Insidious: Chapter 3

Das Horrorgenre wird von Sequels dominiert. Umso erfreulicher ist es da, wenn ein Film endlich mal besser ist, als sein Vorgänger. Genau das ist bei INSIDIOUS: CHAPTER 3 der Fall, der nach einem lahmen zweiten Teil  wieder ein wenig Pfeffer in das angestaubte Haunted-House-Thema bringt. Mehr zum Film in meiner Kritik.

Insidious: Chapter 3

Der Plot

Das Medium Elise (Lin Shaye) wird hilfesuchend von der süßen Teenagerin Quinn (Stefanie Scott) zurate gezogen, die mit ihrer an Krebs verstorbenen Mutter in Kontakt treten möchte. Doch während der Scéance beschwört Elise unabsichtlich auch wesentlich dunklere Mächte hinauf, die Quinn fortan verfolgen. Die Dämonen zehren an den Nerven der Schülerin und denen ihrer Familie, die den geisterhaften Erscheinungen nicht gewachsen ist. Elise, selbst Witwe, weigert sich dennoch vehement, der Familie zu helfen. Zu sehr war sie bereits in die Schicksale vieler anderer Menschen involviert. Doch ohne Elise wird sich Quinn niemals aus dem Würgegriff der finsteren Gefahr befreien können…

Kritik

Ja, schon wieder ein Sequel! Den Hassern des Hollywood’schen Fortsetzungswahns sei der obligatorische Aufschrei an dieser Stelle bereits vorweggenommen. Doch mit dem Erfolg eines Franchise gehen, gerade im Horrorfilm, heutzutage nun mal zwangsläufig auch Fortführungspläne einher, die im Falle der „Insidious“-Reihe schon einmal zu Scharen an den Kinokassen führten. Zeitweise wurde das 2010 von James Wan inszenierte Schockspektakel gar als die Wiederbelebung des Geisterhorrors bezeichnet, was Wan wenig später selbst zu widerlegen wusste, indem er mit „Conjuring“ einen weiteren und noch wesentlich gelungeneren Film derselben Gangart inszenierte. „Insidious“ geriet da kurzfristig glatt ins Abseits, eh es der Film drei Jahre später zu einer Fortsetzung brachte. Auch aufgrund seiner Arbeit am Kassenschlager „Fast & Furious 7“ übergab Wan das Regie-Zepter für die Inszenierung des dritten Teils jedoch an jemand anderen. Der vornehmlich durch die „Saw“-Reihe bekannt gewordene Schauspieler Leigh Whannell, der in „Insidious 1 und 2“ bereits die Rolle des Specs spielte und auch die Drehbücher beisteuerte, versucht sich für das Prequel „Insidious: Chapter 3“ erstmals als alleiniger Strippenzieher hinter den Kulissen, der mit seinem Debüt einen weiteren, klassischen Vertreter des modernen Geisterhaushorrorsegments abliefert.

Stefanie Scott

Mit Ausnahme des Aufgreifens einer der (Neben-)Figuren aus dem ersten Film hat dieser, wie das in einem Prequel meist so ist, kaum mehr etwas mit den Geschehnissen um die Familie Lambert zu tun, die in Teil eins und zwei von einem bösartigen Dämon heimgesucht wurden. Das völlige Fehlen neuer Ansätze kann sich Whannell auf Plot-Ebene also schon mal nicht vorwerfen. Dem Problem, das beide Vorgänger hatten, kann jedoch auch der neue Mann auf dem Regiestuhl nicht wirklich Einhalt gebieten. Wie schon die ersten Teile funktioniert auch der neueste vorzugsweise über den Gedanken, dass der Zuschauer vor allem dann zusammenzuckt, wenn die Lautsprecher in den entscheidenden Phasen bis zum Anschlag hochgedreht werden. Mit richtigem Grusel hat das nichts zu tun, effektiv ist es natürlich trotzdem.

Die Geschichte ist nicht neu, die Mechanismen, nach denen ein solcher Spuk funktioniert, ebenso wenig. Und doch gelingt es Leigh Whannell in den entscheidenden Momenten, frische Akzente zu setzen, mit denen auch der genreerfahrene Zuschauer nicht unbedingt gerechnet hat. Damit sich der Schockfaktor von „Insidious: Chapter 3“ auf einem möglichst hohen Level einpendelt, sei an dieser Stelle nicht viel vorweg genommen. Nur so viel: Trotz Zuhilfenahme gängiger Genreversatzstücke wie dem verstärkten Anschwellen der Musik oder typischen Kameraschwenks sitzt das Timing Whannells äußerst treffsicher, was letztlich auch dazu führt, dass sich Jump-Scares in eine weniger einschätzbare Richtung verzögern, unvorhergesehene Wendungen eintreten oder bekannten Szenerien generell etwas wesentlich Bedrohlicheres innewohnt, als man es zunächst erahnt hat. Damit hat „Insidious: Chapter 3“ seinem direkten Vorgänger schon mal etwas voraus, denn dieser spulte ein, im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger wiederum, ziemlich identisches Schock-Programm ab. Damit sorgte er mehr für Langeweile denn Spuk, obwohl er Fragen aufklärte, die von Teil eins noch unbeantwortet blieben. Es scheint also fast so, als wolle sich der Regiedebütant auf die Ursprünge des Genres besinnen, denn in seinem Film regiert nicht der überbordende Effekt, sondern die durchgehend intensive Atmosphäre. Der zurate gezogene „Höher, schneller, weiter“-Gedanken aus Teil zwei weicht dem Versuch des Regisseurs, den Grusel subtil vorzubereiten. Dass er zwischendrin doch immer wieder in die alten Muster der Filmreihe verfällt, ist schade. Doch diesen Schwachpunkt auszugleichen, gelingt ihm in vielen Momenten besser als gedacht.

Lin Shaye

Dies ist vermutlich auch dem wachsamen Auge von Produzent Jason Blum („The Purge“, „Sinister“) geschuldet, der in so ziemlich jeder US-Horrorproduktion der aktuellen Dekade seine Finger zu haben scheint. Natürlich ist alles schon einmal da gewesen. Selbst die Figuren erfüllen nicht mehr, als ihren soliden Genrezweck. Aber eines ist wichtig: All das funktioniert. Und so wundert es dann doch irgendwie gar nicht so sehr, dass man die eigene Hand nach einer halben Stunde Laufzeit nicht mehr allzu weit vom Gesicht wegnehmen mag. Blum und Wan, in Teil drei ebenfalls noch als Producer tätig, kennen das Genre einfach viel zu genau, um es sich nehmen zu lassen, das Publikum mit ihrem genauen Blick für die in uns allen wohnenden Ängste zu erschrecken. Dazu passt es auch, dass die technische Ausstattung von „Insidious: Chapter 3“ einmal mehr phänomenal geraten ist. Kameramann Brian Pearson („American Mary“) beweist, dass die visuelle Aufmachung eines Horrorfilms mindestens genauso wichtig ist, wie eine ausgeklügelte Story. Und auf dieser Ebene macht der Film alles richtig. „Insidious 3“ funktioniert auf einer Ebene mit „Annabelle“, „The Conjuring“ und Co. über das Aufgreifen gängiger Horrorfilmmotive und mischt Variation mit Zuschauer-Erwartungshaltung. Dadurch ergeben sich feine Spielereien, in die sich auch das unaufdringliche CGI hervorragend eingliedert. Besonders hervorzuheben sei darüber hinaus das beeindruckende Make-Up, das die finstersten Albtraum-Gestalten gekonnt zum Leben erweckt.

Dass jene zumeist einen fast schon ausgeprägteren Charakter haben, als die eigentlichen Hauptfiguren, liegt an der insgesamt schwachen, wenn auch nicht minder zugänglichen Zeichnung. „Insidious“ sowie „Insidious: Chapter 2“ riskierten in ihrer bisweilen unnahbaren Figurenauslegung die Antipathie des Publikums. Im dritten Teil fahren die Macher dieses Risiko wieder vollends zurück und besinnen sich auf das zweidimensionale Gut-gegen-Böse-Schema, bei dem die Protagonisten lediglich als Identifikationsfigur für jeden x-beliebigen Zuschauertyp funktionieren müssen. Besonders schlimm ist dies nicht, da es das Publikum hier nicht mit einem Charakterdrama, sondern einem Horrorschocker zu tun hat, dessen gruseliger Fokus zu keinem Zeitpunkt in den Hintergrund gerät. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl bei dem Entwerfen der Figuren wäre jedoch schon deshalb wünschenswert gewesen, um an den Wiedererkennungswert der ersten beiden „Insidious“-Filme anzuknüpfen. Hier hatte es der Zuschauer mit einer kantigen Familie zu tun, mit der es sich weitaus intensiver mitleiden ließ, als mit der fast schon aalglatten Vater-Tochter-Beziehung in „Insidious: Chapter 3“. So wirkt auch der Ansatz, dass beide ohne die verstorbene Mutter klarkommen müssen, mehr aufgesetzt denn authentisch, ist aber notwendig, um die Geschehnisse überhaupt erst in Gang zu bringen. Die Darsteller agieren derweil solide.

Um einen Dämon zu bekämpfen, bedarf es manchmal auch unkonventioneller Methoden…

Fazit: Die ersten beiden Teile hatten die unermesslichen Sympathiewerte von Rose Byrne und Patrick Wilson auf ihrer Seite. Die Hauptfigur aus dem dritten Teil ist zwar nicht weniger niedlich, im Anbetracht des zumeist von süßen Teens bevölkerten Genres jedoch auch wesentlich austauschbarer als die Hauptfiguren von „Insidious“ und „Insidious: Chapter 2“. So muss „Chapter 3“ voll aus seinem Grusel schöpfen und die Macher liefern tatsächlich einige, frische Ideen, die dem Vorgänger vollkommen abgingen, um das Publikum ordentlich zu erschrecken. Inklusive eines der besten Schlussszenen-Schocks der jüngeren Horrorfilmvergangenheit bringt Leigh Whannell sein Publikum ordentlich zum Schwitzen, doch an den Meilensteincharakter des Auftaktfilms schafft es Teil drei erwartungsgemäß nicht im Ansatz heran.

„Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ ist ab dem 2. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen.

 

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