Videoabend: When Animals Dream

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem dänisch-französischen Horrordrama „When Animals Dream“, das seit dem 8. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

When Animals Dream

Wie in Wasserfarben gemalt bewegt sich die raue Kulisse der dänischen Küste über die Leinwand. Die Wellen peitschen gegen Felsen, bärtige, muskelbepackte Arbeiter zerlegen Unmengen an Fisch und zwischen alledem steht die 16-jährige Marie (in einer grandiosen Debütrolle: Sonja Suhl). Unter ihren grobmotorisch veranlagten Kollegen irgendwie fehl am Platz wirkend, versucht sie, nicht aufzufallen. Doch mit ihrem zarten Erscheinungsbild bettelt sie nahezu um Aufmerksamkeit. Zuhause erwartet sie ihre im Rollstuhl sitzende Mutter (Sonja Richter), die in der Lethargie ihres beschränkten Alltags jedwede Lebensfreude verloren hat, sowie ihr Vater („Sherlock“-Bösewicht Lars Mikkelsen) Thor. In dieser grauen Tristesse vernimmt Marie alsbald Veränderungen an ihrem Körper. Hautausschlag und verstärkter Haarwuchs kündigen ein Unheil an, auf das nicht nur ihre eigene Familie seit jeher zu warten scheint…

 Prokino bewirbt ihn wie folgt: 

Nordischer Horror ist skandinavische Melancholie, die Schönheit unserer Natur und die Leere unserer Seelen, die nach Antworten sucht.

Kritik

Wenn der dänische Regie-Neuling Jonas Alexander Arnby eines versteht, dann ist es das Ausnutzen einer bestimmten Atmosphäre, um anhand dieser eine elektrisierende Geschichte zu erzählen. „When Animals Dream“ ist visuell von einer solchen Durchschlagskraft, dass das Storytelling schnell zur Nebensache wird. Schlussendlich schlägt der Filmemacher Kritikern gerade dadurch ein Schnippchen: Die Story seines neuen Projekts ist für sich allein stehend betrachtet nicht allzu außergewöhnlich, übt aufgrund ihrer Bildästhetik dennoch durchgehend eine enorme Faszination aus, sodass es fast scheint, als würde das Leinwandgeschehen die Sinne benebeln. Sonja Suhl lässt in ihrer Verkörperung der Marie Faktoren einer Alltagsheldin mit der einer nicht einzuschätzenden Gefahr vermischen. Dabei entsteht eine Anziehungskraft, die Suhl sämtliche ihrer Schauspielkollegen an die Wand spielen lässt. Lars Mikkelsen, Sonja Richter („Erbarmen“) sowie  Jakob Oferbro („Kon-Tiki“), der als ihr potenzieller Love Interest die Faszination für Marie wiederspiegelt, wirken neben Suhl wie hypnotisiert.

Bedächtig, fast lethargisch und ohne viel Dialog wird das Publikum Zeuge, wie eine junge Frau nicht nur unheimliche Veränderungen an sich selbst, sondern auch ihr sexuelles Verlangen entdeckt. Die Symbiose beider Elemente versteht Arnby in mehreren Szenen perfekt und ohne aufdringlichen Symbolismus einzufangen und zieht durch die Unberechenbarkeit der Prämisse die Spannungsschraube weiter an. So folgt „When Animals Dream“ zwar bewährten Horrortrends, gibt ihnen aufgrund von philosophischen Beiklängen allerdings eine vollkommen andere Bedeutung als andere Genrevertreter. Allzu viel sei dazu an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Der beim Filmfestival in München einst seine Deutschlandpremiere feiernde Mystery-Horrorthriller ist aufgrund seiner auf den ersten Blick behäbig wirkenden Inszenierungsweise und der unkonventionellen Story gewiss kein Film für die breite Masse. Dabei ist „When Animals Dream“ in seinem Auftreten so einzigartig, dass die Nische möglicherweise einen neuen Kultfilmanwärter für sich finden wird. Ähnlich des Edel-Thrillers „Only God Forgives“, der mit Nicolas Winding Refn ebenfalls von einem experimentierfreudigen Dänen stammt, ist der Schlüssel zum Erfolg, sich voll und ganz auf das Szenario einzulassen.

WHEN ANIMALS DREAM stammt von Jonas Alexander Arnby, das Skript zum Film schrieb Rasmus Birch. Der Cast besteht unter anderem aus Sonia Suhl, Lars Mikkelsen, Sonja Richter, Jakob Oftebro und Stig Hoffmeyer. Bei dem Film handelt es sich um ein Horrordrama, produziert in Dänemark und Frankreich aus dem Jahr 2014. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 84 Minuten.

Fazit

„When Animals Dream“ ist vor allem eines: ein Erlebnis. Während sich der Kulisse schon ab der ersten Szene kaum jemand entziehen kann, kommt das Storytelling des 40-jährigen Dänen durchaus gewöhnungsbedürftig daher. Für ein Langfilmdebüt ist die inszenatorische Fokussierung beachtlich. Schnörkellos manövriert Arnby seinen grandiosen Cast durch eine einzigartige Geschichte, die in ein eindringliches und konsequentes Finale mündet.

Mein Tipp: kann man kaufen!

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