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Videoabend: Sleeping With Other People

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der US-amerikanischen Komödie  „Sleeping With Other People“, das seit dem 14. November 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Sleeping With Other People

Bekommen zwei, die in ihrem Leben noch nie einem Partner treu sein konnten, zu zweit eine zweite Chance auf die Liebe? Diese Frage stellt sich zwei eigentlich ganz glücklichen Singles, denen das Schicksal eine zweite Chance zu geben scheint. Nach einem gemeinsamen One-Night-Stand im College treffen die beiden New Yorker Lainey (Alison Brie) und Jake (Jason Sudeikis) zwölf Jahre später zufällig aufeinander und entdecken, dass sie beide dasselbe Problem teilen: Monogamie ist eine zu große Herausforderung, keiner von beiden hatte je eine längere Partnerschaft. Sie sind entschlossen, für immer Freunde zu bleiben und dem Sex trotz der spürbaren Anziehung keine Chance mehr zu geben. Ein Pakt der leichter ausgesprochen als einzuhalten ist, doch zunächst arrangieren sich die beiden gut damit. Bis eine Reihe von unvorhersehbaren Ereignissen die Freundschaft und vielleicht auch Liebe der beiden auf eine harte Probe stellt…

Kritik

Leslye Headlands ebenso derbe wie hinreißende Hochzeitskomödie „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“ gehört in ihrer spitzfindigen Beobachtung und der durch und durch bodenständigen „Lasst jeden einfach so glücklich sein, wie er es will!“-Message zu den meist unterschätzten US-Comedies aktueller Dekade. Entsprechend schade ist es auch, dass es wohl auch vor allem der eher negativen Resonanz zu „verdanken“ ist, dass ihr neuester Film „Sleeping With Other People“ trotz unbestreitbarer Vorzüge gar nicht erst in die deutschen Kinos kam. Und wenn man ganz ehrlich ist: Mit Stars kann man nicht punkten (Jason Sudeikis und „Community“-Schnuckelchen Alison Brie sind zwar keine Unbekannten, aber auch keine der einschlägigen Namen, mit denen sich gut werben lässt), der Humor entfaltet sich trotz des schlüpfrigen Themas vorzugsweise über die Dialoge und die Umsetzung einer Geschichte über zwei Polygamisten, die erst durch den jeweils anderen das Glück an der Zweisamkeit entdecken, wird hier so reif und bittersüß dargeboten, dass man „Sleeping With Other People“ kaum als klassisch-niedliche RomCom vermarkten könnte. Dafür ergibt sich für aufgeschlossene ZuschauerInnen eine absolut stilsichere, kluge und mit viel Situationskomik ausgestattete Betrachtung individueller Lebens- und Liebesweisen, eingebettet in eine Liebeserklärung an die ebenso facettenreiche Stadt New York.

Stilistisch erinnert auch „Sleeping With Other People“ stark an das Gros handelsüblicher Hollywoodkomödien. Doch anders als in jenen steht hier nicht etwa bloß im Raum, ob sich zwei Personen am Ende kriegen, oder nicht. Stattdessen geht es vielmehr darum, im besten „Before“-Stil (ergo: der Charme entwickelt sich hauptsächlich über den Austausch der tiefsten Gedanken) sein Gegenüber und vielleicht auch sich selbst ein wenig besser kennen zu lernen. Dabei macht Leslye Headland, die hier zugleich als Regisseurin und Drehbuchautorin fungiert, eine entscheidende Sache richtig: Sie lässt die Figuren so bleiben, wie sie sind und stellt diese Tatsache als besonders wichtigen Aspekt heraus. Die beiden Protagonisten Lainey und Jake wollen einander nicht ändern. Vielmehr geben sie sich seelische Schützenhilfe und agieren tatsächlich lange Zeit vollkommen entgegen des RomCom-Klischees, dass sich Gegensätze anziehen. So kommt es, dass man die Freundschaft des Duos tatsächlich nachempfinden wann – und die Hoffnung, dass aus den beiden ein Paar wird, weicht dem aufopferungsvollen Willen, dass es vollkommen egal ist, ob es beide vor den Traualtar schaffen.

SLEEPING WITH OTHER PEOPLE stammt von Leslye Headland, die auch das Drehbuch zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Alison Brie, Jason Sudeikis, Adam Brody, Amanda Peet, Andrea Savage. Bei dem Film handelt es sich um Romantikkomödie, produziert in den USA aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 101 Minuten.

Fazit

„Sleeping With Other People“ ist deshalb so hinreißend, weil Leslye Headland in den 100 Minuten ihrer Komödie nicht einmal die Frage nach einem Richtig und einem Falsch aufwirft. Sie vertraut den emotionalen Facetten ihrer Figuren so sehr, dass das Szenario um sie herum überhaupt nicht spektakulär sein muss, um auf den Zuschauer trotzdem interessant und an vielen Stellen auch amüsant zu wirken. Alison Brie und Jason Sudeikis spielen begnadet und am Ende erkennen wir, dass Individualität viel wichtiger ist, als die Existenz eines Happy-Ends. Auch, wenn es vielleicht doch eines gibt…

Mein Tipp: kann man kaufen!

Videoabend: Martyrs U.S.

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem US-Remake des französischen Terrorfilms „Martyrs“, das seit dem 3. November 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Martyrs U.S.

Die 10-jährige Lucie kann aus einem einsam gelegenen Schuppen entkommen, in dem sie gefangen gehalten wurde. Tief traumatisiert kommt sie in ein Waisenhaus, wird aber permanent von schlimmen Alpträumen heimgesucht. Nur Anna, ein Mädchen in ihrem Alter, kann ihr dort Sicherheit bieten. Fast ein Jahrzehnt später kann Lucie (Troian Bellisario), noch immer von Dämonen verfolgt, die Familie aufspüren, die sie so gequält hat. Mit Annas (Bailey Noble) Hilfe kommt sie der qualvollen Wahrheit näher – und ihre Alpträume werden plötzlich ganz real. Lucies Pein von einst ist nämlich nur ein winziger Teil eines Experiments, anhand dessen eine Gruppe aus fanatischen Forschern versucht, hinter die Frage zu kommen, was auf der Schwelle zwischen Leben und Tod auf uns wartet. Und Lucie war den Qualen damals schon so nah, dass es sich die Täter nicht nehmen lassen können, dort anzusetzen, wo so einst aufgehört haben…

Tiberius Film bewirbt ihn wie folgt:

The Ultimate Horror Movie!

Kritik

Der französische Horrorfilm „Martyrs“ von Pascal Laugier gehört erwiesenermaßen zu den härtesten Produktionen, die es jemals auch nur in irgendein Kino geschafft haben. In Deutschland landete der Film direkt auf dem Index; frei erhältlich ist mit dem Erscheinen des US-Remakes allenfalls eine um sechs Minuten gekürzte Fassung ohne Jugendfreigabe. Wer allerdings das zweifelhafte Glück hatte, einmal in den noch viel zweifelhafteren „Genuss“ des von Verächtern irrtümlich dem Torture Porn zugeordneten Film gekommen zu sein, der wird so schnell nicht das Bedürfnis gehabt haben, ihn noch einmal zu sehen. Stellvertretend sei dafür gar nicht die Szene aller Szenen genannt, in der eine am ganzen Leib gehäutete (!) Frau an einem Kreuz aufgehangen wird; würde man diesen Moment nehmen, um das französische Original zu beschreiben, würde man den Kern des Projekts nämlich gar nicht erfassen. Viel schlimmer und deshalb eben absolut nicht erträglich, sind vor allem die dem voran gehenden Folterungen, die anders als in „Saw“ und Co. nicht mit irgendwelchen abstrusen Maschinen vorgenommen werden (woraus sich ja dann auch ein nicht zu leugnender Spaß beim Zuschauer ergibt), sondern durch Schläge, Essensentzug und Einzelhaft. Damit ist der europäische „Martyrs“ in der Aussage so etwas wie eine moderne Version von Michael Hanekes „Funny Games“, die da lautet: „Gewalt ist nicht konsumierbar“. Und da das US-Remake genau diese Botschaft mit Füßen tritt, die gezeigte Gewalt sehr wohl konsumierbar macht und das dann noch nicht einmal zeigt, um den Schwerpunkt dadurch woanders zu setzen, schlägt „Martyrs U.S.“ von den Gebrüdern Kevin und Michael Goetz auf ganzer Linie fehlt.

Die Krux an „Martyrs U.S.“ ist nämlich vor allem die, dass die beiden Regisseure zwar versuchen, ihren Film mit mehr inhaltlicher Substanz zu unterfüttern, als einen „normalen Torture Porn“, an Intensität gewinnt das Projekt dadurch aber nicht. Dafür sind die Dialoge und der Versuch, die Hintergründe des Grauens nachzuzeichnen, viel zu banal und eintönig. Zudem schaffen es die beiden Hauptdarstellerinnen in Ermangelung an Erfahrung nicht, das körperliche, vor allem aber das psychische Leid ihrer Figuren glaubhaft an den Zuschauer heranzutragen. Wenn Lucie vor Schmerzen schreit, weil man ihr bei lebendigem Leib ein Stück Haut aus dem Körper schneidet, erkennen wir in dem Zusammenhang natürlich die dahinter steckenden Qualen. Doch die das Geschehen ja erst so abgründig machende Zeit, die für das Brechen der Seele aufgewendet wird, wird in „Martyrs U.S.“ nicht aufgebracht. Auf eine lange Rückblende folgt das Aufeinandertreffen mit den Peinigern; erst in den letzten zwanzig Minuten wird das, wofür Pascal Laugier in seinem Film satte 100 Minuten aufgebracht hat, im Eilverfahren abgehandelt. Natürlich tun die Gewaltspitzen auch in diesem US-Remake beim Hinschauen weh. So einprägsam wie das französische Original kann er aber durch diese Form der Inszenierung nicht geraten. Da hilft es auch nicht, dass man hier erneut dazu übergeht, den dreckigen Look des europäischen Terrorkinos auf Hochglanz zu polieren.

MARTYRS U.S. stammt von Kevin Goetz und Michael Goetz, das Drehbuch schrieb Mark L. Smith. Der Cast besteht unter anderem aus Kate Burton, Troian Bellisario, Bailey Noble und Elyse Cole. Bei dem Film handelt es sich um einen Horrorfilm, produziert in den USA aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 18 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 86 Minuten.

Fazit

Das Original war in seiner Drastik, der anklingenden Perversion und der dahinter steckenden Entmystifizierung des Torture Porn ein Meilenstein des knallharten Terrorkinos. Das US-Remake ist nun weder ein auf die breite Masse abgestimmter Horrorfilm – dafür passiert innerhalb der knapp 90 Minuten einfach viel zu wenig. Noch trägt der hohe Dialoganteil etwas dazu bei, dass „Martyrs U.S.“ so etwas wie Substanz hätte. Somit ist „der ultimative Horrorfilm“ weder für Gewaltfetischisten einen Blick wert, noch für die Leute, die hoffen, dass die Macher den Kern des Originals auch nur im Ansatz irgendwie erfasst hätten. Finger weg!

Mein Tipp: muss man wirklich nicht sehen!

Videoabend Serienspecial: Weinberg

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der ersten Staffel der deutschen Mystery-Serie „Weinberg“, die seit dem 3. November 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Weinberg

Als Johannes Fuchs eines Morgens auf einem vernebelten Weinberg erwacht, traut er seinen Augen nicht: Über ihm hängt die Leiche einer blutjungen Blondine; wie sich später herausstellt, ist sie die Weinkönigin des kleinen Ortes Kaltenzell, wohin es den verwirrten Mann kurz darauf verschlägt. Doch als er gemeinsam mit einigen Anwohnern den Fundort der Toten aufsucht, ist diese verschwunden – und steht wenig später quicklebendig vor ihm. Eigentlich müsste nun alles in Ordnung sein, doch Johannes Fuchs begreift schnell, dass in Kaltenzell etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Nicht nur, dass hier jeder irgendein Geheimnis zu bergen scheint, des Nachts schleicht sich eine schöne Frau in sein Schlafgemach und will am Morgen darauf nichts davon gewusst haben. Der Pfarrer der Gemeinde soll andächtige Predigten halten, spricht aber kaum ein Wort Deutsch. Und als dann tatsächlich eine Tote auftaucht, hat Fuchs keine Wahl mehr: Er muss hinter das Geheimnis des Dorfes kommen.

Kritik

Nennen wir das Kind einfach beim Namen: Ja, die TNT-Serie „Weinberg“ ist tatsächlich die deutsche Antwort auf „Twin Peaks. Nun muss man deshalb aber nicht reflexartig aufschreien. Die Schöpfer des sechsteiligen Mini-Formats lassen David Lynchs Kultserie zwar überdeutlich als Reminiszenz durchklingen (und machen auch zu keinem Zeitpunkt einen Hehl daraus, dass dem nicht so wäre), dennoch steht „Weinberg“ ganz klar für sich allein. Nun gut, auch in dem kleinen Ort Kaltenzell – dem deutschen Pendant zu Twin Peaks – gibt es eine Tote und innerhalb der sechs Episoden umfassenden Staffel geht es hauptsächlich darum, herauszufinden, wer der Mörder ist. Wirklich? Eigentlich fungiert dieser tragische Todesfall lediglich als dramaturgische Triebfeder, die dem Ganzen eine Chronologie verleiht. Bei näherer Betrachtung geht es nämlich eigentlich um etwas ganz Anderes – und auch da kommt wieder „Twin Peaks“ ins Spiel…

Wie es sich schon bei David Lynchs Serie verhielt, lässt sich auch „Weinberg“ am besten genießen, wenn man so wenig wie möglich darüber weiß. Daher möchten wir zu Handlung, Dramaturgie und Überraschungseffekt an dieser Stelle auch kein Wort mehr verlieren. Nur so viel: „Weinberg“ ist nicht nur aufgrund der Darsteller ein echtes Erlebnis. Der wahre Protagonist ist das Setting. Das undurchsichtige Flair dieses vom Weinanbau lebenden Dorfes ist mit seinen vernebelten Anhöhen, den verwinkelten Gassen und seiner Ansammlung skurriler Gestalten der lebendig gewordene Albtraum eines jeden Ruhe suchenden Bergdorf-Urlaubers. Denn es wird bevölkert von eine Gruppe an Menschen, von der wir zu keinem Zeitpunkt wissen, was es damit überhaupt auf sich hat. Jeder trägt in seinen eigenen vier Wänden ein Geheimnis mit sich herum. Jeder scheint in irgendeiner Form ein Verhältnis zu Johannes Fuchs zu haben, der aufbricht, was viel zu lange verschlossen war. Es geht um die essentiellen Dinge im Leben. Es geht um Liebe, Tod, Verrat, Eifersucht, Vertrauen, Neid, Missgunst und dem Streben nach Glück, angereichert mit Ausflügen ins Übernatürliche. Jede Episode gibt dem Geschehen nicht bloß eine eigene Note, sondern treibt es darüber hinaus in eine ganz neue Richtung. Am Ende wähnt man sich in einem Film von Shyamalan – vielleicht hat man’s kommen sehen…

WEINBERG stammt von Arne Nolting, Jan Martin Scharf und Philipp Steffens, Regie führten Till Franzen und Jan Martin Scharf. Der Cast besteht unter anderem aus Friedrich Mücke, Antje Traue, Gudrun Landgrebe, Jonah Rausch, Arved Birnbaum, Anna Böttcher, Arnd Klawitter, Yung Ngo, David Schütter und Victoria Trauttmannsdorff. Bei dem Format handelt es sich um eine Mischung aus Thriller- und Mysteryserie, produziert in Deutschland aus dem Jahr 2015. Die Serie ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt insgesamt 324 Minuten.

Fazit

Wäre „Weinberg“ von Anfang an auf einem Free-TV-Sender gelaufen und hätte das entsprechende Marketing erhalten, wäre die Serie Kult geworden. So verschafft sie sich hoffentlich übers Heimkino (oder über die Zweitauswertung bei VOX) den Status, den sie verdient.

Mein Tipp: muss man kaufen!

Videoabend: Fucking Berlin

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der deutschen Romanverfilmung „Fucking Berlin“, die seit dem 6. Oktober 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Fucking Berlin

Mathestudentin Sonja (Svenja Jung) ist neu in Berlin. Die Stadt ist für sie ein Rhythmus in Endlosschleife, dem sie sich hingibt. An der Uni lernt sie schnell neue Freunde kennen, mit denen sie die Hauptstadt aus immer neuen Blickwinkeln sieht. Als sie sich in den unnahbaren, aber umwerfenden Ladja verliebt, scheint alles möglich. Beide spüren den gleichen Beat und tanzen sich durch die Nächte, bis sie pleite sind und Sonja neugierig ist, wie weit sie für Geld gehen würde. Sie erhält ein Angebot, das so verlockend ist, dass sie es nicht ablehnen kann. Als ‚Mascha‘ steigt sie als Web-Stripperin ein, testet ihre Grenzen aus und macht in der ‚Oase‘, einem Puff in einem Berliner Ghetto schon bald alles mit. Ein Doppelleben beginnt, von dem sie nicht einmal ihrer besten Freundin Jule (Charley Ann Schmutzler) etwas erzählt. Doch sie droht schon bald aufzufliegen…

Kritik

Ursprünglich sollte die Romanverfilmung „Fucking Berlin“ im Herbst dieses Jahres ins Kino kommen. Sogar Pressevorführungen gab es, deren anschließende Meinungsäußerungen eingeladener Kollegen offenbar dazu beitrugen, die auf die Leinwand gebrachte Geschichte einer Studentin, die sich im Geheimen als Teilzeithure verdingt, nun direkt auf DVD und Blu-ray Disc erscheint. Und tatsächlich: „Fucking Berlin“ ist alles andere als das erwartbare, weichgespülte Großstadtmärchen, als welches man das Buch weitaus massentauglicher an den Zuschauer hätte herantragen können. Stattdessen inszeniert Florian Gottschick („Artisten“) seine erste, auch außerhalb von Arthouse-Programmkinokreisen für Aufmerksamkeit sorgende Regiearbeit als dreckiges, Konventionen scheuendes und bisweilen einfach nur widerlich-ungeschöntes Unterfangen, mit dem sich der geneigte Hochglanzproduktionsliebhaber bisweilen schon mal überfordert sieht. Gleichsam trifft er damit den Nerv, den schon die Autorin vor drei Jahren anvisierte. Nicht ganz so voyeuristisch und plastisch wie eine Charlotte Roche, dafür aber mit ähnlich wenig Hemmungen ausgestattet, entführte sie damals ihre Leser in die Schmuddelwelt der Berliner Hurenszene; und ließ zum Entsetzen vieler auch noch verlauten, dass das alles in Teilen gar nicht so schlimm war. Zu Beginn noch geblendet vom Rhythmus der In-City Berlin, begriff die unter dem Pseudonym Sonia Rossi auftretende Autorin erst nach und nach, in welchen gefährlichen Strudel am Rande der Legalität sich die Mathestudentin hier hineinmanövrierte. Auch „Fucking Berlin“ lässt diese Blendung erkennen, denn erst spät lässt Florian Gottschick die Stimmung von der standardisierten Berlin-Liebeserklärung hin zum Charakterdrama kippen. Doch genau so muss es für Sonia Rossi damals auch abgelaufen sein, sodass der Tonfallwechsel hier umso einprägsamer daherkommt.

Florian Gottschick setzt in „Fucking Berlin“ auf „Unter Uns“-Star Svenja Jung, die mit einer Sache so gar keine Probleme zu haben scheint: Nacktheit. Dasselbe gilt für sämtliche Nebendarsteller, denn das Drama geizt dem Thema entsprechend weder mit ausladender Freizügigkeit, noch mit der Erwähnung möglichst vieler Sexpraktiken. Das geht mitunter so weit, dass sich Hauptfigur Sonja in einer minutenlangen Bildmontage alle möglichen Fetische (von Gruppensex über das Einführen von Nagetieren) über sich ergehen lassen muss. Das muss man vertragen können und auch das anschließende Anpinkeln wird ohne das Absetzen der Kamera im Close-Up gefilmt. Gleichzeitig sind all diese Passagen handlungstreibend und finden nicht zum Selbstzweck ihren Platz im Film. Wodurch „Fucking Berlin“ hingegen viele Punkte verliert, sind die bisweilen arg konstruierten Dialoge, die im Zusammenspiel mit den weitestgehend unerfahrenen Schauspielern schon mal den einen oder anderen unfreiwilligen Lacher provozieren. Im Großen und Ganzen findet „Fucking Berlin“ aber zu einer interessanten, den Zuschauer ein ums andere Mal vor den Kopf und in den Magen stoßenden Form, die in Großteilen tatsächlich auch von seinem Setting lebt: Berlin.

FUCKING BERLIN stammt von Florian Gottschick, der zusammen mit Sophie Luise Bauer Leonie Krippendorff und Dominik Stegmann auch das Skript zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Svenja Jung, Mateusz Dopieralski, Christoph Letkowski, Rudolf Martin und Charley Ann Schmutzler. Bei dem Film handelt es sich um ein Drama mit Komödieneinschlag, produziert in Deutschland aus dem Jahr 2016. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 100 Minuten.

Fazit

Darstellerisch und inszenatorisch bisweilen holprig, lässt „Fucking Berlin“ doch im Großen und Ganzen die Verwirrtheit erkennen, mit der die Romanautorin die gleichnamige Autobiographie einst verfasste. Genau diese Unsicherheit, gepaart mit kaum zu bändigendem Tatendrang, schwer einschätzbarer Euphorie und tragischer Dramatik springt direkt auf den Zuschauer über. Das ist nie bequem, aber immer überraschend authentisch.

Mein Tipp: kann man kaufen!

Videoabend: When Animals Dream

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem dänisch-französischen Horrordrama „When Animals Dream“, das seit dem 8. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

When Animals Dream

Wie in Wasserfarben gemalt bewegt sich die raue Kulisse der dänischen Küste über die Leinwand. Die Wellen peitschen gegen Felsen, bärtige, muskelbepackte Arbeiter zerlegen Unmengen an Fisch und zwischen alledem steht die 16-jährige Marie (in einer grandiosen Debütrolle: Sonja Suhl). Unter ihren grobmotorisch veranlagten Kollegen irgendwie fehl am Platz wirkend, versucht sie, nicht aufzufallen. Doch mit ihrem zarten Erscheinungsbild bettelt sie nahezu um Aufmerksamkeit. Zuhause erwartet sie ihre im Rollstuhl sitzende Mutter (Sonja Richter), die in der Lethargie ihres beschränkten Alltags jedwede Lebensfreude verloren hat, sowie ihr Vater („Sherlock“-Bösewicht Lars Mikkelsen) Thor. In dieser grauen Tristesse vernimmt Marie alsbald Veränderungen an ihrem Körper. Hautausschlag und verstärkter Haarwuchs kündigen ein Unheil an, auf das nicht nur ihre eigene Familie seit jeher zu warten scheint…

 Prokino bewirbt ihn wie folgt: 

Nordischer Horror ist skandinavische Melancholie, die Schönheit unserer Natur und die Leere unserer Seelen, die nach Antworten sucht.

Kritik

Wenn der dänische Regie-Neuling Jonas Alexander Arnby eines versteht, dann ist es das Ausnutzen einer bestimmten Atmosphäre, um anhand dieser eine elektrisierende Geschichte zu erzählen. „When Animals Dream“ ist visuell von einer solchen Durchschlagskraft, dass das Storytelling schnell zur Nebensache wird. Schlussendlich schlägt der Filmemacher Kritikern gerade dadurch ein Schnippchen: Die Story seines neuen Projekts ist für sich allein stehend betrachtet nicht allzu außergewöhnlich, übt aufgrund ihrer Bildästhetik dennoch durchgehend eine enorme Faszination aus, sodass es fast scheint, als würde das Leinwandgeschehen die Sinne benebeln. Sonja Suhl lässt in ihrer Verkörperung der Marie Faktoren einer Alltagsheldin mit der einer nicht einzuschätzenden Gefahr vermischen. Dabei entsteht eine Anziehungskraft, die Suhl sämtliche ihrer Schauspielkollegen an die Wand spielen lässt. Lars Mikkelsen, Sonja Richter („Erbarmen“) sowie  Jakob Oferbro („Kon-Tiki“), der als ihr potenzieller Love Interest die Faszination für Marie wiederspiegelt, wirken neben Suhl wie hypnotisiert.

Bedächtig, fast lethargisch und ohne viel Dialog wird das Publikum Zeuge, wie eine junge Frau nicht nur unheimliche Veränderungen an sich selbst, sondern auch ihr sexuelles Verlangen entdeckt. Die Symbiose beider Elemente versteht Arnby in mehreren Szenen perfekt und ohne aufdringlichen Symbolismus einzufangen und zieht durch die Unberechenbarkeit der Prämisse die Spannungsschraube weiter an. So folgt „When Animals Dream“ zwar bewährten Horrortrends, gibt ihnen aufgrund von philosophischen Beiklängen allerdings eine vollkommen andere Bedeutung als andere Genrevertreter. Allzu viel sei dazu an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Der beim Filmfestival in München einst seine Deutschlandpremiere feiernde Mystery-Horrorthriller ist aufgrund seiner auf den ersten Blick behäbig wirkenden Inszenierungsweise und der unkonventionellen Story gewiss kein Film für die breite Masse. Dabei ist „When Animals Dream“ in seinem Auftreten so einzigartig, dass die Nische möglicherweise einen neuen Kultfilmanwärter für sich finden wird. Ähnlich des Edel-Thrillers „Only God Forgives“, der mit Nicolas Winding Refn ebenfalls von einem experimentierfreudigen Dänen stammt, ist der Schlüssel zum Erfolg, sich voll und ganz auf das Szenario einzulassen.

WHEN ANIMALS DREAM stammt von Jonas Alexander Arnby, das Skript zum Film schrieb Rasmus Birch. Der Cast besteht unter anderem aus Sonia Suhl, Lars Mikkelsen, Sonja Richter, Jakob Oftebro und Stig Hoffmeyer. Bei dem Film handelt es sich um ein Horrordrama, produziert in Dänemark und Frankreich aus dem Jahr 2014. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 84 Minuten.

Fazit

„When Animals Dream“ ist vor allem eines: ein Erlebnis. Während sich der Kulisse schon ab der ersten Szene kaum jemand entziehen kann, kommt das Storytelling des 40-jährigen Dänen durchaus gewöhnungsbedürftig daher. Für ein Langfilmdebüt ist die inszenatorische Fokussierung beachtlich. Schnörkellos manövriert Arnby seinen grandiosen Cast durch eine einzigartige Geschichte, die in ein eindringliches und konsequentes Finale mündet.

Mein Tipp: kann man kaufen!

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