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Das startet am 26. April 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 26. April, an dem alles im Zeichen der „Avengers“ steht. „Infinity War“ wurde der deutschen Presse leider noch nicht gezeigt. Mehr zum Film gibt es am kommenden Mittwoch an dieser Stelle. Wer eine Alternative zum Superheldengetöse sucht, findet sie in Lynne Ramseys Drama „A Beautiful Day“. Für die kleinen gibt’s derweil den neuen Aardman-Animationsfilm, der hinter den letzten leider um Einiges zurückhängt.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

AVENGERS: INFINITY WAR | Regie: Anthony Russo, Joe Russo | USA 2018

In den vergangenen zehn Jahren haben es die Helden aus dem Marvel Cinematic Universe mit allerlei Gefahren aufgenommen. Dabei ist ihnen entgangen, dass sich in den Untiefen des Universums ein gigantischer Gegner formiert hat, der bereit ist, alles Leben auf der Welt für immer zu zerstören. Thanos heißt er und setzt auf der Jagd nach den sechs Infinity-Steinen zu einem irren Zerstörungsfeldzug in Richtung Erde an. Die Steine würden ihm Allmacht verleihen – eine Gefahr, der sich die Avengers natürlich stellen müssen. Doch diesmal sind sie nicht alleine: Nicht nur die Guardians of the Galaxy und die Einwohner von Wakanda schließen sich ihnen an, auch Helden, die bislang alleine kämpften, formieren sich um Tony Starck, Captain America und Co., um in ihrer bislang tödlichsten Mission die Menschheit vor ihrem Untergang zu bewahren… 

„Avengers: Infinity War“ ist ein sehr starkes Best-Of aus zehn Jahren Marvel Cinematic Universe, das die Storyline konsequent vorantreibt und gewaltige Action mit sensiblen Charaktermomenten und dem typischen Marvel-Humor kombiniert.


A BEAUTIFUL DAY  | Regie:  Lynne Ramsey | UK/FR/USA 2017

Joe (Joaquin Phoenix), Ex-Militär und Ex-FBI, ist der Mann, den man bei Kidnapping ruft. Die Vergangenheit hat bei ihm physische und psychische Narben hinterlassen, er ist vom Leben gezeichnet – seine bösen Erfahrungen kann er allerdings bestens für die Rettung minderjähriger Entführungsopfer einsetzen. Joe bekommt von einem verzweifelten New Yorker Senator den Auftrag, seine halbwüchsige Tochter Nina zu befreien, die in einem Bordell festgehalten wird. Im Lauf dieser Mission jedoch gerät Joe unerwartet in ein politisches Komplott, in dem Skrupel nicht auf der Tagesordnung stehen. Auf einem Terrain, das er nicht kennt, zwischen Gegnern, die ihm an Macht weit überlegen sind, muss Joe nun um sein Leben kämpfen – und auch Nina will er nicht zurücklassen. 

Lynne Ramsey inszeniert in „A Beautiful Day“ einen typischen Actionfilm-Plot als melancholisches Sinnsuche-Drama, in dem Joaquin Phoenix als Profikiller wider Willen brilliert, der seinen Gegnern ganz ohne Blutbad, dafür umso effizienter die Lichter ausknipst.


EARLY MAN – STEINZEIT BEREIT  | Regie: Nick Park | USA/UK/FR 2018

Angesiedelt in der Vorzeit, als urzeitliche Kreaturen und wollige Mammuts die Erde bevölkerten: Höhlenmensch Dug ist überzeugt davon, dass sein Stamm mehr kann als nur Kaninchen zu jagen. Wenn überhaupt. Doch Clanführer Bobnar rät ihm von solchen Höhenflügen ab. Als Steinzeitmenschen sollten sie einfach zufrieden in ihrem Tal leben und weiter Kaninchen jagen. Wenn überhaupt. Doch als eines Tages die Bronzemenschen und mit ihnen der heimtückische und arrogante Anführers Lord Nooth das idyllische Tal des Stammes für sich beanspruchen wollen, wird Dug klar, dass es nun Zeit zu handeln ist! Zusammen mit seinem besten Freund, dem prähistorischen Wildschwein Hognob, macht er sich auf seine Heimat zu retten. Und findet dabei heraus, dass seine Vorfahren früher sehr wohl ein großes Talent besaßen…  

„Early Man – Steinzeit bereit“ liefert tricktechnisch ebenjenen Standard, den man von den Filmen aus dem Animationshause Aardman gewohnt ist. Inhaltlich war das britische Animationshaus aber schon mal besser aufgelegt.


DJAM  | Regie: Tony Gatlif | FR/GRC/TR 2017

Die junge Griechin Djam (Daphne Patakia) wird von ihrem Onkel Kakourgos (Simon Abkarian), einem ehemaligen Seemann und passionierten Rembetiko-Fan, in die türkische Metropole Istanbul geschickt, um ein rares Ersatzteil für ein Boot zu besorgen. Dort trifft sie auf die 19-jährige Französin Avril (Maryne Cayon), die als Freiwillige in die Türkei kam, um dort in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten – doch ohne Geld und Kontakte ist die junge Frau verloren in der großen fremden Stadt. Die freche und freiheitsliebende, aber auch ebenso großherzige wie unberechenbare Djam nimmt Avril unter ihre Fittiche…

… und dies ist der Beginn einer Reise voller Hoffnung, wundervoller Begegnungen, großartiger Musik und der Freude am Teilen, die die beiden Frauen für immer verbinden wird.


MADAME AURORA UND DER DUFT VON FRÜHLING | Regie: Blandine Lenoir | FR 2017

Die lebensfrohe Aurora (Agnès Jaoui) hat zwei Töchter, ist geschieden und steht mitten im Leben. Doch plötzlich wird ihre Welt durcheinandergewirbelt: Aurora erfährt, dass sie Großmutter wird, fliegt aus ihren Job und muss zu allem Überfluss feststellen, dass das Älterwerden doch nicht so einfach ist und spurlos an ihr vorbeigeht, wie gedacht. Von Beratungsterminen beim Jobcenter, verrücktspielenden Hormonen, Konflikten mit ihren Töchtern, unangenehmen Treffen mit ihrer Schwägerin und misslungenen Dates, wird Aurora mit den Herausforderungen des Lebens konfrontiert. Als Aurora dann ihrer Jugendliebe Christophe (Thibault de Montalembert) wiederbegegnet, wird aber alles noch einmal ganz anders. Mit Hilfe ihrer besten Freundin Mano und ihren beiden Töchtern erlebt Aurora mehr und mehr, dass man etwas loslassen muss, um neu beginnen zu können.


GRAIN – WEIZEN | Regie: Semih Kaplanoğlu | TR/DE/FR/SWE/QAT 2017

Mit überwältigenden Bilder und seiner mythisch-philosophischen Geschichte entführt „Grain – Weizen“ in eine Zukunft, die so fern doch gar nicht mehr scheint. Ein abrupter Klimawandel hat das Leben auf der Erde nahezu unmöglich gemacht; Konzerne kontrollieren das Leben. Menschen leben in Ruinenstädten oder als Flüchtlinge in ländlichen Gebieten, die durch unsichtbare Elektrobarrieren von den Städten getrennt sind.

Der Wissenschaftler Erol Erin (Jean-Marc Barr) begibt sich auf die Suche nach dem berühmten Genetiker Cemin Akman (Ermin Bravo), der eine Lösung für die fortwährenden Missernten besitzen könnte, die die Menschheit in dieses Chaos gestürzt hat. Doch Akman wird in der verbotenen Zone vermutet und so entwickelt sich Erins Suche zu einem offenbarungsreichen Road-Trip mit einem ungewöhnlichen Begleiter.


MAYBE, BABY!  | Regie: Julia Becker | DE 2017

Stilldemenz, Dammriss und drückende Brüste – Marie ist 34 und kann die ewig gleichen Gespräche übers Kinderkriegen ihrer Freundinnen echt nicht mehr hören. Obendrein ist ihr Freund Sascha auch noch ganz heiß drauf, endlich Kinder mit ihr in die Welt zu setzen. Also werden die fruchtbaren Tage fleißig genutzt, um nochmal nackt zusammenzukommen. Aber will sie das wirklich? Also das ganze große Alles? Oder doch lieber frei und unabhängig sein? Und warum muss die verdammte biologische Uhr eigentlich so laut ticken? Als die Fragen in ihrem Kopf zu laut werden, flieht Marie mit Toyboy Lukas auf eine Tiroler Berghütte. Superwilder Sex und das ganz ohne Verpflichtungen, yeah! Auf dem Gipfel der Lust angekommen, muss Marie jedoch feststellen, dass auch Sascha sich dort ein paar vergnügliche Stunden mit seiner Affäre Birgit gönnt, die wiederum deutlich älter ist als er…


ELDORADO | Regie: Markus Imhoof | CH/DE 2018

„Das Einzige, was uns am Ende bleibt, sind Erinnerungen, die auf Liebe basieren.“ Es ist eine solche Erinnerung, die den preisgekrönten Regisseur Markus Imhoof sein Leben lang begleitet hat: Es ist Winter, die Schweiz ist das neutrale Land inmitten des Zweiten Weltkriegs und Markus Imhoofs Mutter wählt am Güterbahnhof ein italienisches Flüchtlingskind aus, um es aufzupäppeln. Das Mädchen heißt Giovanna – und verändert den Blick, mit dem der kleine Markus die Welt sieht. 70 Jahre später kommen wieder Fremde nach Europa. Markus Imhoof hat Giovanna nie vergessen, hat ihre Spuren verfolgt und in ihrem Land gelebt. Nun geht er an Bord eines Schiffes der italienischen Marine, es ist die Operation „Mare Nostrum“, in deren Verlauf mehr als 100.000 Menschen aus dem Mittelmeer gezogen werden. Mit den Augen des Kindes, das er damals war, spürt er den Fragen nach, die ihn seit jeher umtreiben.


 Heimkinotipp: DIE UNSICHTBAREN – WIR WOLLEN LEBEN  | Regie: Claus Räfle | DE 2017

Berlin, 1943. Die nationalsozialistische Regierung hat die Reichshauptstadt offiziell für „judenrein“ erklärt. Doch einigen Juden gelingt tatsächlich das Undenkbare. Sie werden unsichtbar für die Behörden. Oft ist es pures Glück und ihre jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität. Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanny Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Ku’damm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Delikatessen serviert. 

Ohne falsche Sentimentalität bringt „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ dem Zuschauer ein bislang weitgehend unterbelichtetes Kapitel der Nazizeit näher. Eine hochelegant inszenierte Symbiose aus Dokumentation und Spielfilmdrama, die gleichermaßen beeindruckt wie erschüttert.

Das startet am 26. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 26. Oktober, der im Grunde nur einen relevanten Start beinhaltet: „Fack ju Göhte 3“. An diesem wird kein Weg dran vorbei führen, entsprechend zurück hält sich die Konkurrenz mit der Veröffentlichung massentauglicher Filme. In Außenseiterposition geht allerdings „Jigsaw“ an den Start. Die Zielgruppe beider Filme überschneidet sich kaum, sodass hier mit einem amtlichen Ergebnis gerechnet werden dürfte. Leider wurden ausgerechnet diese beiden Filme bislang nicht der Presse vorgeführt. Ansonsten hält das Programmkino mit „Die Unsichtbaren“ eine zurecht viel gelobte Mischung aus Drama und Doku bereit, während auch das surrealistische Familienporträt „Sommerhäuser“ unbedingt einen Blick wert ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE UNSICHTBAREN – WIR WOLLEN LEBEN  | Regie: Claus Räfle | DE 2017

Berlin, 1943. Die nationalsozialistische Regierung hat die Reichshauptstadt offiziell für „judenrein“ erklärt. Doch einigen Juden gelingt tatsächlich das Undenkbare. Sie werden unsichtbar für die Behörden. Oft ist es pures Glück und ihre jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität. Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanny Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Ku’damm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Delikatessen serviert. 

Ohne falsche Sentimentalität bringt „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ dem Zuschauer ein bislang weitgehend unterbelichtetes Kapitel der Nazizeit näher. Eine hochelegant inszenierte Symbiose aus Dokumentation und Spielfilmdrama, die gleichermaßen beeindruckt wie erschüttert.


SOMMERHÄUSER  | Regie: Sonja Kröner | DE 2017

Im heiß-schwülen Jahrhundertsommer des Jahres 1976 kommen drei Generationen einer Münchener Großfamilie anlässlich der Beerdigung von Oma Sophie zusammen, um die freie Zeit im idyllischen Gemeinschaftsgarten zu verbringen. Die Erwachsenen diskutieren über den Verbleib des Grundstücks – während die Einen verkaufen wollen, wollen die Anderen, dass es im familiären Besitz bleibt. Tante Ilse (Ursula Werner) freundet sich mit ihrer sympathischen Nachbarin Frau Fischer (Grischa Huber) an, während die Kinder Jana (Emilia Pieske), Lorenz (Elliot Schulte) und Inga (Anne-Marie Weisz) sich auf Wespenjagd begeben oder im selbstgebauten Baumhaus abhängen. Als das Radio Nachrichten über ein vermisstes Mädchen überträgt, legt sich die Ungewissheit über das sommerliche Idyll. Ob der Mann vom Nachbargrundstück etwas damit zu tun hat? 

Ein Paradies mit Widerhaken: Mit ihrem fabelhaften Regiedebüt „Sommerhäuser“ gelingt Sonja Kröner ein flirrend-romantisches Nostalgiedrama mit diffusen bedrohlichen Untertönen, das sich in den letzten zehn Minuten all seiner aufgebauten Spannung entlädt wie ein schwüler Sommertag, der in ein krachendes Sommergewitter mündet.


FACK JU GÖHTE 3  | Regie: Bora Dagtekin | DE 2017

Homo Faber, Kurvendiskussion, Asbest in den Toiletten. An der Goethe- Gesamtschule herrscht Stress: Zeki Müller will Chantal, Danger, Zeynep und die anderen Schüler zum Abitur peitschen, doch die Chaosklasse ist wenig kooperativ. Denn die nette Dame vom Berufsinformationszentrum hat ihnen die Zukunftsaussichten ordentlich vermiest. Nun erreicht das Frustrationslevel ganz neue Höhen, was sich in maximaler Leistungsverweigerung und Schülereskalation äußert. Kann Herr Müller auch Motivation? Direktorin Gudrun Gerster jedenfalls ist keine große Hilfe, seit sie mit dem Bildungsministerium im Clinch liegt und als letzte Gesamtschule des Bundeslandes mit Imageproblemen zu kämpfen hat, an denen die Problemschüler nicht ganz unschuldig sind. Wenigstens bekommt Zeki Müller Unterstützung von Neuzugang Biggi Enzberger, die ihm bei einem Anti-Mobbing-Seminar aushilft. 

„Fack ju Göhte 3“ funktioniert einmal mehr über die lauten, derben Gags, verliert sich allerdings erstmals im Verlauf der Reihe in bemerkbarer Redundanz und nimmt sich nicht die Zeit, die er bräuchte, um Interesse am Verbleib der Figuren zu wecken. Einiges funktioniert, einiges nicht. Doch während das Feuilleton verzweifelt, werden die Zuschauer frohlocken. Es sei ihnen gegönnt – es ist immerhin der Final Fack!


MAUDIE  | Regie: Aisling Walsh | IE/CAN 2016

Kanada, 1930er Jahre. Everett Lewis lebt als Hausierer zurückgezogen an der Ostküste. Gegen die Einsamkeit und für etwas Ordnung in seiner kleinen Kate entscheidet er sich, eine Haushälterin zu engagieren. Aber auf seine Annonce meldet sich einzig Maud Dowley. Als Kind an rheumatischer Arthritis erkrankt, ist sie sehr zierlich, humpelt und ihre Hände sind verkrüppelt. Maud hat nur einen Wunsch, weg von der Familie, die ihr nichts zutraut, und, sie will malen. Die ersten Ölfarben bekommt sie von Everett geschenkt. Da hat er längst erkannt, dass Maud als Haushälterin nichts taugt. Statt zu putzen bemalt sie lieber Stück für Stück das ganze Haus mit farbenfrohen Bildern. Doch trotz alledem oder gerade deswegen empfindet Everett mehr und mehr für Maud, auch wenn Liebe und zarte Gefühle bisher in seinem Leben nicht vorkamen.

Das irisch-kanadische Drama „Maudie“ punktet zwar mit zwei starken Hauptdarstellern, doch die Geschichte über zwei sich allmählich annähernde Außenseiter mit ihren bewährten Skeptiker-Stereotypen verläuft in allzu formelhaften Bahnen und verpasst es außerdem, seine Hauptfigur aus ihrer festgefahrenen Opferrolle herauszuholen. Am Ende glaubt man zu keiner Sekunde, dass zwischen dem vermeintlichen Liebespaar tatsächlich Sympathien existieren.


JIGSAW  | Regie: Michael Spierig, Peter Spierig | USA/CAN 2016

Die Stadt ist übersät von grausam entstellten Leichen, die allesamt Opfer grausamer Folterspiele wurden. Die Ermittlungen führen schnell zu einem alten Bekannten: John Kramer (Tobin Bell). Doch der Mann, der sich als sogenannter Puzzlemörder einen Namen gemacht hat und in den Medien daher nur Jigsaw genannt wird, soll seit mehr als einem Jahrzehnt tot sein. Aber wer steckt dann hinter den Morden? Ist einer seiner Schüler zum Lehrer geworden und führt Jigsaws Erbe fort? Steckt womöglich einer der Ermittler hinter den Morden? Die Spiele haben ein weiteres Mal begonnen und die Uhr läuft gnadenlos gegen die Kommissare, doch der neue Jigsaw scheint seinen Jägern wieder einmal immer einen Schritt voraus zu sein…

„Jigsaw“ fährt gen Ende mit einem netten Twist auf, doch unter dem Versuch, die Ereignisse dieses Teils mit den ersten sieben Filmen zu verbinden leiden Glaubwürdigkeit und Atmosphäre. Die berühmten Folterfallen sind so harmlos, dass auch die Gore-Fans der Reihe nicht auf ihre Kosten kommen. Und das Wiedersehen mit John Kramer fällt so kurz und lieblos aus, dass man sich fragt, weshalb Tobin Bell für diesen Teil überhaupt noch zugesagt hat.


DER KLEINE VAMPIR  | Regie: Richard ClausKarsten Kiilerich | NED/DE/UK/DK 2017

Alterslos sein – was für Unsereins verlockend klingt, ist für Rüdiger von Schlotterstein kein Grund zur Freude. Als Vampir wird er einfach nicht älter und feiert seinen 13. Geburtstag nun schon zum 300. Mal! Auch wenn er selbst nicht in Stimmung ist, planen seine Eltern in der heimischen Gruft in Transsilvanien ein Fest mit der gesamten Verwandtschaft. Kurz bevor die Geburtstagsfeier steigen kann, begeht Rüdigers älterer Bruder Lumpi eine Dummheit, die Vampirjäger Geiermeier und dessen Assistenten Manni auf die Spur der Familie führt. Als die beiden Schurken die gesamte Gruft abriegeln, können sich nur Rüdiger, seine kleine Schwester Anna und die Eltern in Sicherheit bringen und zu Verwandten in den Schwarzwald fliehen. Hier verbringt gerade der 13-jährige Anton Bohnsack die Ferien mit seinen Eltern. Als Fan von Gruselgeschichten freut er sich riesig, endlich mal einen waschechten Vampir kennenzulernen! 

„Der kleine Vampir“ von 2017 ist ein weitgehend lieblos animiertes Abenteuer für die ganz Kleinen, die sich immerhin an den ausufernden Slapstick- und Actioneskapaden erfreuen können. Das Herz und die Seele der Bücher greifen die Macher nicht auf. Ihr Rüdiger von Schlotterstein ist einfach nur eine x-beliebige Figur in einem x-beliebigen Animationsfilm.


DJANGO – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK  | Regie: Étienne Comar | FR 2017

Wir befinden uns in Frankreich im Jahr 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist gerade auf dem Gipfel seines Erfolges. Abend für Abend spielt er in ausverkauften Sälen und begeistert das Publikum mit seinem bahnbrechenden Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebenslust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht entziehen können. Während andere Sinti in ganz Europa verfolgt werden, kann sich Django aufgrund seiner Popularität in Sicherheit wiegen – bis ihn die Nationalsozialisten auf Tournee nach Deutschland schicken wollen. Django weigert sich. Seine Pariser Geliebte hilft ihm, mit seiner schwangeren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Hier trifft er auf Mitglieder seiner weitverzweigten Familie, die ebenfalls auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er in die Schweiz gelangen, doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen.


Heimkinotipp: EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID  | Regie: Lars Montag | DE 2017

Irgendwo in Deutschland leben Menschen wie Du und ich. Sie alle sind Gefangene in einem Netz aus Neurosen, Ängsten, aber auch aus Sehnsüchten und Träumen. Da ist zum Beispiel Ecki. Ecki, 55, war mal Lehrer. Und zwar ein guter. Bis dieses Mädchen behauptet hat, er habe sie angegrapscht. Eine dreiste Lüge! Dann wäre da noch Thomas, 43. Thomas ist ein echter Mann. Angst? Fehlanzeige. Er passt auf Carla auf. Mit Leuten mit Migrationshintergrund hat er es nicht so. Carla, 27, will stark sein. Trotz der Sache mit dem Ausländer. Thomas hilft ihr dabei. Aber eigentlich kann das Carla auch ganz alleine. Auch Robert hadert mit sich. Robert, 53, hat keine Struktur mehr (sagt seine Frau), aber Familie: Maschjonka, Swentja und Sonja. Aber die brauchen ihn eigentlich nicht. Deshalb hätte er er gern einen Freund…

Mit seiner unverblümten Romanverfilmung „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ riskiert Regisseur Lars Montag viel – und gewinnt auf ganzer Linie. In mehreren Episoden entblößt die Hardcore-Komödie den Menschen an sich und gibt dabei nicht bloß unsere eigene Erwartung, sondern auch die Mechanismen des deutschen Anspruchskinos der Lächerlichkeit preis. Grandios!