Das Morgan Projekt

Es bleibt in der Familie! Mit DAS MORGAN PROJEKT feiert Luke Scott, der Sohn von Hollywoodregisseur Ridley Scott, sein Regiedebüt. An die Meisterwerke seines Vaters kommt der ehemalige Werbefilmer damit bei Weitem nicht heran. Warum das so ist, das verrate ich in meiner Kritik.Das Morgan Projekt

Der Plot

Lee Weathers (Kate Mara), Krisenmanagerin eines großen Unternehmens wird an einen entlegenen, streng geheimen Standort entsandt, wo sie einen schrecklichen Vorfall untersuchen und evaluieren soll. Sie findet heraus, dass das Problem von einem scheinbar unschuldigen, gleichermaßen mysteriösen wie unkalkulierbarem und gefährlichen „Geschöpf” hervorgerufen wurde. Das Mysterium heißt Morgan (Anya Taylor-Joy), ein mit synthetischer DNA  biotechnisch weiterentwickeltes menschliches Wesen. In nur einem Monat hat sie (es) Sprechen und Laufen gelernt, nun – nach sechs Monaten – hat Morgan sämtliche Erwartungen ihrer Schöpfer weit übertroffen. Sie ist rätselhaft und unvorhersehbar – ein im Labor geschaffenes, zu unterschiedlichsten Gefühlen fähiges Geschöpf. Es ist nicht mehr klar zu unterscheiden, ob es sich bei ihm um ein menschliches oder synthetisches Wesen handelt. Aber was geschieht, wenn die Kreatur ihren Schöpfer in allen Belangen überflügelt? Und dann ist da noch die Frage, was gefährlicher ist: Das künstlich geschaffene Wesen oder der Konzern, der seine Schöpfung in Auftrag gegeben hat?

Kritik

Aufgrund familiärer Verbindungen ins Filmbusiness hineingeboren zu werden, ist nicht automatisch ein Segen. Einen bekannten Namen zu tragen, bedeutet mitunter nämlich auch, nie so recht aus dem Schatten derjenigen herauszutreten, die damit bereits einen Teil der Medienwelt geprägt haben. Insofern bleibt vielen nichts Anderes übrig, als sich selbst irgendwann in dem Sektor zu versuchen, den die liebe Familie längst schon betreten hat. So auch im Falle des Scott-Clans, angeführt von Hollywood-Regisseur Ridley („Der Marsianer – Rettet Mark Watney“). So ziemlich jeder aus der Scott-Familie hat irgendwann im Filmgeschäft Karriere gemacht. Lediglich sein Sohn Luke hielt sich bislang vornehmlich in der Werbebranche auf, eh er sich als Regie-Assistent seines Vaters verdingte und nun mit „Das Morgan Projekt“ sein erstes Langfilmprojekt vorlegt. Dabei stützt sich Scott auf ein Thema, das in der Popkultur bereits zigfach abgefrühstückt wurde: das Erschaffen künstlichen Lebens und wie wir Menschen damit umgehen (würden). Zu Beginn denkt man tatsächlich noch, Scott könnte dem Ganzen einen neuen, einen modernen Anstrich verpassen. Letztlich läuft „Das Morgan Projekt“ allerdings doch darauf hinaus, dass passiert, was vor vielen Jahrzehnten bereits in „Frankensteins Monster“ geschah. Botschaft und Moral liegen klar auf der Hand; problematisch wird es allerdings, als sich neben der „Erschaffe nichts, worüber du keine Kontrolle hast“-Message noch eine weitere auftut. Und da diese nach zähen eineinhalb Stunden zum ersten Mal auch ein wenig Pepp in die Geschichte bringt, liegt der Fokus stärker auf ihr, als den Machern lieb sein dürfte.

Keiner weiß, wie Morgan in freier Umgebung reagiert...

Keiner weiß, wie Morgan in freier Umgebung reagiert…

Eines muss man ihm lassen: Luke Scott hat einen hervorragenden Blick für gute Bilder. Das mag darin begründet liegen, dass der 48-jährige Genrefilmer zuvor hauptsächlich in der Werbeindustrie gearbeitet hat und darüber hinaus bei seinem Vater lernen durfte, wie man Schauspieler und Setting in ein ordentliches Licht rückt (unter anderem stand er Ridley Scott bei der Inszenierung des bildgewaltigen Monumentalepos „Exodus – Götter und Könige“ als Assistent zur Verfügung). Auf der anderen Seite nützt das aber alles nichts, wenn man nicht in der Lage ist, die ohnehin maue Drehbuchvorlage von Seth W. Owen („Peepers“) ansprechend auf die Leinwand zu übertragen. Das Skript zu „Das Morgan Projekt“ ist nämlich nicht bloß überraschend dünn, sondern verlässt sich obendrein auch auf die Zugkraft eines Twists, den jeder halbwegs pfiffige Kinokenner bereits kurz nach der Eröffnungsszene erahnen dürfte. Nun mag das während unserer Sichtung auch einfach Glück oder in der Tagesform begründet gewesen sein – es wäre nicht die erste Überraschung, die von uns vorab entlarvt wird. Aber selbst wenn dem so wäre, so könnte auch ein funktionierender Turn-Around nicht verschleiern, dass „Das Morgan Projekt“ über weite Strecken ganz schön öde geraten ist. Darüber hinaus wollen wir uns an dieser Stelle tatsächlich so weit aus dem Fenster lehnen, zu sagen: Alles was hier passiert, liegt von vornherein klar auf der Hand. Überraschung: Fehlanzeige!

Ja, die Erschaffung künstlicher Menschen ist spannend. Erst recht, wenn dieses Thema so fest in der Realität verwurzelt wird, wie im Falle von „Das Morgan Projekt“. Womit sich der Film von ähnlichen Genrevertretern wie zuletzt etwa „Ex_Machina“ abhebt, ist nämlich die Tatsache, dass die Welt, in der sich die Filmereignisse abspielen, ziemlich genau unserer aktuellen entspricht. Natürlich entbehrt der eigentliche Konfliktherd keinerlei realer Grundsätze – Gott sei Dank hat es sich in unserer kranken Welt noch nicht etabliert, Menschen künstlich zu erschaffen! Doch Setting und Prämisse an sich erwecken den Eindruck eines naheliegenden Blickes in die Zukunft. Auch der Aufbau von „Das Morgan Projekt“ geht ruhig und mit stetem Blick auf die wissenschaftlichen Fortschritte vonstatten. Doch die Umsetzung wird der interessanten Ausgangslage zu keinem Zeitpunkt gerecht. Während sich der Film zunächst in unwichtigem Gefasel verliert (die Exposition ist für die Plotentwicklung und die nur allzu simple Message viel zu ausführlich geraten), steuert die Geschichte in der zweiten Hälfte auf ein Finale zu, das nicht nur die Beliebigkeit eines unterdurchschnittlichen Actionfilmes erreicht, sondern unter Zuhilfenahme einer zwar schön in Szene gesetzten, aber nicht zu Ende gedachten Jagd-Symbolik obendrein auch für einen bitteren Beigeschmack sorgt. „Alles, was nicht Mensch ist, darf guten Gewissens erschossen werden“? Nein danke, irgendwie finden wir das dann doch eine Spur zu krass…

Kata Mara kennt in

Kata Mara kennt in „Das Morgan Projekt“ nur einen gelangweilten Gesichtsausdruck…

Tatsächlich haben auch die Darsteller unter der unausgegorenen Inszenierung zu leiden. Trotz der äußerst ausführlichen Einführung sämtlicher Charaktere ist es auch den Umständen geschuldet, dass wir nie wirklich etwas über sie erfahren. Die über die Figuren neu gewonnenen Erkenntnisse beziehen sich hauptsächlich auf den Bereich der Wissenschaft. Schon bald sind wir mit den beruflichen Werdegängen der wichtigen Figuren bestens vertraut, doch wirklich persönlich wird es nie. Versuchen sich die Macher doch mal daran, den Charakteren auch darüber hinaus interessante Facetten beizufügen, bleibt man tief im Klischee stecken; dass sich die Crew irgendwann nicht mehr dazu durchringen kann, das erschaffene Wesen weiterhin als „Es“ zu bezeichnen, gerät arg plakativ. Der in „The Witch“ noch so phantastisch aufspielenden Anya Taylor-Joy gelingt es nicht, die sich sukzessive menschlichen Züge glaubhaft auf ihre Figur zu übertragen und Hauptfigur Kate Mara („Fantastic Four“) bleibt zwar blass, weil es ihrem Charakter geschuldet ist. Doch Interesse kommt beim Zuschauer nie auf – weder für die Personen, noch für die Entwicklung des Szenarios. Damit bleibt „Das Morgan Projekt“ bis zuletzt eine äußerst sperrige Angelegenheit – und der mysteriöse Werbeslogan „Wer ist Morgan?“ in seiner Offensichtlichkeit ziemlich lächerlich.

Fazit: Der leider nicht mehr durchschnittliche Science-Fiction-Film „Das Morgan Projekt“ ist visuell ansprechend, doch mehr als durchschnittliches Twist-Gedöns hat der symbolisch stark aufgeladene, mit einer merkwürdigen Message versehene Film dann leider nicht zu bieten. Dass der Verleih das Debüt von Luke Scott nun ohnehin klammheimlich in der Versenkung verschwinden lässt, spricht für sich.

„Das Morgan Projekt“ ist ab dem 1. Dezember in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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