The Shallows – Gefahr aus der Tiefe

Einsam und allein auf dem Meer liefert sich Hollywoodschönheit Blake Lively einen Kampf auf Leben und Tod. THE SHALLOWS – GEFAHR AUS DER TIEFE holt den Hai-Horror wieder zurück ins Mainstreamkino. Wie gut das gelingt, oder ob das Thema nach „Sharknado“ und Co. nicht mehr funktioniert, das verrate ich in meiner Kritik.
The Shallows

Der Plot

Nancy (Blake Lively) surft alleine an einem einsamen Strand, als sie plötzlich von einem Weißen Hai angegriffen wird. In letzter Sekunde kann sie sich auf einem Felsen im Meer in Sicherheit bringen. Doch obwohl sie nur wenige hundert Meter von der rettenden Küste entfernt ist, wird der Weg dorthin zum ultimativen Willenstest. Ein nervenaufreibender Kampf auf Leben und Tod beginnt…

Kritik

Vor über vierzig Jahren sorgte er dafür, dass das Mainstream-Publikum mit dem zuvor nur im Nischenprogramm platzierten Horrorkino konfrontiert wurde, anschließend wurde er durch zwielichtige Fortsetzungen und einen ganzen Haufen fünftklassiger Billigmovies zu Tode getrasht; die Rede ist vom Subgenre des Hai-Thrillers. Ein solches, das ausgerechnet von Popcornkinospezialist Steven Spielberg ins Leben gerufen wurde, der sich heute hauptsächlich mit träumerisch-tragischem Filmstoff am cineastischen Zeitgeschehen beteiligt. Sein kultiger Weißer-Hai-Angriff von 1975 ist bis heute über jeden Zweifel erhaben. Selbst Regisseure, die sich nicht am Trend des C-Movies beteiligen wollten, scheiterten entweder an der aufzufahrenden Intensität, um der simplen Ausgangslage vom Kampf zwischen Mensch und Hai Authentizität und neue Facetten einzuverleiben („Dark Tide“), oder man vergaloppierte sich vollends, indem man zwar versuchte, die notwendige Ernsthaftigkeit aufzubringen, sich beim hanebüchend-konstruierten Szenario aber eben doch in solch trashige Gefilde vorwagte, dass der Zuschauer angesichts des Endergebnisses gar nicht anders konnte, als über das Gezeigte zu lachen („Shark Night“, „Bait – Haie im Supermarkt“).

The Shallows

Bis heute blieben uns die Regisseure dieser Welt (ja, auch das deutsche Kino hat sich mit „Hai-Alarm auf Mallorca“ und „Hai-Alarm am Müggelsee“ das ein oder andere Mal am Thema bedient) eine adäquate Neuinterpretation des Themas schuldig. Skurrile Hai-Horror-Emporkömmlinge wie „Sharknado“ oder „2-Headed Shark-Attack“ machen es den willigen Filmemachern darüber hinaus immer schwerer, ein solches Projekt auf den Weg zu bringen und schlussendlich so zu inszenieren, dass der Zuschauer sich ernsthaft mit dem Leinwandgeschehen auseinander setzen möchte. Horror- und Thrillerfilmer Jaume Collet-Serra („Non-Stop“) ist mit „The Shallows“ nun genau das gelungen, worauf das Publikum seit 1975 gewartet hat. Sein auf offener See ausgetragenes Kammerspiel beweist sich als bester, ernst zu nehmender (und sich selbst ernst nehmender) Hai-Thriller seit „Jaws“ und funktioniert seinen Großteil der Laufzeit über einfache Mittel wie das Aufgreifen menschlicher Urängste. Als einzige menschliche Identifikationsfigur setzt Collet-Serra auf Hollywood-Beauty Blake Lively („Für immer Adaline“), die sich in „The Shallows“ nicht bloß von ihrer ganz und gar uneitlen Seite zeigt, sondern die den Film obendrein auch im Alleingang auf ihren Schultern stemmt. Lively liefert in „The Shallows“ die beste Leistung ihrer bisherigen Karriere ab; wenn sie mithilfe einer Haarnadel eine tiefe Fleischwunde zunäht oder der pure Überlebenswille im letzten Drittel des Films dafür sorgt, dass die zierliche Hauptfigur meilenweit über sich hinaus wächst, dann hat der Film gar das Luxusproblem, dass ihr Charakter klüger handelt, als man es nicht nur im Horrorfilm gewohnt ist, sondern es wohl auch im wahren Leben nie ereignen würde.

Bis das Leinwandgeschehen im letzten Drittel schließlich immer wieder die Frage aufkommen lässt, ob die Entscheidungen und Taten von Seiten der Hauptfigur so tatsächlich auch funktionieren würden, bleibt das Skript von Anthony Jaswinski („Kristy – Lauf um dein Leben“) angenehm bodenständig. Mithilfe von (Telefon-)Gesprächen mit Einheimischen und der Familie kreiert der Autor genug Background für die Hauptfigur Nancy, um ihre Funktion nicht auf die des Opfers zu beschränken. Schon lange bevor die von Regie und Kameramann Flavio Martínez Labiano („The Gunman“) immer wie in möglichst attraktiven Posen abgelichtete Protagonistin in ihre missliche Lage gerät, hat der Zuschauer die Gelegenheit, ihren Charakter einzuordnen. So ergibt nicht bloß ihre Präferenz für diesen völlig menschenleeren Strand, der später dafür sorgen wird, dass Niemand ihre Schreie hört, einen Sinn. Auch ihr toughes Auftreten innerhalb dieser Situation bleibt über weite Strecken authentisch. Darüber hinaus liefert das Drehbuch auch für viele Gegebenheiten eine glaubhafte Erläuterung, die in schwächeren Skripten auf Behauptungen basieren würden. Dass sich der hungrige Hai ausgerechnet in dieser Bucht herumtreibt, erklärt Jaswinski etwa mit einem im Meer treibenden Wal-Kadaver. Die Menschenleere der Bucht ist auf den fehlenden Tourismus in dieser Gegend zurückzuführen und ins Wasser begibt sich Nancy nur nach einer ausgeklügelten Zähl-Technik, wenn sie die Zeit stoppt, wie lange der Hai für eine Umrundung ihrer Insel braucht; auch Ebbe und Flut spielen in „The Shallows“ eine wichtige Rolle, wenngleich der immer wieder eingeblendete Countdown nur selten einen neuen dramaturgischen Höhepunkt zur Folge hat und entsprechend verschenkt wirkt.

The Shallows

Sowohl erzählerisch als auch technisch finden sich vor allem im Schlussakt Schwächen, die das Gesamtbild des Films ins Wanken bringen. Hat Nancy ihr Handeln bislang noch penibel durchgeplant, wird sie mit fortschreitender Laufzeit nicht etwa leichtsinniger, was angesichts der Situation Sinn ergeben würde; vielmehr wächst die passioniert aufspielende Blake Lively so sehr über sich hinaus, dass ihre Figur Dinge tut, auf die kein Normalsterblicher kommen würde. Das könnte als High-Concept-Prämisse durchgehen, würde Jaume Colett-Serra sich inszenatorisch nicht so stark bemühen, der Geschichte etwas Bodenständiges abzugewinnen. So kommt der Bruch von der realistischen Katastrophe hin zu Nancys Superheldenfähigkeiten derart plötzlich und verknüpft mit technisch hanebüchenen Effekten, dass „The Shallows“ im Finale ordentlich Federn lässt. Der im Gegensatz zum heimlichen Star des Films – die dressierte, für einige Lacher sorgende Seemöwe Steven Seagull – vollständig am Computer entwickelte Hai fügt sich lange Zeit so vortrefflich in die natürliche Szenerie, dass erst der Blick ins Presseheft zur Erkenntnis über die Entstehung mittels CGI führt. Der Sprung innerhalb der Effektqualität ist gen Ende von „The Shallows“ also besonders ärgerlich. Nichts desto trotz überwiegen die Vorzüge des Thrillers stark aufgrund der über weite Strecken unaufgeregten Attitüde. Dank einer hervorragend aufspielenden Blake Lively und der simplen Prämisse ist die Publikumsidentifikation gerade für jene Zuschauer gegeben, die gern einmal dort schwimmen gehen, wo schon einmal Haie gesichtet wurden.

Fazit: Jaume Collet-Serra gelingt mit „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ ein über weite Strecken hochspannender und in seiner minimalistischen Inszenierung gefallender Hai-Thriller, der auf Effekthascherei verzichtet und das Szenario für sich sprechen lässt. Erst im Schlussakt wagt sich der Film in erzählerische Gefilde vor, die arg an der Glaubwürdigkeit des Gezeigten kratzen. Hier heißt es: Augen zu und durch!

„The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ ist ab dem 25. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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