The Choice – Bis zum letzten Tag

Kennst du einen, kennst du alle: So lautet das Credo im Falle von Romanzen, die auf den Romanen von Nicholas Sparks basieren. Doch auch unter diesen ganz besonderen Filmen gibt es Ausschläge nach oben und nach unten. Im Falle von THE CHOICE – BIS ZUM LETZTEN TAG geht es einmal mehr so richtig tief in Richtung Qualitätstal. Warum, das lest Ihr in meiner Kritik.The Choice - Bis zum letzten Tag

Der Plot

Travis Parker (Benjamin Walker) ist überzeugter Junggeselle und hat alles, was er sich wünscht: Einen guten Job, ein Haus mit Meerblick in dem schönen Küstenstädtchen Beaufort, Freunde, mit denen er um die Häuser zieht und Affären ohne Ende. Als die hübsche Medizinstudentin Gabby Holland (Teresa Palmer) in das Nachbarhaus einzieht, ändert sich alles in seinem Leben: Travis fühlt sich magisch von ihr angezogen, sogar eine ernsthafte Beziehung scheint ihm plötzlich vorstellbar. Anfangs widersteht Gabby schlagfertig den Charmeoffensiven des smarten Tierarztes. Doch etwas an diesem Mann fasziniert sie: ist es seine Unbekümmertheit, sein spitzbübischer Witz oder sein immenses Selbstvertrauen? Ein unausgesprochenes Verlangen knistert zwischen den beiden bei jeder Begegnung, sehr zum Leidwesen von Gabbys langjährigem Freund Ryan. Travis bleibt hartnäckig, ahnt aber nicht, dass ihn diese Liebe vor die größte Entscheidung seines Lebens stellen wird.

Kritik

Seit der viralen #Aufschrei-Kampagne und erst recht nach der Berichterstattung über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof ist das Thema „Gleichberechtigung der Frau“ wieder in aller Munde. Mehr noch: Das Image des Feminismus‘ erlebt derzeit einen regelrechten Aufschwung, was auch damit zusammenhängen könnte, dass sich immer mehr Promidamen zu ihrer Position bekennen. Dazu gehören Emma Watson und Angelina Jolie ebenso wie Jennifer Lawrence, die sich erst kürzlich mit einem feurigen Appell an Studios, Produzenten und Regisseure richtete, in dem sie dazu aufforderte, Schauspielerinnen doch bitte genauso gut zu bezahlen wie ihre männlichen Kollegen. Es scheint, als hätte der Großteil der Bevölkerung endlich begriffen, dass die Vorurteile um unattraktive, unrasierte Mannsweiber, die den Männern ihre Rechte am liebsten komplett entsagen würden, eben genau das sind: Vorurteile. Stattdessen will Frau ja einfach nur das machen dürfen, was sie will – und nicht auf ihr vermeintlich schwaches Geschlecht reduziert werden. Mit der gerade im Young-Adult-Abenteuergenre zuletzt vorherrschenden Konzentration auf starke, weibliche Heldinnen und der bei den diesjährigen Oscars überdurchschnittlich hohen Anzahl überragender Frauenrollen geht auch Hollywood erstmals einen Schritt in die richtige Richtung. Doch einer scheint von dieser Sache bislang entweder noch nichts mitbekommen zu haben, oder hält davon schlichtweg nichts. Ob blinde Naivität oder rückständige Absicht: Das in Ross Katz‘ („Adult Beginners“) neuester Regiearbeit „The Choice – Bis zum letzten Tag“ dargestellte Frauenbild unterstreicht die Notwendigkeit der Gleichberechtigungsdiskussion. Schon lange wurde eine weibliche Figur nicht mehr so sehr auf ihre natürlichen Triebe reduziert, wie im Falle dieser Nicholas-Sparks-Adaption.

The Choice - Bis zum letzten Tag

Es ist eigentlich viel zu billig, zu Beginn einer „Nicholas-Sparks-Kritik“ darauf zu verweisen, dass die auf dessen Romanen basierenden Filme allesamt nach demselben Schema funktionieren und noch dazu nie die Speerspitze des romantischen Charakterdramas waren. Doch auch unter sich stark ähnelnden Produktionen kann es welche geben, die mal mehr, mal weniger funktionieren. Bei aller Austauschbarkeit ist die Nachfrage schließlich da und Sparks die erste Anlaufstelle für Liebhaber des weltfremd-naiven Liebeskinos. „Kein Ort ohne Dich“ und „Safe Haven“ erwiesen sich aufgrund einer hübschen Pointe und einer soliden Charakterzeichnung als weitestgehend gelungen, wohingegen sich „The Best of Me“ fast nur noch als Eigenparodie ertragen ließ. Doch im Vergleich zu „The Choice – Bis zum letzten Tag“ wirkt selbst letzterer Vertreter sehenswert, denn im Skript von Bryan Sipe („Alpha Mail“) herrschen Anarchie, Unordnung und Lieblosigkeit. Das fängt schon bei den Figuren an: War diesen bislang immerhin noch der Funke eines eigenen Willens vergönnt, definieren sich diese in „The Choice“ nur noch über ihren Hormonhaushalt.

Nach dem halbwegs geglückten, da zwanglos-humoristischen Kennenlernen der beiden Hauptfiguren, geht es für alle Beteiligten steil bergab. Wird die von einer hoffnungslos gegen die seichten Dialoge anspielenden Teresa Palmer („Point Break“) verkörperte Gabby zu Beginn noch als strebsame Tiermedizin-Studentin etabliert, ist das ab dem Moment nicht mehr relevant, in dem sie Travis kennenlernt. Gehen Gabby und er nach ein wenig Dialog-Vorgeplänkel über die Faszination für Tiermedizin nämlich erst einmal auf Tuchfühlung, wird innerhalb des Skripts darauf verzichtet, das vorab angedeutete Ass eines durchaus vorhandenen Intellekts weiter auszuspielen. Aufgrund ähnlicher Interessen erweist sich die Anziehungskraft zwischen Gabby und Travis (verkrampft: Benjamin Walker, „Abraham Lincoln: Vampirjäger“) zwar als glaubwürdig, doch wenn sich die junge Frau in einer Szene damit auseinandersetzen muss, dass sie mit ihrem neuen Freund ihren langjährigen Verlobten betrogen hat und sich nun für einen der beiden entscheiden muss, widerspricht ihre hier dargestellte Ahnungslosigkeit der Weisheit dieser eingangs so smarten Figur.

Teresa Palmer

Blickt man auf die Genreherkunft und die vermeintlichen Bedürfnisse der zugehörigen Zielgruppe, so ließe sich die erste Stunde von „The Choice“ vielleicht irgendwie noch als grenzenlos naive Lovestory verstehen, die trotz (oder gerade wegen?) ihres durch und durch weltfremden Blicks auf das Suchen und Finden der Liebe die emotionalen Irrungen und Wirrungen ihrer möglicherweise nicht ganz so lebenserfahrenen Zuschauer zu umschreiben weiß. Jeder, der schon einmal verliebt war, weiß, dass die eigenen Handlungen und Taten in dieser Phase nicht immer auf logischen Entscheidungen basieren müssen. Insofern lädt das blauäugige Handeln von Gabby durchaus dazu ein, mit ihr zu sympathisieren, was die Reduktion auf ihr Dasein als Bettgespielin nicht relativieren soll. Dennoch folgt „The Choice“ hier noch weitestgehend einer Logik, die man im Nicholas-Sparks-Universum gelten lassen kann, wenn man beide Augen zudrückt und sie so vor dem verklärenden Zuckerguss versteckt, mit der natürlich auch dieses Liebesdrama über und über besudelt ist. Der Knaller folgt allerdings erst in der zweiten Hälfte,  in der das Drehbuch plötzlich die irrwitzigsten Sprünge macht. Ein Heiratsantrag erinnert in seiner Ausführung an einen Sketch ohne Pointe, philosophische Lebensweisheiten folgen im Minutentakt und der mal schief gehende („The Best of Me“), mal funktionierende („Safe Haven“) Schlusstwist, für den ein Großteil der Nicholas-Sparks-Romane bekannt ist, verpufft hier im Rahmen eines allzu holprigen Finals. So erweckt „The Choice“ den Eindruck, am Drehbuch hätten zwei Leute mitgewirkt, die von der Mitarbeit des jeweils anderen nicht wussten. Entsprechend ist der Film nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern besitzt offensichtliche handwerkliche Mängel, die es nicht auf die Leinwand hätten schaffen dürfen. Aber da spricht ja auch schon das Kinoplakat Bände…

Fazit: Schöne Menschen die sich vor schönen Kulissen mit niedlichen Tieren befassen – das muss doch funktionieren. Leider belässt es Regisseur Ross Katz bei dieser simplen Formel, entfernt inhaltlichen Ballast wie eine Charakterzeichnung und konzentriert sich ganz auf die amourös-naiven Verwicklungen seines vermeintlichen Traumpaares. Selbst die Sparks-typische Pointe am Schluss spiegelt die Mutlosigkeit dieses Films wieder. Dadurch ist „The Choice“ mit seiner banalen „Eine einzige Entscheidung kann unser Leben für immer ändern“-Message die bislang schlechteste Adaption eines Nicholas-Sparks-Romans.

„The Choice – Bis zum letzten Tag“ ist ab dem 10. März bundesweit in den Kinos zu sehen.

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