Coyote vs. Acme

Er sollte im Giftschrank bleiben, doch dank lauter Proteste schaffte COYOTE VS. ACME doch noch den Weg auf die große Leinwand. Zum Glück! Denn die Mischung aus Cartoon-Hommage und klassischer David-gegen-Goliath-Story ist einer der lustigsten Filme des Jahres.

OT: Coyote vs. Acme (USA 2026)

Darum geht’s

Nach unzähligen gescheiterten Versuchen, den Road Runner zu fangen, hat Willi Kojote endgültig genug. Schließlich sind es immer wieder die Produkte der ACME Corporation, die seine ausgeklügelten Pläne zunichtemachen. Kurzerhand beschließt er, den Konzern für dessen mangelhafte Ware zur Verantwortung zu ziehen. In der Hoffnung, den Road Runner selbst als Zeugen vorladen und ihn schließlich vor Gericht fangen zu können. Unterstützung erhält er von dem glücklosen Anwalt Kevin Avery (Will Forte), der sich widerwillig auf den ungewöhnlichen Fall einlässt. Dafür ist dessen Praktikantin Paige (Lana Condor) umso engagierter. Als Avery jedoch erfährt, dass ACME ausgerechnet von Buddy Crane (John Cena), dem selbstgefälligen Leiter seiner ehemaligen Kanzlei, vertreten wird, wird aus dem kuriosen Rechtsstreit schnell eine persönliche Angelegenheit.

Kritik

„Coyote vs. Acme“ drohte eine Zeitlang, zu einem der traurigsten Kinoprojekte der Filmgeschichte zu werden. Denn eigentlich sollte die rund 70 Millionen US-Dollar teure Komödie gar nicht (mehr) veröffentlicht werden. Nachdem Warner Bros. den Film bereits fertiggestellt hatte, landete er stattdessen im sogenannten Giftschrank. Der Grund: Im Zuge von Abschreibungen entschied sich das Studio dafür, die Produktion steuerlich geltend zu machen, anstatt sie regulär ins Kino zu bringen. Ein bizarrer Vorgang, schließlich war „Coyote vs. Acme“ längst abgedreht und damit eigentlich nur noch einen Schritt vom fertigen Kinofilm entfernt. Noch bizarrer wurde die Geschichte dadurch, dass sich die Macher:innen und Fans des Films mit dieser Entscheidung nicht einfach zufriedengeben wollten. Es folgten Proteste sowie Rettungsversuche. Und ebenjener Aufschrei war groß genug, dass sich schließlich sogar andere Studios um die Rechte bemühten, bevor sich Warner mit dem unabhängigen Filmstudio Ketchup Entertainment auf einen weltweiten Kinostart einigte. Was folgte, liest sich nun wie ein besonders schöner Hollywood-Irrwitz: Ausgerechnet der Film, der eigentlich als steuerlicher Verlust verbucht werden sollte, entwickelte sich zu einem veritablen Publikumserfolg. Und so wurde aus einer der traurigsten Anekdoten der jüngeren Filmgeschichte am Ende doch noch eine der fröhlichsten.

Eigentlich will der Kojote doch nur den Road Runner fangen…

Die Idee, Zeichentrickfiguren in eine reale Welt zu verpflanzen und sie dort mit echten Schauspieler:innen interagieren zu lassen, ist im Kino ein vergleichsweise seltenes Vergnügen. Die Speerspitze dieses Realfilm-Animations-Hybriden bleibt wohl bis heute „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, der aus den Welten von Zeichentrick und Realfilm eine vollständig eigene Filmrealität erschuf. Dem gegenüber stehen allerdings auch Beispiele wie „Space Jam 2“, bei denen die Vermischung von animierten und realen Figuren weitaus weniger inspiriert wirkt. So lautet im Jahr 2026 die entscheidende Frage vermutlich, wie man einem Konzept, das spätestens seit „Roger Rabbit“ bekannt ist, heute noch einen modernen Dreh geben könnte. Die Antwort darauf liefert Drehbuchautorin Samy Birch („May December“), die das Ganze für „Coyote vs. Acme“ einfach noch eine Meta-Ebene höher verortet, als es im Genre sowieso schon der Fall ist (schon die Einblendung „Basierend auf einer wahren Geschichte“ sowie der Verweis im Abspann, der Film basiere auf einem Artikel des New Yorker geben den humoristischen Tonfall vor). Hier begegnen uns Willi Coyote und der Road Runner nicht bloß in einer Welt mit echten Menschen, sondern die Cartoon-Logik wird zum Ausgangspunkt der Geschichte, wenn der notorisch glücklose Kojote den Hersteller jener Produkte – ACME – verklagt, die ihm in den Looney-Tunes-Cartoons regelmäßig zum Verhängnis werden.

„Diese Cartoon-Logik übernimmt Regisseur Dave Green für seinen Film mit voller Selbstverständlichkeit, wodurch sich ‚Coyote vs. Acme‘ weniger wie eine Parodie anfühlt, sondern durch und durch eine liebevolle Hommage auf die Looney Tunes ist.“

Diese Meta-Ebene erweist sich nicht etwa als Vorwand, um sich über die eigenen Vorbilder lustig zu machen. Stattdessen ist sie ein cleverer Weg, ihre ganz eigenen Regeln in die reale Welt zu überführen. Denn natürlich gelten auch für Willi Coyote sowie alle anderen Cartoon-Figuren (natürlich gibt es zahlreiche Gastauftritte!) in „Coyote vs. Acme“ die Gesetze des Looney-Tunes-Universums. Sie können aus schwindelerregenden Höhen stürzen oder von Explosionen zerfetzt werden, bevor sie im nächsten Moment einfach wieder aufstehen. Diese Cartoon-Logik übernimmt Regisseur Dave Green („Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“) für seinen Film mit voller Selbstverständlichkeit, wodurch sich „Coyote vs. Acme“ weniger wie eine Parodie anfühlt, sondern durch und durch eine liebevolle Hommage auf die Looney Tunes ist. Selbst die nicht zu leugnende Tragik hinter der Figur des nach zahllosen Anschlägen auf den Road Runner völlig überforderten Kojoten nimmt der Film todernst. Was sogar zur Folge hat, dass der Film auf der Zielgeraden sogar für einen ungeheuer emotionalen Moment sorgt, den man für einen Film dieser Couleur wohl kaum erwartet hätte. Gleichzeitig liegt hierin auch ein beträchtlicher Teil des Humors. Denn je ernsthafter Willi Coyote seine aussichtslose Lage verfolgt, je aufrichtiger sein menschlicher Anwalt für ihn kämpft und je größer die emotionale Fallhöhe wird, desto absurder wirkt es, dass wir es hier nach wie vor mit einem Tier zu tun haben, das eigentlich dafür bekannt ist, sich alle paar Minuten selbst in die Luft zu sprengen. Damit versteht „Coyote vs. Acme“ die wohl wichtigste komödiantische Grundregel und kennzeichnet Gags nicht als solche, sondern erzählt sie mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit.

Beim Versuch, den Fall für sich zu entscheiden, treffen der Anwalt Kevin Avery (Will Forte) und seine Praktikantin Paige (Lana Candor) auf zahlreiche Cartoon-Figuren.

Trotzdem entsteht dieser Humor nicht nur aus der absurden Welt der Looney Tunes heraus, sondern auch aus der Geschichte, die man um sie herum gebaut hat. Denn während Willi Coyote weiterhin zu jedem möglichen Zeitpunkt mit den absurdesten Acme-Erfindungen hantiert, erzählt „Coyote vs. Acme“ auch eine klassische Underdog-Geschichte über einen Kläger, der sich mit einem übermächtigen Konzern anlegt. Dass es sich bei diesem Kläger um einen Kojoten handelt, der seinen Gegner zuvor jahrzehntelang mit selbstgebauten Fallen und Raketenwerfern zu bezwingen versucht hat, verleiht selbst den vergleichsweise konventionellen Momenten des Films eine angenehm absurde Note. Und auch die Gerichtsfilmhandlung selbst wird immer wieder für kleine Seitenhiebe auf die Genre-Konventionen genutzt, ohne dass „Coyote vs. Acme“ daraus eine ausgewachsene Parodie machen würde. Vielmehr funktioniert die Geschichte gerade deshalb so gut, weil sie ihren klassischen Aufbau tatsächlich ernst nimmt. Willi und sein Anwalt bekommen einen klaren Gegenspieler, ein persönliches Ziel und schließlich sogar etwas zu verlieren. Eine emotionale Fallhöhe ist somit jederzeit gegeben.

„Die animierten Looney-Tunes-Figuren fügen sich dank moderner Effekte selbstverständlich in die realen Settings ein, ohne dafür ihre charakteristische Zeichentrickoptik einzubüßen. Überhaupt findet ‚Coyote vs. Acme‘ genau den richtigen visuellen Ton zwischen knallbunter Cartoon-Welt und klassischem Realfilm.“

Auch handwerklich funktioniert dieses ungewöhnliche Konzept reibungslos, was nicht zuletzt an der technischen Umsetzung liegt. Die animierten Looney-Tunes-Figuren fügen sich dank moderner Effekte selbstverständlich in die realen Settings ein, ohne dafür ihre charakteristische Zeichentrickoptik einzubüßen. Überhaupt findet „Coyote vs. Acme“ genau den richtigen visuellen Ton zwischen knallbunter Cartoon-Welt und klassischem Realfilm. Die sonnendurchfluteten Bilder und die bewusst etwas überzeichnete Gestaltung der Schauplätze (Kamera: Brandon Trost, „Die nackte Kanone“) verleihen dem Film eine angenehm leichte, ja, eben fast schon comichaft anmutende Atmosphäre. Ebenfalls wichtig: das Ensemble, das diese beiden Welten zusammenhält. John Cena („Bumblebee“) und Will Forte („Booksmart“) harmonieren als menschliches Gegenspieler-Duo hervorragend miteinander. Aber auch im Zusammenspiel mit Willi Coyote ergibt sich ein stimmiges Gespann. Dass man einem animierten Kojoten irgendwann tatsächlich jede Emotion und jedes Mitgefühl abnimmt, ist dabei mindestens ebenso sehr der gelungenen Animation wie dem Spiel seiner menschlichen Gegenüber zu verdanken.

Währenddessen macht der Kojote, was Kojoten eben so tun…

Fazit: Die Kombination aus liebevoll zum Leben erweckten Cartoons, einem bestens aufgelegten Ensemble und einer klassischen, aber niemals altbackenen David-gegen-Goliath-Geschichte machen „Coyote vs. Acme“ zu einem solch großen Vergnügen, dass es rückblickend eine Schande gewesen wäre, diesen Film im Giftschrank versauern zu lassen.

„Coyote vs. Acme“ ist ab dem 17. September 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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