Schlagwort-Archiv: Lorenza Izzo

Videoabend: Holidays

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der amerikanischen Horroranthologie „Holidays – Surviving Them is Hell“, die ab dem 15. Juli 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Ein junges Mädchen wird von ihren Mitschülern drangsaliert und entlädt ihren Zorn in einer unfassbaren Verzweiflungstat. Die Schwangerschaft einer Lehrerin nimmt einen unerwarteten Verlauf. Die nächtliche Begegnung mit dem Osterhasen wird zu einem Albtraum ohnegleichen. In der Einsamkeit der kalifornischen Wüste treibt ein seltsamer Kult sein Unwesen. Die plötzlich auftauchende Botschaft ihres seit Jahren verstorben geglaubten Vaters führt einen rebellischen Teenager in die vergessenen Straßen ihrer Stadt. Das diesjährige Halloween-Fest hält für den schmierigen Möchtegern-Pornoproduzenten Ian eine bittere Lektion in Sachen Schmerz bereit. Selbst Weihnachten verläuft anders als sonst, nachdem sich ein verzweifelter Vater auf unfeine Art das letzte Exemplar eines begehrten Hightech-Geschenks sichert. Und zum Jahresausklang trifft schließlich ein psychopathischer Killer auf ein vermeintlich wehrloses Opfer.

Meteor Film bewirbt ihn so: 

Von den Regisseuren von DRACULA UNTOLD, DARK SKIES, TUSK, STARRY EYES, MIDNIGHT SWIM, THE PACT und SOME KIND OF HATE.

Kritik

Bis zum Ende der Achtzigerjahre hatte das Slashergenre so ziemlich jeden Feiertag rund um den Erdball mindestens einmal zum Dreh- und Angelpunkt eines Horrorfilms werden lassen. Nun begeben sich Kevin Smith („Tusk“), Gary Shore („Dracula Untold“), Nicholas McCarthy („At the Devil’s Door“) und noch viele weitere Horrorveteranen zurück an die Quelle und sind mit ihren Kurzfilmen Teil von „Holidays“, einer Horroranthologie, die – wie der Name schon sagt – Feiertage und ihre blutrünstigen Seiten zu einem skurrilen Schlitzerspaß werden lässt. Erwartungsgemäß bilden die ganz unterschiedlich aufbereiteten Filmchen zusammen eine echte Horror-Wundertüte, bei der ein guter Schuss Humor jedoch nicht fehlen darf. An all den Feiertagen, vom Valentinstag über Ostern bis hin zum St. Patricks-Day oder Weihnachten, kommen die Protagonistinnen und Protagonisten in merkwürdigste Situationen, die sich aus allen möglichen Subgenres des Horrorkinos zusammensetzen. In der Episode zum St. Patricks Day etwa muss sich eine Frau mit der bevorstehenden Geburt eines Babys auseinandersetzen, das alles andere als menschlich ist – Creature-Feature-Spaß ist da vorprogrammiert, ohne dass wir bereits an dieser Stelle schon zu viel verraten wollen. Wenn im Kurzfilm zu Ostern derweil ein kleines Mädchen des Nachts auf den Osterhasen trifft, kann das zwangsläufig nicht ohne Folgen bleiben. Immerhin hat sie etwas gesehen, was nie jemand hätte sehen sollen. Was unterdessen passiert, wenn ein Mädchen am Valentinstag so schwer gemobbt wird, dass sie ihrem angehimmelten Sportlehrer schließlich wortwörtlich das Herz zu Füßen legt, dann geht es splatterig und dramatisch zugleich zu.

Zu sagen, welche der Episoden, die sich zum Teil sichtbar an Klassikern wie „Carrie“, „Hard Candie“ oder auch alten „Akte X“-Folgen orientieren, die beste ist, ist schwer. Denn obwohl jeder der Kurzfilme von einem anderen Regisseur inszeniert wurde, ist „Holidays“ von allen Horror-Anthologien der letzten Jahre („ABCs of Death“, „V/H/S“, „Tales of Halloween“) jener, der den besten Gesamteindruck macht. Sich vom Tonfall her stark unterscheidend, wirken die einzelnen Episoden inszenatorisch so ähnlich, dass nicht der Eindruck von Stückwerk entsteht, sondern der eines in sich geschlossenen, runden Films. Technisch spielt „Holidays“ jedoch bei weitem nicht in der Liga der Obersten mit. Kevin Smith, Gary Shore und Co. legen den Fokus lieber auf den Inhalt und verlassen sich bei der produktionstechnischen Ausstattung nur auf das Nötigste. Das ist allerdings auch nicht weiter schlimm, denn gerade im Fall der Episoden St. Patricks Day, Muttertag und Halloween wirkt die bewusste Verwendung von eher trashigen Effekten gewollt und dadurch charmant-antiquiert.

HOLIDAYS stammt von Anthony Scott Burns, Kevin Kolsch, Nicholas McCarthy, Adam Egypt Mortimer, Ellen Reid, Gary Shore, Kevin Smith, Sarah Adina Smith, Scott Stewart und Dennis Widmyer, die jeweils auch das Skript zu ihrer Episode schrieben. Der Cast besteht unter anderem aus Lorenza Izzo, Kevin Smith, Seth Green, Harley Quinn Smith, Michael Gross, Ruth Bradley und Aleksa Palladino. Bei dem Film handelt es sich um einen Horrorfilm, produziert in den USA aus dem Jahr 2016. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 105 Minuten.

Fazit

Psychohorror, Creature-Feature-Spaß und Torture-Porn: „Holidays“ ist eine Horror-Wundertüte, bei der Grusel, Ekel und Spaß Hand in Hand gehen und die ganz nebenbei auch noch den einen oder anderen Knalleffekt bereithält.

Mein Tipp: kann man kaufen!

Videoabend: The Green Inferno

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner neuen Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Den Anfang macht Eli Roths Kannibalenhorrorfilm „The Green Inferno“, der nach mehrmaliger Verschiebung nun endlich seit dem 3. März 2016 im Handel erhältlich ist.

Um einen bedrohten Indio-Stamm zu retten, fliegt eine Gruppe von Studenten und Weltverbesserern von New York an den Amazonas. Die Situation vor Ort ist angespannt. Einige der Freunde scheinen nicht dieselben Pläne zu schmieden wie andere, doch als die Aktion gut geht, scheint das gemeinsame Ziel erreicht. Die Gruppe fliegt über die Amazonas-Wälder in Richtung Zivilisation, bis es zu einem dramatischen Zwischenfall kommt. Als ihr Flugzeug abstürzt, müssen sich die jungen Leute plötzlich völlig allein durch den peruanischen Dschungel schlagen. Eine extreme und mit zahlreichen Gefahren gespickte Belastungsprobe für jeden Einzelnen. Schließlich stoßen sie tatsächlich auf die gesuchten und hilfsbereiten Einheimischen. Doch die Erleichterung währt nur kurz: Zu spät bemerken sie, dass sie einem Stamm von Kannibalen in die Hände gefallen sind. Die Einwohner haben es auf das Fleisch der Überlebenden abgesehen und nehmen die Eindringlinge gefangen…

Constantin Home Entertainment bewirbt ihn so: 

THE GREEN INFERNO ist nervenaufreibender Survival-Horror für Hartgesottene! Regisseur Eli Roth beweist erneut wie bereits schon bei „Hostel“ und „Cabin Fever“, dass er sich auf grausige Horrorfilme versteht.

Kritik

Das Horror-Subgenre des Kannibalenfilms wurde in den späten Siebzigerjahren von den Italienern etabliert. Als Vorreiter dieses Trends gilt Umberto Lenzis „Mondo Cannibale“, der heutzutage ungeschnitten ab 18 Jahren freigegeben ist und nicht bloß als Wegbereiter innerhalb des Gewaltkinos galt, sondern auch erstmals so etwas wie Found-Footage im Kino unterbrachte. Damals war es noch leicht, den Trend zu immer brutaler werdenden Filmen von Produktion zu Produktion mitzugehen. Heutzutage hat man hingegen vieles bereits gesehen. Da trifft es sich gut, dass sich Regisseur Eli Roth mit seiner bereits 2013 entstandenen Horrorproduktion „The Green Inferno“ zurück zu den Wurzeln dieser Bewegung begibt und obendrein ein Thema aufgreift, das lange Zeit nicht im Mainstreamkino stattfand. Nach provokativen, dreckigen Genrewerken wie „Hostel“ und „Cabin Fever“ scheint der 43-jährige Bostoner genau der Richtige zu sein, um das Thema Kannibalismus aus der filmischen Mottenkiste herauszubefördern und es den Sehgewohnheiten des blutdürstenden Publikums anzupassen.

Eines muss man „The Green Inferno“ lassen: Mit der FSK-Freihabe ab 18 haben alle Beteiligten Glück gehabt. Nach Freigaben ab 12 für Filme wie „Unknown User“ oder „It Follows“ scheint die normalerweise für ihre Härte bekannte Institution der Freiwilligen Selbstkontrolle aber ohnehin sehr sanftmütig geworden zu sein. In „The Green Inferno“ werden Gliedmaßen abgetrennt, Augen rausgestochen und Frauen erniedrigt – alles vor laufender Kamera. In einem Exploitationfilm dieses Kalibers dürfen derartige Szenen nicht fehlen. Die Versprechung „für Hartgesottene“ , mit der Constantin Film für „The Green Inferno“ wirbt, hält die Produktion in ihren Gewaltspitzen definitiv ein. Das ist allerdings auch der einzige Pluspunkt, der sich Eli Roths neuester Regiearbeit abgewinnen lässt, denn abseits des partiell durchaus nervenaufreibenden Plots versucht sich Drehbuchautor Guillermo Amoedo („Aftershock“), den Roth beim Schreiben unterstützte, daran, die Figuren in den Vordergrund zu rücken. Dies misslingt nicht nur deshalb völlig, weil wir es hier (durchaus genrekonform) allenfalls mit Stereotypen zu haben, sondern auch, weil alle Beteiligten hier selbst für Horrorfilmverhältnisse so dämlich handeln, dass man mit solch kleingeistigem Verhalten einfach nicht mitfiebern kann. Bevor ab der zweiten Hälfte ohnehin nur noch gekreischt und hysterisch gezetert wird, versucht sich das Drehbuch obendrein immer wieder daran, die beklemmende Stimmung eines Terrorfilms mit Gags aufzumotzen. Da das Ganze allerdings stets auf Fäkalhumor der billigsten Sorte hinausläuft, erinnert das allenfalls an die Anfänge eines Wes Craven, der in „Das letzte Haus links“ noch keinerlei Gespür für die Balance zwischen Angst und Humor besaß, wodurch einem das Lachen nicht nur im Halse stecken bleibt, sondern – wie hier – obendrein einfach nur auf den Geist geht.

THE GREEN INFERNO stammt von Eli Roth. Drehbuchautoren sind Roth und Guillermo Amoeda. Unter den Darstellern finden sich Lorenza Izzo, Ariel Levy, Daryl Sabara, Kirby Bliss , Sky Ferreira, Magda Apanowicz, Nicolas Martinez und Aaron Burns. Bei dem Film handelt es sich um eine US-amerikanische Horrorproduktion aus dem Jahr 2013. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray erhältlich und ab 18 freigegeben. Die Länge beträgt 101 Minuten.

Fazit

In „The Green Inferno“ stehen sich die einzelnen Tonfälle irgendwann so sehr im Weg, dass der Film weder als Horrorfilm, noch als morbide Komödie funktioniert. Was bleibt, sind einige nett anzusehende, handgemachte Folterszenen, für die sich der Griff ins DVD-Regal allerdings nicht lohnt.

Mein Tipp: allenfalls ausleihen!