Pitch Perfect 3

Es hätte das epische Finale einer großen Erfolgsstory werden können, doch hätte die Musikfilmreihe mit PITCH PERFECT 3 begonnen, wäre aus ihr vermutlich nie eine geworden. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik zur Enttäuschung des Jahres.

Der Plot

Frisch vom College müssen die ehemaligen Barden Bellas feststellen, dass es schwieriger ist, in der erbarmungslosen Arbeitswelt den richtigen Ton zu treffen, als auf einer A-cappella-Bühne. Die Euphorie nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft ist schnell verpufft, als jede von ihnen bei der Suche nach einem richtigen Job auf sich allein gestellt ist. Umso attraktiver scheint ihnen die Möglichkeit, sich für einen internationalen Wettbewerb ein letztes Mal zusammen zu tun…

Kritik

Das große Finale sollte es werden – der Abschluss einer Trilogie, bei der es wohl zu Beginn kaum einer für möglich gehalten hätte, dass aus ihr überhaupt eine wird. Denn als „Pitch Perfect“ 2012 ins Kino kam, war die A-Capella-Komödie vor allem als Herzensprojekt von Jason Moore („Sisters“) zustande gekommen, der zum damaligen Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise Franchisepläne hegte, sondern einfach nur liebend gern das gleichnamige Buch von Mickey Rapkin verfilmen wollte. Dass diese Arbeit so erfolgreich wurde, dass der Autor daraufhin einen weiteren Band schrieb, der drei Jahre später – diesmal von Elizabeth Banks („Die Tribute von Panem“) – verfilmt wurde, entwickelte sich zu einem Glücksgriff für das Studio Universal Pictures (bei Produktionskosten von 29 Millionen Dollar spielte er fast das Zehnfache wieder ein), das darauf hin einen dritten Teil in Auftrag gab, noch bevor überhaupt eine Buchgrundlage dazu existierte. Das Ergebnis dieser überhasteten Entscheidung bekommen wir nun alle mit „Pitch Perfect 3“ zu sehen; einem Film, der sich als ebenjenes großes Finale verkauft, im Laufe seiner 93 Minuten aber so jämmerlich scheitert, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder streichen die „Pitch Perfect“-Fans den dritten Teil direkt nach der Sichtung aus ihrem Gedächtnis (schauen ihn im besten Fall aber gar nicht erst an), oder sie hoffen darauf, dass die Reihe doch noch einen vierten Teil erhält. Auf dieser bitteren Note kann man ein eigentlich so smartes Franchise einfach nicht beerdigen.

Fat Amy (Rebel Wilson) und Beca (Anna Kendrick) leben immer noch zusammen…

Der erste Teil erzählte die total absurde Geschichte der A-Capella-Band Barden Bellas, die sich im Laufe mehrerer Gesangswettbewerbe als beste Musikgruppe des Landes etablierte. Doch neben jeder Menge Competition, bestehend aus schwungvoll und oft ironisch inszenierten Shownummern, handelte „Pitch Perfect“ auch von den Streitigkeiten und Freundschaften innerhalb der Clique, von Konkurrenzkampf, Hoffnung und dem Nachjagen nach viel zu großen Träumen. Am wichtigsten jedoch: Die Filme propagierten zu jedem Zeitpunkt, dass jeder Mensch stolz auf das sein soll, was er ist; und so wurde bei den Barden Bellas eben nicht nach Aussehen gecastet, sondern nach Stimme und Persönlichkeit. Die Folge: Eine Figur wie die beleibte Fat (!) Amy, die Rebel Wilson („Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“) mit so viel derbem Selbstbewusstsein ausstattete, dass für sie kein Zweifel darin bestand, sich auch selbst so zu nennen, wurde zum Liebling der „Pitch“-Community. Doch auch die zurückhaltende Beca (Anna Kendrick), die überambitionierte Chloe (Brittany Snow), die so gut wie nie sprechende Lilly (Hana Mae Lee) oder die im zweiten Teil dazu stoßende, absolut bodenständige Emily (Hailee Steinfeld) machten aus dem illustren Rund an Musikerinnen ein farbenfrohes Abbild der Gesellschaft; welche Hautfarbe oder sexuelle Ausrichtung sie besitzten, spielt dabei nicht bloß eine untergeordnete, sondern schlicht gar keine Rolle – auch wenn die Macher mit den Vorzügen einer ethnisch derart vielfältigen Gruppe durchaus respektvoll zu spielen wussten. Am Cast hat sich auch in „Pitch Perfect 3“ nichts geändert. Doch die Damen scheinen diesmal nicht bloß erschreckend wenig Lust an einem weiteren Aufguss ihrer Musical-Eskapaden zu haben, sie können sich im Rahmen eines äußerst konfusen Skripts auch nur sehr beschränkt austoben.

Nachdem „Pitch Perfect 2“ die Idiotie des sich bierernst nehmenden A-Capella-Showkampfes noch einmal auf die Spitze trieb (und sich damit noch einmal besser verkaufte, als der erste Film ohnehin schon), scheint der dritte und letzte Teil mit seinen Vorgängern nun überhaupt nichts mehr gemein zu haben. Neben dem Ensemble und der Grundidee, eine A-Capella-Gruppe bei ihrem schwierigen Weg in Richtung Erwachsenwerden zu beobachten, lässt „Pitch Perfect 3“ sämtliche Erfolgszutaten des Franchises vermissen; und leider scheint die Wahl der Regisseurin Trish Sie mit ein Grund für diesen niederschmetternden Eindruck zu sein, die mit „Step Up: All In“ bereits bewiesen hat, dass sie schon für Tanzszenen nur ein mittelmäßiges, für inhaltlich relevante allerdings so gar kein Händchen zu besitzen scheint. Bildeten die in ihrer Einfachheit so clever choreographierten Gesangseinlagen – vom einfachen Straßenbattle bis hin zur großen Bühnenshow – in den ersten beiden Film immer die Höhepunkte (ganz zu schweigen von den süffisanten Kommentaren der beiden A-Capella-Insider Gail und John), wirken sie hier wie Füllmaterial. Schwungvolle Neuarrangements bekannter Popnummern weichen hier lieblos gecoverten Songs, von denen die Countryversion von „Wake Me Up“ noch das Highlight darstellt. Ansonsten fehlt es den Performances in „Pitch Perfect 3“ an jenem Schwung und Charme, mit dem die Reihe ihre Protagonistinnen so beliebt gemacht hat; darüber hinaus sind die ihnen diesmal in den Weg gelegten Steine in Form von Kontrahenten nicht mehr charmant-ätzend, sondern einfach nur langweilig und ab einem bestimmten Zeitpunkt der Story nicht einmal mehr relevant.

Mit ihrem abwertenden Blick auf die Barden Bellas liegen John (John Michael Higgins) und Gail (Elizabeth Banks) diesmal gar nicht so falsch.

Genau hier findet sich dann auch das zweite große Problem: die Geschichte. Nachdem schon Teil zwei so konsequent einfach nur auf das Konzept des ersten Teils einen draufsetzte, wäre es – ganz im Stile von „Hangover“ – gar nicht so schlimm gewesen, auch beim dritten Teil noch einmal so zu verfahren. Stattdessen saugt sich Drehbuchautorin Kay Cannon (schrieb auch schon das Skript zu Teil zwei) gleich mehrere abstruse Storylines aus dem Hut, von denen jene um Fat Amy und ihren verschollenen Geheimagentenvater, gespielt von einem immerhin ziemlich ordentlich aufgelegten John Lithgow („Daddy’s Home 2“), in seiner Konstruiertheit ausschließlich dazu einlädt, sich beim Schauen mehrmals mit der flachen Hand gegen den Schädel zu schlagen. „Pitch Perfect 3“ wird zu einer Aneinanderreihung von Zufällen und bemühten Sketchen; und zwischendrin darf Rebel Wilson immer mal wieder derbstes Vokabular unterhalb der Gürtellinie von sich geben. Zugegeben: Auch das hat sie in den ersten beiden Teilen schon getan. Doch was einstmals Ausdruck ihres ungeheuren Selbstbewusstseins war, ist mittlerweile nicht mehr als bemühte Provokation. Was fehlt, ist ganz einfach der Ausgleich zu so viele halbgaren Witzen und genau diesen kann „Pitch Perfect 3“ nicht bieten. Als zum Schluss noch einmal die besten Momente aller drei Filme über die Leinwand laufen, ist man selbst als Fan gar nicht mehr richtig traurig darüber, dass man die Barden Bellas nun erst einmal nicht wieder sehen wird.

Fazit: Das Finale der bislang so smarten „Pitch Perfect“-Reihe entpuppt sich als Nullnummer. Die Luft bei den Barden Bellas ist raus, die Performances sind mau und die Gags in erster Linie nervig. Schlimmer als all das ist nur das Skript, das uns ein konstruiertes Tohuwabohu inklusive Geiselnahme allen Ernstes als Geschichte verkaufen will.

„Pitch Perfect 3“ ist ab dem 21. Dezember bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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