Downsizing

In seiner futuristischen Tragikomödie DOWNSIZING will Alexander Payne das Problem der Überbevölkerung mithilfe eines Schrumpfmechanismus lösen. Ist sein Film so spannend, wie es die Ausgangslage verspricht? Das und mehr verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Die Ressourcen der Erde neigen sich dem Ende zu und der Planet platzt aus allen Nähten. Um das Problem der Überbevölkerung zu lösen, haben norwegische Wissenschaftler eine Methode entwickelt, mit der sie Menschen schrumpfen und somit ihre Bedürfnisse und ihren Konsum enorm verringern können. Ein zwölf Zentimeter kleiner Mensch verbraucht schließlich weniger Wasser, Luft und Nahrung als ein großer. In der Hoffnung auf ein glücklicheres und finanziell abgesichertes Leben in einer besseren Welt entscheiden sich Durchschnittsbürger Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig), ihr stressiges Leben in Omaha hinter sich zu lassen und ihr großes Glück in einer neuen „geschrumpften“ Gemeinde zu suchen. Eine Entscheidung, die ein lebensveränderndes Abenteuer bereithält…

Kritik

Zahlreiche Dokumentationen von „Population Boom“ bis „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ befassen sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Überbevölkerung und Ressourcenverknappung. Denn je mehr wir werden, desto mehr müssen sich auch die verschiedenen Nahrungsmittelquellen teilen, die nun mal nicht unendlich sind. Gleichermaßen hat auch das Science-Fiction- und Fantasykino das Thema für sich entdeckt und spinnt daraus vorwiegend pessimistische Dystopien. Regisseur Alexander Payne („Nebraska“) schlägt jetzt eine ganz andere Richtung ein. Der eigentlich in erster Linie für in der Realität verwurzelte Schicksalsgeschichten bekannte Filmemacher inszeniert mit „Downsizing“ eine futuristische Tragikomödie der etwas anderen Art, um sich einem zeitgemäßen Thema anzunehmen. Seine Lösung für die mit der Überbevölkerung einhergehende Ressourcenknappheit: ein neuartiger Schrumpfmechanismus, mit dem die Menschen auf ein 2744tel ihrer Körpergröße verkleinert werden und anschließend ein lässiges Leben im sogenannten Leisureland führen können – einer Nachbildung der ganz normalen Welt, nur eben wesentlich kleiner. Das ist ohne Zweifel eine spannende Ausgangslage, der Payne in der ersten Hälfte des Films auch gerecht wird. Doch ohne dass es direkt etwas mit ihm zu tun hätte, lässt „Downsizing“ ab dem Auftauchen von Christoph Waltz („Tulpenfieber“) deutlich nach und verliert sich in einer gar nicht mehr so innovativen Geschichte.

Kristen Wiig, Matt Damon, Maribeth Monroe und Jason Sudeikis gehören zum Cast von „Downsizing“.

Alexander Payne fackelt nicht lange. „Downsizing“ beginnt mit der Verkündung, einem skandinavischen Forscherteam sei nun endlich der alles entscheidende Durchbruch gelungen. Was das bedeutet, stellt es auf einer anschließenden Pressekonferenz vor: Den anwesenden Kollegen und Journalisten tritt ein daumengroßer Mann gegenüber, der sich soeben hat schrumpfen lassen, um als gutes Beispiel voranzugehen. Wer es ihm gleich tut, dem winkt ein Leben in Saus und Braus, denn das sogenannte Leisureland bietet nicht bloß alles, was das Herz begehrt, das Geld der „großen Welt“ ist hier auch direkt ein Vielfaches so viel wert – wer sich schrumpfen lässt, hat daher ausgesorgt. Mit dieser Prämisse lässt sich etwas anfangen. Sie ist klar definiert, bleibt bis zuletzt in sich logisch und der auch für das Drehbuch mitverantwortliche Alexander Payne überlässt generell wenig Eigeninitiative dem Zuschauer. Zu entdecken gibt es für das Publikum in erster Linie auf optischer Ebene genug, denn die vielen Details und optischen Kniffe, die die Macher aus den verschobenen Größenverhältnissen herausholen, sind nicht bloß allesamt raffiniert umgesetzt, sie entbehren nicht selten einer gewissen Komik. „Downsizing“ steckt voller kreativer Ideen, voller Leben und optischer Kabinettstückchen. Auch die handwerkliche Umsetzung ist makellos; wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, Matt Damon und Co. seien tatsächlich geschrumpft worden (ganz gleich ob für das gelungene CGI, oder die haptischen Tricks: Das Übergehen des Films in der Oscar-Kategorie „Beste Effekte“ grenzt an eine Frechheit!). Doch leider lebt „Downsizing“ eben nicht bloß von seinen visuellen Vorzügen.

Während der Einstieg und die gesamte erste Hälfte genug Stoff böten, um aus „Downsizing“ vielleicht sogar eine Serie zu machen, will Alexander Payne schon bald in eine ganz andere Richtung. Im Fokus seiner Geschichte steht Matt Damon („Suburbicon“) als Paul, der – zunächst noch mit seiner Ehefrau Audrey, die später einen Rückzieher macht – nach Leisureland ziehen will. Die Gedanken zu diesem radikalen Lebensschritt, die Vorkehrungen für den Schrumpfprozess sowie die Eingewöhnung in den neuen vier Wänden bringen uns Paul als sympathischen Zeitgenossen näher, der sich in der Verkleinerung seiner selbst einen Neuanfang erhofft. Die Entscheidung, Kristen Wiig („mother!) ziemlich schnell von der Bildfläche verschwinden zu lassen, erweist sich außerdem als mutig. Schließlich verzichtet man von nun an nicht bloß auf einen Star, sondern erhöht für Paul auch die dramatische Fallhöhe; so ganz allein ist Leisureland eben nicht der Inbegriff des Laissez-Faire, sondern all das, was sein Leben vorher auch war – nur in kleiner. Gerade mit Bedacht auf das, was sich später alles noch in „Downsizing“ entwickeln wird, ist schon diese eine Erkenntnis ein willkommenes Understatement, doch leider ist die Idee davon, dass unser aller Probleme unabhängig von der Körpergröße dieselben bleiben, für den Film selbst ein Hindernis. In der zweiten Hälfte spielt es nämlich tatsächlich überhaupt keine Rolle mehr, ob die Geschichte nun in Leisureland mit Däumlingen spielt, oder mit normalgroßen Menschen.

Seine Stärken hat „Downsizing“ eindeutig in der Optik und den Trickeffekten.

Mit dem Auftauchen von Christoph Waltz in der Rolle des unangenehm-aufdringlichen Dusan Mirkovic – eine weitere Abwandlung seines wiederkehrenden Rollentypus als Superschurke – gehen Alexander Payne und sein Co-Autor Jim Taylor („About Schmidt“) weg vom Schlaraffenland Leisureland und eröffnen dem Publikum die Schattenseiten der Idylle. Stellvertretend für das Publikum nimmt der bis zuletzt stark aufspielende Matt Damon an der Seite der toughen Entdeckung Hong Chau („Inherent Vice – Natürliche Mängel“) die Ghettos und Hinterhöfe des Urlaubsortes ins Visier. Die hier gemachten Entdeckungen breitet Alexander Payne sorgsam aus; moralische Zwischentöne finden da keinen Platz, denn was an diesem Zustand gut und was schlecht ist, ließe sich kaum deutlicher machen, als mit offen zur Schau gestellten Hierarchien und einer (fast wortwörtlich zu verstehenden) schwarz-weißen Farbgestaltung. Mit erhobenem Zeigefinger schreitet der Regisseur voran und lässt selbst auf der Zielgeraden nicht davon ab, seinem Publikum regelrecht vorzukauen, was es in bestimmten Momenten zu fühlen hat. Das Finale, das zudem kaum ein gutes Haar an seinem zuvor eigentlich so sympathischen Protagonisten lässt, beendet „Downsizing“ schließlich konsequent als äußerst oberflächliche und damit um keinerlei neue Denkansätze ergänzende Allegorie auf bestehende Missstände, die immerhin ganz nett aussieht.

Fazit: Alexander Paynes Tragikomödie „Downsizing“ beginnt vielversprechend und hat vor allem optisch Einiges zu bieten. Erzählerisch geht dem Film allerdings in der zweiten Hälfte merklich die Luft aus und bietet letztlich nicht mehr als Bekanntes in neuer Aufmachung.

„Downsizing“ ist ab dem 18. Januar in den deutschen Kinos zu sehen.

2 Kommentare

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