Genauso anders wie ich

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint – Michael Carney lädt seiner Buchverfilmung GENAUSO ANDERS WIE ICH sämtliche Probleme der westlichen Welt auf und lässt sie genau deshalb in sich zusammen fallen. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Nach außen hin scheint alles perfekt, doch in der Ehe zwischen Debbie (Renée Zellweger) und Ron Hall (Greg Kinnear) kriselt es gewaltig. Um nach seiner außerehelichen Liaison die Beziehung mit seiner Frau zu retten, lässt sich Ron darauf ein, mit ihr zusammen die Obdachlosen der Nachbarschaft zu bewirten. Eines Tages kommt es zu einem Zwischenfall und der schwer zugängliche, von allen nur Suicide genannte Denver Moore (Djimon Hounsou) droht, die gesamte Einrichtung kurz und klein zu hauen. Debbie bittet ihren Mann darum, Kontakt mit dem Fremden zu knüpfen, denn schon mehrere Male begegnete die Frau Denver in ihren Träumen. Weder er noch das Ehepaar Hall ahnt, wie sehr die aufkeimende Freundschaft zwischen ihnen das Leben aller Beteiligten verändern wird.

Kritik

Filme, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, auf wahren Ereignissen zu basieren, gleichzeitig aber auch übernatürliche Elemente beinhalten, sind immer mit Vorsicht zu genießen. Das lässt sich vor allem bei Geschichten über vermeintlich wirklich stattgefundene Geisterphänomene beobachten, aber auch bei angeblichen Gottesbegegnungen. Nachprüfen, was genau an den Behauptungen dran ist, lässt sich all das meist nämlich nicht mehr. Im Bestseller „Genauso anders wie ich“ schildert der Autor Denver Moore die Geschehnisse mehrerer Monate, die unter anderem auch beinhalten, dass das Aufeinandertreffen zwischen zwei grundverschiedenen Männern nur deshalb vonstatten gehen konnte, weil der ihr zum damaligen Zeitpunkt noch völlig unbekannte Denver (Djimon Hounsou) im Traum der Ehefrau seines späteren besten Freundes Ron (Greg Kinnear) auftauchte. Nur so entstand im Nachhinein eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen zwei, aus gänzlich unterschiedlichen sozialen Milieus stammenden Männern, die sich ohne dieses unerklärliche Phänomen vermutlich nie entwickelt hätte. Leider ist dieser Dreh ins Übersinnliche nicht das einzige Problem, das die moralinsauer inszenierte und extrem plakativ erzählte Leinwandadaption von Langfilmdebütant Michael Carney besitzt. Die Schauspielleistungen von Renée Zellweger („Bridget Jones‘ Baby“) und Djimon Hounsou („King Arthur: Legend of the Sword“) lassen „Genauso anders wie ich“ so oft ins Lächerliche abkippen, dass am Ende nicht mehr viel übrig bleibt, außer Kitsch, Kitsch und nochmal Kitsch.

Ron (Greg Kinnear) und sein neuer Freund Denver (Djimon Hounsou) verbringen den freien Nachmittag im Tennisverein.

Im Original trägt das Buch „Genauso anders wie ich“ den Untertitel „A Modern-Day Slave, an international Art Dealer, and the Unlikely Woman Who Bound them Together“. Das fasst auf der inhaltlichen Ebene sämtliche relevanten Aspekte des Buches zusammen und kehrt in seiner Bandwurmsatz-artigen Formulierung hervor, dass in dieser Geschichte so viele verschiedene Themen zusammengewürfelt werden, dass es schon extrem viel Fingerspitzengefühl bedarf, all das möglichst unfallfrei unter einen Hut zu bringen. „Genauso anders wie ich“ versucht nämlich gleichermaßen eine unkonventionelle Freundschaftsgeschichte, ein erschütterndes Krebsdrama, ein dramatisches Sklavenporträt und ein hier ziemlich altmodisch daherkommender Appell an christliche Werte und Mitgefühl zu sein – dass Michael Carney dafür gerade einmal 119 Minuten aufwendet (das Buch hat allerdings auch „nur“ 280 Seiten), ist in jeder Hinsicht mutig, denn – man ahnt es – Zeit zur erzählerischen Entfaltung hat sein Werk einfach nicht. Das Ergebnis ist ein völlig überladender Film, der den Zuschauer noch dazu in nahezu jeder Szene mit einer weiteren erschütternden Neuigkeit konfrontiert. Da gesellt sich schließlich auch noch ein verbitterter Alkoholikervater zur ohnehin tragischen Geschichte und als Ron seinen neuen Freund Denver zum ortsansässigen Tennisverein mitnimmt, reißt das Autorenteam rund um Michael Carney und Ron Hall selbst sowie Alexander Foard für einige Dialoge auch noch kurz das Thema Alltagsrassismus an, als ein Vereinsmitglied darauf verweist, man möchte doch wenigstens im Kreise dieses elitären Clubs „unter sich“ sein (womit im Klartext natürlich „unter Weißen“ gemeint ist).

Doch so lobenswert es auch ist, möglichst viele gesellschaftsrelevante Probleme in einer einzigen Geschichte unterzubringen: In dieser Menge geht das auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Denn mit mehr außer ein paar plakativen Einzelszenen kann „Genauso anders wie ich“ nicht aufwarten. Noch nicht einmal ein so relevanter Storybaustein wie der sich angeblich so ereignete Traum wird später wieder aufgegriffen, geschweige denn aufgelöst; als Zuschauer muss man eben einfach schlucken, was Michael Carney ihm hier vorsetzt und so werden mit der Zeit böse Erinnerungen an Filme wie „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ oder „Himmelskind“ wach, wenngleich der religiöse Aspekt an sich in diesem Film lange Zeit nur am Rande gestreift wird.  Leider tragen aber letztlich auch die Darsteller nicht dazu bei, der oberflächlichen Geschichte wenigstens einen Hauch von Wahrhaftigkeit zu verleihen. Während es Greg Kinnear („Den Himmel gibt’s echt“) noch halbwegs gelingt, seine Figur Ron gleichermaßen warmherzig wie resolut zu zeichnen und ihr so immerhin ein paar unterschiedliche Facetten abgewinnen kann, ist Renée Zellweger nicht bloß aufgrund ihrer diversen Liftings und neuen Frisur kaum wiederzuerkennen. Die Schauspielerin overacted sich von einer Szene zur nächsten. Die von ihr betreuten Obdachlosen behandelt sie so, als hätte sie es hier nicht mit erwachsenen Menschen, sondern mit scheuen Tieren zu tun. Im Streit mit ihrem Ehemann agiert sie indes wie eine überdrehte Furie wenn sie später schwer krank ein eigentlich rührendes Gespräch mit ihren beiden Kindern führt, gerät das derart unnatürlich und buchstäblich geschauspielert, dass man sich das ungewollte Schmunzeln nur sehr schwer verkneifen kann.

Trotz ihres schwierigen Gesundheitszustandes bringt Denver Debbie (Renée Zellweger) immer noch zum Lachen.

Genauso verhält es sich mit Djimon Hounsou, der in „Genauso anders wie ich“ durchaus als wichtigste aller Figuren angesehen werden kann. Auch wenn einige Archivaufnahmen im Abspann des Filmes andeuten, dass der echte Denver Moore tatsächlich so gesprochen hat, werden die ausführlichen Monologe des Mannes zur echten Geduldsprobe. Wirkt sein allzu motiviertes, aggressives Auftreten zu Beginn des Films zunächst noch unfreiwillig komisch, geraten seine diversen glaubensgeprägten Ausführungen über – im wahrsten Sinne des Wortes – Gott und die Welt zäh und ermüdend; so hat man nie das Gefühl, hier tatsächlich einem Menschen dabei zuzuhören, wie er von echten Erfahrungen spricht. Stattdessen haben seine Vorträge die emotionale Tiefe eines Hörbuch-Erzählers, der den Hörer in jedem Satz unnachgiebig zu mehr Nächstenliebe ermutigen möchte. So aufdringlich sind noch nicht einmal echte Kirchenpredigten. Auch inszenatorisch ist „Genauso anders wie ich“ anstrengend bis kaum erträglich. Die von Kameramann Don Burgess („Conjuring 2“) besitzen zwar unübersehbar Leinwandausmaße, doch die inflationär gebrauchte Inszenierung von Sonnenuntergängen, um das Geschehen auf der Leinwand möglichst noch rührseliger zu gestalten, geht weiter auf Kosten der erzählerischen Wahrhaftigkeit. Der gezielte Einsatz von Musik, erst recht wenn es Richtung Finale geht, drückt dann nochmal ganz gezielt auf die Tränendrüse und dürfte damit dann auch den letzten, an ehrlichen Emotionen interessierten Zuschauer verloren haben.

Fazit: Die Buchverfilmung „Genauso anders wie ich“ scheitert radikal an ihrem ambitionierten Vorhaben, sich so ziemlich jedes Problem der westlichen Welt aufzuladen und sie der Reihe nach abzuarbeiten. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die – auch aufgrund teilweise blamabler Schauspielleistungen – absolut nichts aussagt.

„Genauso anders wie ich“ ist ab dem 30. November in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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