Something in the Water

Ein unter hochwertigen Produktionsbedingungen entstandener Hai-Thriller fernab des B- und C-Movie-Trashs, der sich dieses Genre seit vielen Jahren einverleibt hat: Das schreit nach einem nervenaufreibenden Survival-Reißer, doch an SOMETHING IN THE WATER ist alles spannender als der Überlebenskampf der fünf Freundinnen.

OT: Something in the Water (USA/FR/UK 2024)

Darum geht’s

Um ihren langjährigen Freund zu ehelichen, zieht es Lizzie (Lauren Lyle) ausgerechnet in die Dominikanische Republik. Natürlich nicht ohne ihre besten Freundinnen Meg (Hiftu Quasem), Cam (Nicole Rieko Setsuko), Ruth (Ellouise Shakespeare-Hart) und Kayla (Natalie Mitson). Auch wenn zwischen zweien von ihnen seit über einem Jahr Funkstille herrscht, soll diese Hochzeit etwas ganz Besonderes werden. Um sicherzugehen, dass kein Streit Lizzies Hochzeit einen Strich durch die Rechnung macht, reisen die Mädels zu Versöhnungszwecken auf eine abgelegene Insel. Doch das scheinbare Idyll entpuppt sich als Mekka für Haie. Nachdem einer von ihnen Ruth ein Bein abreißt, geht es für die Freundinnen um Leben und Tod – und dann sinkt auch noch das Boot, das sie eigentlich ans sichere Festland bringen sollte…

Kritik

Mittlerweile hat das Trash-Kino das Subgenre des Hai-Horrorfilms vollständig für sich vereinnahmt. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendeine obskure Billigproduktion rund um die schwimmenden Raubtiere erscheint. Darunter Auswüchse wie „Shark Excorcist“, „Sharkula“ oder „Ouija Shark“ – und ja, diese Titel versprechen allesamt genau das, was draufsteht. Ernstzunehmende Hai-Thriller, die dann sogar noch ins Kino kamen, ließen sich in den letzten Jahren an einer Hand abzählen. Auch wenn es beim aktuellen Trend zu nostalgisch verklärten Wiederauflagen jahrzehntealter Klassiker nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, bis auch „Der weiße Hai“ eine Wiederauflage erfährt. Bis es so weit ist, erscheint mit „Something in the Water“ nun erstmal ein immerhin halbwegs solider Beitrag zum Thema, der seine Schwächen allerdings ausgerechnet dann zeigt, wenn die Haie endlich auftauchen. Vor allem überzeugen hier nämlich der sympathische Cast und die zwischenmenschlichen Probleme des rein weiblichen Ensembles.

Lizzie (Lauren Lyle), Cam (Nicole Rieko Setsuko), Meg (Hiftu Quasem), Kayla (Natalie Mitson) und Ruth (Ellouise Shakespeare-Hart)

Einer der letzten Beiträge im Genre war „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ aus dem Jahr 2016. Darin kämpfte „Nur noch ein einziges Mal“-Star Blake Lively als passionierte Surferin verzweifelt um ihr Leben – und gegen einen angriffslustigen Hai. Aufgeladen hatte sie sich zuvor jede Menge Probleme. Darunter den Krebstod ihrer Mutter. Eine ähnliche Grundkonstellation findet sich nun auch in „Something in the Water“ wieder. Nur dass es diesmal nicht um einen plötzlichen Todesfall geht, der verarbeitet werden muss. Stattdessen beginnt der Film mit einem homophoben Hassverbrechen gegen die junge Meg, bei dem ihre Freundin Kayla untätig zusah und anschließend verschwand. Ausgerechnet die beiden treffen nun seit einem Jahr der Funkstille wieder aufeinander – und ihre anderen Freundinnen Lizzie, Camilla und Ruth hoffen inständig auf eine Versöhnung. Der Auftakt gerät – natürlich auch dem Thema geschuldet – bemerkenswert düster (ein wenig erinnert er sogar an den Prolog aus „Es: Kapitel 2“, der ebenfalls ein Hassverbrechen an zwei Homosexuellen thematisiert). Der Wechsel hin zum sonnendurchtränkten Setting in der Dominikanischen Republik hat gleichermaßen etwas Befreiendes und etwas Zynisches. Erst recht, weil der Vorfall von vor einem Jahr zwar über allem schwebt, aber von Lizzie, Camilla und Ruth nicht so richtig ernst genommen zu werden scheint.

„Der Auftakt gerät bemerkenswert düster. Der Wechsel hin zum sonnendurchtränkten Setting in der Karibik hat gleichermaßen etwas Befreiendes und etwas Zynisches.“

Zu Beginn erinnert nichts daran, dass es sich bei „Something in the Water“ um einen konventionellen Hai-Thriller handelt. Und so ironisch es auch klingt: Sobald der Film erst zu einem solchen wird, verläuft er in weitestgehend generischen Bahnen. Dass der erste Angriff des scharfzahnigen Antagonisten so weit am Strand stattfindet und sein Auftauchen trotzdem nicht von den Mädels bemerkt wird, ist noch eine Ungereimtheit, die man – insbesondere als Liebhaber:in des Genres – zu schlucken gewillt ist. Auch die darauffolgenden Rettungsversuche der vier Frauen, die die verletzte Ruth erst ins Boot hieven und nach dessen Kentern alles unternehmen, um die Sterbende mit purer Muskelkraft (und schwimmend) an Land zu bewegen, geraten mitreißend. Doch dass der Streit zwischen Kayla und Meg zu diesem Zeitpunkt bereits beigelegt ist, nimmt „Something in the Water“ vieles seines emotionalen Impacts. Fortan kommt es zwischen den Frauen zwar immer noch vereinzelt zu kleinen Zwistigkeiten, doch das ganz große Drama ist vorbei. Fortan muss sich der Film über seinen Survival-Aspekt durch die zweite Hälfte retten. Und aus seiner Konventionalität heraus ergeben sich hier Längen und dramaturgische Leerstellen.

Den Mädels rennt die Zeit davon…

Der Hai hat zugebissen, das Boot, mit dem die Frauen zurück zum Festland hätten fahren können, ist gesunken, keines der Smartphones hat Empfang und nun treiben die Protagonistinnen – eine davon mehr tot als lebendig – im offenen Meer. Zwischendurch werden die fünf immer mal wieder von (gar nicht mal so gut getricksten CGI-)Haien umkreist, Lösungsansätze gesucht und Durchhaltemantras von sich gegeben. Aber so richtig in Schwung kommt dieses Szenario nie. Auch Hai-Horror-Fans dürften hier kaum auf ihre Kosten kommen. „Something in the Water“ setzt nicht auf den schnellen Schock, Ekelszenen (mit Ausnahme einer abgetrennten Gliedmaße in Großaufnahme) oder anhaltenden Suspense, sondern irgendwie auf nichts so richtig. So bemüht dieses Wortspiel auch wirken mag, so uninspiriert dümpelt (!) der Film vor sich hin, bis sich auch das Ende als nur wenig befriedigend erweist. Überraschenderweise mangelt es „Something in the Water“ nämlich auch an dem typischen Showdown – etwas, was man von einem Film, in dem Menschen von einem Hai dezimiert werden (könnten) schon irgendwie erwartet hätte. Dabei muss es ja nicht gleich so ekstatisch zugehen wie etwa bei Alexandre Ajas „Piranha“-Remake, aber zumindest ein bisschen weniger zahm hätte Hayley Easton Streets Regiearbeit dann doch ausfallen dürfen.

„Auch Hai-Horror-Fans dürften hier kaum auf ihre Kosten kommen. ‚Something in the Water‘ setzt nicht auf den schnellen Schock, Ekelszenen  oder anhaltenden Suspense, sondern irgendwie auf nichts so richtig.“

Fazit: Die Figuren, deren zwischenmenschliche Probleme und das Setting überzeugen, doch ausgerechnet auf der Ebene des Survival-Thrillers funktioniert das Hai-Intermezzo „Something in the Water“ nur bedingt.

„Something in the Water“ ist ab dem 5. September 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.

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