2015 – Die Plätze 30 bis 21

Herzlich willkommen, du – lieber Leser – der vielleicht erst jetzt zu meinem kleinen Jahresrückblick vorbeischaut. Oder aber du, der sich nach den Plätzen 40 bis 31 fragt, wie es in den ganz subjektiven Charts meiner Lieblingsfilme 2015 weitergeht. Zur kurzen Erinnerung: Anders als zuletzt habe ich mich aufgrund des sehr starken Kinojahres dazu entschlossen, 2015 nicht bloß 30, sondern direkt 40 Filme positiv zu ehren. Wer gerne wissen möchte, was die Frau mit dem skurrilen Filmgeschmack in den vergangenen zwölf Monaten so gar nicht mochte, den verweise ich auf meine Filmflops.

Leider nicht in meine Top 40 haben es in diesem Jahr folgende (deutsche), nicht minder sehenswerte Filme geschafft, denen jedoch irgendwas gefehlt hat, um von mir in meine Lieblingsfilme-Hitliste aufgenommen zu werden: VICTORIA war der mit Abstand beste Film des Jahres, doch der persönliche Funke ist auf mich leider nicht ganz übergesprungen. Ich habe ICH UND KAMINSKI geliebt, doch auch dieser wurde auf der Zielgeraden überholt. Die deutsche Antwort auf „Brügge sehen… und sterben“ – DESASTER – hat ebenfalls eine Menge Laune gemacht, ist schlussendlich aber auf Platz 46 gelandet. Das Wende-Drama ALS WIR TRÄUMTEN war in seiner Intensität und verspielten Stärke eine große Überraschung, während die Romanverfilmung ER IST WIEDER DA zur genau richtigen Zeit kam. Chapeau Deutschland – geile Filme gab’s von Dir dieses Jahr wieder einmal!

30

Abschussfahrt

Spätestens jetzt ist bei den Kunstliebhabern unter Euch wohl endgültig Hopfen und Malz verloren. ABSCHUSSFAHRT in meinen Top 30? Really? Dieser unsäglich pubertäre Film, der von so ziemlich allen Kritikern in diesem Land als dämlich-unlustiger „American Pie“-Abklatsch abgetan wurde? Ja! Denn wenn man sich die Mühe macht, hinter die Fassade dieser sympathischen Klassenfahrtkomödie zu schauen, dann wird man erkennen, dass hinter dem Skript, dem Storytelling, der Charakterzeichnung und der Handlung weitaus mehr Liebe steckt, als hinter vielen anderen Filmen in diesem Jahr. Hier macht jedes noch so kleine Detail Sinn. Die Botschaft des Films ist unaufdringlich, findet im liebevollen Epilog jedoch zu einem hervorragenden Abschluss und die Gags haben zum Teil das Niveau der guten, alten Bully-Zeit. Wer sich einfach ein wenig offen zeigt, der wird das auch entdecken – nur dazu müsste man sich ja aus seinem starren „deutsche Comedys sind scheiße“-Denkmuster begeben…

29

Spy

Es ist das Jahr der Agentenfilme und so viel kann ich verraten: es wird noch den einen oder anderen Spy-Actioner in dieser Liste zu bestaunen geben. Den Anfang macht die Abenteuerkomödie SPY – SUSAN COOPER UNDERCOVER, bei der nicht nur Melissa McCarthy endlich einmal beweisen darf, dass sie viel mehr drauf hat, als bloß die tollpatschige Wuchtbrumme zu geben. Der eigentliche Star des Films ist allerdings Jason Statham, der in seiner Rolle des überengagierten Spions einmal seine komplette Karriere als Actionschauspieler auf die Schippe nimmt. Nebenher brillieren Jude Law als James-Bond-Anwärter sowie Rose Byrne als verführerische Schurkin. „Brautalarm“-Regisseur Paul Feig findet eine feine Balance zwischen Comedy, Actionfilm und Agententhriller, der auch bei mehrmaligem Sehen richtig Spaß macht und abgesehen von den überraschend miserablen CGI-Effekten auch einen hohen Produktionsstandard aufweist.

28

Ex_Machina

Ginge es hier nicht um meine Lieblingsfilme, sondern um eine objektive Wertung, dann wäre das Science-Fiction-Drama EX_MACHINA weitaus höher gelistet. Das zum Großteil von nur drei Schauspielern getragene Kammerspiel stellt einmal mehr die Frage, wie sehr sich Mensch und Maschine unterscheiden, wo Technik aufhört und Humanismus beginnt und ob sich beide Seiten kreuzen können und dürfen. Dabei haut „Ex_Machina“ seinem Publikum nicht etwa intellektuelles Geschwafel um die Ohren. Regisseur Alex Garland begibt sich in die Position des stillen Beobachters und entwirft ein schlichtes, zur Identifikation mit dem Betrachter einladendes Szenario, das immer mehr aus den Fugen gerät. Die unberechenbare Ausgangslage sorgt für eine pulsierende Spannung und wenn der Abspann beginnt, überlegt man plötzlich, ob das gerade Gesehene vielleicht gar nicht so abwegig ist. Schließlich sind wir alle bloß die Geiseln unserer Gefühle… 

27

Everest

Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich von Natur aus mehr zu den Bergen als zum Meer hingezogen fühle. Der Himalaya mit dem Mount Everest als Gipfel aller Gipfel ist ein faszinierender Ort, in dem sich die Gewalten der Natur vereinen. Das 3D-Spektakel EVEREST erzählt die wahre Geschichte einer Bergsteigermission, die kein glückliches Ende findet. Das zweistündige Abenteuerdrama ist mit Jason Clarke, Josh Brolin, Robin Wright, Sam Worthington, Jake Gyllenhaal und Keira Knightley hochklassig besetzt, ungeheuer spannend und konfrontiert den Zuschauer mit der Frage, wie weit die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuern gehen darf. Die spektakuläre Optik und der phänomenale 3D-Effekt nehmen den Zuschauer direkt mit auf den höchsten Berg der Welt und lassen ihn direkt an dieser Mission teilhaben. Für diesen berauschenden Trip sollte man vor allem eines sein: schwindelfrei.

26

Im Herzen der See

Ron Howard hat es nach „Rush – Alles für den Sieg“ ein weiteres Mal geschafft und mit IM HERZEN DER SEE einen Film gemacht, dem gegenüber ich vorab vor allem deshalb skeptisch war, weil mich das Thema der Seefahrt persönlich überhaupt nicht interessiert. Auch mit der Geschichte um Moby Dick konnte ich nie so richtig etwas anfangen, sodass ich mir nach den ersten Trailern zwar sicher war, dass uns hier etwas ganz Großes erwartet, es mich aber auch nicht gewundert hätte, wenn ich nach dem Kinobesuch mit einem gewissen Achselzucken aus dem Saal gegangen wäre. Mitnichten! Es sind nicht nur diese sprachlos machenden (3D-)Bilder, die mich über die zwei Stunden immer mehr in ihren Bann gezogen haben. Es ist vor allem der famose Balanceakt zwischen Actionabenteuer, menschlichem Drama und Überlebenskampf, der diesen Film so spannend und berührend zugleich macht. Und diese Bilder – habe ich eigentlich die Bilder schon erwähnt?

25

Dating Queen

Es ist die RomCom für Leute, die keine RomComs mögen. „Brautalarm“-Produzent Judd Apatow liefert mit DATING QUEEN eine Liebesgeschichte ab, die von einer Frau handelt, die alles sein will, aber nicht die Protagonistin einer Lovestory. Amy Schumer, die sich für ihre Darbietung Hoffnungen auf einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin machen darf, war in den USA bislang hauptsächlich aufgrund ihrer Stand-Up-Nummern bekannt. In „Dating Queen“ liefert sie an der Seite von Bill Hader eine Performance ab, die man so in klassischen Hollywood-RomComs noch nicht zu sehen bekam. Ihre Figur der Amy säuft und vögelt sich emotionslos durchs Leben – immer mit dem Hintergedanken, dass Monogamie unrealistisch sei. Doch Apatow macht seinen Film nicht zu einer Bekehrung für Protagonstin und Publikum. Er setzt sich intensiv mit dem Charakter der Amy auseinander und zeigt verschiedene Lebensstile auf. Am Ende steht die Aussage, dass jeder so leben muss, wie es ihm beliebt. Das ist vielleicht nicht romantisch, aber authentisch.

24

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

 

Dem diesjährigen Oscar-Gewinner in der Königskategorie „Bester Film“ gebührt aus objektiver Sicht ebenfalls eine wesentlich höhere Platzierung in dieser Liste. Doch BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT) hat vermutlich dasselbe Problem wie „Wolf of Wall Street“ im letzten Jahr: Alejandro González Iñárritus Theatersatire ist ein Meisterwerk, wie man es nur alle Jubeljahre auf der Leinwand zu sehen bekommt. „Birdman“ ist einer der besten Filme dieses Jahrzehnts, einzigartig, klug, witzig, kreativ. Und die Kameraarbeit, die uns vorgaukelt, wir hätten es über die gesamte Laufzeit mit nur einer einzigen Einstellung zu tun, ist der absolute Wahnsinn. Nur ähnlich des Wall-Street-Wolfes lädt der Film eben nicht unbedingt dazu ein, mehrmals im Jahr angesehen zu werden. Ich finde ihn toll, aber mein Herz liegt nun mal mehr an folgenden Filmen…

23

Sicario

In den letzten Jahren haben es sämtliche Filme von Dennis Villeneuve in meine Jahrescharts geschafft. 2014 war es mit „Enemy“ ein verworrener, surrealer Albtraum von Film, 2013 ebenfalls ein Albtraum, mit dem Entführungsdrama „Prisoners“ allerdings ein weitaus realistischerer. Nun kommt SICARIO, ein nicht weniger hartes Stück Thrillerkino um einen Cast aus Emily Blunt, Benicio del Toro sowie Josh Brolin, die allesamt einen Film bestücken, der vom Drogenkrieg an der Grenze zwischen Mexiko und den USA erzählt. Diese Welt ist hart, brachial und schmutzig – und genau deshalb ist „Sicario“ auch eines der absoluten Must-Sees des Jahres. Der Thriller beschönigt nicht. Gleichzeitig erzählt er bewusst keine realen Ereignisse nach, sondern wählt einen fiktiven Fall aus. Das müsste die Ereignisse eigentlich leichter zu ertragen machen, doch gerade weil man am Ende des Films denkt, dass das alles vermutlich genau so ablaufen würde, schnürt es einem die Kehle zu. Herausragend!

22

Entourage

Ich muss ja gestehen, mit der zugehörigen Serie nie etwas zu tun gehabt zu haben, doch aufgrund des Trailers und eines gewissen Anspruchs an meine Arbeit als Kritikerin habe ich mir vor der Sichtung von ENTOURAGE – DER FILM sämtliche Staffeln der Behind-Hollywood-Serie angeschaut – und wurde Fan. Das insgesamt neun Staffeln umfassende Format wird mit dem im Sommer erschienenen Film zu einem runden Abschluss geführt und trumpft einmal mehr mit einer schier unbegrenzten Anzahl an Cameo-Auftritten auf. Dazu kommen feine Fortführungen der Erzählstränge rund um die titelgebende Entourage, die Adrien Grenier alias Vince auf seinem Weg in Richtung Walk of Fame begleitet. „Entourage – Der Film“ war in seinem Sommerfeeling und der versprühten Leichtigkeit die Überraschung des auf Action konzentrierten Blockbustersommers 2015 – und hat sich seinen Platz 22 mehr als verdient. Auf den folgenden Plätzen wird es aber noch besser…

21

DUFF - Hast du keine, bist du eine

Mit DUFF – HAST DU KEINE, BIST DU EINE gelingt es Regisseur Ari Sandel, das Genre der Schulkomödie zu entstauben und ihm einen ganz neuen Blickwinkel abzugewinnen. In diesem Film stehen nicht die ewig gleichen Stereotypen im Mittelpunkt. Stattdessen nimmt der Film die durch und durch moderne Sichtweise einer Figur an, wie es sie zuhauf an Schulen gibt, mit denen sich sonst jedoch keiner so recht auseinandersetzen mag. Die Rede ist von „Normalos“, von jenen Teenies, die nicht so recht in eine Schublade passen wollen. Und das ist auch bereits der erste Kniff in diesem Film. Darüber hinaus gibt es zwar die typische Klassifizierung. So gibt es die Zicke, den Schönling und den Nerd. Aber wie Hauptfigur Bianca schon im Opening so treffend feststellt: Wer früher cool war, der ist es heute nicht mehr und umgekehrt. „Duff“ ist ein absolut zeitgemäßer Blick auf den Schullaltag mit all seinen großen und kleinen Tücken und obendrein irre lustig. Ein Geheimtipp!

In den kommenden Tagen findet Ihr an dieser Stelle die Plätze 20 bis 11…

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