The Jungle Book

Wozu braucht es eigentlich eine weitere Verfilmung des bekannten Disneyfilms „Das Dschungelbuch“? Regisseur Jon Favreau gibt mit der düsteren Live-Action-Neuausrichtung THE JUNGLE BOOK die Antwort und liefert ohne große Experimente einen der besten Filme dieses Jahrzehnts ab. Mehr dazu in meiner Kritik. 

The Jungle Book

Der Plot

Aufgenommen von einem Wolfsrudel, wächst der Menschenjunge Mogli (Neel Sethi) behütet im Dschungel auf. Doch Mogli fühlt sich nicht länger willkommen, als er von dem Versprechen des mächtigen und furchterregenden Tigers Shir Khan (Ben Becker) erfährt, der jegliche menschliche Bedrohung vernichten wird, um die Gesetze des Dschungels zu wahren. Nun muss Mogli das einzige Zuhause, das er je kannte, verlassen und sich auf ein gefahrenvolles Abenteuer begeben. In Begleitung seines weisen aber strengen Mentors Baghira (Joachim Król) und des lebensfrohen Bären Balu (Armin Rohde) macht Mogli sich auf seine schwerste Reise, auf der er auch Dschungelbewohner trifft, die es nicht unbedingt gut mit ihm meinen. So wie Kaa (Jessica Schwarz), eine Python, deren verführerische Stimme und hypnotisierender Blick den Menschenjungen in ihren Bann ziehen. Oder der hinterlistige King Louie, der Mogli dazu bringen will, ihm das Geheimnis der mysteriösen tödlichen roten Blume, genannt „Feuer“, zu verraten. Als Mogli erkennt, dass seine Stärke nicht nur in ihm selbst, sondern auch in seiner Verbundenheit mit dem Dschungel liegt, trifft er eine folgenschwere Entscheidung…

Kritik

Gemessen an den Zuschauerzahlen ist das Zeichentrickmeisterwerk „Das Dschungelbuch“ hierzulande seit über 50 Jahren der erfolgreichste Film aller Zeiten. Das liegt sicher auch daran, dass die Geschichte um den Waisenjungen Mogli, der im Dschungel an der Seite eines Bären und eines schwarzen Panthers aufwächst, nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach in die deutschen Kinos kam. Nach seiner Erstaufführung im Jahre 1967 zählte die sehr frei interpretierte Verfilmung des gleichnamigen Romans von Rudyard Kipling etwas mehr als 23 Millionen Zuschauer, im Jahr 2016 hat der Film bereits die 27-Millionen-Marke überschritten. Gleichsam wäre es vermessen, dem Trickmusical aus dem Hause Walt Disney Pictures trotz dieser nicht zu leugnenden Wiederaufführungsvorteile dadurch seinen Status als Kultfilm abzusprechen. Wenn es einen Film gibt, den auf der ganzen Welt so ziemlich jeder kennt, dann ist es Wolfgang Reithermans „Das Dschungelbuch“, gespickt mit all seinen Megahits wie „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ oder „Ich wäre gern wie du“. Und genau dieser Film kommt jetzt als neu aufgelegtes Live-Action-Movie erneut in die Kinos, wie es der Mäusekonzern in den vergangenen Jahren bereits mit „Alice im Wunderland“, „Cinderella“ und der schwer schief gegangenen „Dornröschen“-Variation „Maleficent“ handhabte. Die Frage, die da gern aufkommt, ist berechtigterweise die nach dem „Warum“: Warum hüllt man heutzutage lieber altbekannte Stoffe in ein neues Gewand, anstatt sich neue, innovative Geschichten auszudenken? Im Falle von „The Jungle Book“ ist die Antwort simpel: weil man jetzt etwas umsetzen kann, was vor wenigen Jahren so noch nicht im Ansatz möglich war.

The Jungle Book

Von der ersten Sekunde an versprüht „The Jungle Book“ das Flair, es weder auf inhaltlicher, noch auf technischer Ebene mit dem Original von 1967 aufnehmen, sondern sich stattdessen lieber in einer schier nicht enden wollenden Hommage vor dem kultigen Zeichentrickfilm verbeugen zu wollen. Das fängt beim bekannten Disney-Logo an, das die heutige, dreidimensionale Nachbildung des weltberühmten Märchenschlosses mit der ikonischen, zweidimensionalen Schreibschrift aus dem alten Logo verbindet und geht über zu Szenen, die 1:1 jenen aus der Zeichentrick-Vorlage nachempfunden sind. Untermalt wird all das mit den bekanntesten Melodien des „Dschungelbuchs“, die ähnlich des Biopics um „Mary Poppins“-Autorin P.L. Travers, „Saving Mr. Banks“, in Form eines minimalistischen Instrumental-Scores (John Debney) in die Szenerie eingebettet werden; dass die zwei bekanntesten Lieder des Films natürlich auch in der 2016er-Neuaufbereitung nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst. Wie es Regisseur Jon Favreau („Iron Man“) gelungen ist, diese heiteren Melodien mit dem ansonsten eher düsteren Tonfall von „The Jungle Book“ zu verbinden, ist gerade im Hinblick auf King Louis fast schon als Rap vorgetragenes „Ich wäre gern wie du“ eine kleine Meisterleistung, während die Macher im Falle von „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ einfach nur den richtigen Moment abwarten und vorab stimmig vorbereiten müssen, damit die Gesangseinlage das Publikum nicht aus der ernsten Grundstimmung herausreißt.

Überhaupt ist „The Jungle Book“ ein vor allem auf die älteren Zuschauer ausgelegter Ausflug in den Dschungel, der sich mit seiner FSK-Freigabe ab sechs Jahren wahrlich keinen Gefallen tun dürfte. Die Story um den Waisenjungen Mogli ist bekannt und begeht auch in Favreaus Adaption keine besonders außergewöhnlichen Pfade, doch anders als in der Zeichentrickvariante können sich die Macher hier weder auf so etwas wie einen Niedlichkeitsfaktor verlassen, noch auf eine der Produktionstechnik wegen stattfindenden Distanzierung zum Geschehen bauen. Die Geschehnisse in „The Jungle Book“ entsprechen jenen eines klassischen Gut-gegen-Böse-Konflikts, der immer wieder neue Opfer fordert. So richtig physisch gerät dieser Kampf zwar erst in Richtung Schlussakt, doch schon vorab erlaubt sich das Skript von Newcomer Justin Marks („Top Gun 2“) immer wieder Szenen, an deren emotionaler Intensität kleine Zuschauer schwer zu knabbern haben dürften. Daran ist nicht bloß die Zeichnung des fabelhaft animierten Tigers Shir Khan Schuld, dessen schurkenhafte Motivation weit über die schemenhafte Darstellung derselben Figur im 1967er-„Dschungelbuch“ hinausgeht. Setdesign und visuelle Gestaltung in „The Jungle Book“ sind fast durchgehend finster, die Atmosphäre unheimlich, was erst ab dem recht späten Auftauchen des Bären Balu ab und an von einigen netten Gags durchbrochen wird.

Während Jon Favreau auf inhaltlicher Ebene keine Experimente macht, sind die Spielereien im Rahmen der Tricktechnik umso außergewöhnlicher und rechtfertigen eine Neuverfilmung des beliebten Stoffes zu jeder Sekunde. „The Jungle Book“ entwickelt seinen optischen Bombast auf einem ähnlichen Niveau wie es Ang Lees fulminantes Abenteuerdrama „Life of Pi“ vorweisen konnte und geht bei der Animation der Vierbeiner sogar noch über den vermeintlich aktuellen Standard hinaus. Das Konzept aus CGI-Animation und den Bildgewalten der echten Wildnis geht in dem Moment auf, in welchem sich der Zuschauer damit angefreundet hat, dass in „The Jungle Book“, anders als in „Life of Pi“, Tiere reden können. Das wirkt auf den ersten Blick vor allem deshalb befremdlich, weil es derartige Animationen zuletzt fast ausschließlich in Filmen der Marke „Alvin und die Chipmunks“, „Marmaduke“ und Co. zu sehen gab. Doch die Verantwortlichen gehen hier so subtil und vorsichtig vor, dass es schon bald außer Frage steht, dass sämtliche Bewohner des Urwaldes in der Lage sind, sprechend zu kommunizieren. Es ist schier unglaublich, mit welch perfekter Selbstverständlichkeit die Eigenheiten diverser Tierarten in diesem Film eingefangen werden. Neben den Hauptakteuren Bagheera, Balu und Mogli selbst findet Favreau immer wieder Zeit, sich auf vermeintlich nichtige Details zu konzentrieren, aus denen entweder ein niedlicher Gag entsteht (Stichwort: Springmäuse und anderes Kleingetier), oder die den Authentizitätscharakter von „The Jungle Book“ nur noch mehr in die Höhe treiben.

Fazit: Jon Favreau versteht seine Leinwandinterpretation von „Das Dschungelbuch“ als technisch perfekt in Szene gesetzte Hommage an einen Film, dessen inhaltliche und optische Bandbreite wie geschaffen dafür ist, um in Form eines hier dargebrachten 3D-Meisterwerkes neu zu bestehen. Favreaus düster-melancholisches Abenteuerdrama ist nichts für Kinder, sondern ein märchenhaft-poetischer Streifzug durch ebenjenen Dschungel, den wir alle seit unserer Kindheit lieben und verehren. Und ganz plötzlich begreift man, wie es dieser Film vor über 50 Jahren geschafft hat, Jung und Alt gleichermaßen und für immer in seinen Bann zu ziehen. „The Jungle Book“ ist trotz fehlender neuer Storyimpulse einer der besten Filme dieses Jahrzehnts!

„The Jungle Book“ ist ab dem 14. April bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in spektakulärem 3D!

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