Gringo

Nash Edgerton begibt sich mit seiner Actionkomödie GRINGO hinter die US-amerikanische Grenze nach Mexiko und lässt David Oyelowo in die Hände halbseidener Ganoven geraten. So zumindest sieht es auf den ersten Blick aus. Was es wirklich mit dieser abgedrehten Geschichte auf sich hat, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Eben noch war Harold Soyinka (David Oyelowo) ein unbescholtener US-Bürger mit glücklichem Privatleben und gutem Job in der Pharmaindustrie. Doch als er während eines Businesstrips nach Mexiko erfährt, dass seine Bosse Richard (Joel Edgerton) und Elaine (Charlize Theron) einen intriganten Coup planen und seine Frau Bonnie (Thandie Newton) ihn betrügt, hat er schlagartig nichts mehr zu verlieren. Harold inszeniert seine eigene Entführung und fordert ein hohes Lösegeld. Der vermeintlich geniale Plan geht allerdings mächtig nach hinten los, denn Harold ist ohne es zu wissen tief in schmutzige Deals verstrickt. Plötzlich macht alle Welt Jagd auf den Gringo: das mexikanische Drogenkartell, ein gnadenloser Ex-Söldner, schließlich gar die US-Drogenfahndung. Harold wird viel Glück brauchen, um diesen Schlamassel lebend zu überstehen…

Kritik

Nash Edgerton („The Square – Ein tödlicher Plan“), der ältere Bruder von Joel Edgerton („The Gift“), ist in Hollywood vorwiegend für die Ausführung spektakulärer Stunts zuständig. Als Coordinator hat er Filmproduktionen wie „American Ultra“, „Straight Outta Compton“ und „Wolverine – Weg des Kriegers“ betreut, doch auch vor die Kamera und auf den Regiestuhl zieht es den gebürtigen Australier hin und wieder. So auch für die schwarze (Action-)Komödie „Gringo“, für die Edgerton sogar mit seinem Bruder zusammenarbeitete. Der spielt in der Geschichte rund um eine vorgetäuschte Entführung eine von mehreren Rollen, mit deren Performance der Film steht und fällt. Neben Joel Edgerton liegt es vor allem an Charlize Theron („Mad Max: Fury Road“), der alles in allem doch recht mauen Story ein paar interessante Facetten abzugewinnen. Denn per se ist „Gringo“ eine eher unterdurchschnittliche Komödie, die sich durch ihre vielen parallelen Handlungsstränge sogar noch zusätzlich Steine in den Weg legt. Dafür können Theron und Co. immerhin punktuell für ordentliche Lacher sorgen, auch wenn ihr Engagement nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass man „Gringo“ in wenigen Wochen wieder vergessen haben dürfte.

Harold (David Oyelowo) und Mitch (Sharlto Copley) lernen sich über Umwege kennen.

Auf dem Plakat zu „Gringo“ prangt eine riesige Cannabis-Pflanze; dass der Film damit aber direkt mit dem Thema Drogen zu tun hat, ist ein Trugschluss, denn die einzige relevante Verbindung zu dem Rauschgift ist die, dass der Konzern, für den Hauptfigur Harold arbeitet, Cannabis in Tablettenform verkauft. Nein, „Gringo“ ist trotz diverser fies-humoriger Spitzen sogar eine überraschend ernste Angelegenheit, denn die Umstände, durch die Harold nach Mexiko reist, hier schließlich seine eigene Entführung vortäuscht und letztlich doch irgendwie durch Umwege in den Händen von Ganoven landet, entbehrt ob der diesem Szenario innewohnenden „Murphys Gesetz“-Skurrilität zwar durchaus einer gewissen Komik, doch die Art und Weise, wie Nash Edgerton all das aufbereitet, könnte auch aus einem x-beliebigen Gangsterthriller stammen. Nur vereinzelt treibt Edgerton die absurde Prämisse auch inszenatorisch auf die Spitze; etwa dann, wenn Harold völlig aufgelöst seine Fake-Entführung am Telefon probt, oder in den Szenen, in denen sich Charlize Theron und Joel Edgerton darin zu überbieten versuchen, wer Bernd Stromberg den Titel „Schlimmster Chef der Welt“ streitig machen kann. Auch den Subplot rund um das Pärchen Sunny (Amanda Seyfried) und Miles (Harry Treadaway) reichert das Skript von Anthony Tambakis („Jane Got a Gun“) und Matthew Stone („Ein (un)möglicher Härtefall“) mit einigen netten Ideen an, gleichzeitig offenbart sich an ihrer Geschichte aber auch ein Grundproblem von „Gringo“.

Die Autoren versuchen, in „Gringo“ so viele verschiedene Dinge zusammenzuführen, dass der Fokus dadurch vom Wesentlichen genommen wird. Angefangen beim Nebenhandlungsstrang rund um Sunny und Miles, dessen Entbehrlichkeit schon dadurch deutlich wird, dass die beiden in der Plotbeschreibung gar nicht erst auftauchen, über Harolds angerissenen Beziehungsprobleme bis hin zur plötzlich im Raum stehenden Entlassung von Elaine oder Richard ist „Gringo“ bis oben hin vollgestopft mit mal mehr, vor allem aber mit mal weniger unterhaltsamen Eskapaden, die für den eigentlichen Kern der Geschichte gar keine Rolle spielen. Zum Schluss müht sich Nash Edgerton zwar sichtlich, sämtliche Handlungsfäden zusammenzuführen, doch wie aus einem Guss wirkt das alles nie. Auch die permanente Aufmerksamkeit, die notwendig ist, um der Geschichte zu folgen, wird dadurch mehr als einmal auf eine harte Probe gestellt. „Gringo“ böte Stoff für drei Filme ganz unterschiedlicher Ausrichtung, doch zusammengestampft auf einen einzigen, noch nicht einmal sonderlich langen Spielfilm funktionieren schließlich nur ausgewählte Teilaspekte.

Richard (Joel Edgerton) hat die Macht über seine Angestellten – auch über Harold…

Zu denen gehören in erster Linie die Schauspieler, allen voran Charlize Theron. Ihre Performance würde glatt ein Spin-Off ausschließlich rund um ihre abgefuckte Businessleaderin rechtfertigen, deren Methoden und vorgetäuschtes Interesse an ihren Mitmenschen ungeheuer unterhaltsam sind. Gleiches gilt für Joel Edgerton, in dessen vermeintlich toughem Firmenboss ein ziemlich armes Würstchen steckt; Edgerton verkörpert beides auf eine betont kantige Art und sieht neben Theron, die hier mit Abstand die besten Szenen erhält, trotzdem alt aus. David Oyelowo („Das Zeiträtsel“) trifft das harte Los, mit seiner fast duckmäuserischen Rolle gegen zwei so starke Figuren anzuspielen. Genau das gelingt ihm nämlich nicht; zwar gibt sich der zweifach Golden-Globe-nominierte Schauspieler Mühe, möglichst viel mit seiner unspektakulär geschriebenen Figur anzufangen, doch ohne Gegenpart kämpft Oyelowo auf verlorenem Posten, genau wie Amanda Seyfried („Alle Jahre wieder“) und „Penny Dreadful“-Star Harry Treadaway. Für einen überraschend selbstironischen Auftritt sorgt derweil Sharlto Copley („Hardcore“), der schließlich auch Teil einiger wohl dosierter und stark inszenierter Actionszenen ist. Hier zeigt sich, womit Nash Edgerton hauptsächlich sein Geld verdient. Auch ein mit seiner Figur verbundener Twist konnte uns ganz gut überraschen, letztlich reicht all das aber nicht aus, um die ganz offensichtlichen Schwachpunkte von „Gringo“ auszugleichen.

Fazit: Als schnörkellose Actioncomedy rund um ein vorgetäuschtes Kidnapping könnte „Gringo“ richtig gut sein, doch Nash Edgerton verzettelt sich in Belanglosigkeiten, die seine Geschichte verwässern. Daran ändern auch die stark aufspielenden Darsteller nichts.

„Gringo“ ist ab dem 5. April in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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