Das startet am 14. April 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 14. April, dessen größter Start wohl das phänomenale „Dschungelbuch“-Remake“The Jungle Book“ ist. Auch Actionfans kommen endlich mal wieder in den Genuss eines innovativen Genrestücks: „Hardcore“ heißt dieses und nimmt den Zuschauer mit auf eine schwindelerregende Gewaltorgie. In den Arthouse-Kinos erscheint derweil der dänische Oscar-Beitrag „A War“ – ein absolutes Must-See dieses Jahres, ebenso wie der deutsche Experimentalfilm „Wild“, den man sich vor allem dann nicht entgehen lassen sollte, wenn man der Meinung ist, man würde immer nur noch das Gleiche im Kino zu sehen bekommen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE JUNGLE BOOK | Regie: Jon Favreau | USA 2016

The Jungle Book

Aufgenommen von einem Wolfsrudel, wächst der Menschenjunge Mogli behütet im Dschungel auf. Doch Mogli fühlt sich nicht länger willkommen, als er von dem Versprechen des mächtigen und furchterregenden Tigers Shir Khan erfährt, der jegliche menschliche Bedrohung vernichten wird, um die Gesetze des Dschungels zu wahren. Nun muss Mogli das einzige Zuhause, das er je kannte, verlassen und sich auf ein gefahrenvolles Abenteuer begeben. In Begleitung seines weisen aber strengen Mentors Baghira und des lebensfrohen Bären Balu macht Mogli sich auf seine schwerste Reise, auf der er auch Dschungelbewohner trifft, die es nicht unbedingt gut mit ihm meinen. So wie Kaa, eine Python, deren verführerische Stimme und hypnotisierender Blick den Menschenjungen in ihren Bann ziehen. Oder der hinterlistige Affe King Louie. 5 von 5

Jon Favreau versteht seine Leinwandinterpretation von „Das Dschungelbuch“ als technisch perfekt in Szene gesetzte Hommage an einen Film, dessen inhaltliche und optische Bandbreite wie geschaffen dafür ist, um in Form eines hier dargebrachten 3D-Meisterwerkes neu zu bestehen.


A WAR | Regie: Tobias Lindholm | DK 2015

A War

Kommandant Claus Pedersen (Pilou Asbæk) und seine dänische Einheit sind fern der Heimat in der afghanischen Provinz stationiert. Als die Kompanie ins Kreuzfeuer der Taliban gerät, fordert Pedersen Luftverstärkung an, um das Leben seiner Männer zu retten. Doch zurück in der Heimat muss sich der dreifache Familienvater vor Gericht verantworten, weil bei dem Einsatz unschuldige Zivilisten getötet wurden. Ein zermürbender Prozess beginnt, der ihn auch immer mehr in ein moralisches Dilemma bringt. Einerseits will er sich seinen Fehlern und den daraus resultierenden Konsequenten stellen. Doch kann er es seiner Frau und seinen Kindern zumuten, nach monatelanger Abwesenheit eine Haftstrafe für sein Verhalten in Kauf zu nehmen und seine Familie damit ein weiteres Mal für lange Zeit zurücklassen?  5 von 5

Ohne auch nur ansatzweise so etwas wie Effekthascherei zu betreiben, schildert Tobias Lindholm in „A War“ den Krieg so wie er ist: grausam. Dafür braucht es keine drastischen Bilder, keine zum Helden hochstilisierten Hauptfiguren und keinen amourösen Konflikt, sondern einzig und allein einen Blick darauf, wie es an der Front und anschließend Zuhause wirklich ist.


WILD | Regie: Nicolette Krebitz | DE 2016

Wild

Auf dem Weg zur Arbeit hat Ania (Lilith Stangenberg) eine seltsame Begegnung: Mitten im Park steht sie einem Wolf gegenüber. Beide sehen sich direkt in die Augen – und es kommt Ania so vor, als wäre ihr ganzes bisheriges Leben ein Witz gewesen. Der Moment lässt sie nicht mehr los, genau wie der Gedanke den Wolf wieder zu finden und nie mehr gehen zu lassen. Ania wird zur Jägerin, legt Fährten und schafft es, das wilde Tier zu fangen. Sie sperrt es in ihrer Hochhauswohnung ein – und sprengt sämtliche Fesseln ihres bisherigen bürgerlichen Lebens. Erstaunlicherweise finden die Menschen um sie herum daran Gefallen, besonders ihr Chef Boris (Georg Friedrich), der ihre Nähe sucht wie nie zuvor. Fast scheint es, als teilten sie alle eine ähnliche, geheime wilde Sehnsucht. Doch das Loslösen von den Fesseln der Konvention fordert auch ihre Opfer.4 von 5

Nicolette Krebitz‘ bisweilen verstörendes Filmprojekt „Wild“ provoziert wirklich und tut nicht nur so. Ein wahrhaftiges, respekteinflößendes Kinoerlebnis formvollendeter Kraft und Schönheit, das die (deutsche) Kinolandschaft so sehr bereichert wie schon lange kein Film zuvor.


HARDCORE  |  Regie: Ilya Naishuller |  RUS/USA 2015

Hardcore

Eben noch auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, im nächsten Moment als kybernetisch aufgemotzte Kampfmaschine auf der Suche nach der eigenen Identität und den Entführern seiner Frau Estelle (Haley Bennett): Für Henry kommt es im futuristischen Moskau hammerhart. Lediglich unterstützt durch den schrägen Jimmy (Sharlto Copley), muss er es nicht nur mit Heerscharen namenloser Söldner aufnehmen, sondern auch deren psychopathischen Boss Akan (Danila Kozlovsky) in die Schranken weisen, der eine Armee biotechnisch aufgerüsteter Soldaten produzieren will. Getreu dem Motto „Blut schlucken und schlucken lassen“ bleibt Stehaufmännchen Henry nichts anderes übrig, als bis zum finalen „Game Over“ auch den letzten der „Scheißkerle“ endgültig platt zu machen. 3 von 5

„Hardcore“ ist ein einziger, gewagter Stunt, der den Zuschauer auf eine äußerst brutale Reise mitnimmt, die er durch die Augen der Hauptfigur sieht. Wer zusätzlich noch Wert auf nur den Hauch einer Story legt, der ist hier verloren.


THE LADY IN THE VAN | Regie: Nicholas Hytner | UK 2015

The Lady in the Van

Die zweifache Oscar®-Gewinnerin Maggie Smith, bekannt aus der britischen TV-Erfolgsserie „Downton Abbey“, bringt in „The Lady in the Van“ ihre berühmte Bühnenrolle „Miss Shepherd“ auf die große Leinwand. Der Film basiert auf der wahren Geschichte von Alan Bennett, in dessen Londoner Auffahrt Miss Shepherd „vorübergehend“ ihren Van parkte und für 15 Jahre wohnen blieb. Diese Begegnung, die als widerwillig gewährter Gefallen begann, entwickelte sich zu einer innigen Freundschaft, die die Leben der beiden für immer veränderte.

Alan Bennett adaptierte für diese Komödie sein erfolgreiches Theaterstück, das auf seinen Memoiren beruht.Der Film wurde in der Straße und dem Haus gefilmt, in denenBennett und Miss Shepherd jahrelang lebten.


SONG ONE |  Regie: Kate Barker-Froyland |  USA 2014

Song One

Nachdem ihr Bruder Henry (Ben Rosenfield) bei einem Autounfall schwer verletzt wird und ins Koma fällt, entschließt sich Franny (Anne Hathaway) zu ihrer Familie nach New York zurückzukehren. Sie stellt ihre eigenen Bedürfnisse zurück, um ihren Bruder bei der Genesung zu unterstützen. Vertraute Geräusche aus seinem Alltag sollen ihm helfen, wieder aufzuwachen. Bei der Suche danach findet sie eine Konzertkarte für einen Auftritt von James Forester (Johnny Flynn) – Henrys Lieblingsmusiker. Franny geht zu dem Konzert und erzählt James die ergreifende Geschichte. Der wiederum taucht anschließend plötzlich im Krankenhaus auf und übernimmt nicht nur in Henrys Leben eine wichtige Rolle. Es könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen zwei ganz unterschiedlichen Menschen sein. Doch da ist ja auch noch Frannys Bruder, der der jungen Frau alles abverlangt.


MUCH LOVED  |  Regie: Nabil Ayouch  |  MAR/FR 2015

Much Loved

Marrakesch heute: Noha (Loubna Abidar), Randa (Asmaa Lazrak), Soukaina (Halima Karaouane) und Hlima (Sara Elmhamdi Elalaoui) verkaufen ihre Körper. Sie arbeiten als Prostiuierte, sind Objekte der Begierde: Im Rausch der Nacht fließt das Geld großzügig im Rhythmus des Vergnügens, doch auch Demütigungen gehören dazu. Gemeinsam sind die Frauen Komplizinnen und lassen sich mit all ihrer Lebendigkeit auf dieses Spiel ein: In ihrem ganz eigenen Reich finden sie die Freiheit und Würde, die ihnen in der marokkanischen Gesellschaft entsagt bleiben – einer Gesellschaft, die sie gleichzeitig ausnutzt und verdammt.

Die marokkanisch-französische Koproduktion ist in Deutschland nur in ausgewählten Kinos zu sehen.


NOMADEN DES HIMMELS  |  Regie: Mirlan Abdykalykov|  KGZ 2015
Nomaden des Himmels

Eine Nomadenfamilie lebt zurückgezogen mit ihren Pferden in der berauschenden, von Bergschluchten geprägten Landschaft Kirgistans: ein alter Hirte und seine Frau, ihre Schwiegertochter Shaiyr und ihre kleine Enkelin Umsunai. Shaiyrs Ehemann ist vor vielen Jahren in einem Fluss ertrunken. Umsunai vermisst ihren Papa und glaubt fest daran, dass er – wie es in einer der schönsten Legenden der Nomaden erzählt wird – in einen Steinkauz verwandelt wurde, der seine Kreise über den Gipfeln zieht. Shaiyr entschied sich, bei der Familie ihres Mannes zu bleiben, denn sie liebt das wunderschöne Land. Doch dann taucht der Meteorologe Ermek auf. Die beiden verlieben sich und das alte Hirtenpaar ahnt, dass Shaiyr mit dem Gedanken spielt, ein neues Leben in der Stadt zu beginnen. Als Shaiyrs Sohn, der in der Stadt studiert, die Familie in der Bergschlucht besucht, bestürmt er die Nomaden mit Geschichten aus dem modernen Leben.


FRITZ LANG  | Regie: Gordian Maugg |  DE 2015

Fritz Lang

Auf der Suche nach einem passenden Stoff für seinen ersten Tonfilm reist der Star-Regisseur Fritz Lang (Heino Ferch) 1930 von seinem turbulenten Umfeld in Berlin nach Düsseldorf, um bei den polizeilichen Ermittlungen des bekannten Kriminalrats Gennat (Thomas Thieme) über den brutalen Serienmörder Peter Kürten (Samuel Finzi) dabei zu sein. Doch in der fremden Umgebung wird er im Strudel der Ereignisse von seiner Vergangenheit eingeholt und steht vor unerwarteten Abgründen: seinen eigenen und denen in uns allen.

Ausgehend von realen Personen und Ereignissen ist „Fritz Lang“ ein packender Kinospielfilm in Schwarz-Weiß über einen der größten Regisseure der Filmgeschichte und die Entstehung seines Meisterwerks „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“.


Heimkinotipp: THE DIARY OF A TEENAGE GIRL | Regie: Marielle Heller | USA 2015

The Diary of a Teenage Girl

1976. San Francisco, am Scheidepunkt der ausklingenden Hippie- und aufkommenden Punkt-Bewegung. Wie andere Teenager auch sucht Minnie Goetze nach Liebe, Akzeptanz und den Sinn in ihrem Leben. Sie beginnt eine Affäre mit Monroe Rutherford, dem Freund ihrer Mutter. Die junge Frau befindet sich in der drogengeladenen Stadt, in der ihr Wunsch nach Rebellion mit dem erwachsenen Verantwortungsbewusstsein zusammen prallt. Ihre partyfeiernde Mutter und das Fehlen eines Vaters haben Minnie führungslos werden lassen. Findet sie anfangs noch Trost in Monroes verführerischem Lächeln, sind es  später die dunklen Gassen der Stadt, die dem trotzigen Mädchen das Gefühl von Selbstbestimmung geben. 3 von 5

„The Diary of a Teenage Girl“ findet dank einer unkonventionellen Heldin innovative und authentische Ansätze, um dem Publikum das Innenleben einer pubertierenden Jugendlichen näherzubringen. Leider schafft es das freizügige Skript nicht, die Hauptfigur mit genug Tiefgang zu versehen, um zu vermitteln, dass die Entscheidungen der Protagonistin nicht bloß naiv, sondern von weitreichender Bedeutung sind.

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