Die Peanuts – Der Film

Viele haben darauf gewartet, nun kommt pünktlich zur Weihnachtszeit das erste 3D-Abenteuer der berühmten Comics von Charles M. Schultz in die Kinos. DIE PEANUTS – DER FILM kombiniert den Look der Vorlage mit modernen CGI-Animationen und trifft den Humor von einst. Doch so ganz vertragen sich die Konzepte von Film und Comic trotzdem nicht. Mehr dazu in meiner Kritik.Die Peanuts - Der Film

Der Plot

Charlie Brown, Snoopy, Lucy und Linus und der Rest der beliebten „Peanuts“-Gang haben ihren ersten großen Auftritt auf der Kinoleinwand – so wie man sie noch nie gesehen hat – in bester 3D Animation. Snoopy, der weltweit beliebteste Beagle – und Fliegerass – schwingt sich in großer Mission in die Lüfte, um seinen Erzfeind den Roten Baron zu verfolgen. Währenddessen begibt sich sein bester Freund Charlie Brown auf ein anderes episches Abenteuer: er will das Herz seiner schönen Nachbarin im Sturm erobern.

Kritik

Obwohl man es ihm gemeinhin andersherum nachsagt, ist kein Filmsegment kreativer aufgestellt als der Animationsfilm. Während die Allgemeinheit ihn vorzugsweise der Kinderbespaßung zuordnet, weiß der eingefleischte Filmliebhaber längst, dass es sich bei Zeichentrick- oder Computertrickproduktionen um eine ganz eigene Kunstform handelt, die sich über so ziemlich jedes Genre erstrecken kann, das die Kinolandschaft hervorbringt. Wer das nicht glaubt, der wird spätestens Anfang 2016 mit Charlie Kaufmans computeranimierten Drama „Anomalisa“ eines Besseren belehrt – zeigt dieses doch gar den Beischlaf zweier Menschen in eleganten CGI-Bildern, die mit Familienunterhaltung eher wenig zu tun haben. Ähnlich verhält es sich bei dem mittlerweile fünften (aber erstmals in 3D aufgemachten) Kinoabenteuer der insbesondere bei Erwachsenen so beliebten Comic-Reihe „Die Peanuts“. Cartoonist Charles M. Schultz konzipierte seine 1947 erstmals in einer Zeitung abgedruckten Strips als Kommentar auf die Widersprüchlichkeiten menschlichen Lebens und wusste damit anzuecken, ohne seine Leser vor den Kopf zu stoßen. Die Idee für den einen Tag vor Heiligabend in den Kinos erscheinenden Kinofilm stammt von Schultz‘ Sohn Craig, der sich seit 2006 mit der Konzeption eines computeranimierten „Peanuts“-Abenteuers auseinandersetzte und mit Steve Martino den Regisseur von „Ice Age 4 – Voll verschoben“ für das Projekt gewinnen konnte. Diese Kollaboration verhilft diesem „Peanuts“-Film zu der spritzigen Modernität, die man aus ebenjenen Filmen um Manni, Sid und Scrat kennt, doch als Hommage an die hintersinnigen Comics, bei denen buchstäblich die Kraft in der Ruhe liegt, funktioniert „Die Peanuts – Der Film“ leider nur bedingt.

Für die Liebhaber der gezeichneten Kurzgeschichten folgt das Wichtigste zuerst: Mit der Entscheidung, für das neueste Leinwandabenteuer von Charlie Brown, Snoopy und Co. den Look der zweidimensionalen Zeichnung über Bord zu werfen und sich stattdessen auf dreidimensionales CGI-Terrain zu begeben, hat man eine gute Wahl getroffen. „Die Peanuts – Der Film“ atmet trotz des modernen Looks die Luft der Vorlage und lässt das simple Flair aus den Comics mit aufwändigen Animationskulissen verschmelzen. Auf dem Niveau von Dreamworks Animation, geschweige denn Disney oder Pixar ist das zwar nicht, will es in diesem Fall aber auch gar nicht sein. Regisseur Steve Martino verhilft seinem Film durch diese Besonderheit innerhalb des minimalistischen Designs zu einem Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich auch Nostalgiker gut arrangieren können. „Die Peanuts – Der Film“ unterstreicht damit nicht bloß die Zeitlosigkeit seiner Vorlage, sondern auch das Fingerspitzengefühl der für die Animation tätigen Designer. Schließlich riskieren diese im Anbetracht der großen „Peanuts“-Fanbase extrem viel, wenn sie den seit Jahrzehnten bekannten Look mittels CGI mal eben (fast) auf links drehen.

Das Hauptproblem, dem sich die Drehbuchautoren Bryan und Craig Schultz sowie Cornelius Uliano ausgesetzt sahen, ist vielmehr die Tatsache, dass es nicht leicht ist, die sehr pointiert, reduziert und simpel konzipierten Comic-Strips in eine solch neue Form zu pressen, dass sie sich auf die Länge eines abendfüllenden Spielfilmes erstrecken lassen und ihre Ausdrucksstärke trotzdem beibehalten. Dass in der Kürze die Würze liegt, wusste Cartoonist Charles M. Schultz und dass es nicht genügt, lediglich die Protagonisten seiner Geschichten in das Umfeld eines wesentlich längeren Unterhaltungsprojekts (in diesem Fall das einer Animationskomödie) zu transportieren, ebenfalls. Es bedarf schon eines enormen Schreibtalents, damit die Aussagekraft der diversen Comicstrips innerhalb des Spielfilms nicht abhanden kommt. Im Falle von „Die Peanuts – Der Film“ ist leider genau das der Fall. Die Figuren haben zwar durchgehend eine liebevolle Charakterisierung durchlaufen und funktionieren als Alleinunterhalter innerhalb einer recht dünnen, lediglich als Alibi zwischen sketchartig aufbereiteten Einzelszenen dienenden Handlung, eine Identifikation mit ihnen ist allerdings fast unmöglich. Das Skript ist nicht darauf aus, das Publikum an Charlie Brown und seine Freunde heranzuführen, trotzdem erweist sich die Story als ebenso kurzweilig wie amüsant und dürfte sich dadurch besonders dem jüngeren Publikum erschließen. Für die erwachsenen „Peanuts“-Freunde erweist sich diese Umgang mit den liebgewonnenen Charakteren und dem Neu-Arrangement des altbewährten Comic-Konzepts allerdings als schwierig.

Die Story selbst besteht aus den handelsüblichen Versatzstücken eines typischen Familienfilms. Hübsche Ideen, wie die Tatsache, dass die in den Comics überhaupt nicht auftauchenden Erwachsenen hier ihrer Stimme beraubt werden, um den Mittelpunkt-Charakter der durchgehend kindlichen Hauptfiguren zu unterstreichen, oder der Nebenplot um Snoopy und dessen Eskapaden als Pilot peppen eine eher durchschnittliche Geschichte auf, in der ein „Steh zu dir selbst!“-Gedanke kinderfreundlich aber leider auch wenig kreativ aufbereitet wird. Platz für einige aus den Comics bekannte Running Gags gibt es dennoch. Und auch gerade der detailverliebte Blick durch die Kinderaugen verhilft „Die Peanuts – Der Film“ hin und wieder zu Momenten, in denen der Charakter der Vorlage durchblitzt. Doch manche Dinge funktionieren eben nur in einem Format – im Falle der „Peanuts“ hätte man sich vielleicht doch lieber auf eine reine Kurzgeschichtensammlung beschränken sollen, um der Aussagekraft, die Charles M. Schultz zu Lebzeiten an den Tag legte, auch nur im Ansatz nahezukommen.

Fazit: „Die Peanuts – Der Film“ wird der Vorlage nicht gerecht, punktet dafür aber als familientaugliches Abenteuer mit Kurzweil, dessen Look Nostalgieflair und Modernität miteinander verbindet.

„Die Peanuts – Der Film“ ist ab dem 23. Dezember bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D.

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