Collide

Gedreht unter dem Arbeitstitel „Autobahn“ kommt mit COLLIDE nun ein Actionfilm in die deutschen Kinos, der international produziert, aber vor deutscher Kulisse gefilmt wurde. Das wirkt bisweilen skurril. Ob es die Qualität des Films beeinflusst, erfahrt Ihr in meiner Kritik.Collide

Der Plot

Wie weit würdest Du für die Liebe gehen? Der junge Amerikaner Casey (Nicholas Hoult) riskiert alles, als er erfährt, dass seine Freundin Juliette (Felicity Jones) für eine lebensnotwendige Operation eine große Summe Geld benötigt: Er lässt sich auf einen vermeintlich lukrativen Job für den durchgeknallten Dealer Geran (Ben Kingsley) ein und gerät zwischen die Fronten eines Schmugglerkrieges, den dieser mit dem schwerreichen Geschäftsmann und Drogenboss Hagen Kahl (Anthony Hopkins) austrägt. Mit fünf Millionen Euro Drogengeld sieht er sich plötzlich auf der Flucht vor zahlreichen Verfolgern, die Autobahn wird zum Austragungsort einer atemlosen PS-Jagd. Immer wieder gelingt es Casey zu entkommen, bis Hagen Kahl herausfindet, wie er ihn definitiv zur Umkehr zwingen kann. Ein explosiver Countdown beginnt…

Kritik

Zwischen den Dreharbeiten im Mai 2014 und dem finalen Kinostartdatum Anfang August 2016 liegen über zwei Jahre, in denen die Veröffentlichung von Eran Creevys Autothriller „Collide“ in den Sternen stand. Grund dafür war der plötzliche Konkurs der Produktionsfirma Relativity Media, in dessen Folge sich Open Road Pictures die Rechte an dem während der Drehphase „Autobahn“ betitelten Actionkracher sicherte. Dass der Verleih lange Zeit Skepsis walten ließ, dem mit Felicity Jones („Die Entdeckung der Unendlichkeit“), Nicholas Hoult („Mad Max: Fury Road“), Anthony Hopkins („Die Vorsehung“) und Ben Kingsley („The Walk“) hochkarätig besetzten Film eine Chance zu geben, ist kein Wunder: Die britisch-deutsche Koproduktion stand nicht nur während der Dreharbeiten unter keinem guten Stern (unter anderem verließen zunächst in das Projekt involvierte Darsteller wie Zac Efron und Amber Heard vorzeitig den Cast), auch im Nachhinein stehen die Vermarktungschancen um „Collide“ nicht gut. Visuell angesiedelt zwischen einer Episode von „Alarm für Cobra 11“ und dem letzten „Transporter“-Film, inhaltlich einer nicht zu leugnenden Willkür folgend und nicht zuletzt mit Figuren vollgestopft, die sich entweder als bewusste Karikatur oder als Hau-Drauf-Klischee einordnen lassen, ist „Collide“ mit Schwachstellen übersäht. Das Interessante daran: Eran Creevy („Enemies – Welcome to the Punch“) inszeniert den Stumpfsinn seines Actionthrillers so konsequent und ist gemeinsam mit seinen Darstellern nie um ein Augenzwinkern verlegen, sodass „Collide“ schlussendlich weit mehr Spaß macht, als er dürfte.

Collide

Dass der Vergleich mit dem deutschen TV-Dauerbrenner „Alarm für Cobra 11“ bereits so früh in dieser Review folgt, rührt daher, dass das qualitativ streitbare Format tatsächlich direkt mit „Collide“ zu tun hat und diese Parallele außerdem zu den großen Stärken des Films gehört. Die Rede ist von der deutschen Stunt-Zentrale Action Concept, die eben nicht nur für die spektakulären Eskapaden der einheimischen Autobahnpolizei verantwortlich zeichnet, sondern auch für die Crashs und Explosionen in „Collide“. Somit ist es gar keine Abwertung, zumindest visuell einen Vergleich zu „Alarm für Cobra 11“ zu ziehen, denn selbst Kritiker müssen immer wieder zugeben: Inhaltlich mag es an der Fernsehserie zwar einiges zu bemängeln geben, handwerklich macht den Jungs und Mädels hinter der RTL-Institution jedoch keiner etwas vor. In „Collide“ ist das ähnlich. Gedreht auf einer Handvoll Autobahnen in Nordrhein Westfalen und angereichert mit spektakulären Verfolgungsjagden durch verwinkelte Gassen namenloser Dörfer, atmet „Collide“ die Luft deutscher Produktionen. Optisch aufgewertet, und damit eine ordentliche Portion bombastischer erscheinend als nationale Filmkost, wird der Actionkracher durch furiose Autostunts, allerhand Explosionen und die Erkenntnis, dass man all das nicht zwingend am Computer entwerfen, sondern unter fähiger Aufsicht eben auch ganz einfach real inszenieren kann. In Sachen Kreativität muss sich „Collide“ hinter Genrevertretern, die verstärkt auf CGI-Effekte bauen, übrigens keineswegs verstecken. Mithilfe fokussierter Kameraarbeit (Ed Wild, „London Has Fallen“) und energetischen Schnitten entwickelt der Film eine spannende Dynamik, durch die „Collide“ als aufregendes Actionspektakel definitiv überzeugen kann.

Inhaltlich etabliert das Autoren-Duo aus F. Scott Frazier („The Numbers Station“) und Eran Creevy glaubhaft, weshalb wir es in „Collide“ zwar mit US-amerikanischen Figuren, nicht aber mit einer in Übersee angesiedelten Handlung zu tun haben. Dass Hauptfigur Casey in den USA gesucht wird und er nun in der nordrhein-westfälischen Metropole Köln Schutz sucht, ist hinnehmbar. Leider ist dieser Teil der Prämisse auch so ziemlich der einzige, der sich – an der Realität gemessen – auch nur irgendwie logisch nachvollziehen lässt. Der Rest der Handlung basiert auf Behauptungen, die man als Zuschauer von „Collide“ fraglos akzeptieren muss, um an der Geschichte Gefallen zu finden. Dass Casey für seine große Liebe einen Deal mit dem Untergrund eingeht: geschenkt. Dass sich sämtliche Schurken, Bösewichte und anderweitig finstere Gestalten aus dem Milieu jedoch so dämlich verhalten, wie es hier teilweise geschieht, lädt nicht selten zum unfreiwilligen Schmunzeln ein. Unachtsamkeiten des Drogenbosses Hagen Kahl unterliegen der Dramaturgie und dienen einzig und allein der Fortentwicklung der Handlung. Dass darunter die Glaubwürdigkeit der von Anthony Hopkins gespielten Figur leidet, ist schade und lässt ihn viel seiner Bedrohlichkeit einbüßen. Dasselbe gilt für den von Ben Kingsley an der Grenze zur Karikatur verkörperten Drogendealer Geran. Handlungen und Taten sind von beiden Charakteren nur selten nachzuvollziehen und entwickeln nie eine solch große Authentizität, dass sich die Bedrohung, der sich Hoults Figur ausgesetzt sieht, nachempfinden lässt.

Trotz ihrer hanebüchenen Aufbereitung ist die Geschichte jedoch immer noch so kurzweilig und amüsant genug, dass „Collide“ vor allem aufgrund des ausgeprägten Cheesieness-Faktors unterhält. Nicht zuletzt, weil die großen Namen wie Anthony Hopkins und Ben Kingsley hier so losgelöst aufspielen, wie schon lange nicht mehr. Wenn Kingsley in seiner Rolle des exzentrischen Vorzeigepimps zum ersten Mal auf die Leinwand tritt, wähnt man sich als Zuschauer kurz in einer Parodie. Doch weit gefehlt: „Collide“ nimmt sich inhaltlich durchaus ernst, dringt jedoch nie in solch dramaturgische Tiefen vor, dass sich das Konzept selbst zerstört. Auch die beiden Ermittler in „Alarm für Cobra 11“ geben schließlich jedes Mal vollen Einsatz, obwohl man als Zuschauer ganz genau um die Absurdität der Situation weiß. So auch hier. Hoult, Jones, Kingsley und Hopkins agieren solide und glaubwürdig, der Spaß am verspielten Exzess lässt sich ihnen allen sichtbar anmerken. Da ist es vollkommen unwichtig, dass die Handlung irgendwann in typische Genrebahnen gelenkt wird, denn angenehm ist all das hier vor allem deshalb, weil eben kaum etwas des Gezeigten aus dem Computer stammt. Sofern man also weder auf physikalische Gesetzmäßigkeiten, authentische Charaktere oder so etwas wie eine nach logischen Gesichtspunkten rekonstruktable Handlung besteht, lohnt sich der Kauf eines Kinotickets mehr, als man es auf den ersten Blick erwarten würde.

Fazit: Wenn Nicholas Hoult und seine Verfolger über die deutschen Autobahnen jagen, dann hat das in „Collide“ Hand und Fuß. Die Crashs sind in ihrer Haptik greifbar und die Folgen für die Figuren reich an Konsequenzen. Inhaltlich haben wir es hier trotzdem mit einem Vertreter klassischer Hirn-Aus-Action zu tun. Doch am Ende haben wir Benzin im Blut und Tränen in den Augen – vor Lachen!

„Collide“ ist ab dem 4. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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