Wrong Turn – The Foundation

18 Jahre nachdem Rob Schmidts moderner Backwood-Klassiker „Wrong Turn“ den Auftakt einer der langlebigsten Horrorreihen der Moderne darstellte, legt „The Domestics“-Regisseur Mike P. Nelson nun das erste Remake nach. WRONG TURN – THE FOUNDATION schlägt dabei nur bedingt in die alte Kerbe, trotzdem bleibt vieles beim Alten. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

OT: Wrong Turn (DE/USA/UK 2021)

Der Plot

Jen (Charlotte Vega) und ihre Freunde machen Urlaub in der Nähe des Appalachian Trail, einer bekannten, malerischen Wanderroute. Trotz der Warnungen, unbedingt auf den befestigten Pfaden zu bleiben, weicht die Gruppe vom Kurs ab – und betritt das Land der „Foundation“ einer verborgenen Gemeinschaft von Bergbewohnern, die tödliche Mittel einsetzen, um ihre autarke Lebensweise fernab der Zivilisation zu schützen. Das bekommen auch die jungen Erwachsenen zu spüren, die sich plötzlich in den Fängen gewaltbereiter Fremder wiederfinden. Es scheint kein Zurück zu geben – es sei denn, Jens Vater (Matthew Modine) kann die Truppe rechtzeitig erreichen. Dieser hat sich längst auf die Suche nach seiner verschollenen Tochter gemacht und begibt sich mit einem Foto von ihr auf die Suche nach den Vermissten…

Kritik

Als der US-amerikanische Drehbuchautor Alan McElroy Anfang der 2000er die Idee für seine Backwood-Horrorreihe „Wrong Turn“ auf den Weg brachte, hatte er bereits Erfahrungen mit langlebigen Genrefranchises sammeln können. Sein Debüt gab er 1988 mit seinem Skript zu „Halloween IV – Michael Meyers kehrt zurück“, auf den anschließend noch vier weitere „Halloween“-Filme, zwei umstrittene Reboots sowie das umso beliebtere Soft-Reboot von David Gordon Green aus dem Jahr 2018 folgten. „Wrong Turn“ brachte es bis heute ebenfalls auf eine ganze Reihe von Fortsetzungen, fünf an der Zahl. Vor sieben Jahren erschien mit „Wrong Turn 6: Last Resort“ der vorerst letzte Teil der Ur-Reihe, der, wie alle anderen Sequels auch, seine Premiere direkt im Heimkino feierte. Nun legt Alan McElroy in Zusammenarbeit mit Regisseur Michael P. Nelson („The Domestics“) eine Neuauflage seines eigenen Stoffes vor, dem in weiten Teilen der Welt sogar ein (limitierter) Kinostart vergönnt war/ist. Auch in Deutschland, wo das Original immerhin über 200.000 Kinobesucher:innen in die Lichtspielhäuser locken konnte, bevor sich die Reihe als Heimkinounterhaltung ihren im Anbetracht der Qualität zweifelhaften Kultstatus erarbeiten konnte. Immerhin inszenatorisch haucht Michael P. Nelson der Reihe neues Leben ein, befreit das Franchise von seinem Dreck und damit einhergehend von seinem Ruf als billige Hardcore-Slasher-Saga. Doch obwohl in Übersee gezogene Vergleiche mit Craig Zobels bissig-süffisanter Menschenhatz-Comedy „The Hunt“ bereits Hoffnung auf eine mutige Neuausrichtung der Reihe machten, hält sich das „Wrong Turn“-Remake immer noch eng an den Grundzutaten seiner Vorlage fest und kann ihr nur sehr bedingt Neues hinzufügen.

Im Wald machen die Freunde eine schaurige Entdeckung…

Gewiss: In „Wrong Turn – The Foundation“ (so der deutsche Titel) eröffnen keine degenerierten Hinterwäldler-Kannibalen die Jagd auf die Teenies, sondern eine sich selbst als „The Foundation“ bezeichnende Gruppe an optisch nicht weiter auffälligen Aussteigern, über deren Hinter- und Beweggründe wir an dieser Stelle aus Spoilergründen nicht allzu viel verraten wollen. Trotzdem bleibt die Grundlage für die im „Wrong Turn“ von 2021 geschürten Ängste identisch zu jener im Original: Auch diesmal geht es um die Furcht vor „denen da draußen“, vor dem Unbekannten und Andersartigen – mit dem immerhin kleinen Unterschied, dass diese Furcht diesmal beidseitig ist. Während die Inzest-Killer des Originals nicht etwa aus Angst vor den ihnen in die Falle tappenden Teenagern die Jagd auf sie eröffneten, sondern einfach aus purem Wahnsinn, gehen mit den Taten der „Foundation“-Mitglieder tief verwurzelte Ängste einher. Das wäre die Gelegenheit gewesen, den Kampf zwischen Gut und Böse – zwischen wandernden Teenager:innen und der „Foundation“ – erzählerisch zu unterfüttern und die Filmreihe in eine ganz neue Richtung zu lenken. Doch außer, dass die Foundation-Mitglieder vor ihren Bluttaten erst einmal große Reden schwingen, in denen sie diese zu begründen versuchen, unterscheidet sich das Endergebnis nur marginal vom 2003er-Vorbild. Schlussendlich ist auch das „Wrong Turn“-Remake ein weitestgehend einfältiger Überlebenskampf einer Gruppe von Kanonenfutter-Teens.

„Auch diesmal geht es um die Furcht vor „denen da draußen“, vor dem Unbekannten und Andersartigen – mit dem immerhin kleinen Unterschied, dass diese Furcht diesmal beidseitig ist.“

Einer, den Kameramann Nick Junkersfeld („Studio Luma“) nicht annähernd so drastisch bebildert, wie man es aus dem „Wrong Turn“-Universum bisher gewohnt war. Für manch einen Franchise-Fan mag das sogar der größte Kritikpunkt sein, schließlich gehen auf das Konto der Reihe einige besonders ikonische Splattersequenzen jüngerer Genregeschichte (Stichwort: Pfeil im Auge). So generisch die Verantwortlichen die immer gleiche Formel der vom richtigen Weg abgekommenen Teens von Teil zwei bis einschließlich sechs aufkochten, so brachial tobten sie sich immerhin darin aus, die Opfer auf möglichst drastische Art und Weise zu quälen. Das führte sogar dazu, dass die Teile drei bis fünf hierzulande nur in einer gekürzten Fassung in den Handel kamen. Für die „Wrong Turn“-Neuauflage haben sich die Macher:innen zwar auch den ein oder anderen besonders fiesen Figurentod ausgedacht (am Zertrümmern von Gesichtern scheinen sie dabei ganz besonders viel Gefallen gefunden zu haben), doch einen dreckig-unangenehmen Blutrausch wie in den bisherigen Filmen haben die Fans hier nicht zu erwarten. Für die Neuausrichtung entfernt Michael P. Nelson das Franchise von seiner audiovisuellen B-Movie-Attitüde, für die Nick Junkersfeld auf Hochglanzmodus schaltet. Insbesondere in der ersten halben Stunde punktet „Wrong Turn – The Foundation“ mit farbsatten, eleganten Bildern, die auf reizvolle Weise mit der ursprünglichen Ausrichtung der Reihe kollidieren.

Die Foundation lebt in unterirdischen Höhlen.

Dieser wertige Eindruck reicht bis zu jenem Moment, an dem endlich das Blut zu fließen beginnt. Nicht mehr in solch rauen Mengen wie bisher, aber immer noch stetig und ausufernd genug, um eine FSK-Freigabe ab 18 Jahren zu rechtfertigen. Auch das frühe Abfrühstücken gängiger Hinterwäldler-Klischees – vom gruselig dreinschauenden Einheimischen bis zur dringlichen Warnung, beim Wandern auf keinen Fall vom Pfad abzukommen – erinnert einen an die „Wrong Turn“-Ursprünge. Denn so abgegriffen all diese Motive auch sein mögen: Bei einem Backwood-Horrorfilm gehören sie ja irgendwie auch zum guten Ton. Gleichwohl misslingt der Spagat zwischen den bekannten Versatzstücken und dem Mut, Neues zu wagen. Ganz so, als würden die Verantwortlichen ihren neuen Ansätzen selbst nicht trauen. Zwar etablieren sie mit der Foundation ein vielversprechendes Schurkengeflecht, ertränken ihre Bedrohlichkeit jedoch in allzu plakativen Mordszenen. Beim Blick auf die morbiden inneren Strukturen der Gemeinschaft dringt Alan McElroy nicht zur Genüge unter die Oberfläche, konzentriert sich lieber darauf, seinen Opfern möglichst authentische Schmerzensschreie zu entlocken. Doch die Methoden der Foundation können noch so fies sein, Mitleiden ist hier eher zweitrangig. Dafür erfüllen Jen und Co. ihren Zweck als menschliches Kanonenfutter viel zu routiniert.

„Der Spagat zwischen den bekannten Versatzstücken und dem Mut, Neues zu wagen misslingt. Ganz so, als würden die Verantwortlichen ihren neuen Ansätzen selbst nicht trauen.“

 

Da ist dann auch die Idee, Jens besorgtem Vater einen Nebenhandlungsstrang zu spendieren, nur bedingt gelungen. Anders als seine jüngeren, auf ihr Opferdasein reduzierten Kolleg:innen darf Matthew Modine („Sicario 2“) hier zwar immerhin ein wenig schauspielern, wenn ihm im Anbetracht seiner vermissten Tochter glaubhaft Angst und Bange wird. Doch letztlich ist sein Auftritt nur dazu da, „Wrong Turn“ kurz vor Schluss noch einmal einen weitestgehend unnötigen Handlungshaken schlagen zu lassen. Und es soll nicht der letzte gewesen sein…

Fazit: Altes Blut in neuen Venen: Die „Wrong Turn“-Neuauflage „Wrong Turn – The Foundation“ ist zu nah am Original dran, um mit Innovation zu überraschen. Entfernt sich aber zu weit von der Erfolgsformel, um Hardcore-Fans zu begeistern. So setzt sich Regisseur Mike P. Nelson mitten zwischen die Stühle und dürfte am Ende kaum jemanden richtig befriedigen.

„Wrong Turn – The Foundation“ soll 2021 in die deutschen Kinos kommen und ist ab sofort bei US-amerikanischen Streamingdiensten erhältlich.

Und was sagst Du dazu?