Videoabend: The Green Inferno

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner neuen Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Den Anfang macht Eli Roths Kannibalenhorrorfilm „The Green Inferno“, der nach mehrmaliger Verschiebung nun endlich seit dem 3. März 2016 im Handel erhältlich ist.

Um einen bedrohten Indio-Stamm zu retten, fliegt eine Gruppe von Studenten und Weltverbesserern von New York an den Amazonas. Die Situation vor Ort ist angespannt. Einige der Freunde scheinen nicht dieselben Pläne zu schmieden wie andere, doch als die Aktion gut geht, scheint das gemeinsame Ziel erreicht. Die Gruppe fliegt über die Amazonas-Wälder in Richtung Zivilisation, bis es zu einem dramatischen Zwischenfall kommt. Als ihr Flugzeug abstürzt, müssen sich die jungen Leute plötzlich völlig allein durch den peruanischen Dschungel schlagen. Eine extreme und mit zahlreichen Gefahren gespickte Belastungsprobe für jeden Einzelnen. Schließlich stoßen sie tatsächlich auf die gesuchten und hilfsbereiten Einheimischen. Doch die Erleichterung währt nur kurz: Zu spät bemerken sie, dass sie einem Stamm von Kannibalen in die Hände gefallen sind. Die Einwohner haben es auf das Fleisch der Überlebenden abgesehen und nehmen die Eindringlinge gefangen…

Constantin Home Entertainment bewirbt ihn so: 

THE GREEN INFERNO ist nervenaufreibender Survival-Horror für Hartgesottene! Regisseur Eli Roth beweist erneut wie bereits schon bei „Hostel“ und „Cabin Fever“, dass er sich auf grausige Horrorfilme versteht.

Kritik

Das Horror-Subgenre des Kannibalenfilms wurde in den späten Siebzigerjahren von den Italienern etabliert. Als Vorreiter dieses Trends gilt Umberto Lenzis „Mondo Cannibale“, der heutzutage ungeschnitten ab 18 Jahren freigegeben ist und nicht bloß als Wegbereiter innerhalb des Gewaltkinos galt, sondern auch erstmals so etwas wie Found-Footage im Kino unterbrachte. Damals war es noch leicht, den Trend zu immer brutaler werdenden Filmen von Produktion zu Produktion mitzugehen. Heutzutage hat man hingegen vieles bereits gesehen. Da trifft es sich gut, dass sich Regisseur Eli Roth mit seiner bereits 2013 entstandenen Horrorproduktion „The Green Inferno“ zurück zu den Wurzeln dieser Bewegung begibt und obendrein ein Thema aufgreift, das lange Zeit nicht im Mainstreamkino stattfand. Nach provokativen, dreckigen Genrewerken wie „Hostel“ und „Cabin Fever“ scheint der 43-jährige Bostoner genau der Richtige zu sein, um das Thema Kannibalismus aus der filmischen Mottenkiste herauszubefördern und es den Sehgewohnheiten des blutdürstenden Publikums anzupassen.

Eines muss man „The Green Inferno“ lassen: Mit der FSK-Freihabe ab 18 haben alle Beteiligten Glück gehabt. Nach Freigaben ab 12 für Filme wie „Unknown User“ oder „It Follows“ scheint die normalerweise für ihre Härte bekannte Institution der Freiwilligen Selbstkontrolle aber ohnehin sehr sanftmütig geworden zu sein. In „The Green Inferno“ werden Gliedmaßen abgetrennt, Augen rausgestochen und Frauen erniedrigt – alles vor laufender Kamera. In einem Exploitationfilm dieses Kalibers dürfen derartige Szenen nicht fehlen. Die Versprechung „für Hartgesottene“ , mit der Constantin Film für „The Green Inferno“ wirbt, hält die Produktion in ihren Gewaltspitzen definitiv ein. Das ist allerdings auch der einzige Pluspunkt, der sich Eli Roths neuester Regiearbeit abgewinnen lässt, denn abseits des partiell durchaus nervenaufreibenden Plots versucht sich Drehbuchautor Guillermo Amoedo („Aftershock“), den Roth beim Schreiben unterstützte, daran, die Figuren in den Vordergrund zu rücken. Dies misslingt nicht nur deshalb völlig, weil wir es hier (durchaus genrekonform) allenfalls mit Stereotypen zu haben, sondern auch, weil alle Beteiligten hier selbst für Horrorfilmverhältnisse so dämlich handeln, dass man mit solch kleingeistigem Verhalten einfach nicht mitfiebern kann. Bevor ab der zweiten Hälfte ohnehin nur noch gekreischt und hysterisch gezetert wird, versucht sich das Drehbuch obendrein immer wieder daran, die beklemmende Stimmung eines Terrorfilms mit Gags aufzumotzen. Da das Ganze allerdings stets auf Fäkalhumor der billigsten Sorte hinausläuft, erinnert das allenfalls an die Anfänge eines Wes Craven, der in „Das letzte Haus links“ noch keinerlei Gespür für die Balance zwischen Angst und Humor besaß, wodurch einem das Lachen nicht nur im Halse stecken bleibt, sondern – wie hier – obendrein einfach nur auf den Geist geht.

THE GREEN INFERNO stammt von Eli Roth. Drehbuchautoren sind Roth und Guillermo Amoeda. Unter den Darstellern finden sich Lorenza Izzo, Ariel Levy, Daryl Sabara, Kirby Bliss , Sky Ferreira, Magda Apanowicz, Nicolas Martinez und Aaron Burns. Bei dem Film handelt es sich um eine US-amerikanische Horrorproduktion aus dem Jahr 2013. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray erhältlich und ab 18 freigegeben. Die Länge beträgt 101 Minuten.

Fazit

In „The Green Inferno“ stehen sich die einzelnen Tonfälle irgendwann so sehr im Weg, dass der Film weder als Horrorfilm, noch als morbide Komödie funktioniert. Was bleibt, sind einige nett anzusehende, handgemachte Folterszenen, für die sich der Griff ins DVD-Regal allerdings nicht lohnt.

Mein Tipp: allenfalls ausleihen!

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