Churchill ab. Wie soll es ihm so gelingen, den Lauf der Weltgeschichte zu ändern? 

Der Oscar als Bester Hauptdarsteller wird Gary Oldman für seine spektakuläre Performance in „Die dunkelste Stunde“ nicht mehr zu nehmen sein. Doch auch davon einmal abgesehen, ist der überraschend leichtfüßig inszenierte Film eine Sternstunde des modernen Politkinos auf einem hohen technischen Niveau.


IT COMES AT NIGHT | Regie: Trey Edward Shults | USA 2017

Das Ende der Welt. Eine tödliche Infektionskrankheit hat fast alles Leben auf der Erde ausgelöscht. Der siebzehnjährige Travis und seine Eltern Paul und Sarah gehören zu den letzten Überlebenden. Schwer bewaffnet leben sie in einem einsamen Haus im Wald. Getrieben von Angst und Paranoia versucht die Familie, mit ihren spärlichen Vorräten zu überleben, als ein verzweifeltes junges Paar mit seinem kleinen Sohn bei ihnen Schutz sucht. Trotz ihrer guten Absichten, sich gegenseitig zu helfen, rücken die Schrecken der Außenwelt immer näher. Sie haben tiefe Spuren in den Seelen der Menschen hinterlassen, so dass bald Panik und Misstrauen zwischen den beiden Fa-milien regieren. Denn jeder kann die Krankheit in sich tragen und zur tödlichen Bedro-hung werden. Wie weit wird Paul gehen, um Frau und Sohn zu schützen? 

Der nobel besetzte Genrefilm „It Comes at Night“ ist kein Horrorschocker klassischer Aufmachung und punktet nicht über reißerische Jumpscares, sondern vor allem über eine beklemmende Kammerspielatmosphäre, die sich mühelos zuspitzen kann, ohne dass „es“ tatsächlich nachts kommt.


DIE ANFÄNGERIN  | Regie: Alexandra Sell | DE 2017

Mit 58 Jahren ist Annebärbel Buschhaus in ihrem Leben erstarrt wie ein Eisblock. Als Ärztin zeigt sie wenig Mitgefühl, als Ehefrau wenig Liebe. In ihrer freudloser Welt zählt nur eins: Die Meinung ihrer perfektionistischen Mutter Irene, die mit Kritik an Annebärbels Fähigkeiten als Ärztin, Tochter und Ehefrau nicht hinter dem Berg hält. Nichts was sie tut, ist gut genug für Irene. Erst recht nicht, seit sie ihre Arztpraxis übernommen hat. Als Annebärbel auch noch kurz vor Weihnachten von ihrem Mann Rolf verlassen wird, bricht ihr sorgsam errichtetes Kartenhaus zusammen. Sie flüchtet sich während der Weihnachtsfeiertage in die Arbeit. Beim nächtlichen Bereitschaftsdienst an der Eishalle des Olympiastützpunktes Berlin offenbart sich der Ärztin eine Welt voller Eleganz, Leichtigkeit und Freiheit, die sie bereits als Kind begeisterte und von der sie nun aufs Neue magisch angezogen wird.  

Alexandra Sells Tragikomödie „Die Anfängerin“ ist eine technisch unauffällige, dafür emotional breit aufgestellte Studie über das Scheitern, die mit der fantastisch aufgelegten Ulrike Krumbiegel eine perfekte Hauptdarstellerin gefunden hat.

MARLINA – DIE MÖRDERIN IN VIER AKTEN  | Regie: Mouly Surya | IDN 2017

Indonesien. Ein Mann auf einem Motorrad erreicht eine abgelegene Hütte. Er verkündet der dort allein lebenden, jungen Frau Marlina (Marshy Timothy), dass schon bald sechs seiner Freunde hier eintreffen werden, um ihr Geld und all ihr Vieh zu stehlen und – wenn Zeit bleibt – sie im Anschluss zu vergewaltigen. Schließlich habe Marlina Schulden bei den Männern. Zunächst einmal hätte er aber gerne Hühnersuppe zum Abendessen. Marlina macht sich auf den Weg in die Küche. Hühnersuppe wird es geben, wie von ihr verlangt wurde. Gleichzeitig könnte in diesem Rezept ihr Weg in die Freiheit liegen. Und etwas besonders Scharfes zum Nachtisch gibt es obendrein, was sie auf einen beschwerlichen Weg in Richtung Selbstbestimmung führt. 

„Marlina – Die Mörder in vier Akten“ ist ein blutiger Western über eine junge Frau, die sich stellvertretend für ihre Geschlechtsgenossinnen von der jahrelangen Unterdrückung freispricht und dabei einen Weg geht, wie ihn zuletzt Quentin Tarantinos Braut in „Kill Bill“ angetreten hat.


DER ANDERE LIEBHABER  | Regie: François Ozon | FR/BEL 2017

Als sich die attraktive Chloé (Marine Vacth) in ihren Psychotherapeuten Paul (Jérémie Renier) verliebt, scheinen all ihre Probleme gelöst. Sie zieht mit ihm zusammen, schmiedet Zukunftspläne und denkt sogar an Kinder und Hochzeit. Doch schon bald merkt sie, dass er ihr etwas verheimlicht. Durch Zufall entdeckt Chloé, dass Paul einen Zwillingsbruder hat, der ebenfalls Therapeut ist. Weshalb ihr Freund ihr das bislang verheimlich hat, dazu schweigt er beharrlich. Von Neugier getrieben begibt sie sich bei ihm in Behandlung und ist geschockt: Obwohl er ihm äußerlich aufs Haar gleicht, ist Louis (ebenfalls Jérémie Renier) das völlige Gegenteil seines Bruders – arrogant, zynisch und besitzergreifend. Trotzdem fühlt sich Chloé von ihm angezogen und gerät in ein gefährliches Geflecht aus Begierde und Täuschung. 

François Ozons Erotikthriller „Der andere Liebhaber“ ist ein leidenschaftliches Verwirrspiel, das am besten funktioniert, wenn man in die symbolisch aufgeladene Szenerie möglichst wenig hineininterpretiert und erst recht nicht auf Logik besteht.


DOWNSIZING  | Regie: Alexander Payne | USA 2017

Downsizing

Die Ressourcen der Erde neigen sich dem Ende zu und der Planet platzt aus allen Nähten. Um das Problem der Überbevölkerung zu lösen, haben norwegische Wissenschaftler eine Methode entwickelt, mit der sie Menschen schrumpfen und somit ihre Bedürfnisse und ihren Konsum enorm verringern können. Ein zwölf Zentimeter kleiner Mensch verbraucht schließlich weniger Wasser, Luft und Nahrung als ein großer. In der Hoffnung auf ein glücklicheres und finanziell abgesichertes Leben in einer besseren Welt entscheiden sich Durchschnittsbürger Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig), ihr stressiges Leben in Omaha hinter sich zu lassen und ihr großes Glück in einer neuen „geschrumpften“ Gemeinde zu suchen. Eine Entscheidung, die ein lebensveränderndes Abenteuer bereithält… 

Alexander Paynes Tragikomödie „Downsizing“ beginnt vielversprechend und hat vor allem optisch Einiges zu bieten. Erzählerisch geht dem Film allerdings in der zweiten Hälfte merklich die Luft aus und bietet letztlich nicht mehr als Bekanntes in neuer Aufmachung.


HOT DOG  | Regie: Torsten Künstler | DE 2018

Luke (Til Schweiger) ist ein knallharter GSG-10-Ermittler. Theo (Matthias Schweighöfer) ist ein schüchterner Nerd mit einem fotografischen Gedächtnis, der mehr sein möchte als nur ein Schreibtisch-Cop und daher permanent um Versetzung in den Außendienst bittet. Und gemeinsam stehen die beiden vor der Wahnsinnsaufgabe, die schöne Präsidententochter Mascha (Lisa Tomaschewsky) aus den Händen ihrer Entführer zu befreien, die durch ihr eigenes Verschulden in die Hände der Gagster gefallen ist. Unterstützt von der smarten Computerexpertin Nicki (Anne Schäfer) stürzt sich das ungleiche Duo sich in eine wilde Jagd voller Katastrophen – und dass Theo total in Mascha verknallt ist, macht die Sache nicht gerade einfacher! 

Als zweifesfrei professionell produzierte Komödie ist „Hot Dog“ zum Scheitern verurteilt. Als Actionkrimi mit kleinen humoristischen Spitzen funktioniert Torsten Künstlers Arbeit dann schon deutlich besser. Dazu tragen auch Til Schweiger und allen voran Matthias Schweighöfer bei, die wie so oft eine stimmige Chemie an den Tag legen.


 HILFE, ICH HAB MEINE ELTERN GESCHRUMPFT  | Regie: Tim Trageser | DE 2018

Es spukt wieder in der Schule von Felix. Diesmal treibt aber nicht der wohlwollende Schulgründer Otto Leonhard sein Unwesen, sondern die verhasste und vor langer Zeit verstorbene Direktorin Hulda Stechbarth. Ein Zufall lässt den seinerzeit geschrumpften und skelettierten Schülerschreck wieder auferstehen. Derweil ist Felix genervt von seinen Eltern. Denn kaum läuft es für ihn am Otto-Leonhard-Gymnasium unter der Leitung von Schuldirektorin Dr. Schmitt-Gössenwein so richtig gut, wollen seine Eltern mit ihm nach Dubai umziehen. Felix ist dagegen und wünscht sich, dass seine Eltern auch mal gezwungen sein sollten, das zu tun, was er will. Dieser Wunsch geht schneller in Erfüllung als Felix es erwartet hat, denn nach einem unfreiwilligen Aufeinandertreffen mit Hulda werden seine Eltern plötzlich geschrumpft. 

„Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ hat ein paar ganz nette Ideen, die sich zwangsläufig aus den verschobenen Größenverhältnissen geschrumpfter Menschen und ihrer Umgebung ergeben. Davon einmal abgesehen, irritieren die Gruselmomente, während die beschworene Harmonie vor allem langweilt.


DAS MILAN PROTOKOLL | Regie: Peter Ott | DE 2018

Erzählt wird die Geschichte der deutschen Ärztin Martina, die in der kurdischen Region im Norden Iraks an der Grenze zum „Islamischen Staat“ für eine deutsche Hilfsorganisation arbeitet. Bei einer Grenzfahrt wird Martina von einer mit dem IS verbundenen sunnitischen Gruppe gekidnappt, weil diese einen Waffentransport vermutet. Diese Geiselnahme entwickelt sich zu einem packenden Wechselspiel, in dem alle Akteure -IS, PKK, die sunnitischen Stämme und die deutschen und türkischen Geheimdienste – ihre eigenen politischen Interessen verfolgen und versuchen irgendwie durchzusetzen. Nach ihrer Befreiung durch Kontakte des BND wird sie von dem deutschen Geheimdienstmitarbeiter Moses über die Zeit in Gefangenschaft befragt, wobei wiederum nicht klar ist, welche Rolle Moses tatsächlich in dieser Geschichte spielt.


Heimkinotipp: IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT  | Regie: Bonni Cohen, Jon Shenk | USA 2017

Etwas mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit die unkonventionelle Dokumentation von und mit Al Gore, „Eine unbequeme Wahrheit“, die Klimakrise in die Köpfe und Herzen der Menschen gebracht hat. Jetzt zeigt die fesselnde und mitreißende Fortsetzung, dass eine technische Revolution bevorstehen könnte. Der ehemalige Vizepräsident der USA Al Gore setzt seinen unermüdlichen Kampf fort und reist um die Welt, um mit Vorreitern in Klimafragen zu arbeiten und Einfluss auf die internationale Klimapolitik zu nehmen. Bei seiner Suche nach Ideen undInspirationenfolgt ihm die Kamera hinter die Kulissen und zeigt ihn in privaten und öffentlichen Momenten, mal heiter, mal rührend. In einer Zeit, in der die Bedrohung größer ist als je zuvor,könnten die Menschen jetzt den Klimawandel durch Ideenreichtum und Leidenschaft überwinden.

Weniger Theorie, mehr Persönlichkeit: „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ führt das Thema Klimaerwärmung an der Stelle fort, an welcher der Vorgänger vor elf Jahren aufhörte und reichert die bekannten Thesen um neue, emotionale Facetten an, sodass dieser Film jene Zuschauer mehr ansprechen könnte, denen „Eine unbequeme Wahrheit“ zu trocken war.

2017 – Die Plätze 20 bis 11

Vor einigen Tagen eröffnete ich an dieser Stelle meine Jahrescharts 2017. Was sich auf den Plätzen 40 bis 31 sowie 30 bis 21 findet, könnt ihr in den jeweiligen Blog-Beiträgen nachlesen. Um Euch nicht weiter auf die Folter zu spannen, geht es nun mit den nächsten zehn Platzierungen weiter. Vorab jedoch ein bisschen Statistik: Ich habe vom 01. Januar bis zum 31. 12. 2017 exakt 269 Kinovorstellungen besucht. 23 mal besuchte ich reguläre Vorführungen, 246 mal waren diese ausschließlich für die Presse. Dabei habe ich insgesamt 249 unterschiedliche Filme gesehen. 58 Filme habe ich im Kino verpasst und mussten von mir auf DVD oder via Pressestream/-screener nachgeholt werden. Hinzu kommen 11 Filme, die direkt im Heimkino erschienen sind und keine reguläre Kinoauswertung erhalten haben. Für meine Top 40 zur Auswahl standen insgesamt also 318 verschiedene Kinofilme.

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Zehn Filme, die mir das 4. Quartal 2017 versüßt haben

Zum Ende eines jeden Monats veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine fünf ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen Wochen. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY eben so gar nicht gefallen hat, präsentiere ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik nun nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme des vergangenen Quartals inklusive Trailer, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen drei Monaten zu veröffentlichen. Viel Spaß!

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Das startet am 30. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 30. November; dem Tag, mit den vermutlich meisten Kinostarts in diesem Jahr. Kein Wunder: nur noch zwei Wochen bis „Star Wars“ – bis dahin wollen kleinere Verleiher ihre Starts noch schnell hinter sich gebracht haben. Der wichtigste kommt diese Woche aus dem Hause Pixar, denn mit „Coco“ startet der diesjährige Weihnachts-Animationsfilm aus der berühmten Filmschmiede. Aufgrund seines Erfolges auch als breiter Start angelegt, ist die Komödie „Girls Trip“, auch wenn diese kaum überzeugen kann und wird. Das Remake des Thrillers „Flatliners“ wurde der deutschen Presse bislang nicht gezeigt, wird allerdings ebenfalls mit vielen Kopien starten. Der stärkste Film dieser Woche ist dagegen einer, der nur in wenigen Kinos laufen wird, dort allerdings von möglichst vielen Leuten besucht werden sollte: Die Rede ist von dem harten Westerndrama „Brimstone“ mit einem überragenden Guy Pearce.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BRIMSTONE  | Regie: Martin Koolhoven | NED/DE 2017

Ende des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Westen: Die junge Liz (Dakota Fanning) ist auf der Flucht vor ihrer düsteren Vergangenheit, als sie sich zum Schutz hinter den Mauern eines gottesfürchtigen Dorfes niederlässt. Hier arbeitet sie als Hebamme und lebt an der Seite ihres Ehemannes Eli (William Houston) und gemeinsam mit ihren zwei Kindern, nichtsahnend, das sich ein diabolischer Priester (Guy Pierce) auf den Weg in genau dieses Dorf begibt. Liz ist überzeugt davon, dass er es auf sie abgesehen hat. Fortan lebt sie in noch größerem Unbehagen und schottet sich immer mehr von der Außenwelt ab. Als sie eines Tages eine Entscheidung fällt, die die ganze Dorfgemeinschaft gegen sie aufbringt, zieht sie genau die Aufmerksamkeit auf sich, vor der sie bislang geflohen ist und muss sich schließlich endgültig ihrer Vergangenheit stellen.

Das in seiner Düsternis und Kompromisslosigkeit kaum zu ertragene Rachedrama „Brimstone“ ist nicht bloß meisterhaft erzählt und bravourös inszeniert. Es fährt mit einem spektakulär-widerwärtigen Guy Pearce auch den abartigsten Bösewicht des diesjährigen Kinojahres auf – und eine bärenstarke Dakota Fanning!


COCO  | Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina | USA 2017

Am mexikanischen “Día de los Muertos“ gedenken Freunde und Verwandte ihrer geliebten Ahnen, bedenken sie mit Zucker-Totenköpfen und Blumen, um so deren spirituelle Reise im Land der Toten zu unterstützen. Ausgerechnet an diesem so wichtigen, traditionellen Feiertag landet der kleine Miguel mit seinem schrägen Hund Dante durch einen unglaublichen Zufall in dieser anderen Welt. In dem lauten, bunten Kosmos voller schräger und liebenswerter Charaktere trifft er nicht nur auf seine Ur-Ahnen, sondern auch auf den liebenswerten Hector, der ihm helfen will, den Weg zurück nach Hause zu finden. Doch das ist leichter gesagt als getan! Je mehr Miguel versucht, in die Welt der Lebenden zurück zu kehren, desto tiefer wird er in ein altes Familiengeheimnis gezogen. Doch die äußerst toten und gleichzeitig lebendigen Typen sind so gar keine Hilfe… 

In atemberaubenden Farben und mit viel Gefühl erzählt Pixars neuester Streich „Coco“ eine musikalische Geschichte über die Macht der Erinnerung und darüber, dass es sich lohnt, das Vergessen zu vergessen. Ein zauberhafter FIlm!


120 BPM  | Regie: Robin Campillo | FR 2017

Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. ACT UP, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeißt Kunstblut-gefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan, der selbst HIV-negativ ist, zu ACT UP stößt, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean, den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. 

„120 BPM“ erzählt zunächst differenziert und detailreich von der Aktivistengruppe ACT UP, die sich Anfang der Neunzigerjahre für eine großflächige Aufklärung über AIDS einsetzte und wird in der zweiten Hälfte schließlich zum herben Sterbedrama, das von seinen herausragenden Darstellern getragen wird und in seiner Radikalität schockiert.


WHATEVER HAPPENS  | Regie: Niels Laupert | DE 2017

Die Trennung ist beschlossen: Hannah und Julian treffen sich noch ein letztes Mal zur Wohnungsübergabe, die kurz und schmerzlos über die Bühne gehen soll. Das ist zumindest der Plan. Doch nichts verläuft wie gedacht: Die Übergabe platzt und die beiden sitzen, ausgerechnet am Silvesterabend, nach wochenlanger Funkstille, gemeinsam in ihrer ehemaligen Wohnung fest. Dabei müssten sie schon längst auf der Party ihrer besten Freunde sein, um einen letzten gemeinsamen Auftritt hinzulegen. Vor sieben Jahren haben sich Hannah und Julian bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt und wurden zu Mitbewohnern wider Willen. Sie, die zielstrebige Jurastudentin, er, der in den Tag hineinlebende Fotograf. Plan versus Planlosigkeit. Aus den Mitbewohnern wird ein ungleiches, aber sich liebendes Paar. Während Julian beruflich zurücksteckt, startet Hannah durch. Die beiden entfernen sich immer mehr voneinander… 

Niels Laupert seziert in „Whatever Happens“ eine ganz normale Beziehung und macht daraus ein clever geschriebenes Zeitdokument über den Zwiespalt zwischen Kind und Karriere. Die anklagenden Momente gehen einher mit einem liebevollen Blick fürs Alltägliche, was Fahri Yardim und Sylvia Hoeks in ihren Hauptrollen brillieren lässt.


DIE VIERHÄNDIGE  | Regie: Oliver Kienle | DE 2017

Die beiden Schwestern Sophie (Frida-Lovisa Hamann) und Jessica (Friederike Becht) werden als Kinder Zeuge eines brutalen Verbrechens – sie müssen mitansehen, wie ihre Eltern von zwei fremden Eindringlingen grausam abgeschlachtet werden. Jessica verspricht daraufhin der jüngeren Sophie, immer auf sie aufzupassen. Doch 20 Jahre später ist aus dem Versprechen eine Besessenheit geworden. Während Sophie versucht, Pianistin zu werden und sich ein Leben frei von Ängsten aufzubauen, leidet Jessica unter Wahnvorstellungen, fürchtet überall eine Bedrohung. Als die Täter von damals auf freien Fuß kommen, ist Jessica entschlossen, sie zu finden. Ein Unfall aber verändert alles und verwandelt Jessicas Versprechen in einen existentiellen Alptraum. 

Oliver Kienle gelingt mit „Die Vierhändige“ ein Mysterythrillerdrama, das mit starken Darstellern besticht und eine Erkenntnis offenbart, die in ihrer Tragik sämtliche übernatürlichen Momente des Films in den Schatten stellt.


DER MANN AUS DEM EIS | Regie: Felix Randau | DE/IT/AT 2017

Vor 5.300 Jahren in der Jungsteinzeit. Eine Großfamilie lebt friedlich an einem Bach in den Ötztaler Alpen. Ihrem Anführer Kelab obliegt es, den heiligen Schrein zu verwahren. Während Kelab auf der Jagd ist, wird seine Siedlung überfallen und die gesamte Sippe ermordet, darunter Kelabs Frau und sein Sohn. Auch das Heiligtum der Gemeinschaft wird geraubt. Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel – Vergeltung! Er folgt den Spuren der Täter. Auf seiner Odyssee durch das Gebirge ist er den Gefahren der Natur ausgesetzt. Ein tragischer Irrtum macht ihn selbst zum Gejagten. Schließlich steht Kelab nicht nur den Mördern seiner Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Wird er seinem Drang nach Rache nachgeben und selbst vom Opfer zum Täter? Oder gelingt es ihm, den ewigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen? 

„Der Mann aus dem Eis“ überzeugt weniger durch seine ausgeklügelte Geschichte oder den Umgang mit seinen Figuren. Dafür gelingt Regisseur Felix Randau ein technisch brillanter und bis zuletzt konsequenter Einblick in das Leben vor über 5000 Jahren, dem man den hohen Produktionsaufwand jederzeit anmerkt.


MADAME | Regie: Amanda Sthers | FR 2017

Die Dinnerparty der angesehenen Societylady Anne (Toni Collette) steht unter keinem guten Stern: Aufgrund des unangekündigten Besuch ihres Stiefsohns (Tom Hughes) gibt es plötzlich dreizehn anstatt zwöllf Tischgedecke. Eine Katastrophe für die perfektionistische Hausherrin und abergläubische Anne sowie für ihren geschäftstüchtigen Ehemann Paul (Harvey Keitel). Kurzerhand muss die langjährige Angestellte Maria (Rossy de Palma) als 14. Gast einspringen – und prompt verliebt sich ihr wohlhabender Tischherr, der zuvorkommende Kuntsthändler David (Michael Smiley), in sie. Die um ihren Ruf besorgte Anne setzt nun alles daran, das entstandene Chaos ins Gleichgewicht zu bringen – während Maria an ihrer neuen Rolle immer mehr Gefallen findet… 

„Madame“ beginnt als schwarzhumorige Kammerspiel-Komödie über die oberen Zehntausend und mündet anschließend in ein Gesellschaftsdrama, das trotz seiner fortwährend leichtfüßigen Inszenierung nicht die Augen vor der Realität verschließt und sogar auf ein Happy End verzichtet.


HAPPINESS | Regie: SABU | JP 2016

Ein unscheinbarer Mann namens Kanzaki (Masatoshi Nagase) kommt mit einer großen Box in eine Kleinstadt,. In einem heruntergekommenen Laden holt er einen seltsamen Helm heraus und setzt ihn einer alten teilnahmslos wirkenden Frau auf, mit der er zuvor ein wenig inspirierendes Gespräch geführt hat. Nach einem kurzen Moment kehrt plötzlich unermessliche Freude in ihr Gesicht zurück. Glückliche Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Kanzakis einzigartige Erfindung macht die Runde, auch der Bürgermeister ist von der mysteriösen Kraft des Helms begeistert und bittet Kanzaki für eine Weile in der Stadt zu bleiben, um hoffnungslose Einwohner zu ermutigen. Kanzaki nimmt die Einladung an, aber niemand ahnt etwas von der geheimen Absicht, weshalb der Seelentröster diese Stadt gewählt hat.

„Happiness“ kommt schwer in die Gänge und macht es dem Zuschauer in seiner betont behäbigen Inszenierung nicht leicht, den Ereignissen zu folgen. Für die zweite Hälfte dringt Regisseur SABU in deutlich dynamischere Gefilde vor, doch sowohl der verschlossene Protagonist, als auch die unnatürlich aufspielenden Nebendarsteller halten das Publikum trotz der interessanten Grundidee konsequent auf emotionalem Abstand.


FLATLINERS  | Regie: Niels Arden Oplev | USA/CAN 2017

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, starten die fünf Medizinstudenten Courtney (Ellen Page), Ray (Diego Luna), Jamie (James Norton), Sophia (Kiersey Clemons) und Marlo (Nina Dobrev) ein wagemutiges und überaus gefährliches Experiment an sich selbst. Indem sie gegenseitig ihren Herzschlag für kurze Zeit stoppen – teilweise bis zu vier Minuten lang -, lösen sie bei sich eine Nahtoderfahrung aus, von der sich sich berichten können. Als die Kommilitonen sich mit ihren lebensbedrohlichen Trips ins Unbekannte gegenseitig überbieten möchten, sind die Fünf plötzlich gezwungen, sich ihrer eigenen dunklen Vergangenheit zu stellen. Denn an den Grenzen des Jenseits lauern erschreckende Abgründe… 

Als kurzweiliger Grusel-Schabernack geht „Flatliners“ in Ordnung, doch die philosophischen Ansätze, die das Original zumindest versucht hat, anzureißen, lässt Niels Arden Oplev völlig links liegen. Auf dieser Basis können sich auch die Darsteller nur wenig profilieren.


GIRLS TRIP  | Regie: Malcom D. Lee | USA 2017

Zwischen beruflichen Ambitionen, Familienplanung und Beziehungskrisen haben sich die vier besten Freundinnen Ryan (Regina Hall), Sasha (Queen Latifah), Lisa (Jada Pinkett Smith) und Dina (Tiffany Haddish) mit der Zeit einfach aus den Augen verloren. Mittlerweile sind sie sich nicht einmal mehr sicher, ob sie überhaupt noch Freunde sind, denn die Zeit ist an ihnen allen nicht spurlos vorbei gezogen. Fünf lange Jahre ist es also her, dass die „Flossy Posse“ das letzte Mal zusammen feiern war – viel zu lang für die Partyqueens, die sie eigentlich sind und die sie zu gern wieder sein würden. Ein längst überfälliger Girls Trip zum Essence Festival in flirrende New Orleans soll die Mädelsclique nach Jahren endlich wiedervereinen, doch ganz so einfach ist das nicht… 

„Girls Trip“ ist eine Partycomedy von der Stange, in der sich die vier Hauptdarstellerinnen alle Mühe geben, gegen die oberflächliche Geschichte anzuspielen, doch die Freundschaft der Mädels bleibt nur Behauptung. Dafür überzeugen das Setting sowie ein gutes Dutzend Cameoauftritte namhafter Musiker.


GENAUSO ANDERS WIE ICH  | Regie: Michael Carney | USA 2017

Nach außen hin scheint alles perfekt, doch in der Ehe zwischen Debbie (Renée Zellweger) und Ron Hall (Greg Kinnear) kriselt es gewaltig. Um nach seiner außerehelichen Liaison die Beziehung mit seiner Frau zu retten, lässt sich Ron darauf ein, mit ihr zusammen die Obdachlosen der Nachbarschaft zu bewirten. Eines Tages kommt es zu einem Zwischenfall und der schwer zugängliche, von allen nur Suicide genannte Denver Moore (Djimon Hounsou) droht, die gesamte Einrichtung kurz und klein zu hauen. Debbie bittet ihren Mann darum, Kontakt mit dem Fremden zu knüpfen, denn schon mehrere Male begegnete die Frau Denver in ihren Träumen. Weder er noch das Ehepaar Hall ahnt, wie sehr die aufkeimende Freundschaft zwischen ihnen das Leben aller Beteiligten verändern wird. 

Die Buchverfilmung „Genauso anders wie ich“ scheitert radikal an ihrem ambitionierten Vorhaben, sich so ziemlich jedes Problem der westlichen Welt aufzuladen und sie der Reihe nach abzuarbeiten. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die – auch aufgrund teilweise blamabler Schauspielleistungen – absolut nichts aussagt.


TOKIO HOTEL – HINTER DER WELT  | Regie: Oliver Schwabe | DE 2017

Mit gerade einmal neun Jahren beschließen die unzertrennlichen Zwillingsbrüder Bill und Tom Kaulitz aus Magdeburg berühmt zu werden. Mit zwölf Jahren gründen sie gemeinsam mit Gustav Schäfer und Georg Listing eine Band, die ab 2005 unter dem Namen Tokio Hotel die Welt erobert. Sie werden bestaunt, belächelt, gehasst und verehrt…. Der Erfolg ist gigantisch: Platin in 68 Ländern, ausverkaufte Konzerte und der androgyne Bill wird zur Stilikone. Mit Anfang Zwanzig fliehen die Zwillinge – reich und berühmt – im Privatjet nach Los Angeles und lassen Tausende von begeisterten Fans und ein Leben hinter Schutzmauern hinter sich. Sie möchten ihre Freiheit zurück … und wissen nicht, wie und ob es mit ihnen weitergeht. Der Film „Tokio Hotel – Hinter der Welt“ taucht ein in das Leben der Band, begleitet Bill und Tom durch einsame Wüsten Kaliforniens und Gustav und Georg an die Ufer der Elbe.


 Heimkinotipp: THE PARTY  | Regie: Sally Potter | UK 2017

Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. 

„The Party“ ist zugleich bitterböses wie hochgradig unterhaltsames Schauspielkino vom Feinsten, das die im Kern so unmenschlichen Machenschaften der (britischen) Politbühne mit den finsteren Abgründen der menschlichen Psyche verbindet. Was für ein Spektakel!

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