Schlagwort-Archiv: Roadmovie

25 km/h

In der Roadmovie-Komödie 25 KM/H schickt Regisseur Markus Goller ein Duo Infernale auf eine abenteuerliche Reise quer durch Deutschland. Die beiden Hauptdarsteller Lars Eidinger und Bjarne Mädel werden dabei zu einem schauspielerischen Ereignis. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

Weiterlesen

Das startet am 19. Juli 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 19. Juli, aus dem ein Film heraussticht: „Hotel Transsilvanien 3 – Ein Monster Urlaub“ nimmt sich die Freiheit eines eigenen Kinostarts und kommt bereits am 16. Juli in die Kinos. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass man ihn sich ansehen sollte. Schon deutlich empfehlenswerter ist das „Sicario“-Sequel, auch wenn es so ganz anders ist, als sein Vorgänger. Den wohl größten Start „Mamma Mia! Here We Go Again“ konnten wir indes noch nicht sehen. Mehr zu dem Film gibt es an dieser Stelle ab dem 18. Juli. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SICARIO 2 | Regie: Stefano Sollima | USA/IT 2018

An der Grenze zwischen den USA und Mexiko eskaliert nicht nur der brutale Drogenkrieg, immer wieder schleusen Menschenhändler auch Terroristen unbemerkt von einem Land ins andere. Die Agenten Matt Graver (Josh Brolin) und Alejandro Gillick (Benicio Del Toro) stellen sich der Gefahr der mexikanischen Kartelle und holen von der amerikanischen Seite zum Gegenschlag aus: Um einen Krieg der verfeindeten Drogenclans anzuzetteln, soll das Mädchen Isabela (Isabela Moner), Tochter eines mächtigen Kartellbosses, entführt werden. Da Alejandro noch eine ganz persönliche Fehde mit ihm auszutragen hat, setzt er sich besonders dafür ein, dass Isabela dieses Manöver heil übersteht. Doch in dem Milieu treiben bis an die Zähne bewaffnete Kriminelle ihr Unwesen, für die Mord und Totschlag zum Alltag gehört…

Inszenatorisch hat der handwerklich herausragende Drogenthriller „Sicario 2“ mit dem gefeierten ersten Teil nichts mehr zu tun. Regisseur Stefano Sollina setzt diesmal auf Düsternis, absolute Trostlosigkeit und verzichtet auf Identifikationsfiguren. An die beispiellose Spannung des ersten Teils kann der Film zwar nur noch bedingt anknüpfen, beklemmend ist er trotzdem bis zur aller letzten Minute.


303 | Regie: Hans Weingartner | DE 2018

Jan ist überzeugt, dass der Mensch von Natur aus egoistisch ist. Deswegen ist er auch nicht weiter überrascht, als ihn in Berlin seine Mitfahrgelegenheit versetzt. Jule hingegen glaubt, dass der Mensch im Kern empathisch und kooperativ ist, und bietet Jan einen Platz in ihrem „303“ Oldtimer-Wohnmobil an. Beide sind unterwegs Richtung Atlantik. Jan will nach Spanien, um seinen leiblichen Vater kennenzulernen, Jule zu ihrem Freund nach Portugal. Eigentlich soll es gemeinsam nur bis Köln gehen, doch mit jedem Kilometer eröffnet sich etwas mehr von der Welt des Anderen. Macht der Kapitalismus den Menschen zum Neandertaler? Führt Monogamie ins Unglück und kann man sich aussuchen, in wen man sich verliebt? Die beiden durchqueren Frankreich und erreichen Spanien, ihre fesselnden Gespräche werden immer persönlicher. Und es fällt ihnen immer schwerer, sich nicht ineinander zu verlieben…

Die in jahrelanger Kleinstarbeit kreierten Dialoge über Gott und die Welt sind das Herzstück des bildschön fotografierten Roadmovies „303“, doch der Regisseur und Autor scheint mehr an den ausformulierten Weisheiten interessiert zu sein, als an seinen bisweilen anstrengenden Figuren, die er in einem vermurksten Finale schließlich völlig alleine lässt.


MAMMA MIA! HERE WE GO AGAIN | Regie: Ol Parker | UK/USA 2018

Die Sonne geht auf über Kalokairi, der zauberhaftesten aller griechischen Inseln. Seit den Ereignissen von Mamma Mia! sind einige Jahre vergangen, als Sophie (Amanda Seyfried) feststellt, dass sie ein Baby erwartet. Sie vertraut sich den besten Freundinnen ihrer Mutter, Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski), an. Die beiden erzählen Sophie, wie ihre Mutter Donna (Oscar®-Gewinnerin Meryl Streep) damals Sam (Pierce Brosnan), Harry (Oscar®-Gewinner Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgård) unter der Sonne Griechenlands kennen und lieben lernte – und wie sie, schwanger und mutig, ihr Leben selbst in die Hand nahm. 

„Mamma Mia 2“ rackert sich ab, um zu ihren Gesangseinlagen zu gelangen. Das drosselt den Spaßfaktor, aber wer die Musik von ABBA mag sollte sich für einen Großteil der Laufzeit beim Lächeln ertappen.


Start: 16. Juli: HOTEL TRANSSILVANIEN 3 – EIN MONSTER URLAUB | Regie: Genndy Tartakovsky | USA 2018

Damit der vielbeschäftigte Drak (in der deutschen Fassung: Rick Kavanian) endlich einmal Urlaub von seiner Arbeit im Hotel nehmen kann, organisiert seine engagierte und ihn über alles liebende Tochter Mavis (Janina Uhse) eine Kreuzfahrt für die gesamte Monster-Familie und alle Freunde und Bekannte. Zunächst läuft alles wunderbar: Sie alle genießen sämtlichen Spaß, den der riesige Luxus-Dampfer zu bieten hat – von Monster-Volleyball bis hin zu exotischen Ausflügen – und frischen nebenbei ihren fahlen Teint im Mondlicht etwas auf. Doch die Traumreise entwickelt sich zu einem unvorhergesehenen Albtraum, als Mavis herausfindet, dass sich Drak in die mysteriöse aber attraktive Kapitänin Ericka (Anke Engelke) verliebt hat. Denn die hütet ein gefährliches Geheimnis, das die ganze Monsterheit zerstören könnte… 

„Hotel Transsilvanien 3 – Ein Monster Urlaub“ ist trotz visueller Brillanz ein lärmender, hektischer und über weite Teile einfach liebloser Animationsfilm, der den Charme der beiden sympathischen Vorgänger nahezu vollständig vermissen lässt.


LANDRAUSCHEN | Regie: Lisa Miller | DE 2018

Nach Jahren des wilden Lebens befindet sich Toni mit Ende 20 in einer Sinnkrise. Eine Erbschaftsangelegenheit dient als willkommener Grund, ihr kosmopolitisches Leben zu verlassen und wieder in ihr Heimatdorf zu fliehen, dessen Enge sie ursprünglich hinter sich lassen wollte. Doch dieser Neuanfang geht gründlich schief. Als Praktikantin für den Heimatteil einer Lokalzeitung fühlt sie sich weit unter Wert verkauft und zu Hause nehmen ihr die übergriffigen Eltern jede Luft zu atmen. Zum Glück trifft sie auf die lebenslustige Rosa. Mit ihr sieht die Welt der Heimat auf einmal anders aus. Bei Mopedfahrten und Streifzügen fühlt sich Toni wieder lebendig. Doch die Beziehung wird immer explosiver, je mehr Rosa sich zu der schönen Toni hingezogen fühlt, die sich nur um sich selbst zu drehen scheint. 

In dem authentisch inszenierten Drama „Landrauschen“ muss sich eine Städterin auf dem Land zurechtfinden, was leider keine neuen Erkenntnisse hervorbringt. Das von wahren Ereignissen inspirierte Schicksal der lesbischen Nebenfigur Nora hingegen ist ungleich einprägsamer und hätte es verdient, dass der Film nur von ihr handelt.


NICO, 1988 | Regie: Susanna Nicchiarelli | IT/BEL 2017

„Nico, 1988“ ist ein Roadmovie über die letzten Lebensjahre von Christa Päffgen – bekannt unter ihrem Künstlernamen Nico, erstes deutsches Supermodel, einstige Muse von Andy Warhol und Sängerin der Gruppe „The Velvet Underground“. Der Film erzählt von ihren letzten Auftritten in den Achtzigerjahren und spielt in Paris, Prag, Nürnberg, Manchester, auf dem polnischen Land und an der römischen Küste. Die „Priesterin der Finsternis“, wie man sie auch nannte, fand nach ihren allseits bekannten Exzessen mit ihrer Solokarriere wieder zu sich und baute eine neue Beziehung zu ihrem einzigen, fast vergessenen Sohn, den sie mit Schauspieler Alain Delon hatte, auf.

„Nico, 1988“ ist die von der glühenden Verehrerin Susanna Nichhiarelli inszenierte Geschichte der Wiedergeburt einer Künstlerin, Mutter und Frau, die einst eine Ikone war.


B12 – GESTORBEN WIRD IM NÄCHSTEN LEBEN | Regie: Christian Lerch | DE 2018

Die Dokumentation „B12 – Gestorben wird im nächsten Leben“ ist der ganz andere Heimatfilm: Christian Lerch (Regisseur und Drehbuchautor von „Was weg ist ist weg“, Drehbuchautor von „Wer früher stirbt ist länger tot“) porträtiert in seinem neuen Film eine etwas heruntergekommene Raststätte an der B12 und bietet Einblicke in ein Bayern, das man sonst nicht kennenlernen würde: Die Stammgäste sind rau, derb, anarchisch und haben einen ureigenen Blick auf die Welt, allen voran der 88-jährige Altwirt Lenz. Aus einem Herzensthema des Drehbuchautors, Schauspielers und Regisseurs Christian Lerch ist eine liebevolle Langzeitstudie für die große Leinwand geworden!

Bei seiner Premiere auf dem DOK.fest München wurde „B12 – Gestorben wird im nächsten Leben“ zu einem bejubelten Festival-Liebling.


Heimkinotipp: SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS | Regie: Guillermo del Toro | USA 2017

Wir schreiben das Jahr 1963. Wir befinden uns in Amerika, es herrscht der Kalte Krieg. In einem versteckten Hochsicherheitslabor der Regierung arbeitet die gleichermaßen einsame wie stumme Reinigungskraft Elisa (Sally Hawkins), eingesperrt in einem Leben der Stille und Isolation. Doch Elisas Leben ändert sich für immer, als sie und ihre Kollegin Zelda (Octavia Spencer) ein als geheim eingestuftes Experiment entdecken. Der skrupellose Wissenschaftler Richard Strickland (Michael Shannon) und seine Gefolgschaft haben ein Mischwesen gefangen genommen – irgendwo zwischen Mensch und Monster, gleichermaßen isoliert wie Elisa. Fasziniert von dem Wassermann beginnt sie, sich mit ihm anzufreunden, doch das aufkeimende Glück dieser ungewöhnlichen Liebe ist in großer Gefahr, als Strickland das Wesen wieder loswerden will… 

Der – im wahrsten Sinne des Wortes – fantastische ausgestattete „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ ist eine außergewöhnliche Liebesgeschichte über ein unkonventionelles Liebespaar, der Guillermo del Toro das richtige Maß an Romantik, Melancholie und Dramatik zugesteht.

303

Knapp drei Stunden lang lässt Hans Weingartner seine beiden Hauptfiguren im Roadmovie 303 über den Sinn und Unsinn des Lebens philosophieren. Am Ende verrät sich der Film selbst und tauscht erzählerische Cleverness gegen eine Vorschlaghammer-Auflösung. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Weiterlesen

Das startet am 8. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 8. März, an dem der von der breiten Masse wohl am ehesten wahrgenommene Start noch einer Sperrfrist unterliegt: „Vielmachglas“ nämlich, die neue Komödie mit unter Anderem Matthias Schweighöfer. Erst ab Donnerstag darf über den Film berichtet werden. Den stärksten Beitrag liefert in dieser Woche allerdings Aaron Sorkin ab; sein Skript zu „Molly’s Game“ wurde nicht umsonst für den Oscar nominiert. Ebenfalls ein Wörtchen mitzureden haben, könnte Eli Roths Ausflug ins Actionfach. Immerhin bringt er mit „Death Wish“ endlich mal wieder Bruce Willis auf die große Leinwand zurück.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MOLLY’S GAME  | Regie:  Aaron Sorkin | USA/CAN/CN 2017

Nach einer schweren Verletzung muss die junge, charismatische Skifahrerin und US-Olympiahoffnung Molly Bloom (Jessica Chastain) ihre Karriere aufgeben. Über einen Aushilfsjob kommt sie in Kontakt mit einer Welt, die von reichen und mächtigen Männern dominiert wird: der Underground-Poker-Szene Hollywoods. Als Molly erkennt, dass sie dank ihrer Intelligenz und Disziplin wie geschaffen ist für die Organisation solcher Veranstaltungen, setzt sie alles auf eine Karte: Sie veranstaltet das weltweit exklusivste Pokerturnier für die Reichen und Mächtigen von Los Angeles. Die vollen Konten der VIPs aus Sport, Business und Entertainment bescheren ihr ein Jahrzehnt voller Glamour und Erfolg. Doch eines Tages erregt Mollys Glückssträhne unerwünschte Aufmerksamkeit, als sie sich versehentlich Mitglieder der russischen Mafia an den Spieltisch holt… 

Für „Molly’s Game“ treffen die pointierten Dialoge eines Aaron Sorkin auf das Tempo und die Extravaganz von „The Big Short“.  Das Ergebnis ist ein hochspannendes Thrillerdrama mit einer einnehmenden Jessica Chastain, das einem ganz neue Einblicke in das Glückspiel bietet.


LUCKY | Regie: John Carroll Lynch | USA 2017

Lucky (Harry Dean Stanton) ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, ausführliche philosophische Gespräche mit seinen treuen Weggefährten (unter anderem David Lynch) bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall plötzlich seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Und auf einmal ist es an der Zeit, dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen. Er überdenkt seine Vergangenheit, sucht den Dialog mit Menschen, die er bis dato fast vergrault hat und gesteht sich ein, dass sein Leben langsam zu Ende geht. Doch bis dahin versorgt er seine Mitmenschen noch mit seinem Wissen über die Gott, die Welt und unser aller Existenz. 

 Am Ende von „Lucky“ glaubt man, das Leben ein klein wenig mehr verstanden zu haben. Harry Dean Stanton brilliert in seiner aller letzten Rolle als Schauspieler in dieser charmant-lakonischen Tragikomödie, begleitet von alten Weggefährten.

OPERATION: 12 STRONG  | Regie: Nicolai Fuglsig | USA 2018

Während die ganze Welt in den ersten Folgetagen der Terroranschläge am 11. September 2001 weiter schockiert den Atem anhält, entsendet die US amerikanische Regierung eine erste Bodenspezialeinheit von nur zwölf Elitesoldaten nach Afghanistan auf eine lebensgefährliche Mission. Keiner von ihnen weiß, was sie dort erwartet oder ob sie ihre Familien zu Hause je wiedersehen werden. Mitch Nelson, der noch recht neue befehlshabende Captain führt seine Männer direkt in das unwegsame Gebiet des Hindukusch-Gebirges, um mit diplomatischem Geschick und großem Mut die dort kontrollierende afghanischen Nordallianz zu einem bislang ungeahnten Bündnis im Kampf gegen die gemeinsamen Gegner aus Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern zu überzeugen. Gegenseitiges Misstrauen und scheinbar enorme kulturelle Unterschiede erschweren die Zusammenarbeit nicht weniger als der Mangel an moderner Ausrüstung. 

„Operation: 12 Strong“ ist ein handwerklich sehr solide inszenierter Kriegs-Actionfilm, der sich zwischen den beeindruckenden Kampfsequenzen immer wieder auch mit der inneren Anspannung unter den Kameraden sowie nüchternen Organisationsvorgängen befasst und dadurch einen erstaunlichen Realismus an den Tag legt.


ARTHUR & CLAIRE | Regie: Miguel Alexandre | DE/NED/AT 2017

Ein Mann, eine Frau und eine Nacht, in der es um alles oder nichts geht. In einem Hotel in Amsterdam begegnen sich zwei Menschen, von denen jeder für sich bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Doch dann vereitelt Arthur, der nur ein letztes stilvolles und vor allem einsames Dinner im Sinn hatte, durch Zufall den Plan der jungen Claire. Aus den beiden Lebensmüden wird eine unerwartete Schicksalsgemeinschaft, die gemeinsam in die Amsterdamer Nacht aufbricht und zwischen Grachten, Coffee Shops, bestem Whiskey und vorsichtiger neuer Freundschaft beginnt, die Pläne des Anderen gehörig zu durchkreuzen. In klugen, witzigen Dialogen kreisen Arthur und Claire um die Dinge, die das Leben wirklich ausmachen und beschließen, sich diesem Leben zu stellen und es bis zum letzten Augenblick auszukosten. 

Woody Allen made in Austria: In „Arthur & Claire“ sinnieren sich Josef Hader und Hannah Hoekstra an ihrem letzten Abend unter Lebenden gemeinsam durch das pulsierende Nachtleben Amsterdams und kommen zu einigen lustigen, vielen traurigen, vor allem aber wahren Erkenntnissen.


VIELMACHGLAS | Regie: Florian Ross | DE 2018

Marleen (Jella Haase) erlebt ihren Alltag als steilen Berg – unerklimmbar! Mit Anfang 20 ist sie nicht einmal in der Lage, sich für ein Studienfach zu entscheiden. Selbst ihr geliebter großer Bruder (Matthias Schweighöfer) schafft es nicht, sie aus ihrem Dauer-Formtief herauszuholen. Erst durch eine persönliche Katastrophe wird die menschenscheue Marleen so aufgerüttelt, dass sie sich Hals über Kopf auf ein Abenteuer einlässt, das etliche Nummern zu groß für sie ist: Im Hamburger Hafen wartet ein Schiff auf sie, mit dem sie in die Antarktis reisen will. Doch wie soll sie quer durchs Land nach Hamburg kommen, wenn sie nur acht Euro in der Tasche hat? Das ist der Beginn einer sowohl verrückten als auch emotionalen Reise, auf der Marleen erfährt, dass es durchaus noch verrücktere Zeitgenossen gibt als sie selbst. Und sie macht die überraschende Erfahrung: Je weiter sie reist, desto näher kommt sie sich selbst. 

Als seichte Roadmovie-Komödie funktioniert „Vielmachglas“ – auch dank der ungemein charismatischen Jella Haase – wirklich gut. Das darum gesponnene Familiendrama dagegen nimmt der per se sympathisch gedachten Geschichte dann aber doch an Glaubwürdigkeit.


DEATH WISH  | Regie: Eli Roth | USA 2018

Der Chirurg Dr. Paul Kersey (Bruce Willis) erlebt die Folgen der Gewalt auf den Straßen Chicagos jeden Tag in der Notaufnahme – bis seine Frau (Elisabeth Shue) und seine Tochter (Camila Morrone) in den eigenen vier Wänden brutal attackiert werden und Pauls Frau den Überfall mit ihrem Leben bezahlen muss, während seine Tochter dauerhaft im Koma liegt. Da die örtliche Polizei die Ermittlungen nicht vorantreibt und generell von der Verbrechensflut in der Stadt überfordert scheint, beschließt Paul das Gesetz kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen. Er begibt sich auf nächtliche Streifzüge und bringt gnadenlos einen Kriminellen nach dem anderen zur Strecke – bis er eines Tages in den Fokus der Medien gerät und sich die Öffentlichkeit zu fragen beginnt, wer eigentlich hinter dem unbekannten Racheengel steckt… 

Als ernstgemeinter Kommentar auf die Waffenvernarrtheit der US-Amerikaner scheitert Eli Roths „Ein Mann sieht rot“-Remake erwartungsgemäß grandios. Doch wenn man sich erst einmal durch zähe erste Stunde gekämpft hat, man „Death Wish“ dank absurder Gewalteskapaden, viel schwarzem Humor und einem gut aufgelegten Bruce Willis überraschend viel Spaß.


FÜHLEN SIE SICH MANCHMAL AUSGEBRANNT UND LEER? | Regie: Lola Randl | DE/NED 2017

Luisa (Lina Beckmann) rast durch ihr Leben. Vom Job nach Hause, vom Ehemann zum Liebhaber, von den Erdnussflips zur Rohkost-Diät. Wem wird das nicht irgendwann zu viel? Als die Paartherapeutin eines Morgens aufwacht, gibt es sie plötzlich doppelt. Sie hat sich über Nacht aufgespalten in die alte Luisa und in die neue Ann. Äußerlich sehen die beiden völlig gleich aus, ansonsten aber sind sie grundverschieden. Luisa steht ständig unter Strom und macht sich über alles Gedanken. Ann ist tiefenentspannt und stopft alles in sich hinein, worauf sie gerade Lust hat. Nach dem ersten Schock erkennt Luisa die ungeahnten Möglichkeiten, die ihr das zweite Ich eröffnet: Endlich kann sie mit ihrem Lover Leopold durchbrennen, während Ann sich um ihren Mann Richard kümmert.

Für eine Komödie ist „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ schlicht nicht lustig genug und für eine ernstzunehmende Analyse einer kriselnden Ehe mangelt es dem Film an erzählerischem Fundament.


Heimkinotipp: ROCK MY HEART  | Regie: Hanno Olderdissen | DE 2018

Wie lebt man, wenn jeder Herzschlag der letzte sein könnte? Diese Frage begleitet die 17-jährige Jana ständig, denn sie lebt mit einem angeborenen Herzfehler. Und weil das nicht fair ist, riskiert sie immer wieder Kopf und Kragen. Sie will jeden Augenblick auskosten. Sehr zum Leidwesen ihrer besorgten Eltern, die sie zu einer rettenden, aber riskanten Operation überreden wollen. Doch Jana weigert sich. Als sie dem Vollbluthengst Rock My Heart begegnet, ändert sich für sie alles. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht. Das schwarze Pferd ist wie sie: wild, ungezähmt, rebellisch und lässt niemanden an sich heran – außer Jana. Rocks Trainer Paul Brenner wittert seine Chance: Er überredet Jana mit Rock für ein wichtiges Galopprennen zu trainieren, um mit dem Preisgeld endlich seine Schulden abzubezahlen. Von Janas Krankheit hat er keine Ahnung – und Jana wird ihr Geheimnis bestimmt nicht preisgeben.

„Rock My Heart“ kombiniert auf eine absolut authentische Weise das Drama um eine Todkranke mit einem hoffnungsvoll-optimistischen Pferdefilm, das überrascht, mitreißt und die aufgesetzte Hintergrundmusik gar nicht bräuchte, um zu Tränen zu rühren. Die fantastischen Darstellungen im Ensemble und der realistische Umgang mit dem Metier des Pferderennsports runden den starken Gesamteindruck ab.

« Ältere Einträge Letzte Einträge »