Hot Dog

Nach „Vier gegen die Bank“ begeben sich die beiden Kassenmagneten Til Schweiger und Matthias Schweighöfer ein weiteres Mal gemeinsam vor die Kamera. Wie das Ergebnis, die Krimikomödie HOT DOG geworden ist, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Luke (Til Schweiger) ist ein knallharter GSG-10-Ermittler. Theo (Matthias Schweighöfer) ist ein schüchterner Nerd, der mehr sein möchte als nur ein Schreibtisch-Cop. Und gemeinsam stehen die beiden vor der Wahnsinnsaufgabe, die schöne Präsidententochter Mascha (Lisa Tomaschewsky) aus den Händen ihrer Entführer zu befreien. Unterstützt von der smarten Computerexpertin Nicki (Anne Schäfer) stürzen sie sich in eine wilde Jagd voller Katastrophen – und dass Theo total in Mascha verknallt ist, macht die Sache nicht gerade einfacher!

Kritik

Vor einer Pressevorführung sowie dem anschließenden Kinorelease durchläuft ein Großteil größerer Filmproduktionen mehrere Testscreenings mit herkömmlichem Publikum. Dabei werden Journalisten konsequent ausgeschlossen; Selbst auf eine private Einladung hin, sind die betreuenden Agenturen dazu angehalten, die berichterstattende Zunft vom Beiwohnen einer solchen Vorführung abzuhalten. Nicht zuletzt, um zu verhindern, dass die Ergebnisse der Screenings an die Öffentlichkeit gelangen (was, wie dieser Fall zeigt, nicht immer funktioniert). Diese haben schon für Startterminverschiebungen und ausführliche Nachdrehs gesorgt (aktuelles Beispiel aus den USA: „X-Men: New Mutants“, der wegen verhaltener Reaktionen fast ein ganzes Jahr später erscheinen wird). Im Falle von Torsten Künstlers Krimikomödie „Hot Dog“ ging dieses Vorhaben nicht auf. Die größte deutsche Tageszeitung BILD gelang durch ein Leck angeblich an die Ergebnisse der ersten Testvorführung im Juli, die regelrecht vernichtend ausgefallen sein sollen. Die Folge: Anstatt Anfang Dezember kommt „Hot Dog“ nun erst ein Monat später in die Kinos. Was genau zwischen den Testscreenings und dem nun folgenden Release passiert ist – ob Nachdrehs, technische Änderungen im Rahmen der Postproduktion, oder die Hoffnung, der Kinostart würde im Umfeld der Konkurrenz untergehen – Wir wissen es nicht! Was wir aber sagen können ist, dass das Endergebnis weder zu den schlechtesten, noch zu den besten deutschen Produktionen der letzten Monate gehört und damit schlicht und ergreifend okay geraten ist.

Luke (Til Schweiger) und Theo (Matthias Schweighöfer) sind sich nicht grün.

Sollte sich Torsten Künstlers Actionkomödie hierzulande als Kassengift erweisen, wäre dieser Flop durchaus hausgemacht. Dies liegt in erster Linie daran, dass „Hot Dog“ in jeglicher Hinsicht als Komödie vermarktet wird – und auf dieser Ebene deutlich schwächer funktioniert, denn als Actionkrimi. Als ein solcher sieht es nämlich direkt ganz anders aus. Wenngleich der Film inhaltlich durchaus als etwas anspruchsvollerer „Tatort“ durchgehen könnte, verhilft die technische Aufmachung „Hot Dog“ zu Leinwandausmaße. Stunts, Explosionen und Schießereien können sich nicht zuletzt deshalb sehen lassen, weil ein Großteil von ihnen handgemacht ist. Wenn in „Hot Dog“ ein Gebäude in die Luft fliegt oder ein Flugzeug vom Himmel geschossen wird, dann rummst das so ordentlich, wie es keine noch so aufwendige Computeranimation hinbekommen hätte (wenngleich hier und da dennoch mit CGI nachgeholfen wurde, das aber nur bedingt stört). Auch der Kriminalfall als solches – eine klassische Entführungsgeschichte, die dahinter noch weitaus größere Dimensionen offenbart – bietet solide Unterhaltung. Wenngleich sich die eine oder andere Entwicklung leicht durchschauen lässt, reicht das bis zuletzt, um das Tempo hoch und die Dynamik – vor allem unter den Ermittlern – aufrecht zu erhalten. Lediglich in den Anfängen offenbart das Skript von Tripper Clancy („Vier gegen die Bank“) einige Lücken. Weshalb die beiden Protagonisten Theo und Luke plötzlich hier und im nächsten Moment dort sind, erschließt sich nicht immer auf Anhieb, könnte (!) letztendlich aber auch ein Hinweis auf eventuelle Nachbearbeitungen sein. So oder so: Auf der Ebene des Actionkrimis erweist sich „Hot Dog“ schon mal als sehenswert.

Leider verkauft das Marketing „Hot Dog“ allerdings vorwiegend über das Genre der Komödie – und hier müssen im Anbetracht des Endergebnisses leider diverse Abstriche gemacht werden. Obwohl das konzeptuelle Grundgerüst für einen Großteil der Gags – nämlich das dysfunktionale Verhältnis zwischen dem spießigen Genie Theo und dem unsensiblen Draufgänger Luke – funktioniert, hält das Drehbuch leider diverse Pointen für sie bereit, die nur bedingt lustig sind. Auf eine wirklich gute folgen drei, die im Nichts verpuffen; für eine Comedy ist ein solcher Schnitt ziemlich schwach. Auch die Spannbreite dessen, was in „Hot Dog“ für einen schnellen Gag herhalten muss, ist enorm. Alles unterhalb der Gürtellinie funktioniert kaum (Stichwort: Kuh), selbst wenn es handlungsintern Sinn macht. Nehmen sich die beiden Hauptdarsteller indes hier und da selbst auf die Schippe („Vier gegen die Bank“ lässt grüßen!), können die Macher dagegen richtig punkten. Darüber hinaus beschleicht uns der Verdacht, „Hot Dog“ beraube sich selbst großen Komikpotenzials, indem Matthias Schweighöfer („Der Nanny“) und Til Schweiger („Tschiller: Off Duty“) erneut auf Abwandlungen ihrer Paraderollen besetzt wurden. Hätte man sich der Abwechslung halber dafür entschieden, den „Vaterfreuden“-Regisseur als sich um keinerlei Regeln scherenden Proll zu besetzen, und den „Honig im Kopf“-Macher als schüchternen Bürokraten, so hätte das der Inszenierung einen frischen Dreh gegeben. In der hier dargebotenen Präsentation geht viel des anarchischen Reizes verloren, da man eine solche bereits kennt. Die Interaktion zwischen den beiden bestens aufeinander eingespielten Hauptdarstellern funktioniert dafür wieder sehr gut.

Unterstützung erhalten Luke und Theo von ihrer Kollegin Nicki (Anne Schäfer), die es gar nicht gern hat, dass Theo seine Augen auf das Entführungsopfer Mascha (Lisa Tomaschewsky) geworfen hat.

Leider tragen beide Figuren inhaltlichen Ballast mit sich herum, der den Film zwischenzeitlich ausbremst. Die klischeehafte Backstory rund um den geschiedenen Luke, der durch die explosiven Ereignisse (natürlich) zu dem findet, was ihm am meisten bedeutet, ist ebenso überflüssig, wie die permanente Betonung, Theo – der in er Eröffnungssequenz eigentlich noch als brillantes geistiges Genie mit fotografischem Gedächtnis etabliert wird – sei ein ziemlich vertrotteltes Muttersöhnchen ohne jegliche Kenntnis von Frauen und Sex. Durch diese sehr konträre Zeichnung aus Frauenaufreißer-Macho und Jungfrau („Nicht das Sternzeichen!“) schmuggeln sich zeitweise altbackene Witze über Gendervorurteile in den Film, die glücklicherweise zum Großteil von der Schauspielerin Anne Schäfer („Add a Friend“) aufgewogen werden können, die „als Frau in einem Männerberuf“ immer wieder stellvertretend für ihr Geschlecht die Ellenbogen ausfährt. Mit einer subtilen Gleichberechtigungsbotschaft hat das nichts zu tun; in einem schwächeren Drehbuch wäre eine Machofigur wie Luke jedoch bis zuletzt mit seiner Aufreißerattitüde davongekommen. Anne Schäfer führt indes eine ganze Reihe von Nebendarstellern an, die „Hot Dog“ aufwerten. Neben einem gewohnt starken Samuel Finzi („SMS für Dich“) als im Rollstuhl sitzender, serbischer Oberschurke, Heino Ferch („Conni & Co. 2“) in einer kleinen Rolle als unangenehmer Vorgesetzter und Lisa Tomaschewsky („Verrückt nach Fixi“) als toughes Entführungsopfer erweist sich vor allem Tim Wilde („Berlin Falling“) als Szenendieb, an dessen sukzessivem, seelischem Verfall im Anbetracht der außer Kontrolle geratenen Situation man sich einfach nicht sattsehen kann.

Fazit: Als zweifesfrei professionell produzierte Komödie ist „Hot Dog“ zum Scheitern verurteilt. Als Actionkrimi mit kleinen humoristischen Spitzen funktioniert Torsten Künstlers Arbeit dann schon deutlich besser. Dazu tragen auch Til Schweiger und allen voran Matthias Schweighöfer bei, die wie so oft eine stimmige Chemie an den Tag legen.

„Hot Dog“ ist ab dem 18. Januar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen. 

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