2017 – Die Plätze 10 bis 1

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge werde ich mit den Top 10 meiner Lieblingsfilme 2017 nun endgültig mit dem vergangenen Jahr abschließen. Ein kurzes Abschlussfazit: Ich habe so viele Filme wie noch nie gesehen und habe mich erstmals auch ein wenig ausführlicher mit Produktionen auseinandergesetzt, die nicht regulär ins Kino gekommen sind. Dabei habe ich dann tatsächlich eine Handvoll Perlen entdeckt und ärgere mich etwas, dass ich Direct-to-DVD-Produktionen erst jetzt in meinen Jahrescharts berücksichtige. Unter allen Filmen, die ich gesehen habe, waren diesmal doch ein paar mehr Graupen dabei, als zuletzt. Wobei sich diese mitnichten bloß im Mainstreamkino ausmachen lassen. Es nervt mich, dass Big-Budget-Filme immer stärker von oben herab betrachtet werden, auch wenn sich manch ein Film nicht wundern braucht, wenn er das Image des Blockbusters nachhaltig schädigt. Trotzdem gibt es in absolut jedem Genre und jeder Produktionsgröße starke und schwache Filme. 2017 war für mich aber vor allem das Jahr des Horrorfilms. Als Genrefan freut mich das ganz besonders, genauso wie ich an dieser Stelle gern (mal wieder) eine Lanze für das deutsche Kino brechen möchte, das dieses Jahr wirklich stark aufgestellt war. Nun aber genug in der Vergangenheit geschwelgt – Zeit, für die letzten ehrenwerten Nennungen:

Hat die Tops knapp verpasst und war dennoch bildgewaltig und emotional: Pixars „Coco“

Nachdem ich vor den Plätzen 20 bis 11 auf die Arthouse-Filme einging, die den Sprung in die Tops knapp verpassten, hier nochmal die Mainstream-Produktionen, die ich aus unterschiedlichen Gründen in mein Herz geschlossen habe: Pixars neuestes Meisterwerk COCO (Platz 41) hat mich enorm berührt und wäre sicher auch in meinen Tops gelandet, hätte ihm nicht das letzte Quäntchen an Zauber gefehlt. Tatsächlich mochte ich auch die Romanverfilmung SCHNEEMANN (Platz 49), obwohl sie leider ein verkorkstes Drehbuch hat, aber mit einer schönen Atmosphäre und Michael Fassbender aufwarten kann. Eine der lustigsten Komödien war in diesem Jahr DADDY’S HOME 2 (Platz 52). Ich freue mich, den sympathischen Film in den kommenden Jahren zu Weihnachten zu sehen. Als“Guilty Pleasure“ zähle ich sowohl das Familienabenteuer MONSTER TRUCKS (Platz 53), als auch – ja, ich schäme mich ein wenig – THE CIRCLE (Platz 54). Auch WENN DU STIRBST, ZIEHT DEIN GANZES LEBEN AN DIR VORBEI, SAGEN SIE (Platz 55) hat mich mit seinen hübschen Ideen nachhaltig beeindruckt, Peter Berg hat mit BOSTON (Platz 56) seinen bisher besten Film abgeliefert und selbst mit Marvels THOR: TAG DER ENTSCHEIDUNG (Platz 59) hab ich mittlerweile meinen Frieden gemacht.

10

Die „Bibi & Tina“-Filmreihe von Detlev Buck gehört zu Unrecht zu den unterbewertetsten Franchises der (deutschen) Filmgeschichte. Die bisherigen drei Teile sind aufgrund kleinerer Makel, einiger Längen und mindestens einer Musicaleinlage, die mir missfiel, immer ganz knapp an meinen Jahrestops gescheitert. Da die Ära mit BIBI & TINA – TOHUWABOHU TOTAL jetzt allerdings zu Ende geht – und das sogar auf einem neuen Höhepunkt – gehört dieses kinematografische Highlight in Sachen Flüchtlingsdiskurs verdient in meine Top 10 des Jahres. Das knallig-bunte Popmusical und meta-humoristische Hexspektakel teilt nicht nur smart in alle politische Richtungen aus und widmet sich im Gewand eines familientauglichen Unterhaltungsfilms dem weltpolitischen Diskurs. Buck nimmt sein Projekt in all seinem Augenzwinkern und der absurden Inszenierung auch jederzeit ernst, ohne dabei zu vergessen, wie albern viele seiner Ideen sind. Diese Platzierung des vierten Films gilt gleichzeitig auch der Reihe selbst, die sich – belächelt von allen, die darin nur einen Kinderfilm sehen – viel mehr getraut hat, als viele vermeintlich ernsthafte Filme.

9

Wer hätte gedacht, dass die hierzulande bereits im Mai gestartete Horrorkomödie GET OUT tatsächlich ernsthafte Chancen auf einen Oscar haben könnte? Diese Verwunderung rührt nicht nur aufgrund des Genres daher, sondern auch, weil sich Regisseur und Drehbuchautor Jordan Peele in seiner Satire traut, mit dem Finger in Wunden zu bohren, die auf den ersten Blick gar keine sind. Sein mit einem herausragenden Drehbuch ausgestatteter Film nimmt sich nämlich nicht bloß so etwas Naheliegendem wie Rassismus an. Stattdessen entlarvt er in „Get Out“ alle möglichen Arten von Ausgrenzung und gut gemeinter Aufwertung der einen Ethnie gegenüber der anderen. In jedem Satz, Dialog und Blick in „Get Out“ steckt eine doppelbödige Bösartigkeit, die einen lebensechten Horror markiert, der von kettensägenschwingenden Killern und Mörderclowns gar nicht ausgehen könnte, da er nicht echt ist. „Get Out“ ist echt und entlarvt uns alle spätestens dann zum ersten Mal, wenn wir erst über etwas lachen, was uns wenig später bereits im Halse stecken bleibt. Ein würdiger Anwärter auf sämtliche Filmpreise dieser Welt!

8

Hätten sich Marvel und Sony in diesem Jahr nicht zusammengetan, wäre 2017 ein überraschend schwacher Jahrgang für den Comickonzern geworden. So aber bekamen wir SPIDER-MAN: HOMECOMING präsentiert – eine auf den ersten Blick recht generische Originstory eines Helden, den wir in den vergangenen Jahren schon diverse Male in allen möglichen Neuauflagen gezeigt bekamen. Nun erhalten wir also unser drittes Reboot, das endlich all das richtig macht, was ich mir auch von den deutlich ernsteren Vorgängerfilmen gewünscht hätte. Mit Tom Holland sehen wir einen absolut unbedarften Jungschauspieler in der Hauptrolle, der eine unverbrauchte Ehrfurcht an den Tag legt, die genau so zum MCU passt. Unter den ganzen alteingesessenen Helden darf endlich auch ein Wirbelwind mitmischen, der mit der ganzen Maschinerie noch überhaupt nicht vertraut ist. Entsprechend einfallsreich gestaltet sich dann auch sein erster Solo-Auftritt, der den bislang amüsantesten Film des Marvel-Filmuniversums darstellt. Ich liebe das und kann den nächsten Auftritt des Spinnenmannes kaum erwarten!

7

Der Februar brachte uns mit A CURE FOR WELLNESS einen Film voll von nostalgisch angehauchtem Schauerfeeling, wie man es auch aus den Hammer-Studios kennt. Teile des Filmsets durfte ich im Rahmen einer kleinen Reise sogar direkt vor Ort erkunden – auch wenn das meine Meinung zum Film nur unwesentlich beeinflusst hat, den ich bereits bei der ersten Sichtung als überragend und schlichtweg „anders“ empfand. Das hängt nicht unbedingt mit der Geschichte zusammen. Die ist allenfalls aus diversen Motiven des Grusel- und Monsterkinos zusammengeklaut. Stattdessen ist es diese akribische, bildgewaltige und opulente Art des handwerklichen Filmemachens, das in jeder Szene eine unendliche Detailverliebtheit und höchste visuelle Ansprüche offenbart, die man heutzutage kaum noch auf der Leinwand erleben kann. Hinzu kommt ein Dane DeHaan, der wie geschaffen für die kaum greifbare, kühle Hauptrolle ist und der – neben seiner Performance in „Tulpenfieber“ – kaum besser war als hier. Auch wenn man für die zweieinhalb Stunden Sitzfleisch benötigt, lohnt es sich im Anbetracht des Ergebnisses.

6

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn – bei Darren Aronofskys MOTHER! gibt es keinen Mittelwert, denn so etwas Banales wie eine solide Wertung hat das symbolträchtige Psychodrama mit Jennifer Lawrence und Javier Bardem in den Hauptrollen nicht verdient. Es ist schwer, etwas zu „mother!“ zu sagen, ohne dabei zu viel zu verraten. Denn wenn ein Film in diesem Jahr völlig ohne Vorwissen genossen werden sollte, dann war es dieser. Im Deckmantel eines Home-Invasion-Schockers durchlebt die namenlose weibliche Hauptfigur die absolute Hölle auf Erden, die sich auf alle möglichen Weisen deuten lässt. Ist „mother!“ nun Schöpfungsallegorie, Kommentar auf den Klimawandel, sind es einfach nur Szenen einer Ehe oder alles zusammen? An Aronofskys streitbarem Film, der auf der ganzen Welt Zuschauer aus den Kinos getrieben und auf Festivals für Buhrufe gesorgt hat, scheiden sich die Geister. Und das ist gut so! Ein solcher Film darf nicht allen gefallen, da ihm sonst der Reiz abhanden kommt. Ich hingegen liebe und verehre ihn. Dafür wurde das Kino erfunden!

5

Viermal hat es mich in diesem Jahr für ein und denselben Film ins Kino gezogen. Und zwar für ES, die erneute Verfilmung des berühmt-berüchtigten Horrorromans von Stephen King und der Überraschungserfolg des Jahres 2017. Beim ersten Mal Schauen war ich angetan, beim zweiten beeindruckt und ab dem dritten Mal habe ich mich endgültig in die vielen Details und das liebevolle Drehbuch verliebt. Dabei ist „Es“ nicht bloß der banale Horrorschocker, der er unter weniger fähiger Hand durchaus hätte werden können. „Es“ ist vor allem eine mitreißende Coming-of-Age-Geschichte über eine Gruppe ausgestoßener Teenager, die sich mit ihren eigenen Ängsten und inneren Dämonen auseinandersetzen müssen, um das Böse in Gestalt von Clown Pennywise zu bekämpfen. Dank „Es“ ist der Horrorfilm wieder so richtig salonfähig, auch wenn sich nach der Sichtung einige darüber beschwerten, der Film wäre ja „gar nicht gruselig“ gewesen. Dabei besticht „Es“ gerade damit, dass hier nicht ein Jumpscare an den nächsten gereiht werden. Wer ausschließlich das als Horror empfindet, wird hier eben enttäuscht.

4

Ich finde es bemerkenswert, wie oft das Musicaldrama LA LA LAND mittlerweile in Floplisten auftaucht, oder von Kinoliebhabern zu jenen Filmen gezählt wird, die sie enttäuscht haben. Es ist schon beeindruckend, wie stark offenbar der Drang vieler Leute ist, sich auf keinem Fall einer Massenmeinung anzupassen, denn zum Kinostart Anfang des Jahres fand ein Großteil der Kritiker und Kinozuschauer den Film noch überragend. Aber sei es drum: Ich stehe weiterhin dazu, dass es in diesem Jahr kaum ein anderes Kinoerlebnis gab, das mich so sehr verzaubert hat, wie die erste (von insgesamt drei) von „La La Land“. Durch das so herrlich unperfekt agierende und singende Leinwandpaar Emma Stone und Ryan Gosling gewinnt der sich vor der Traumfabrik verbeugende Film an Emotionen, die vielen anderen Musicals abgehen. Hinzu kommt die Geschichte, die so bittersüß endet, dass man noch lange darüber sinnieren muss. Die Performances sind spektakulär, die Songs eingängig und die Botschaft bahnt sich ihren Weg direkt in die Herzen der Zuschauer – oder eben zumindest in meines. Ein wahrlich einzigartiger Film!

3

Einen herausragenden Familienfilm zu drehen, ist schon schwer genug. Einen Überraschungshit zu wiederholen, nahezu unmöglich. Und trotzdem ist es Paul King mit PADDINGTON 2 gelungen. In meiner Review fiel mir damals kein anderes Wort als das Prädikat „makellos“ ein, denn in seiner kreativen, warmherzigen und irre komischen Art ist das nun mal die einzig passende Beschreibung. Ob der Regisseur nun ein Pop-Up-Buch zum Leben erweckt, Erinnerungen an Wes Anderson wach werden lässt, oder uns auch nur für eineinhalb Stunden wieder an das Gute im Menschen glauben lässt: „Paddington 2“ lässt das Ganze so leicht aussehen, dass man nach dem Ende – übrigens einer tollen Gesangs- und Tanzeinlage des sich herrlich selbstironisch aufs Korn nehmenden Hugh Grant – sofort in die nächste Runde starten möchte. Mit diesem Vertreter des Familienabenteuers gelingt King nicht bloß aus meiner Sicht einer der besten Filme des Jahres. Auch mit nüchternem Abstand gibt es nichts, was man hieran aussetzen könnte. Nur zwei Film konnten diesen Herzensfilm noch übertreffen…

2

Zeichnet sich da ein Trend ab? Auch der zweite Teil der von mir verehrten „Kingsman“-Reihe verpasst erneut ganz knapp die Führungsposition. Wurde der erste Part auf den letzten Metern von „Foxcatcher“ ausgestochen, scheitert auch KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE nur an einem weiteren Film dieses Jahres. Aber sei es drum, den Preis für den besten Blockbuster hat er ja dennoch in der Tasche, denn so konsequent wie Matthew Vaughn hier den Wahnsinn, die Gewalt und die Absurdität seines unkonventionellen Agentenactioners von 2015 weitergeführt hat, hatte ich einfach nur einen (im wahrsten Sinne des Wortes) irrsinnigen Spaß an Colin Firth, Taron Egerton und Co. Zum ersten Mal überhaupt habe ich es einem Unterhaltungsfranchise nicht übel genommen, einen eigentlich verstorbenen Charakter wieder unter die Lebenden zu bringen; in diesem Filmuniversum ist eben alles möglich. Auch die Tendenz zu einem „höher, schneller, weiter“ ist hier nur konsequent; und natürlich sind Gag- und Gewaltdichte wieder richtig hoch. All das reicht für das Silbertreppchen – ich liebe diesen Film!

1

Ich gebe es zu: Für Liebhaber von Überraschungen waren meine Jahrestops 2017 nicht unbedingt geeignet. Bereits seit über einem Jahr – nämlich Oktober 2016 – liege ich allen Filmfans damit in den Ohren, sich unbedingt das von J.A. Bayona inszenierte Fantasydrama SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT anzusehen – den nicht bloß besten Film dieses Jahres, sondern – für mich – aller Zeiten. Ja, die vergangenen zwölf Monate haben tatsächlich meinen Lieblingsfilm überhaupt hervorgebracht (Sorry „Truman Show“!), denn die Geschichte um einen trauernden Jungen, der mithilfe eines von Liam Neeson verkörperten Baummonsters lernt, mit seinem Schmerz umzugehen, fühlt sich so an, als sei sie nicht von dieser Welt. Nicht einmal eine Kritik wollte ich zu diesem hinreißend-authentischen, hochemotionalen, virtuos bebilderten Film verfassen – so viel Ehrfurcht habe ich vor ihm. Noch nie habe ich es Jemandem (oder etwas) so schnell dafür verziehen, mein Herz gebrochen zu haben. J.A. Bayona: Du bist ein Gott und Dein kleiner Hauptdarsteller die neue Hoffnung unter den Jungdarstellern. Nie war mein erster Platz klarer!

 

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und ein frohes neues Jahr 2018!

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