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Work It

Seichte Wohlfühlunterhaltung für Teens und Junggebliebene (beinahe) in Disney-Tradition: Netflix versucht sich mit dem Tanzfilm WORK IT in den Gefilden seines Streaming-Konkurrenten. Ob das gelingt, verraten wir in unserer Kritik zu einer Produktion, die seit Kurzem überraschend die oberen Ränge der Netflix-Top-10 entert. 

OT: Work it (USA 2020)

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Das startet am 16. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 16. Juli, an dem mit „Waves“ ein Film in die Kinos kommt, den Universal bereits ins Heimkino verfrachtet hatte, nachdem er als einer der ersten der Corona-Krise zum Opfer fiel. Nun erscheint er doch und sollte auf jeden Fall auf der großen Leinwand genossen werden. Genauso wie „Into the Beat“ – einfach weil man die herausragenden Tanzmoves von maximaler Wucht sind. Filme wie das Marie-Curie-Biopic „Elemente des Lebens“ und das Monsterdrama „After Midnight“ – letzterer lief bereits auf dem Fantasy Filmfest – werden wohl eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen. Wie so ziemlich alles aktuell. Zumindest bei der Schweizer Komödie „Wir Eltern“ ist das allerdings nicht so schlimm.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

WAVES | Regie: Trey Edward Shults  | USA/CAN 2019

Der 18-jährige Tyler (Kelvin Harrison Jr.) ist erfolgreiche Ringkämpfer und an seiner Highschool sehr beliebt. Doch die sportlichen Leistungen kommen nicht von ungefähr: Allen voran Tylers Vater Ronald (Sterling K. Brown) drillt seinen Sohn regelmäßig zu Höchstleistungen. Tylers Kindheit ist seit jeher davon geprägt, seinem Vater zu gefallen. Zeit für Entspannung bleibt da keine. Doch daraus schöpft er auch seinen Ehrgeiz. Tyler wünscht sich nichts mehr als ein Sportstipendium für eine begehrte Elite-Universität. Doch dann geschehen in Tylers Familie gleich mehrere tragische Vorfälle, die nicht nur sein Leben, sondern auch das Leben seiner Schwester Emily (Taylor Russell) auf den Kopf stellen. Es benötigt viel Zeit, um damit klarzukommen. In ihrem zurückhaltenden Mitschüler Luke (Lucas Hedges) findet zumindest Emily einen aufmerksamen Zuhörer.

Ein Film über Familie und darüber, wie zerbrechlich sie ist: Trey Edward Shults gelingt mit seinem Drama „Waves“ eine hervorragend bebilderte Studie darüber, wie Menschen mit Extremsituationen umgehen. Die Darsteller erfüllen es mit Leben, dem sich bisweilen recht abgegriffene Erzählmotive hin und wieder ein wenig in den Weg stellen.

MARIE CURIE – ELEMENTE DES LEBENS | Regie: Marjane Satrapi | UK/HUN/CHN/FR/USA

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts: In der akademischen Männerwelt der Universität Sorbonne hat Marie Skłodowska (Rosamund Pike) als Frau und auf Grund ihrer kompromisslosen Persönlichkeit einen schweren Stand. Allein der Wissenschaftler Pierre Curie (Sam Riley) ist fasziniert von ihrer Leiderschaft und Intelligenz und erkennt ihr Potential. Er wird nicht nur Maries Forschungspartner sondern auch ihr Ehemann und die Liebe ihres Lebens. Für ihre bahnbrechenden Entdeckungen erhält Marie Curie als erste Frau 1903 gemeinsam mit Pierre den Nobelpreis für Physik. Sein plötzlicher Tod erschüttert sie zutiefst, aber Marie gibt nicht auf. Sie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben und für ihre Forschung, deren ungeheure Auswirkungen sie nur erahnen kann und die das 20. Jahrhundert entscheidend prägen werden.

Regisseurin Marjane Satrapi wird den vielen, in „Marie Curie – Elemente des Lebens“ aufgegriffenen Themen über weite Strecken gerecht und inszeniert unter Zuhilfenahme von Genreelementen ein außergewöhnliches Biopic über eine außergewöhnliche Frau, das sämtliche ihrer Facetten einfängt.


AFTER MIDNIGHT | Regie: Jeremy Gardner, Christian Stella  | USA 2019

Hank (Jeremy Gardner) und Abby (Brea Grant) sind ein eigentlich glückliches Liebespaar, das sich im Hinterland Floridas ein beschauliches Zuhause aufgebaut hat. Doch eines Tages verschwindet die junge Frau spurlos. Und hinterlässt einen ratlosen Freund, der nicht weiß, ob Abby nun etwas passiert ist, oder sie ihn aus freien Stücken verlassen hat. Das Einzige, was ihm bleibt, ist eine kryptische Notiz, die Hank jedoch nicht zu entschlüsseln vermag. Die Umstände werden noch rätselhafter als sich der junge Mann nicht nur mit dem Verschwinden seiner Freundin auseinandersetzen muss, sondern es auch noch mit einer Kreatur zu tun bekommt, die so gar nicht von dieser Welt stammt. Dieses Monster sucht Hank fortan jede Nacht heim. Und für ihn steht fest, dass Abbys Verschwinden unweigerlich etwas mit diesem Wesen zu tun haben muss…

Ein etwas anderer Monsterfilm: Das vor allem von zwei Darstellern getragene Horrordrama „After Midnight“ ist eine melancholische Beziehungsparabel vor minimalistischem Setting, bei der Anspannung und Traurigkeit Hand in Hand gehen.


BERLIN ALEXANDERPLATZ | Regie: Burhan Qurbani | DE/NED/FR/CAN 2020

Dies ist die Geschichte von Francis. Auf der Flucht von Afrika nach Europa kentert er und rettet sich mit letzter Kraft an einen Strand der Mittelmeerküste. Bald führt Francis‘ Weg nach Berlin und jetzt ist es an ihm, seinen Schwur auch einzuhalten. Doch die Lebensumstände als staatenloser Flüchtling machen es ihm nicht einfach. Er trifft auf den zwielichtigen deutschen Drogendealer Reinhold und die Leben der beiden Männer verbinden sich zu einer düsteren Schicksalsgemeinschaft. Immer wieder versucht Reinhold, Francis für seine Zwecke einzuspannen. Schließlich wird Francis von Reinhold verraten und verliert bei einem Unfall seinen linken Arm. Er wird von Mieze aufgenommen. Die beiden verlieben sich. Seine Geschichte könnte sich nun eigentlich gut ausgehen. Doch Francis kann der Anziehung von Reinhold nicht widerstehen.

„Berlin Alexanderplatz“ ist eine wuchtig inszenierte Neuauflage des gleichnamigen Jahrhundertromans und besticht mit einer betörenden Atmosphäre und herausragenden Darstellerleistungen, insbesondere von Albrecht Schuch. Der moralischen Ambivalenz der Vorlage wird diese Interpretation allerdings nicht gerecht.


INTO THE BEAT – DEIN HERZ TANZT | Regie: Stefan Westerwelle | DE 2020

Katya ist ein herausragendes Balletttalent. Sie trainiert hart fürs Vortanzen bei der New York Ballet Academy. Aber als sie eine Gruppe Streetdancer kennenlernt, eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt: Im Gegensatz zum klassischen Ballett ist der Streetdance frei und explosiv, ohne Regeln, die Gesetze der Schwerkraft scheinen außer Kraft gesetzt. Katyas Herz fängt Feuer für den neuen Style, wo sie all ihre Emotionen ausdrücken kann – und für den introvertierten Marlon, einen begnadeten Hip-Hop-Tänzer. Er erkennt ihr tänzerisches Potenzial und fordert sie auf, mit ihm an einer Audition der weltbekannten Street-Dance-Crew Sonic Tigers teilzunehmen. Katya taucht ein in ein bisher unbekanntes Lebensgefühl aus Unbeschwertheit, Community und Spontaneität. Sie ahnt: Sie kann nicht zurück zum Ballett. Doch ihr Vater Victor sieht das anders…

 Strukturell ist der deutsche Tanzfilm „Into the Beat – Dein Herz tanzt“ wie jeder andere Tanzfilm auch. Seine besonderen Highlights liegen jedoch mehr noch als in anderen Genrevertretern in den spektakulären Tanzsequenzen sowie der Stadt Hamburg als Kulisse. Leider schmälern die Darstellerleistungen zwischendrin arg das Sehvergnügen.


WIR ELTERN | Regie: Eric Bergkraut, Ruth Schweikert  | CH 2019

Die Eltern Veronika (Elisabeth Niederer) und Michael (Eric Bergkraut) glauben, alles richtig gemacht zu haben. Doch Zug um Zug lassen sie ihr Leben von den spätpubertären Zwillingssöhnen lahmlegen. Weder Punktelisten noch Strafen helfen. Romeo (Ruben Bergkraut) und Anton (Elia Bergkraut) sind kaum aus dem Bett zu kriegen und gehen nur selten zur Schule. Lässig spielen sie die überforderten Eltern gegeneinander aus, kiffen oder zocken stundenlang am Computer. Als sie vom Großvater (Peter Schweiger) einen generösen Erbvorschuss als Geburtstagsgeschenk erhalten, der die Kinder noch weniger dazu animiert, sich endlich um ihre Zukunft zu kümmern, verschärft sich das Zusammenleben weiter. Bis die Eltern auf unkonventionelle Weise die Notbremse ziehen und das gemeinsame Familienleben auf links zu drehen.

So authentisch „Wir Eltern“ auch das Leben einer Schweizer Familie abbilden mag, so wenig cineastisch präsentieren Eric Bergkraut und Ruth Schweikert ihre Geschichte. Der Film könnte auch eine Doku sein. Allerdings eine über wahrlich unausstehliche Personen – und das trifft beileibe nicht nur auf die faulen Kinder zu.


UNHINGED – AUSSER KONTROLLE | Regie: Derrick Borte  | USA 2020

Es ist ein ganz normaler Morgen für Rachel (Caren Pistorius): Sie ist wieder mal zu spät dran und steckt im täglichen Verkehrschaos auf dem Weg zur Schule mit ihrem Sohn Kyle (Gabriel Bateman) fest, als auch noch ihre wichtigste Klientin ihr kündigt und der Autofahrer (Russell Crowe) vor ihr hartnäckig die grüne Ampel ignoriert. Laut hupend zieht sie an ihm vorbei und ahnt nicht, dass sie so zur Zielscheibe der geballten Wut eines Mannes wird, der nichts mehr zu verlieren hat. Er hat es auf sie abgesehen, um sich für seine erlittene schmack zu rächen. Entschlossen heftet er sich fortan an Rachels Fersen, um ihr eine Reihe von Lektionen zu erteilen, die sie so schnell nicht vergessen wird. Und nicht nur sie ist sein Ziel, sondern auch alle, die sie liebt. Gnadenlos und scheinbar unaufhaltsam schlägt der Fremde immer wieder zu und treibt die junge Frau an den Rande des Wahnsinns. Kann sie dem Irren entkommen?

„Unhinged – Außer Kontrolle“ beginnt als effektive Neuauflage von „Duell“, entwickelt sich jedoch nach und nach in einen generischen Actionthriller, an dem in erster Linie Russell Crowe als durchgeknallter Irrer überzeugt.


Heimkinotipp: EMMA. | Regie: Regie: Autumn de Wilde | UK 2020

England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse, schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst. Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet, die sich in die „feine Gesellschaft“ noch nicht zu hundertprozent gefügt hat. Aber trotz Emmas unbegrenzten Vertrauens in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.

Jane Austen trifft „The Favourite“: Bei der neuen Verfilmung des Bestsellers „Emma.“ weiß man nie so ganz, ob das Ganze nun Parodie, aufrichtige Romanze, beides oder nichts von alledem sein soll. Das macht den Film nur phasenweise amüsant, da man sich die restliche Zeit über fragt, wie der Film wohl geworden wäre, hätte man sich auf eine tonale Balance einigen können.

Das startet am 14. Juli 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 14. Juli, an dem wohl am ehesten noch „Independence Day“ eine Zukunft als Kassenschlager zuzutrauen ist, auch wenn der neue Film von Roland Emmerich in den USA bereits halbwegs gescheitert ist. Besonders spannend wird es sein, zu sehen, wie „Toni Erdmann“ nach großer PR-Party (die bei einem solchen Film tatsächlich mehr als beachtlich war und auch für kleinere Filme zukünftig gefeiert werden sollte) abschneidet. Auch das Doku-Experiment „Deutschland. Dein Selbstporträt“ ist schwierig, einzuschätzen. „Deutschland. Ein Sommermärchen“ lief hervorragend, doch diesmal geht es ja nun mal nicht um Fußball. Ansonsten ist mit einem neuen Teil der „StreetDance“-Reihe, „Mullewapp“ für die ganz Kleinen und der feinsinnigen Tragikomödie „Mit besten Absichten“ für jeden Filmgeschmack etwas dabei.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MIT BESTEN ABSICHTEN | Regie: Lorene Scafaria | USA 2015

Mit besten Absichten

Nach dem Tod ihres geliebten Ehemanns ist Marnie Minervini kürzlich von New Jersey nach Los Angeles umgezogen, um wieder näher bei ihrer Tochter Lori – einer erfolgreichen, aber immer noch allein lebenden Drehbuchautorin – zu wohnen und sie mit mütterlicher Liebe zu überschütten. Ausgestattet mit einem beachtlichen Bankguthaben, das ihr von ihrem Mann hinterlassen wurde, hat Marnie es sich in einem tollen Apartment gemütlich gemacht, das neue iPhone immer griffbereit. Doch die Unmengen an SMS, Überraschungsbesuchen und Gesprächen voller ungebetener Ratschläge zwingen Lori bald dazu, klare Grenzen zwischen ihrer Mutter und ihrem Privatleben zu ziehen. Und auch Marnie findet Mittel und Wege, ihren unendlichen Optimismus und ihre energische Großzügigkeit in neue Bahnen zu lenken. 4 von 5

Ein rührender Film über Mütter und Töchter – ohne Klischees zu bedienen, legt uns Regisseurin Lorene Scafaria in „Mit besten Absichten“ nahe, dass man geliebte Menschen nicht erdrücken, aber auch nicht gänzlich von sich weisen muss, um eine lange, erfüllte Beziehung zu genießen.


INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR | Regie: Roland Emmerich | USA 2016

Independence Day: Wiederkehr

Wir wussten immer, dass sie zurückkehren werden! Das nächste, zerstörerische Kapitel der Menschheit steht bevor, als eine globale Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes über die Welt hereinbricht. Mit Hilfe von Alien-Technologie haben die Nationen der Welt gemeinsam ein gigantisches Abwehrprogramm entwickelt, um die Erde zu schützen.  Aber nichts kann uns vor der hochentwickelten und nie dagewesenen Stärke der Aliens bewahren, die auf einen Schlag all ihre schlimmsten Befürchtungen um ein Vielfaches übertrifft. Lediglich durch den Einfallsreichtum einiger mutiger Männern und Frauen kann unsere Welt vor der Zerstörung gerettet werden. Doch die unheimlichen Alienwesen sind immer für eine (böse) Überraschung gut. 3 von 5

Back to the 90s! „Independence Day: Wiederkehr“ ist ein klassischer Vertreter sinnentleerten Blockbusterspektakels, das technisch überzeugt und inhaltlich Business as usual abliefert. Besser als erwartet, schwächer als gehofft.


TONI ERDMANN  |  Regie: Maren Ade  |  DE 2016

Toni Erdmann

Winfried ist 65, Hundeliebhaber, Musiklehrer und besitzt einen ausgeprägten Hang zum Scherzen. Seine Tochter Ines ist eine Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Vater und Tochter könnten unterschiedlicher nicht sein: Er, der gefühlvolle, sozialromantische Alt-68er. Sie, die rationale Unternehmensberaterin, die bei einem großen Outsourcing-Projekt in Rumänien versucht aufzusteigen, und sich in einer Männerdomäne zu behaupten. Da Winfried zu Hause nicht viel von seiner Tochter sieht, beschließt er, sie nach dem Tod seines Hundes spontan zu besuchen. Statt sich anzukündigen, überrascht er sie mit Scherzgebiss und Sonnenbrille in der Lobby ihrer Firma. Ines bemüht sich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und schleppt ihren Vater in seinen alten Jeans mit zu Businessempfängen und Massageterminen. 3 von 5

Grandiose Darstellerleistungen und eine minimalistische Inszenierung überzeugen. Auch Ades Beobachtung der Anzugträgergesellschaft eignet sich als Grundlage für eine Büro-Satire. Ansonsten ist „Toni Erdmann“ aber ein über weite Strecken absolut standardisiertes Werk über zwei Seelen, die über Umwege zueinander finden.


STREETDANCE: NEW YORK |  Regie: Michael Damian |  USA/ROU 2016

Streetdance: New York

Ruby ist eine Balletttänzerin, die an der renommiertesten Musikschule New Yorks studiert. Sie ist talentiert und voller Hingabe, lediglich der moderne Tanz liegt ihr nicht sehr. Als sie den britischen Violinisten Johnnie zufällig kennenlernt, ahnt sie noch nicht, wie er ihr Leben verändern wird. Johnnie, der mit seinen StreetDancer-Freunden zusammenwohnt und mit improvisierten Konzerten seinen Lebensunterhalt verdient, eröffnet Ruby eine völlig neue, faszinierende und spannende Seite der Musik.  Doch als Johnnie eines Tages von den New Yorker Behörden aufgegriffen wird und keine Green Card vorweisen kann, droht sein Traum von einem Leben im angesagten Manhattan zu zerplatzen. Es gibt nur einen Ausweg: Der Gewinner eines Tanzwettbewerbes an Rubys Schule erhält ein Studentenvisum für die USA sowie ein Stipendium.  3 von 5

„Streetdance: New York“ wird nicht dazu beitragen, dass sich sämtliche Klischees über Tanzfilm-Romanzen in Luft auflösen. Doch der Film ist nicht nur technisch astrein inszeniert, auch die selbstironische Ader und – natürlich – einmal mehr atemberaubende Tanzsequenzen sorgen für amüsante, kurzweilige Unterhaltung.


DEUTSCHLAND. DEIN SELBSTPORTRÄT | Regie: Sönke Wortmann | DE 2016
Deutschland. Dein Selbstportät

Am 20. Juni 2015 startete in Deutschland ein einmaliges Filmexperiment: Alle Menschen im Land waren eingeladen, an diesem einen Tag ein riesiges Filmteam zu bilden und gemeinsam ein Selbstporträt des Landes zu erstellen: Mit Videokamera, Tablet oder Smartphone, alles war erlaubt. Aus den vielen Tausend eingereichten Filmen realisierte Sönke Wortmann als künstlerischer Leiter einen Kinofilm. In mal kurzen, mal längeren Momentaufnahmen – und durchaus subjektiv – zeichnet „Deutschland. Dein Selbstportrait“ ein Bild des Landes: mal lustig, mal emotional, manchmal tieftraurig und nachdenklich, im nächsten Moment wieder atemberaubend und überraschend. Und wir erhalten einen Einblick, was die Menschen im Großen wie im Kleinen bewegt, von denen man sonst nichts in der Zeitung liest. 3 von 5

„Deutschland. Dein Selbstporträt“ beeindruckt aufgrund seiner aufwändigen Realisierung und fühlt sich dank des einzigartigen Konzepts durchgehend echt an. Der Unterhaltungswert ist für den Zuschauer allerdings stark von der Qualität der einzelnen Filmchen abhängig – sowohl inhaltlich, als auch visuell.


MULLEWAPP – EINE SCHÖNE SCHWEINEREI  |  Regie: Theresa Strozyk  | DE 2016

Mullewapp - Eine schöne Schweinerei

Einen Tag vor Waldemars großer Geburtstagsparty steigt die Aufregung in Mullewapp. Waldemar kann sich kaum zurückhalten, die schokoladig-sahnige Erdbeertorte, die es zur Feier geben soll, schon jetzt zu vernaschen Aber dann taucht unerwarteter Besuch auf dem beschaulichen Bauernhof auf. Das rüde Wildschwein Horst von Borst und seine Bande haben ein Auge auf die Geburtstags-Leckereien geworfen und nehmen die Mullewapp-Bewohner in Beschlag. Die drei Freunde Waldemar, Franz von Hahn und Johnny Mauser ahnen sofort: Hier stimmt was nicht! Doch sie werden vom windigen Wildschwein-Chef Horst reingelegt und mit einem Trick schickt er sie dabei ungewollt auf eine ganz besonders abenteuerliche Fahrrad-Tour. Wie können sie ihr geliebtes Zuhause jetzt bloß von den Eindringlingen befreien? 3 von 5

„Mullewapp – Eine schöne Schweinerei“ ist (Klein-)kindgerechte Kinounterhaltung mit süßen Figuren und einer einfach zu folgenden Geschichte. Optik und Länger dürften auch die Kleinsten nicht überfordern. Für die Erwachsenen gibt’s außerdem einen fantastischen Kurzauftritt von Christian Ulmen zu hören.


UNTERWEGS MIT JACQUELINE  |  Regie: Mohamed Hamidi | FR/SA 2015

Unterwegs mit Jacqueline

Die schöne Kuh Jacqueline ist Fatahs (Jamel Debbouze) ganzer Stolz. Der größte Traum des algerischen Bauers ist es, sie eines Tages auf der Landwirtschaftsmesse in Paris zu präsentieren. Als er tatsächlich eine offizielle Einladung aus Frankreich bekommt, gibt es für ihn kein Halten mehr. Mit der Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft treten Fatah und seine Kuh eine abenteuerliche Reise an: zuerst mit dem Boot übers Mittelmeer nach Marseille und von dort zu Fuß einmal quer durch Frankreich. Im Laufe dieser Odyssee, die viele Überraschungen und unerwartete Wendungen bereithält, trifft Fatah viele ungewöhnliche Menschen, die ihm dabei helfen, seinen Traum wahr werden zu lassen. Und dann ist er endlich da: auf der Landwirtschaftsmesse. Ob Jacqueline auch dort alle Blick auf sich ziehen wird? 3 von 5

„Unterwegs mit Jacqueline“ ist ein unaufgeregtes Roadmovie über einen Mann, der aller Widerstände zum Trotz seinen Traum verwirklichen will. Das ist bisweilen charmant und besitzt aufgrund der stimmigen Besetzung ein gewisses Grundamusement. Handlungsverlauf und Message sind allerdings zu standardisiert, um wirklich für Aufsehen zu sorgen.


ATOMIC FALAFEL  |  Regie: Dror Shaul | DE/NZL/ISR 2015

Atomic Falafel

Mit ihrem Falafel-Truck mitten in der Wüste Israels sorgen Mimi und ihre 15-jährige Tochter Nofar dafür, dass die israelischen Truppen nach ihren Manövern etwas was im Bauch haben. Die Soldaten lieben die Bällchen mit extrascharfer Sauce. Was Mutter und Tochter nicht ahnen: Sie sitzen buchstäblich auf dem Pulverfass, denn nur ein paar Meter unter ihnen befindet sich eine geheime Kommandozentrale der israelischen Armee. Dort haben sich hochgradige Militärs versammelt, die einem drohenden Atomangriff zuvorkommen wollen. Ausgerechnet da hat die Internationale Atomenergie-Kommission einen Kontrollbesuch angekündigt. Als sich Mimi in den deutschen Atominspektor Oli verliebt, bringt sie das Militär und den Geheimdienst gegen sich auf, denn je länger Oli im Land bleibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er das Plutonium entdeckt.


MEINE BRÜDER UND SCHWESTERN IM NORDEN  |  Regie: Sung-Hyung Cho | DE 2016

Meine Brüder und Schwestern im Norden

Wer weiß wirklich etwas über Nordkorea? Was wir von diesem Land zu sehen bekommen, ist immer das gleiche: Militär-Paraden mit Panzern und Raketen, Soldaten, die wie Roboter marschieren, Kriegsdrohungen, Hungersnöte, abgemagerte Kinder und nicht zuletzt die drei Generationen von scheinbar wahnsinnigen Diktatoren und die ihnen hysterisch huldigende Gefolgschaft. Sung-Hyung Cho geht diesen Fragen nach, mitten drin – in Nordkorea: „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ porträtiert die Menschen hinter den hartnäckigen Klischees und Stereotypen eine unverstandenen Landes und gibt Einblicke hinter die protzige Propagandafassade einer uns verschlossenen Lebenswelt. Die Menschen, denen er auf der Reise begegnet sind keine Zufallsbekanntschaften, sondern wurden vom Regime ausgesucht.


Heimkinotipp: ZOOMANIA | Regie: Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush | USA 2016

Zoomania

Zoomania ist eine Metropole wie keine andere, eine Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten und Schmelztiegel der unterschiedlichsten Tierarten aus aller Welt. In Zoomania scheint für jeden alles möglich. Doch als Polizistin Judy Hopps – jung, ehrgeizig, Häsin – nach Zoomania versetzt wird, stellt sie schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, sich als einziges Nagetier in einer Truppe aus knallharten und vor allem großen Tieren durchzubeißen. Eben noch dazu verdonnert, Knöllchen zu schreiben, erhält die aufgeweckte Hasendame vom Polizeichef ihren ersten großen Auftrag: Sie soll eine zwielichtige Verschwörung aufdecken, die ganz Zoomania in Atem hält. Ihr erster richtiger Fall erweist sich bald als eine Nummer größer als gedacht.3 von 5

„Zoomania“ kommt wie zu erwarten auf dem höchsten, technischen Niveau daher, das man sich im Animationsfilmsegment derzeit vorstellen kann, doch die Geschichte besitzt zu wenig eigene Akzente, um auch zwischen vereinzelt herausstechenden Gagszenarien zu bestehen. So ist der Film solide – aber für Disney ist solide eben noch lange nicht gut.

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