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Videoabend: Das verborgene Gesicht

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem spanischen Drama „Das verborgene Gesicht“, das seit dem 25. Januar 2013 auf DVD im Handel erhältlich ist.

Das verborgene Gesicht

Adrian (Quim Guitiérrez), der gutaussehende Dirigent des Philharmonie-Orchesters von Bogota, und seine Freundin Belén (Clara Lago) wirken sehr verliebt, aber sein ständiges Flirten mit anderen Frauen lässt sie an seiner Treue zweifeln. Als sie einen geheimen, schalldichten Raum in ihrem gemeinsamen Haus entdeckt, beschließt Belen, Adrian heimlich zu testen, indem sie sich darin versteckt und vortäuscht, ihn verlassen zu haben. Versehentlich schließt sie sich jedoch ein und kann aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Raum entkommen. Nach Beléns plötzlichem Verschwinden sucht Adrian Trost in den Armen der schönen Kellnerin Fabiana (Martina García). Doch während sie sich immer intensiver ihrer Leidenschaft hingeben, werden sie auch mit der Vergangenheit konfrontiert, und eine Reihe seltsamer Ereignisse im Haus beginnt, Fabiana zu terrorisieren.

Kritik

Spanischer Suspense hat schon lange (und endlich!) auch deutsche Lande erreicht. In den Zuschauerzahlen schlägt sich das zwar noch nicht unbedingt nieder, doch immerhin schaffen es spanische Produktionen jenseits des breiten Massengeschmacks – man denke nur an „Buried“ oder „Sleep Tight“ – in hiesige Programmkinos. Wo die Franzosen seit Jahren auf Rigorosität bauen, schlagen spanische Filmemacher sanftere Töne an. Dabei ist das, was sie Jahr für Jahr in die Lichtspielhäuser entlassen, zum Großteil Nervenkitzel auf Weltklasseniveau. Auch die weitestgehend unbekannte und hierzulande nur mit einer einstelligen (!) Kopienanzahl in den Kinos erschienene Regiearbeit von Andrés Baiz („Satanás“), „Das verborgene Gesicht“ macht da keine Ausnahme, obwohl es das Marketing dem Film einst unnötig schwer machte. Daher unser Tipp: Den folgenden Trailer bitte nicht vor dem Filmgenuss anschauen.

Als absolut unvoreingenommener Zuschauer ist „Das verborgene Gesicht“ nämlich ein Mysterythriller, der an Intensität und Überraschung kaum zu übertreffen ist. Auf die Szenerie eines Hauses beschränkt, liefert sich ein Cast aus einer Handvoll Schauspielern ein hochspannendes Verwirrspiel, das ohne das Wissen um die Hintergründe besonders deshalb so fein gerät, weil es auf subtile Gesten baut, deren Sinn und Unsinn sich erst mit der Zeit entschlüsseln. Und daher auch das große Manko: Schon die Trailer und zu detaillierte Filmbeschreibungen verraten viel zu viel, wodurch „Das verborgene Gesicht“ einen Großteil an Spannungspotential einbüßt. Dass Andrés Baiz bei aller Spoilerei dennoch ein feines Stück Suspensekino gelungen ist, liegt an den grandiosen Darstellern. Hierzulande unbekannt, bringen die unverbrauchten Gesichter Würze und Pepp in den auf simple Grundlagen bauenden Film, der mit seinen 92 Minuten genau die richtige Länge hat und viel über die Grundfesten einer Beziehung aussagt.

DAS VERBORGENE GESICHT stammt von Andrés Baiz, der auch das Skript zum Film schrieb. Der Cast besteht aus Martina García, Quim Gutiérrez, Clara Lago, Alexandra Stewart und Marcela Mar. Bei dem Film handelt es sich um ein Drana, produziert in Spanien aus dem Jahr 2011. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 92 Minuten.

Fazit

Die Spanier können’s einfach! Ohne Vorwissen entfaltet „Das verborgene Gesicht“ einen finsteren Sog aus dunklen Sehnsüchtenm die sich in einem wendungsreichen, unvorhersehbaren Drama entladen.

Mein Tipp: kann man kaufen!

Videoabend: Only Lovers Left Alive

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem international produzierten Horrordrama „Only Lovers Left Alive“, das seit dem 11. Juli 2014 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Only Lovers Left Alive

Der Undergroundmusiker Adam (Tom Hiddleston) versteckt sich in einer heruntergekommenen Villa in Detroit vor den Zumutungen der modernen Welt, während seine große Liebe Eve (Tilda Swinton) tausende Kilometer entfernt Zuflucht in der romantischen Kasbah von Tanger gefunden hat. Beide vereint ein Dasein als Vampir, sie meiden beide den Kontakt zu normalen Menschen. Doch als Eve spürt, dass ihr lebensmüder Gefährte seiner Unsterblichkeit ein Ende setzen will, macht sie sich sofort auf den Weg zu ihm. Die Liebe von Adam und Eve hat schon Jahrhunderte überdauert, aber ihr Idyll wird jäh zerstört von Eves wilder Schwester Ava (Mia Wasikowska). Können diese klugen und sensiblen Außenseiter überleben, obwohl die moderne Welt, die sie umgibt, gerade zusammenbricht?

Kritik

Im Post-„Twilight“-Zeitalter Vampirfilme zu drehen, ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen. Zu sehr haben die glitzernden Blutsauger das Image des Bösewichts zum Teenie-Darling verschoben. Düster-Romantiker Jim Jarmusch („Coffee and Cigarettes“) scheint sich daran nicht zu stören und kreiert mit „Only Lovers Left Alive“ den wohl ehrlichsten Blick auf das Vampirdasein im 21. Jahrhundert. Seine Protagonisten sind Rockmusiker und Künstler, leben in einer Welt, in der man alles sein möchte, aber nicht unsterblich und sind trotz ihres Daseins als Blutsauger bei Weitem nicht das Böseste, auf was man in ihrer Umgebung des Nachts treffen könnte. Im Grunde dient die Vampir-Thematik also auch hier bloß der Überhöhung der Realität; wenn einer diesem Thema neue Facetten beimengen kann, dann Jim Jarmusch.

„Only Lovers Left Alive“ entführt den Zuschauer in eine Welt, die vor allem mit einem absolut nichts zu tun hat: Romantik. Zwar sind die sich gegenseitig anschmachtenden Hauptfiguren auch noch Jahrhunderte nach dem Kennenlernen bis über beide Ohren ineinander verknallt, doch der Schwermut in der Inszenierung bewahrt den Film davor, eine klassische Liebesgeschichte zu erzählen. Gespickt mit jeder Menge Gesellschaftskritik über die Verpestung der Welt und die Verrohung der Menschheit entlässt Jim Jarmusch sein Protagonistenpaar in eine poetische Melancholie. Dabei sinniert vor allem Tom „Loki“ Hiddleston so herzergreifend über den Sinn und Unsinn der Liebe, dass Tilda Swinton („Grand Budapest Hotel“) zeitweise nur schwer dagegen an spielen kann. Mia Wasikoswka („Crimson Peak“) erweist sich zunächst auch abseits des Skripts als kleiner Störfaktor, nur um die Story im entscheidenden Moment in eine überraschende Richtung zu lenken. Jozef van Wissems Emo-Soundtrack untermalt die düstere Szenerie gekonnt mit einem Alternative-Score, der sich auch abseits des Films bereits zum Kult entwickelt hat. So intim hat man den modernen Vampir wohl noch nie gesehen!

ONLY LOVERS LEFT ALIVE stammt von Jim Jarmusch, der auch das Skript zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Tom Hiddleston, Tilda Swinton, Mia Wasikowska, Anton Yelchin und Jeffrey Wright. Bei dem Film handelt es sich um ein Horrordrama, produziert in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Griechenland, Zypern und den USA aus dem Jahr 2013. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 123 Minuten.

Fazit

Bye bye, Glitzervampir! Mit „Only Lovers Left Alive“ legt Jim Jarmusch die Zeitlosigkeit des Blutsauger-Themas offen und erzählt eine traurige, inszenatorisch dennoch wunderschöne Geschichte um unser aller Sterblichkeit. Ein moderner Klassiker!

Mein Tipp: unbedingt kaufen!

Videoabend: Ein Mann namens Ove

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der schwedischen Romanverfilmung „Ein Mann namens Ove“, der seit dem 18. August 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Ein Mann namens Ove

So einen Nachbarn wie Ove (Rolf Lassgård) kennt jeder: Schlecht gelaunt, grantig, in die Jahre gekommen. Einer, der jeden Morgen seine Kontrollrunde in der Reihenhaussiedlung macht, Falschparker aufschreibt und Mülltonnen auf korrekte Mülltrennung überprüft. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich in Wirklichkeit ein großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja (Ida Engvoll) gestorben ist, sieht er keinen Sinn mehr im Leben und trifft praktische Vorbereitungen zum Sterben. Doch dann zieht im Reihenhaus nebenan eine junge Familie ein, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Zweckgemeinschaft zwischen den Nachbarn, die Ove für einen Moment vergessen lässt, dass er eigentlich schon längst tot sein sollte…

Concorde Video bewirbt ihn wie folgt: 

Charmant-komische Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Fredrik Backman – rührend, lustig, sarkastisch: herrlich schwedisch!

Kritik

In Deutschland entwickelte sich der schwedische Kinohit „Ein Mann namens Ove“ trotz relativ geringer Kopienanzahl zu einem Sleeperhit in den Programmkinos. Aktuell zählt der Film knapp 450.000 Besucher – und angesichts der Freiluftkinotauglichkeit könnten es durchaus noch ein paar mehr werden. Mit seiner Mischung aus tiefschwarzem, trockenem Humor, leiser Melancholie und einer kraftvollen Performance von Hauptdarsteller Rolf Lassgård ist der Zuspruch von Seiten des Publikums nicht verwunderlich. Der durch Mankells „Wallander“ auch hierzulande zu größerer Berühmtheit gelangte Schauspieler macht sich den Film mit Leichtigkeit zu eigen. Dass schon der Roman an vielerlei Stellen lediglich Klischees variiert, rückt angesichts der fesselnden Performance glatt in den Hintergrund. Rolf Lassgård spielt den über alle Maßen unsympathischen Witwer mit solch einer Inbrunst, dass die Gefühlsregungen seiner Figur stets grundehrlich wirken. Der unbedingte Wunsch zu sterben, die Abneigung gegen alles Menschliche und die stille Trauer um seine Frau – all diese Emotionen bündelt der Regisseur mithilfe recht simpel gestrickter Szenarien zu einem Gesamtbild Mensch, das interessant genug ist, diesen Film nicht nur zu rechtfertigen, sondern ihn sogar dann zu einem Genuss zu machen, wenn man eigentlich genau weiß, wie die Geschichte ausgehen wird.

Ab dem Moment, wo Ove auf die fortan direkt neben ihm wohnende Familie trifft, weiß der findige Zuschauer sofort, dass sich hier später zusammenraufen wird, was sich auf den ersten Blick gar nicht zusammenraufen kann. Doch wie es dazu kommt, ist nur ein Teilaspekt der Geschichte. In Wirklichkeit punktet der Film durch seine Rückblenden auf das Geschehen, welches Ove zu dem Griesgram gemacht hat, welches er heute ist. Technisch geht Regisseur Hannes Holm zwar wenig Risiko ein – die Flashbacks sind erwartungsgemäß in warme Farben getaucht, während das Heute dagegen als tristes Grau-in-Grau daherkommt -, die Erzählweise um Oves Lebensweg ist jedoch nicht nur aufgrund den Schauspielperformances authentisch, sondern vor allem aufgrund der liebevollen Interaktion der Darsteller, die in den einzelnen Stadien die jüngeren Versionen von Ove und seiner Frau übernehmen. Bis zuletzt ist „Ein Mann namens Ove“ nicht auf das zwingende Happy End aus. Wenngleich der Film mit plakativen Botschaften nicht geizt, nimmt der Regisseur den Vorschlaghammer nie zur Hand, sondern scheint sehr gut um die pure Ausstrahlung von Erzählung und Inszenierung zu wissen. Eine sehr schöne Arbeit, die bis zuletzt zum Nachdenken anregt und auch unbequeme Momente nicht scheut.

EIN MANN NAMENS OVE stammt von Hannes Holm, der auch das Skript zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Rolf Lassgård, Bahar Pars, Zozan Akgün, Tobias Almborg, Viktor Baagøe und Filip Berg. Bei dem Film handelt es sich um eine Tragikomödie, produziert in Schweden aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 116 Minuten.

Fazit

Hannes Holm ist ein feiner Beobachter zwischenmenschlicher Konflikte. Seine Tragikomödie „Ein Mann namens Ove“ hütet sich vor der Rührseligkeit und ist eine ehrliche, beeindruckend gespielte Auseinandersetzung mit dem Thema Nächstenliebe, Einsamkeit und Alter, getragen von einem hervorragenden Rolf Lassgård.

Mein Tipp: kann man kaufen!

Videoabend: Mein Ein, mein Alles

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem französischen Liebesdrama „Mein Ein, mein Alles“, das seit dem 21. Juli 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Mein Ein, mein Alles

Nach einem schweren Skiunfall wird Tony (Emmanuelle Bercot) in ein Reha-Zentrum gebracht. Dort muss die junge Frau aufgrund einer hartnäckigen Knieverletzung nicht nur mühsam das Gehen neu erlernen, sondern auch ihr inneres Gleichgewicht wiederfinden. Zeit, um auf ihre turbulente Beziehung mit Georgio (Vincent Cassel) zurückzublicken: Warum haben sie sich geliebt? Wer ist dieser Mann, dem sie so verfallen war? Und wie konnte sie es zulassen, sich dieser erstickenden, zerstörerischen Leidenschaft auszuliefern? Vor Tony liegt ein langer Heilungsprozess, aber auch eine Chance, die Stücke ihrer zerbrochenen Persönlichkeit neu zusammenzusetzen und am Ende wieder frei zu sein. Doch dazu muss sie nicht nur ihr Leben Revue passieren lassen, sondern sich auch darauf einlassen, ihr Leben neu zu beginnen – vielleicht ohne Georgio…

STUDIOCANAL Home bewirbt ihn so: 

In diesem aufwühlenden Drama der gefeierten Regisseurin Maïwenn brilliert Vincent Cassel als gefährlicher Verführer neben Emmanuelle Bercot, die für ihre Darstellung bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2016 als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde.

Kritik

Gerade einmal 66 Kopien spendierte man dem französischen Liebesdrama „Mein Ein, mein Alles“ Anfang des Jahres für die deutschen Lichtspielhäuser. Kein Wunder also, dass in der Startwoche gerade einmal rund 12.000 Besucher ein Ticket für die emotional aufwühlende Charakterstudie der umjubelten Regisseurin Maïwenn lösten. Gleichsam ist das angesichts der Thematik nicht unbedingt erstaunlich; wer sich im Kino mit dem vielschichtigen Thema Liebe auseinander setzen möchte, dem steht eine ganze Palette mal mehr, mal weniger gelungener, vor allem aber auch vorzugsweise einseitig inszenierter Romanzen zur Verfügung. Der im französischen Original „Mon Roi“ – zu Deutsch: „Mein König“ – betitelte Film erzählt über zwei Stunden lang von der Liebe in all ihren Erscheinungsbildern, beginnt beim überschwänglichen Jauchzen in der ersten Verliebtheitsphase,  geht über in die Gewöhnung und entlädt sich in grauenvollen Momenten purer Abhängigkeit, einhergehend mit all ihrer selbstzerstörerischen Facetten. „Mein Ein, mein Alles“ setzt bisweilen auf große Gesten sowie durchaus vorhersehbare Bahnen, in denen sich die Geschichte einer ebenso leidenschaftlichen wie tragischen Liebesbeziehung abspielt. Gleichwohl sind die von Maïwenn angestellten Beobachtungen dieses wankelmütigen Prozesses ebenso detailliert wie feinsinnig.  Bis zuletzt mag man keine Vermutung anstellen, wohin die Reise von Tony und Georgio geht. Und auch noch lange nach dem Abspann glaubt man zu wissen, dass sie noch längst nicht zu Ende ist.

Zu sagen, „Mein Ein, mein Alles“ würde lediglich das Scheitern einer Ehe nachzeichnen, würde der komplexen Beziehungsstudie nicht einmal im Ansatz gerecht werden. Eine dramaturgische Richtung wäre für einen Film wie diesen auch viel zu standardisiert. Abgesehen von den klassischen emotionalen Schwankungen innerhalb einer Ehe thematisiert Maïwenn auch die gegenseitige Abhängigkeit von Lebenspartnern, hinterfragt die Grenze zwischen Aufopferungsbereitschaft und Selbstzerstörung, durchleuchtet, wie Beziehungen funktionieren und kommt am Ende zu dem Schluss, dass Liebe und Hass ebenso wenig ohneeinander können, wie die beiden Hauptfiguren miteinander. Unter Zuhilfenahme beeindruckend authentischer Dialoge, zum Leben erweckt von phänomenal aufspielenden Akteuren und Aktricen, mal aus der Situation heraus brüllend komisch inszeniert, mal tieftraurige Regungen hervorrufend, ohne dabei auf die Tränendrüse zu drücken, gelingt Maïwenn ein pulsierender Tour-de-Force-Ritt durch eine Liebe voller Höhen und Tiefen. Aus der Sicht der Protagonistin und obendrein in Flashbacks erzählt, verweigert die Filmemacherin trotzdem jedwede Positionierung. Mal lässt sie den Zuschauer über die scheinbare Blauäugigkeit der Figuren den Kopf schütteln, ein anderes Mal wiederum hofft man einfach nur darauf, das Paar möge doch irgendwie noch zu einem Happy End finden. Wer hier wen beeinflusst – ob Mann Frau oder Frau Mann –  mag gerade aufgrund des französischen Titels lange klar sein; auch deshalb, weil Vincent Cassels Georgio so charmant und selbstverständlich mit seiner Umwelt interagiert, dass es keine bloße Behauptung ist, dass Tony sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Wenn sich die Rechtsanwältin aufgrund eines prestigeträchtigen Falls dann jedoch plötzlich schnurstracks in Richtung Unabhängigkeit begibt, zieht Maïwenn mithilfe Georgios überraschender Reaktion alle erzählerischen Register, indem sie sagt: Sie kann zwar nicht ohne ihn, aber er auch nicht ohne sie. Und auf einmal stehen die vergangenen zwei Stunden in einem völlig neuen Licht da…

MEIN EIN, MEIN ALLES stammt von Maïwenn, die gemeinsam mit Etienne Comar auch das Skript zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel, Isild Le Besco und Chrystèle Saint Louis Augustin. Bei dem Film handelt es sich um ein Romantikdrama, produziert in Frankreich aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 125 Minuten.

Fazit

„Mein Ein, mein Alles“ ist eine über alle Maße ergreifende, komplex erzählte, tiefschürfende und zu jedem Zeitpunkt authentische Liebesgeschichte, deren inszenatorische Kraft so stark ist, dass man bisweilen glaubt, man würde hier Zeuge eines Liebes-Thrillers werden. So aufwühlend bekam man die Liebe selbst lange nicht mehr zu Gesicht.

Mein Tipp: unbedingt kaufen!

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Videoabend: Der Bunker

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der deutschen Familiengroteske „Der Bunker“, die ab dem 22. Juli 2016 in unterschiedlichen Editionen auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Der Bunker

Ein ehrgeiziger Student (Pit Bukowski) quartiert sich als Untermieter bei einer merkwürdigen Familie ein, die ihren seltsamen Sohn Klaus (Daniel Fripan) zuhause in ihrer unterirdischen Bunkerwohnung unterrichtet. Dabei wird er Zeuge, seltsamer Erziehungsmethoden, mit einem noch merkwürdigeren Ziel, das dahinter steckt… „Der Bunker“ ist eine düstere, verstörende und witzige Geschichte über hohe Ansprüche, Familie, Bildung und Bindung. Nikias Chryssos‘ gefeierter und preigekrönter Debütfilm zeigt, dass deutsches Genrekino nicht nur lebt, sondern auch irre viel Spaß machen kann. So verwundert es nicht, dass „Der Bunker“ nicht nur auf der Berlinale 2015 seine Premiere feierte und auf dem Fantasy Filmfest Platz drei im Wettbewerb um den Fresh Blood Award belegte, sondern auch international unter anderem auf dem Fantastic Fest in Austin und dem Fantaspoa in Brasilien zum Festivalhit wurde.

Alive bewirbt ihn so: 

Der Hit von Fantasy Filmfest und Berlinale 2015!

Kritik

Mit nicht einmal zwanzig Kopien ging „Der Bunker“ vor einigen Monaten in die reguläre Kinoauswertung. Dabei wurde die Regiearbeit von Kurzfilmregisseur Nikias Chryssos („Mann liebt Hund“) sowohl auf seiner Premiere bei der Berlinale, als auch beim Fantasy Filmfest mit Lob nur so überschüttet. Und tatsächlich reiht sich die Familiengroteske in einen aktuellen Trend ein, für den sich das deutsche Genrekino auf die Schultern klopfen darf. Produktionen wie „Der Nachtmahr“, „Wild“ und Co. sorgen derzeit dafür, dass der Horror- sowie der fantastische Film aus nationalen Gefilden momentan besser dasteht, als je zuvor. Visionäre Regisseure inszenieren „frei nach Schnauze“, müssen sich im Anbetracht eines fehlenden Trends wenig bis kaum um die Anbiederung ans ohnehin interessierten Publikum scheren. Erlaubt ist, was gefällt. Entsprechend obskur wirkt „Der Bunker“ in seinem vollständigen Verzicht auf Konventionen, während gerade das dem Film zu einem interessanten (und zum mehrmaligen Anschauen einladenden!) Erlebnis macht. Nikias Chryssos Erzählung über einen Studenten, der sich bei einer undurchsichtige Pläne verfolgenden Familie einquartiert, ist eine Studio darüber, was passiert, wenn festgefahrene Muster infrage gestellt werden. In diesem Fall übernimmt das ein Eindringling stellvertretend für den Zuschauer, der wiederum Zeuge wird, wie ein für sein Alter viel zu erwachsen aussehender Junge von seinen Eltern zum Präsidenten erzogen wird. Doch ist das wirklich das Ziel?

Eigentlich ist es vollkommen irrelevant, was genau Mutter und Vater damit bezwecken wollen, ihren Sohn Klaus ohne Spaß und Spiel, dafür mit an Mittelaltermethoden erinnernder, harter Hand zu erziehen. Was zählt, ist die Faszination, die gleichsam von den streng geregelten Abläufen in diesem unterirdischen Kabuff ausgeht. Dieser kann sich nämlich weder der Zuschauer, noch der Student entziehen, der schneller als erwartet selbst zu einem Zahnrad in diesem wie selbstverständlich funktionierenden Getriebe wird. Es wird nicht lange dauern, bis auch er zum Rohrstock greifen wird; ob aus Resignation ob Klaus‘ Dummheit, oder einhergehend mit einem gewissen Genuss aufgrund der neu gewonnenen Machtposition: Der Student findet seine Position in diesem Mikrokosmos erstaunlich rasch. Insofern ist „Der Bunker“ weniger eine klassische Geschichte mit Anfang, Mittelteil und Finale, sondern vielmehr eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, die von dem auf vielerlei Art und Weise interpretationsfähigen Ende fast schon einen Teil ihrer Anarchie verliert. Trotzdem steckt der Film voller Kleinstdetails, an denen selbst ein David Lynch seine Freude gehabt hätte. Und genau deshalb ist es ein Jammer, dass er der Film hierzulande nicht zu einer großflächigen Kinoauswertung gebracht hat.

DER BUNKER stammt von Nikias Chryssos, der auch das Skript zum Film schrieb. Der Cast besteht aus Pit Bukowski, Daniel Fripan, Oona von Maydell und David Scheller. Bei dem Film handelt es sich um ein komödiantisches Horrordrama, produziert in Deutschland aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 85 Minuten.

Fazit

„Der Bunker“ ist ein faszinierendes Filmerlebnis, das sich mit zwischenmenschlicher Abhängigkeit und dem unbedingten Erfolgsstreben unserer modernen Gesellschaft auseinandersetzt. Als ausschließliche Reminiszenz an David Lynch funktioniert der Film jedoch besser, denn als tiefschürfende Charakterstudie. Dafür entdeckt man bei jedem Schauen mehr in dieser undurchsichtigen Horrorperle.

Mein Tipp: kann man kaufen!

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