Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows

Zwei Jahre nach einer erfolgreichen Realfilm-Neuauflage der weltberühmten Turtles-Eskapaden, steht mit TEENAGE MUTANT NINJA TURLES: OUT OF THE SHADOWS das nächste Blockbusterspektakel um die genmanipulierten Reptilien an. Erneut trägt dieses eindeutig Michael-Bay-DNA. Kann der Film seinen mauen Vorgänger übertrumpfen?Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows

Der Plot

Die coole Heldentruppe um Leonardo (Pete Ploszek) und seine Brüder Raphael (Alan Ritchson), Michelangelo (Noel Fisher) und Donatello (Jeremy Howard) muss sich erneut dem Kampf gegen das Böse stellen: Erzfeind Shredder (Brian Tee) hetzt den Kult-Schildkröten seine Kampfmutanten Bebop (Gary Anthony Williams) und Rocksteady (Stephen Farrelly) auf den Panzer. Während sich die Turtles in Topform bringen, um es mit Shredder und seiner neuen Gang aufnehmen zu können, stehen sie plötzlich und ohne Vorwarnung einem viel bösartigeren Gegner gegenüber: dem berühmt-berüchtigten Krang. Doch die vier grünen Helden bekommen Unterstützung von Casey Jones (Stephen Amell), den nur ein Lächeln von April O’Neil (Megan Fox) in die Knie zwingen kann. Mit vereinter Turtles-Power schicken sich die sechs an, ihre Gegner mächtig aufzumischen.

Kritik

Als Jonathan Liebesman 2014 mit der Neuninterpretation der „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Abenteuer betraut wurde, glichen allein schon die Pläne eines Franchise-Reboots einem Wagnis. Bekannt geworden als kernige Parodie auf allerhand genmanipulierte Superhelden, die in den Achtzigerjahren in Comicform herausgebracht wurde, folgten kindgerechte Zeichentrickserien, eine Handvoll Spielfilme und diverse Videogames. Mit dem Mitwirken von 3D- und Blockbuster-Spezialist Michael Bay, der an „Teenage Mutant Ninja Turtles“ in der Position des Produzenten mitwirken sollte, stellte man vor zwei Jahren die Weichen neu und etablierte das beibehaltene Konzept um vier Möchtegern-Superhelden in Schildkrötengestalt in Form eines zeitgeistlichen CGI-Blockbusters. Dass „TMNT“ tatsächlich so gut ankommen würde, dass er seine nicht geringen Produktionskosten von 125 Millionen US-Dollar direkt mehrfach wiedereinspielte (schlussendlich konnte sich der Verleih über Einnahmen von knapp 500 Millionen Dollar freuen), war angesichts der tonalen Neuausrichtung also keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Überraschung; was jedoch durchaus selbstverständlich ist, waren die im Anschluss an erste Box-Office-Zahlen geführten Verhandlungen um eine Fortsetzung. Und wie es in Hollywood nun mal so ist, wenn ein potenziell auch als Franchise-Auftakt funktionierender Film gut abschneidet, bekommt auch „Teenage Mutant Ninja Turtles“ trotz diverser qualitativer Mängel des Vorgängers ein Sequel spendiert, das jetzt zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Vorgängers erscheint. Dabei scheinen die Macher immerhin an einigen Stellen aus der Schelte von Kritikern und Fans (!) gelernt zu haben; „Out of the Shadows“ nimmt sich dankenswerterweise nicht mehr so schrecklich ernst, wie der erste Teil. Herz und Seele hat allerdings auch der zweite „TMNT“-Teil nicht zu bieten. Ganz zu schweigen von akzeptablen Schauspielleistungen.

Bei einem Film, dessen Prämisse voraussetzt, dass man vier Teenager-Schildkröten-Hybriden als Protagonisten akzeptiert, lässt sich schwer auf die Nicht-Einhaltung logischer Grundsätze pochen. Von daher muss ein Popcornabenteuer wie „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ über andere Faktoren funktionieren; gerade im Falle von Michael-Bay-Produktionen kann es nicht schaden, wenn der Sympathiewert von Geschichte und Figuren, sowie die technische Ausarbeitung stimmen, damit das Publikum bei aller Absurdität immer noch Spaß an dem Leinwandspektakel hat. Visuell fährt „Teenage Mutant Ninja Turtles 2“ zwar auf nur allzu bekannten Schienen, die Qualität der Computereffekte, das Motion-Capturing der Hauptfiguren sowie der dreidimensionale Effekt befinden sich immerhin auf einem zeitgemäßen Level. Leider krankt die Regiearbeit von Dave Green („Earth to Echo“) daran, womit auch schon die ersten drei „Transformers“-Filme sowie eine Handvoll ähnlich gelagerter Effekte-Overkill-Produktionen der Gegenwart so ihre Probleme haben: Die Bilder von Kameramann Lula Carvalho („Robocop“) können sich unter der stroboskopartigen Schnittarbeit von Bob Ducsay („San Andreas“) und Jim May („Gänsehaut“) kaum entfalten, der visuelle Bombast lässt sich daher gerade in den hektischen Kampf- und Verfolgungssequenzen kaum genießen.

Ebenfalls nicht von ihrer besten Seite präsentieren sich die Darsteller. Dass Megan Fox („Transformers 1 und 2“) generell nicht als aussagekräftige Charakterdarstellerin bekannt ist, muss im Rahmen eines ohnehin mehr auf Spaß denn inhaltliche Substanz ausgelegten Actionfilms nicht zwingend ein Nachteil sein. Im Falle von „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ lässt sich Fox hingegen so klar auf ihre Funktion als attraktives Sexobjekt reduzieren, dass man sich fragt, wie eine Frau, die sich zuvor noch klar gegen Bays Art der Besetzung weiblicher Schauspieler positioniert hatte, hier guten Gewissens zusagen konnte. Schon in ihrer aller ersten Szene ergötzt sich nicht nur der Kameramann an den prall in Szene gesetzten Kurven der Brünetten, auch die Art, ihre Figur zu etablieren, ist an Oberflächlichkeit kaum zu übertreffen. Im weiteren Verlauf des Films ist ihre April schließlich nur selten dazu imstande, Aufgaben alleine zu lösen. Stattdessen verlässt sie sich lieber auf die starke Schulter ihres männlichen Kompagnons Casey, der wiederum von der Ausstrahlung seiner Co-Workerin ein ums andere Mal in die Knie gezwungen wird. Eine echte Chemie zwischen den Figuren kann so kaum entstehen und als Paradebeispiel für Emanzipation lässt sich „TMNT 2“ ohnehin nicht heranziehen. Dass nun stattdessen die eigentlich im Mittelpunkt stehenden Turtles die Sympathien des Publikums auf sich ziehen sollten, funktioniert allerdings ebenso wenig. Zwar nehmen sich Raphael, Michelangelo, Donatello und Leonardo nicht mehr so unangenehm ernst wie im ersten Film dieses neuen „Turtles“-Franchises, doch mehr als mal tatsächlich recht coole, mal öde Allerweltsblockbuster-One-Liner von sich zu geben, scheint man für die vier Titelhelden nicht vorgesehen zu haben. Auch die betont lässige, dabei nie wirklich charmante Attitüde der Protagonisten mag sich vielleicht der anvisierten Zielgruppe zwischen 10 und 16 anbiedern, authentisch oder gar charismatisch ist das jedoch nicht.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows

Die mit 110 Minuten klassische Popcornkinolänge besitzende Handlung verlässt sich auf dieselben Versatzstücke wie andere Superheldenfilme ihrer Art, nur dass außerhalb des klassischen Gut-gegen-Böse-Konzepts keine greifbaren Berührungspunkte existieren. Dass die Turtles zwecks Zusammenhalt und Weltenrettung gegen einen schier übermächtigen Gegner agieren müssen, definiert den Konflikt klar. Der Gegner selbst gefällt in seinem skurrilen Erscheinungsbild und hat immerhin sowohl ein nachvollziehbares Ziel sowie Wiedererkennungwert.  Auch die immer wieder anklingenden selbstironischen Kommentare, einhergehend mit einem immerhin leicht erkennbaren Ansatz von Gesellschaftskritik, wenn es darum geht, weshalb die Turtles erst zu Menschen werden müssten, um von der Allgemeinheit akzeptiert zu werden, bewahren „TMNT 2“ davor, vollkommen in die Belanglosigkeit abzudriften. Doch so richtig mitreißend gerät „Out of the Shadows“ schon deshalb nicht, weil Dave Green jedwedes Abweichen von klassischen Mainstream-Pfaden meidet. So betont cool, wie sein Film hier erscheint, erwecken die Macher gar den Eindruck, bisweilen um pure Selbstdarstellung bemüht zu sein. Wirklich authentische, da nicht um jeden Preis auf Coolness getrimmte Momente wie ein Aufeinandertreffen der Turtles mit einer echten Schildkröte oder Caseys Flucht auf selbstgebastelten Inline-Skates sind rar gesät. Dieser allzu konstruierte Irrsinn wird schlussendlich nur noch von den wohl dreistesten Product Placements des aktuellen Filmgeschehens getoppt. Aber auch danach wird vermutlich schon in ein paar Tagen kein Hahn mehr nach krähen.

Fazit: Regisseur Dave Green hat gut daran getan, die Kritik zum Vorgänger aufzugreifen und „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ selbstironischer zu gestalten. Trotzdem ist seine neueste Regiearbeit ein weitestgehend liebloser Popcorn-Blockbuster von der Stange, bei dem die Effekte überzeugen, alles andere dagegen nicht.

„Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ ist ab dem 11. August in den deutschen Kinos zu sehen – auch in starkem 3D!

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