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Videoabend: Dark House

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem US-amerikanischen Horrorfilm „Dark House“, der seit dem 24. März 2015 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Dark House

Bevor Nick von seiner geisteskranken Mutter die Wahrheit über seinen Vater und seine mysteriöse Gabe erfahren kann, stirbt die Mutter bei einem rätselhaften Brand in der Irrenanstalt. Sie vererbt ihrem Sohn ein großes Anwesen bei Rivers End. Ein Haus, das Nick seit seiner Kindheit wie besessen zeichnet – ohne es je gesehen zu haben. Nick und seine Freunde machen sich auf die Suche nach dem Haus. Doch Rivers End wurde bei einer Flutkatastrophe zerstört. Bei ihren Nachforschungen treffen die drei auf eine Gruppe Landvermesser, die das Haus in einem verlassenen Tal gesehen haben wollen. Als sie es finden, wird das Haus von einer Armee düsterer Axtmänner unter der Führung des mysteriösen Seth (Tobin „Jigsaw“ Bell) bewacht, die sogleich Jagd auf die Gruppe macht. Nick will unbedingt in die Villa eindringen und Antworten finden. Doch was ihn dort erwartet, ist viel größer als alles, wonach er je gesucht hat. Kommt die Clique hier wirklich lebend raus?

Pandastorm Pictures bewirbt ihn so: 

Regisseur Victor Salva (Jeepers Creepers) hat mit Dark House einen packenden Horror-Trip geschaffen, der den Zuschauer auf eine rasante Achterbahnfahrt voller Twists und Wendungen schickt.

Kritik

Von 2004 bis 2010 schlüpfte Tobin Bell in die Haut des berühmt-berüchtigten Jigsaw-Killers und schuf mit seiner eindringlichen Performance eine der gefürchtetsten Horrorikonen des neuen Jahrtausends. Seit die „Saw“-Reihe mit dem siebten Teil „Vollendung“ offiziell beendet wurde, bekam man den 72-jährigen New Yorker nicht mehr auf der großen Leinwand zu sehen. Stattdessen findet man ihn immer mal wieder in kleinere Nebenrollen sowie bevorzugt im Fernsehen wieder. Bevor Bell die große Kinokarriere an den Nagel hing, sah man den Darsteller jedoch noch in der Low-Budget-Horrorproduktion „Dark House“ und damit einmal mehr voll in seinem Element; aus dem Puzzle-Mörder, der Menschen in ausweglose Situationen treibt, um sie entweder in den Selbstmord zu führen, oder sie – mit Verlaub – elendig verrecken zu lassen, ist ein Axt schwingender Psychopath geworden, der mit Leib, Seele und dem Blick eines Wahnsinnigen eine alteingesessene, jedoch nicht minder heruntergekommene Villa zu beschützen versucht. Und seien wir einmal ehrlich: Mittlerweile nimmt man es dem eigentlich so sympathischen Schauspieler ohnehin nicht mehr ab, dass seine Figuren auch nur ansatzweise etwas Gutes im Schilde führen könnten. In den USA erhielt der Streifen sogar eine limitierte Leinwandauswertung, hierzulande kam man lediglich auf dem Fantasy Filmfest in den Genuss des obskuren Haushüters. Zugegeben: Die breite Masse hätte der Streifen im Falle eines regulären Kinostarts wohl tatsächlich nicht erreicht. Unter den Direct-to-DVD-Veröffentlichungen gehört „Haunted“, wie der Film im Original heißt, jedoch zu der deutlich stärkeren Sorte.

Die Axt als Mordwaffe gibt recht schnell den blutigen Tonfall vor, mit dem „Dark House“ gesegnet ist. Trotz eines ausgewogenen Storytellings, durch das der Streifen von der eindringlichen Eröffnungssequenz an eine beißende Atmosphäre wiedergibt, die immer wieder durch spannende Plottwists am Leben gehalten wird, kombiniert Regisseur Victor Salva („Jeepers Creepes“) ebenjene intensive Stimmung mit brutalen Splatter-Sequenzen, die jedoch nicht bloßer Selbstzweck sind, sondern sich sowohl in die Story integrieren, als auch humoristische Spitzen setzen. Dabei ist es insbesondere und erwartungsgemäß Tobin Bell, der das surrealistisch angehauchte Setting mit seiner wahnhaften Performance zusätzlich unterstreicht. Luke Kleintank („Bones – Die Knochenjägerin“) funktioniert dagegen als geerdeter Gegenspieler und lässt in mancher Szene durchaus aufblitzen, dass auch er nicht vollkommen frei von Sünden sein könnte. Ein unberechenbares Duell, das die Macher mithilfe einer fiebrigen Bildsprache und eines „Shining“-gleichen Soundtracks gekonnt zu untermauern wissen.

DARK HOUSE stammt von Victor Salva, der gemeinsam mit Charles Agron auch das Skript zum Film geschrieben hat. Unter den Darstellern finden sich Robert Luke Kleintank, Alex McKenna, Lesley-Anne Down und Tobin Bell. Bei dem Film handelt es sich um eine US-amerikanische Horrorthriller-Produktion aus dem Jahr 2014. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 18 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 102 Minuten.

Fazit

„Dark House“ ist ein origineller und blutiger Psychohorrorfilm, in dem insbesondere „Saw“-Star Tobin Bell so richtig auftrumpfen darf. Kennt man die Twists und Wendungen aber einmal, büßt der Film spürbar an Unterhaltungswert ein. Einmal anschauen reicht!

Mein Tipp: wenn schon nicht kaufen, dann leihen!

 

Videoabend: Final Cut – Die letzte Vorstellung

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem britischen Horrorfilm „Final Cut – Die letzte Vorstellung“, der seit dem 12. Mai 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Final Cut - Die letzte Vorstellung

Martin (Finn Jones) und Allie (Emily Barrington) wollen einen gemütlichen Abend im Kino verbringen. Doch das Gelächter über abgetrennte Gliedmaßen und blutrünstige Kannibalen weicht schon bald purer Angst. Der Kinosaal wird für die beiden ungeahnt zu einer Falle. Sie werden zu den unfreiwilligen Protagonisten ihres ganz persönlichen Horrorfilms. Ihr Peiniger ist Stuart (Robert Englund), der alte Filmvorführer des Kinos, dessen Job durch die technische Entwicklung überflüssig geworden ist. Nun nutzt er das Überwachungssystem und eine kleine Handkamera, um eine Vorstellung ganz nach seinen eigenen Wünschen zu inszenieren. Wer das Ende überleben wird, ist allerdings noch ungewiss und mit jeder Minute greift Stuart zu drastischeren Mitteln, um seinen perfiden Plan in die Tat umzusetzen.

Tiberius Film bewirbt ihn so: 

Im Stil des Horrorklassikers IM AUGENBLICK DER ANGST. Mit Horrorikone Robert FREDDY KRUEGER Englund.

Kritik

Erinnern Sie sich noch an „One Hour Photo“? Der Film, in dem der mittlerweile leider verstorbene Robin Williams in die Rolle eines manischen Foto-Entwicklers schlüpft, der aufgrund des technischen Fortschritts seinen Job verliert? In diese missliche Lage gerät auch der Filmvorführer Stuart. Nur dass dieser sich nicht mit einfacher Stalkerei seiner Kundschaft zufrieden gibt, um ein Ventil für die Trauer zu finden. Nein, Stuart lädt stilecht zu seinem ganz eigenen Horrorfilm; natürlich, ohne die Protagonisten davon in Kenntnis zu setzen. Doch der auch optisch stark an Robin Williams‘ Seymour Parrish erinnernde Kinomitarbeiter kennt die Regeln des Genres nun einmal ganz genau. Ihn in seinem Metier zu schlagen, gestaltet sich selbst für Hauptfigur Allie schwierig – und das, obwohl doch auch sie leidenschaftlich gern Filme des Genres konsumiert. So liefern sich Stuart und seine beiden Opfer ein packendes Katz-und-Maus-Spiel, das Regisseur Phil Hawkins („The Butterfly Tattoo“) mit einer gehörigen Portion Ironie und einem überdeutlichen Augenzwinkern in Szene setzt. Sein Film ist eine Hommage an den Horrorfilm, fühlt sich an wie ein Frühwerk von Hitchcock und findet für jeden noch so konstruierten Handlungsstrang eine Erklärung. Trotzdem sollte der Zuschauer die Ansprüche an Logik und Rationalität für eineinhalb Stunden hintenan stellen. Denn eines lässt Hawkins in seiner Regiearbeit vollends außen vor: Im wahren Leben lassen sich die Handlungen von Menschen nicht so einfach vorhersagen, wie es Stuart hier tut.

„Final Cut – Die letzte Vorstellung“ hat im Grunde zwei große Vorteile: Auf der einen Seite ist das Setting – ein klassisches Multiplex-Kino – als Handlungsort für einen Film über den Film an sich kongenial und steigert den metakommendierenden Wert der Produktion enorm (an dieser Stelle bedauern wir es doch sehr, dass „Final Cut“ hierzulande nicht im Lichtspielhaus zu erleben war). Auf der anderen Seite involviert das Skript den Zuschauer direkt ins Geschehen. All jene Zuschauer, für die dieser Genrefilm nicht der erste ist, werden sich schnell dabei ertappt fühlen, wie sie Twists vorausahnen und Handlungsstränge im Geiste fortführen können. Doch während sich in jedem anderen Film an dieser Stelle die Wertung „vorhersehbar“ aufdrängen würde, ist das in „Final Cut“ genau das Ziel. Es fühlt sich an, als nähmen wir aktiv an den Planungen genau dieses Films teil. Und um diesen Eindruck abzurunden, findet der eigentliche Knaller erst mit Einsetzen des Abspannes statt, wenn wir den von Stuart gedrehten Film endlich zu sehen bekommen.

FINAL CUT – DIE LETZTE VORSTELLUNG stammt von Phil Hawkins, der auch das Skript zum Film geschrieben hat. Unter den Darstellern finden sich Robert Englund, Finn Jones, Emily Berrington, Keith Allen, Malachi Kirby und Chris Geere. Bei dem Film handelt es sich um eine britische Horrorthriller-Produktion aus dem Jahr 2014. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 89 Minuten.

Fazit

„Final Cut – Die letzte Vorstellung“ ist ein äußerst unterhaltsamer Ausflug in die Mechanismen gängiger Horrorproduktionen, der die Erwartungen des Publikums immer wieder pfiffig unterwandert. Trotz des teilweise arg konstruierten Storyverlaufs lohnt sich der Film erst recht für all jene Zuschauer, die schon an Produktionen wie „The Cabin in the Woods“ ihren Spaß hatten und es mögen, wenn die Protagonisten eines Horrorfilms die Regeln des Genres selbst nur zu gut kennen.

Mein Tipp: unbedingt kaufen!

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Videoabend: Beyond the Bridge

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner neuen Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem deutschen Indie-Horrorfilm „Beyond the Bridge“, der ab der seit dem 21. April 2016 auf DVD und ab dem 21. Mai auch auf Blu-ray im Handel erhältlich ist.

Beyond the Bridge

Marla Singer (Maya Schenk) ist eine hübsche Schweizer Kunststudentin, die nach dem Tod ihrer Eltern in ihr ehemaliges Familienhaus zurückkehrt, um das altehrwürdige Anwesen zu verkaufen. Doch dieses Vorhaben geht nur mäßig voran. Zu sehr schmerzen die Erinnerungen an Marlas schöne Zeit mit ihrer Familie. Ihre Kommilitonen wollen sie mit einer Party auf andere Gedanken bringen. Doch als einer ihrer Kumpels eine unbekannte Droge verteilt, gerät nicht nur das feuchtfröhnliche Vergnügen, sondern Marlas Leben aus den Fugen. Während sie versucht, ihre Abschlussarbeit zu vollenden und wieder mit ihrem Ex-Freund Eric (Thomas Koch) anbandelt, wird sie nach für Nacht von finsteren Visionen heimgesucht. Zunächst glaubt Marla an Spätfolgen ihres unvorsichtigen Drogenkonsums, doch mit der Zeit verdichten sich die Hinweise darauf, dass hier etwa völlig Anderes, etwas Düsteres von statten geht.

Fallendream Pictures bewirbt ihn so: 

Look & Feel sind stark von Horrorvideospielen inspiriert (im Besonderen von der populären „Silent Hill“-Reihe). Die Rückmeldungen von Festivalbesuchern und Testzuschauern zeigen, dass besonders die unerwartete Wendung und das untypische Ende des Films begeistert.

Kritik

Alle fangen einmal klein an. Nicht jeder Filmemacher kann sich ähnlich eines Joel Edgerton („The Gift“) direkt mit seinem ersten Werk behaupten. Es braucht viel Disziplin, Lernfähigkeit und Durchhaltevermögen, um sich in seiner Arbeit nach und nach zu steigern, bis man schließlich zu den ganz Großen gehört. Mangelndes Durchhaltevermögen kann man dem Regisseur Daniel P. Schenk schon einmal nicht vorwerfen; wer sich für seinen ersten Langspielfilm auf die Finanzierung via Kickstarter verlässt, der riskiert nicht nur, dass sein Projekt zum Scheitern verurteilt ist, noch bevor es überhaupt begonnen hat. Nein, derjenige muss sich je nach Beteiligung auch ordentlich in Geduld üben. Schließlich ist nicht (immer) von Heute auf Morgen das nötige Kleingeld über Spenden zusammengesammelt. Im Falle des Gruselthrillers „Beyond the Bridge“ ging mit der Verbreitung über Kickstarter gleichzeitig auch eine aufwändige Marketingkampagne über die sozialen Netzwerke einher. Das sollte helfen. Auch seit der Fertigstellung des Films im Jahr 2015 rühren die Macher kräftig die Werbetrommel. Doch wie berechtigt ist das? Nun, die  (vor allem erzählerischen) Ambitionen sind „Beyond the Bridge“ anzumerken. Doch handwerklich ist nicht nur die vollmundige Ankündigung „inspiriert von ‚Silent Hill'“ eine mutige Übertreibung – nein, „Beyond the Bridge“ erweckt den Eindruck einer Rohfassung, in die sich so viele kleine Fehler eingeschlichen haben, dass das eigentlich im Film innewohnende Potenzial mit Anlauf zunichte gemacht wird.

Wenn Hauptfigur Marla eine SMS mit dem Text „Where’ve You Been?“ erhält und diese im Off als „Where You’ve Been“ vorgelesen wird, dann kann man noch so oft betonen, es hier ja mit einem unabhängig produzierten Low-Budget-Film zu tun zu haben; solche Fehler hinterlassen selbst unter diesen Umständen allenfalls Gelächter beim Zuschauer. Dass „Beyond the Bridge“ trotz seines Daseins als durch und durch deutsch-schweizerische Produktion vollständig auf Englisch gedreht wurde, macht angesichts besserer Vermarktungschancen gerade im Genrebereich Sinn (zuletzt ging Regisseur Simon Verhoeven mit „Unfriend“ genau denselben Weg), doch nicht mit Native-Speakern, sondern der beschränkten Möglichkeiten wegen mit deutschen Schauspielern zu drehen, verpasst der Authentizität der Prämisse einen von vielen Dämpfern. Daher lässt es sich auch nur schwer beurteilen, inwiefern die Sprache das Schauspiel der Darsteller beeinflusst, die sich hier allesamt sichtlich Mühe geben, jedoch nie auch nur im Ansatz den Eindruck erwecken, sich auch tatsächlich mit ihrer Figur zu identifizieren. Unter Zuhilfenahme kruder technischer Mittel (die konsequente Einnahme der aus Computerspielen bekannten Third-Person-Perspektive weiß zu gefallen, die ansonsten äußerst statische, das Geschehen teilweise vollkommen fehlgeleitet einfangende Kamera sowie eine bisweilen kaum verständliche Tonabmischung hingegen nicht), versucht sich Daniel P. Schenk schließlich an einem typischen Mysteryplot mit standardisiertem, das Geschehen einmal auf Links drehendem Schlusstwist und bedient sich auf dem Weg dorthin immerhin einiger netter Gruseleinfälle. Die abschließende Wendung funktioniert trotz emotional ausbleibender Involvierung des Zuschauers dann auch recht ordentlich; ist sie in ihrer Idee doch so vollkommen jenseits jedweder Logik konstruiert, dass sich der Überraschungseffekt nicht leugnen lässt.

BEYOND THE BRIDGE stammt von Daniel P. Schenk, der auch das Skript zum Film geschrieben hat. Unter den Darstellern finden sich Maya Schenk, Thomas Koch, Eleanor Buechler, Carolina Schenk, Jean-Noel Molinier, Margot Gödrös und andere. Bei dem Film handelt es sich um eine deutsch-schweizerische Mystery-Produktion aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 108 Minuten.

Fazit

Inhaltlich hat „Beyond the Bridge“ interessante Ansätze. Auch der Versuch, über gewisse inszenatorische Handgriffe Atmosphäre zu erzeugen, scheint hier und da durch. Doch auch wenn Jeder einmal klein anfängt, so weist die Produktion an allen Ecken und Enden so viele technische Mängel auf, dass man sich fragt, wie diese es in den Film geschafft haben, wo sie sich doch mit einem einfachen Handgriff (oder schlicht: bei mehrmaliger Nachkontrolle) hätten beseitigen lassen können. So möchte man Daniel P. Schenk lediglich für die Vision seiner Geschichte auf die Schulter klopfen. Von der Ausführung her ist „Beyond the Bridge“ jedoch weit unterhalb von herkömmlichem Amateur-Niveau anzusiedeln.

Mein Tipp: auf die TV-Ausstrahlung warten!

Videoabend: The Lobster

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner neuen Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem dystopischen Liebesdrama „The Lobster“, das seit dem 28. April 2016 im Handel erhältlich ist.

The Lobster

Eine Gesellschaft in der nahen Zukunft, in der ein Leben zu zweit das oberste Gebot ist. Singles werden verhaftet und in eine Anstalt namens „The Hotel“ gebracht. Dort haben sie genau 45 Tage Zeit, um einen passenden Partner zu finden. Scheitern sie, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und im Wald ausgesetzt. David gelingt (Colin Farrell) die Flucht aus dem Hotel in den Wald, wo allerdings „The Loners“ das Sagen haben. Das Dogma ihres restriktiven Regimes ist das Alleinsein. Partnerschaften sind streng untersagt. Doch David verliebt sich in eine Frau (Rachel Weisz) – und verstößt damit gegen die Regeln.

Mit scharfer Präzision und beißendem Humor erzählt der griechische Film „The Lobster“ seine Geschichte wie eine dunkle, unheimliche Fabel.

Sony Pictures Home bewirbt ihn so: 

Willkommen in der urkomischen und abgedrehten Welt von THE LOBSTER!

Kritik

Es ist eine Krux mit der deutschen Kinolandschaft: Da die Vermarktungsmöglichkeiten eines Films hierzulande an erster Stelle stehen, fallen ab und an Produktionen durchs Raster, die sich nur schwer einer bestimmten Zielgruppe zuordnen lassen wollen. So geschehen im Falle von „Under the Skin“ mit Scarlett Johansson und nun eben auch mit dem griechischen Cannes-Beitrag „The Lobster“, den der Verleih Sony Pictures trotz eines immens innovativen Konzepts und einer spektakulären Besetzung nicht in die hiesigen Lichtspielhäuser bringen wollte. So ganz verübeln kann man es dem Studio nicht, denn für ein profitorientiertes Unternehmen wie dieses stehen die eigenen Interessen nun mal an erster Stelle. „The Lobster“ in die Kinos zu bringen, hätte angesichts der wohl recht geringen Menge interessierter Zuschauer vermutlich ein Verlustgeschäft für Sony bedeutet. Für diejenigen, die Yorgos Lanthimos‘ Regiearbeit seit der gefeierten Uraufführung in Cannes entgegenfieberten, ist der Wegfall eines Kinostarts von „The Lobster“ dennoch und berechtigterweise ein Schlag ins Gesicht. Da ist es vermutlich nur ein schwacher Trost, dass es der Film, der hierzulande den Untertitel „Eine unkonventionelle Liebesgeschichte“ trägt, nun endlich in die deutschen Heimkinos schafft. Auf DVD nur, aber immerhin. Und wer sich dazu entschließt, hier, entweder mit Vorwissen oder blind, zuzugreifen, bekommt ein Spielfilmerlebnis geboten, das es so tatsächlich noch nie gegeben hat.

Ein Blick auf die Castliste verrät: Das Konzept von „The Lobster“ muss sich schon auf dem Papier so bahnbrechend gelesen haben, dass der vorab nur eingefleischten Cineasten bekannte Filmemacher Yorgos Lanthimos („Dogtooth“) keinerlei Mühe gehabt haben dürfte, Hollywoodstars wie Colin Farrell, Rachel Weisz, Léa Seydoux, John C. Reilly oder Ben Whishaw für seinen Film zu verpflichten. Mit stoischer Emotionslosigkeit, begleitet von einem nicht minder einfältigen Voice-Over-Kommentar, erwecken die Mimen eine Geschichte zum Leben, die sich als mitreißende Allegorie auf unsere heutige Welt versteht, in der Probleme wie Bindungsangst und Beziehungsunfähigkeit das eine Extrem bilden, dem das sich unbedingte Sehnen nach einer Partnerschaft und die zwanghafte Suche nach der großen Liebe gegenüberstehen. Es kommt nicht von Ungefähr, dass sich die Figuren in „The Lobster“ bis zu einem gewissen Grad vollkommen frei von jedweden Gefühlen zeigen. Denn das Wichtigste am Suchen und Finden der Liebe – die Liebe selbst –  findet in „The Lobster“ einfach nicht statt. Sie ist ein Geschäft und amouröse Verwicklungen sind ein notwendiges Übel. Unter Zuhilfenahme minimalistischer Musikuntermalung, die zum Großteil aus ein und derselben Tonabfolge besteht, wird aus dem Film, der fälschlicherweise als Komödie tituliert wird, ein mit der Zeit immer intensiveres Erlebnis, das uns mit emotionalen Ängsten konfrontiert, die uns tief im Inneren packen. Denn es braucht oftmals nicht die Aussicht darauf, in ein Tier verwandelt zu werden, um sich in der Partnersuche unter Druck zu setzen. Manchmal reicht schon der Gedanke daran, dass wir nicht allein sein können und in uns bricht eine Welt zusammen.

THE LOBSTER stammt von Yorgos Lanthimos, das Skript stammt von Yorgos Lanthimos und Efthymis Filippou. Unter den Darstellern finden sich Colin Farrell, Rachel Weisz, Léa Seydoux, John C. Reilly, Ben Whishaw, Jessica Barden, Olivia Colman und Ashley Jensen. Bei dem Film handelt es sich um eine griechische Drama-Produktion aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 118 Minuten.

Fazit

Das griechische Liebesdrama „The Lobster“ zeichnet eine dystopische Zukunft voller Widersprüche, die so absurd und krank ist, wie eine Gegenwart, in der Online-Dating, Speeddates und wissenschaftlich fundierte Partnerbörsen zum Alltag gehören. Der Kuriosität, nicht das Herz, sondern den Kopf über die Liebe entscheiden zu lassen, setzt Yorgos Lanthimos eine surreale Krone auf, die gleichsam so schön ist, dass man sich wünscht, „The Lobster“ würde noch viele weitere Stunden gehen. Innovatives Kino aus einem Land, das Filme kreiert, die hierzulande sonst kaum Beachtung finden – wer nach etwas wirklich Neuem sucht, der hat mit „The Lobster“ sein nächstes Pflichtprogramm gefunden.

Mein Tipp: Unbedingt kaufen!

Videoabend: Brand: A Second Coming

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner neuen Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der Russell-Brand-Dokumentation „Brand: A Second Coming“, die ab dem 5. März 2016 im Handel erhältlich ist.

Brand: A Second Coming

„Brand: A Second Coming“ erzählt Russell Brands spirituelle Reise vom drogenabhängigen Enfant Terrible und von der Yellow-Press verfolgten Hollywoodstar auf der Überholspur hin zum Revolutionär und politischen Aktivisten unserer Zeit. Wie kam er zu dieser unerwarteten Rolle? Wie wurde er zum Helden der Schwachen und Benachteiligten und rühmt sich selbst: „Ich bin ein Narzisst, ja. Aber ich bin Euer Narzisst!“ Auf der einen Seite kritisiert für seinen selbstsüchtigen Egoismus, steckt Russel Brand die Welt auf der anderen Seite mit seinem Wahnsinn an und ruft zur Revolution gegen die ständig wachsende Konsumgesellschaft auf. Kann er sich tatsächlich gegen das System erheben, das ihn geschaffen hat? Besitzt er die Stärke und Hingabe, um seinen revolutionären Kampf durchzustehen? Und wird er das Glück finden, nach dem er sich seit seiner Kindheit sehnt?

edel motion Film bewirbt ihn so: 

Bereits jetzt ist BRAND: A SECOND COMING ein großer Festival-Liebling bei den Filmfestivals in USA, Australien, UK und Kanada. Der Ex-Mann von Katy Perry gibt Einblicke in sein Innerstes – in sein Leben, seinen Werdegang, seine Süchte, seine Kunst, seinen Glauben. Und überrascht mit einer unerwarteten Offenheit.

Kritik

Eines kann man dem heute 40-jährigen Schauspieler, Comedian und Buchautor Russell Brand wahrlich nicht vorwerfen:  Seine Person geht wohl kaum Jemandem am Allerwertesten vorbei. Entweder man liebt ihn für seine schrillen Auftritte, oder verabscheut ihn aufgrund solcher Fehltritte wie der Preisverleihung zum Man of the Year, bei dem er noch nachträglich von der Aftershow-Party ausgeladen wurde, als er bei seiner Dankesrede auf die Nähe der Hugo-Boss-Designer zum Nationalsozialismus hindeutete. Brand polarisiert, eckt an und trotzdem wirkt gerade sein Wandel vom Skandal-Promi zum politischen Aktivisten viel zu inszeniert, um glaubwürdig zu wirken. Umso schwieriger war es da für die Dokumentarfilmerin Ondi Timoner, sich dem Menschen Russell Brand so zu nähern, dass man sich als Zuschauer seiner Faszination erschließen kann, ohne das Gefühl zu bekommen, hier einen 100 Minuten langen Wahlwerbespot für den selbsternannten Guru und Prediger zu sehen. Und es gelingt ihr tatsächlich: „Brand: A Second Coming“ ist alles andere als ein PR-Produkt. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich zu keinem Zeitpunkt bewusst darüber scheint, dass er und sein Ego überhaupt nicht in diese Welt passen wollen. Der Film über ihn ist ein zwischen Euphorie und Melancholie schwankendes Biopic, das den Zuschauer auf der Zielgeraden zu dem Schluss kommen lässt: Ja, dieser Mann ist wirklich so!

Ondi Timoner hatte bei ihren Dreharbeiten das große Glück, Material für ihren Film verwenden zu dürfen, das uns Russell Brands Werdegang auch von seinen unrühmlichsten Seiten präsentiert. Drogen, Alkohol, Sex: Dem Zuschauer, der sich für den Schauspieler interessiert, bleibt in „Brand: A Second Coming“ nichts erspart. Den sentimentalen Gegenpol dazu liefern Angehörige, Promikollegen und Brand selbst, der in einem ausgiebigen Interview Rede und Antwort steht, während er Freunde und Bekannte wie David Lynch, Noel Gallagher und Stephen Merchant dazu animierte, mit ihm gemeinsam vor die Kamera zu treten. Mit Lobhudelei auf den Kollegen haben die Kommentare der VIPs nichts zu tun. Der Austausch mit und über Brand komplettiert den unverfälschten Eindruck der Dokumentation; der Lebensstil des ehemaligen Katy-Perry-Husbands wird mehrmals Grund ausgiebigen Kopfschüttelns. Doch Niemand hält mit der Faszination für diese Person hinterm Berg. Wenn Brand im Rahmen eines PR-Projekts nach Afrika fliegt und dort mit einer kilometerlangen Müllhalde und den davon und darauf lebenden Menschen konfrontiert wird, zeigt sich Brand von einer Seite, die auch beweist: ihn zu mögen, grenzt nicht unbedingt an ein Ding der Unmöglichkeit. Als sich das letzte Drittel schließlich mit seinem Wandel zum modernen Messias befasst, müssen die von ihm vertretenen Thesen nicht jedem Gefallen. Doch Teil eines kalkulierten Imagewandels, das sind sie dann wohl doch eher nicht.

BRAND: A SECOND DOMING stammt von Ondi Timoner. Bei dem Film handelt es sich um eine britisch-amerikanische Dokumentation aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 100 Minuten.

Fazit

„Brand: A Second Coming“ ist eine ungemein spannende Dokumentation, die uns mit einer in der Öffentlichkeit stehenden Person vertraut macht, über die wir angesichts ihrer vielen Drogen- und Sexeskapaden eigentlich gar nicht mehr so viel wissen wollen. Doch Regisseurin Ondi Timoner gelingt es mithilfe unzähliger Prominente, ausgewähltem TV- und Internetmaterial sowie ausführlichen Gesprächen mit Russell Brand selbst, ein komplexes Bild des Schauspielers zu zeichnen, das im Nachhinein tatsächlich dazu animiert, noch mehr über diese exzentrische Person erfahren zu wollen. Ganz gleich, ob all das in diesem Film nun echt, oder doch wieder nur eine ausgeklügelte Show Brands ist.

Mein Tipp: Kaufen!

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