Conni & Co 2

Wenn ein Regisseur eine Reihe fortführt, obwohl der erste Teil nicht sonderlich erfolgreich war, spricht das in der Regel für Herzblut und Liebe für das Projekt. Ob das bei CONNI & CO 2 auch so ist, oder ob Til Schweiger lieber die Finger davon hätte lassen sollen, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Conni (Emma Schweiger) und ihre Freunde verbringen wie jedes Jahr ihre Sommerferien auf der Kanincheninsel vor den Toren von Neustadt. Doch das Kinder- und Naturparadies ist in Gefahr, weil der Bürgermeister und ehemalige Schuldirektor Möller (Heino Ferch) ein Hotel auf der Insel bauen möchte. Er verspricht den Neustädtern neue Jobs, und Connis Vater Jürgen (Ken Duken) soll der Architekt des neuen „Gigantotels“ werden. Als Hund Frodo einen Dino-Knochen auf der Ferieninsel findet, ist das für Conni und ihre Freunde die Chance, deren Zerstörung zu verhindern. Doch dann ist der Knochen plötzlich verschwunden, und Connis bester Freund Paul (Oskar Keymer) ist auch noch schuld daran, dass sie keinen Beweis für dessen Existenz haben. Das Abenteuer um das Geheimnis des T-Rex beginnt.

Kritik

Was genau Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Til Schweiger („Vier gegen die Bank“) so sehr an dem „Conni“-Franchise reizte, dass er nach dem ausführenden Produzentenposten sowie einer kleinen Nebenrolle im ersten Teil direkt die Regie und Teile des Drehbuchs der Fortsetzung verantworten wollte, wissen wir nicht. Immerhin präsentierte sich die vor einem Jahr von Franziska Buch in die Kinos gebrachte Adaption der gleichnamigen Kinderbuchreihe nicht als der große Erfolg, der vorab zu erwarten war. Trotz Starbesetzung (Heino Ferch, Iris Berben und nicht zuletzt Emma Schweiger) und der bekannten Vorlage brachte es „Conni & Co“ nur auf etwas mehr als eine halbe Million Zuschauer – an Kinderfilmverhältnissen gemessen, ist das nicht allzu viel. Trotzdem hielt Schweiger stets an seiner Idee fest und ist somit mit dafür verantwortlich, dass es überhaupt zu einem Sequel kommt. Und obwohl wir nicht wissen, ob hinter den engagierten Fortsetzungsplänen eine Leidenschaft für das Franchise an sich steckt, oder vielmehr der Gedanke an die Möglichkeit, noch ein letztes Mal Töchterchen Emma („Honig im Kopf“) in einer Kinderrolle zu inszenieren – mit mittlerweile 14 Jahren wird der Schweiger-Spross langsam aber sicher zu alt für Figuren mit eingebautem Niedlichkeitsfaktor – so ist doch vor allem eines entscheidend: „Conni & Co 2“ ist tatsächlich Til Schweigers beste Regiearbeit seit „Zweiohrküken“ und – so sehr es auch nach einer bemühten Werbefloskel klingen mag – ein perfekter Film für die ganze Familie.

Ist neben Conni eine der Hauptfiguren: Paul, gespielt von Oskar Keymar

Wenngleich Til Schweiger mit seinen (selbstironischen) Auftritten in unterschätzten Filmen wie „Vier gegen die Bank“, „Tschiller: Off Duty“ oder „Unsere Zeit ist jetzt“ zuletzt immer wieder auch vehemente Kritiker des streitbaren Regisseurs überzeugen konnte, schien sein Regiestern am Sinken zu sein. Nicht im Hinblick auf die Besucherzahlen: Allein Schweigers letzter Film „Honig im Kopf“ lockte 2014 über sieben Millionen Zuschauer in die deutschen Lichtspielhäuser. Doch wo sich positive wie negative Resonanz früher die Waage hielten, im Falle solcher Produktionen wie „Der Eisbär“, „Keinohrhasen“ oder „Barfuß“ sogar eine optimistische Tendenz aufwiesen, gingen die Meinungen ab „Kokowääh“ immer einheitlicher in eine weniger gute Richtung. Viele verbanden damit auch die wiederholte Zusammenarbeit Schweigers mit seinen Kindern. Insbesondere Emma Schweiger wurde dank ihres unbedarften Spiels in „Keinohrhasen“ zu einem echten Publikumsliebling erklärt. Einen ganzen Film zu stemmen, gelang ihr mit den „Kokowääh“-Filmen oder auch „Honig im Kopf“ allerdings nicht. Zu wenig nuanciert präsentierte sich ihr Spiel, zu statisch die Interaktion mit den erwachsenen Kollegen. In „Conni & Co“ ist Emma Schweiger nun hauptsächlich mit Gleichaltrigen vor der Kamera zu sehen und nach einem souveränen Auftritt im ersten Teil kommt ihr „Conni & Co 2“ nun noch ein Stückchen weiter entgegen. Die Fortsetzung, die zunächst unter dem Titel „Rettet die Kanincheninsel“ vermarktet wurde und nun mit der Subline „Das Geheimnis des T-Rex“ in die Kinos kommt, konzentriert sich noch mehr auf das „& Co“ im Titel, und macht nicht mehr bloß Conni zur alleinigen Heldin, sondern erklärt ihren gesamten Freundeskreis zur Hauptfigur. Die (positive) Folge: Szenen, mit den Schweiger sich früher überfordert gezeigt hätte, muss sie hier gar nicht erst alleine stemmen.

An die Seite gestellt, hat man ihr wie schon im ersten Teil einen ausgewählten Cast aus engagierten Jung- und alteingesessenen Nebendarstellern. Unter den Newcomern überzeugt vor allem Oskar Keymar als Connis bester Freund Paul, dem es hervorragend gelingt, einen inneren Zwiespalt im Angesicht der drohenden Insel-Zerstörung zu verkörpern. Auch Lui Eckhardt fährt als Nachwuchsreporter Mark so richtig schön aus der Haut, wenn es darum geht, das in der Welt vorherrschende Unrecht zu beseitigen. Unter den erwachsenen Darstellern bilden Ken Duken („Frau Müller muss weg“) und Lisa Bitter (Ende des Jahres auch in „Dieses bescheuerte Herz“ zu sehen) eine liebevolle, herzliche Familie, die ihrer Tochter Conni in jeder Sekunde zur Seite stehen – auch wenn sie damit mitunter ihre eigenen Prinzipien verraten. Hinzu gesellt sich Iris Berben („Eddie the Eagle“) als rüstige Großmutter Marianne, die sich in „Conni & Co 2“ einen herrlich melancholisch-romantischen Subplot spendiert bekommt. Heino Ferch („Mara und der Feuerbringer“) als geld- und machtgieriger Bürgermeister bildet dazu das widerliche Gegenstück, welches das Skript von Vanessa Walder (schrieb auch schon das Drehbuch zum ersten Teil) mit einigen karikaturesken Spitzen ausstattet, um die ganz kleinen Zuschauer nicht allzu sehr zu verstören. Dieser Bürgermeister Möller ist ein Filmschurke, wie er im Buche steht – die tragischen Aspekte seiner Figur entdecken dann wohl vor allem die erwachsenen (Begleit-)Zuschauer, etwa wenn angedeutet wird, dass sein Charakter ein Alkoholiker ist. So sorgen seine widersprüchlichen Taten und das tollpatschige Handeln in erster Linie für jede Menge Lacher. Genauso wie Tim Wilde („Unsere Zeit ist jetzt“) und Tamer Tirasoglu („Tschiller: Off Duty“) als die wohl dämlichsten Security-Leute der deutschen Filmgeschichte.

Heino Ferch geht in der Rolle des Bösewichts Bürgermeister Möller so richtig auf.

„Conni & Co 2“ hat jedoch nicht bloß starke Darsteller vorzuweisen, die es schaffen, untereinander Schwächen auszubügeln. Auch inszenatorisch ist das Kinderabenteuer nicht so stilistisch festgefahren, wie man es aus Til Schweigers Regiearbeiten zuletzt gewohnt war. Ohne die Filme des Regisseurs pauschal abzuwerten, so sei doch an dieser Stelle zumindest die Feststellung erlaubt, dass sich „Keinohrhasen“, „Kokowääh“, „Honig im Kopf“ und Co. visuell wie akustisch ähneln. Und die im Trailer präsentierten Szenen von in Zeitlupe bei tief stehender Sonne ins Wasser springenden Kindern ließen zunächst nicht unbedingt den Schluss zu, „Conni & Co 2“ bilde da eine Ausnahme. Doch nicht nur den viel bemühten Sepiafilter lässt Schweiger hier im Schrank, auch bei der Auswahl der gefälligen Radiopopsongs hält sich der Filmemacher diesmal zurück. Stattdessen rückt er in gewohnt hochwertiger Qualität die Geschichte selbst in den Fokus und geht dabei zu gleichen Teilen auf die Themen Freundschaft, Zusammenhalt und Naturschutz ein. Vor allem ersteres gestaltet sich dann sogar bemerkenswert komplex: Als Connis bester Freund Paul damit konfrontiert wird, dass der Bau des Luxushotels eventuell dafür sorgen könnte, dass die bevorstehenden Touristenströme den elterlichen Buchladen vor dessen Schließung bewahren, muss dieser plötzlich zwischen Freundschaft und Familie abwägen. Da das Skript nicht nur hier zu jeder Sekunde auf Augenhöhe mit den jungen Figuren und damit gleichsam auf jener mit den Zuschauern bleibt, erschließt sich vor den Augen der Zielgruppe ein absolut greifbares, nachvollziehbares und sehr realistisches Szenario. Da Schweiger dieses zusätzlich mit jeder Menge Spannung, einigen explosiven Actionszenen und ein klein wenig Grusel in den unterirdischen Höhlen der Kanincheninsel anreichert (einschließlich Auftritt eines gemeingefährlichen Eichhörnchens), gerät „Conni & Co 2“ zu einem herrlich altmodischen, aufregenden und dabei doch ziemlich modernen Kinderabenteuer – nicht auszudenken, wie schnell dieser Film vorbei wäre, hätten Conni und ihre Freunde bereits das Smartphone für sich entdeckt.

Fazit: Til Schweiger gelingt mit „Conni & Co 2“ seine beste Regiearbeit seit „Zweiohrküken“. Die Produktion präsentiert sich ausbalanciert zwischen den Genres Familienfilm, Abenteuer sowie Komödie und lässt die Kinder die Helden sein. Lediglich der hektische Schnitt und manche Teile der Besetzung trüben das Seherlebnis ein wenig.

„Conni & Co 2“ ist ab dem 20. April bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

Und was sagt Ihr dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s