Das startet am 24. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 24. August, an dem es insgesamt ein wenig ruhiger zugeht. Als einzige Massenstarts gehen der Actionthriller „Atomic Blonde“ und der Horrorfilm „Annabelle 2“ ins Rennen, wobei in Ermangelung an Konkurrenz der Puppengrusler sogar die Nase vorn haben könnte. Der Actionfilm mit Charlize Theron punktet dagegen lediglich mit Starpower und könnte es schwer haben. So richtig starke Filme findet man diese Woche dagegen eher in den Arthäusern – „Tulpenfieber“ und „Das ist unser Land!“ dürften aber bloß eine kleine Menge an Zuschauern anziehen. Der Animationsfilm „Happy Family“ wurde der Presse bis heute nicht gezeigt.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

TULPENFIEBER  | Regie: Justin Chadwick | UK/USA 2017

Das Amsterdam des Goldenen Zeitalters ist besessen von einer botanischen Sensation: der Tulpe. An den Grachten floriert der Handel mit den kostbaren Zwiebeln, die schon bald mehr wert sind als Diamanten. Die Spekulanten an der Börse bieten horrende Summen für Exemplare, die sie noch nie zu Gesicht bekommen haben. Allerorten lässt eine fiebrige Goldgräberstimmung die Gefühle hochkochen. In diesen hitzigen Zeiten verliebt sich der Maler Jan van Loos in Sophia, die bildschöne Frau seines reichen Auftraggebers Cornelis Sandvoort. Schon bei ihrer ersten Begegnung ist es um Jan und Sophie geschehen, die sich immer mehr in eine leidenschaftliche Affäre verstricken. Um gemeinsam in ein neues Leben aufzubrechen, schmieden sie mit Hilfe von Sophias Magd Maria einen überaus riskanten Plan. Neben einem bestechlichen Arzt fehlen nur noch die nötigen Gulden für die Überfahrt in die neue Welt. 

Vor zwanzig Jahren hätte ein Film wie „Tulpenfieber“ sämtliche Filmpreise gewonnen, doch auch heute noch begeistert ein solch berauschend-üppig ausgestatteter Kostümfilm, der nicht nur optisch fasziniert, sondern auch eine Geschichte erzählt, die dank hervorragender Darsteller und schöner Drehbuchideen weit über das Standardrepertoire gängiger Hollywoodschmonzetten hinaus geht.


DAS IST UNSER LAND!  | Regie: Lucas Belvaux | FR/BEL 2017

Pauline arbeitet als Krankenschwester in einer Kleinstadt im strukturschwachen Norden Frankreichs. Sie kümmert sich um ihren Vater und zieht ihre beiden Kinder alleine groß. Sympathisch und aufopferungsvoll wie sie ist, wird sie von allen gemocht. Ihre Glaubwürdigkeit will sich eine aufstrebende nationalistische Partei zu Nutze machen und wirbt sie als Kandidatin für die kommenden Bürgermeisterwahlen an. Der charismatische Arzt Dr. Berthier umschmeichelt Pauline und überredet sie zu kandidieren. In ihrem Beruf täglich mit sozialen Missständen konfrontiert, lässt sie sich von seinen populistischen Ansichten mitreißen, in der Hoffnung, in der Lokalpolitik etwas bewirken zu können. Ihr sozialistisch geprägter Vater ist bestürzt über den Gesinnungswandel seiner Tochter.

Im französischen Politdrama „Das ist unser Land!“ zeigt uns Regisseur Lucas Belvaux, nach welchen geschickten Methoden Rechtspopulisten auf Stimmenfang gehen und lässt das Publikum daran teilhaben, wie eine junge Frau dieser Ideologie erst verfällt, um dann zu erkennen, dass sie lediglich instrumentalisiert wurde. Ein spannendes, emotionales und brisantes Zeitdokument.


HAPPY FAMILY  | Regie: Holger Tappe | DE/UK 2017

Die Wünschmanns sind alles andere als eine glückliche Familie. Mutter Emmas Buchhandlung schreibt schon seit Monaten tiefrote Zahlen und steht kurz vor der Schließung, der völlig überarbeitete Vater Frank leidet unter seinem Chef, das Gehirn der pubertierenden Tochter Fee ist gerade wegen Umbaus geschlossen, und der hochintelligente Sohn Max wird in der Schule gemobbt. Doch damit nicht genug: Auf einem Kostümfest verwandelt die Hexe Baba Yaga die gesamte Familie in Monster – Emma wird zur Vampirin, Frank zu Frankenstein, Fee zur Mumie und Max zum Werwolf. Gemeinsam jagt die Monster-Familie die Hexe über den halben Globus, um den Fluch wieder loszuwerden. Auf ihrem Holterdipolter-Trip fetzen sich die Wünschmanns mit einigen echten Monstern, nicht zuletzt mit dem unwiderstehlich charmanten Graf Dracula persönlich, der sich unsterblich (logisch, weil untot!) in Emma verliebt hat. Das Chaos ist perfekt! 

„Happy Family“ ist ein kunterbuntes, witziges und an den richtigen Stellen emotionales Familienabenteuer, das mit liebevollen Charakteren, schönen Animationen und einem starken 3D-Effekt punktet. Nach dem mauen „Konferenz der Tiere“ findet Holger Tappe zu alter Stärke zurück und legt hiermit sogar direkt seinen bisher besten Film vor.


ANNABELLE 2  | Regie: David F. Sandberg | USA 2017

Etliche Jahre sind vergangen, seit das Ehepaar Mullins seine Tochter bei einem schrecklichen Autounfall verloren hat. Doch Samuel und Esther wollen nach vorne blicken. Und so nehmen sie eine Nonne und mehrere Mädchen aus einem abgeschiedenen Waisenhaus bei sich auf. Das große verwinkelte Anwesen bietet den Gästen jede Menge Möglichkeiten der Erholung. Alle fühlen sich wohl, bis eines Nachts unheimliche Dinge geschehen. Vor allem die an Polio erkrankte, gehbehinderte Janice spürt die Anwesenheit einer fremden Macht, seit sie unerlaubt in ein abgeschlossenes Zimmer eingedrungen und hier auf eine Puppe namens Annabelle getroffen ist. Was sie nicht ahnt: Annabelle ist die besessene Schöpfung von Samuel Mullins, der einst damit versucht hatte, Kontakt zu seiner verunglückten Tochter wiederherzustellen… 

„Annabelle 2“ ist zwar bislang der schwächste Teil aus dem „Conjuring“-Universum, bietet aber immer noch solide atmosphärische Horrorunterhaltung mit Nostalgiecharme, deren Finale leider in allzu bekannten Bahnen verläuft.


ATOMIC BLONDE  | Regie: David Leitch | DE/SWE/USA 2017

Berlin, 1989, am Vorabend des Falls der Berliner Mauer. Wenn es schon an einem herkömmlichen Tag im Spionagegeschäft schwer ist zu wissen, wem man vertrauen kann, ist es nun, mitten auf dem Pulverfass, welches die kälteste Stadt der Welt gerade ist, schier unmöglich. Lorraine Broughton, eine ebenso eiskalte wie verführerische Topagentin des MI6, wird nach Deutschland geschickt, um einen brutalen Spionagering auszuheben, der gerade aus noch unbekannten Gründen einen befreundeten Geheimagenten eliminiert hat. Gleich nach ihrer Ankunft gerät Lorraine ins Visier der Killer. Doch sie überlebt und erklärt sich bereit, gemeinsame Sache mit dem waghalsigen Berliner Stationsleiter David Percival zu machen. Ein wachsames Auge auf die beiden wirft der hochrangige CIA-Agent Emmett Kurzfeld, der aus den USA nach Berlin geschickt wurde, um Broughtons Mission aus nächster Nähe zu überwachen. 

„Atomic Blonde“ schwankt im Laufe seiner zwei Stunden extrem: Mal ist er visuell bombastisch, mal eher durchschnittlich, während er erzählerisch die größten Defizite hat. Trotz einer beeindruckenden Charlize Theron bleibt am Ende nur ein durchschnittlicher Actionthriller mit Ausschlägen nach oben.


HAMPSTEAD PARK – AUSSICHT AUF LIEBE  | Regie: Joel Hopkins | UK 2017

Die eigenwillige Amerikanerin Emily Walters passt nur auf den ersten Blick in die gediegene Nachbarschaft Hampsteads und findet ihre affektierten Freundinnen zunehmend öde. Als Emily eines Tages zufällig beobachtet, wie ein Fremder im Park von einer Gruppe Schläger attackiert wird, beschließt sie, zu handeln: Sie ruft die Polizei und kümmert sich um ihn. Sofort ist sie fasziniert von dem kauzigen Donald Horner, der so gar nicht ihrem bisherigen Männerbild entspricht. Donald, der bereits seit 17 Jahren in einer selbstgezimmerten, schäbigen Hütte im weitläufigen Park lebt, soll daraus vertrieben werden und einem Luxusbauprojekt weichen. Entschlossen und zum großen Entsetzen ihrer Freunde stellt sie sich im Kampf um sein Zuhause auf die Seite des Außenseiters.

Regisseur Joel Hopkins kann der in routinierten Bahnen verlaufenden Lovestory einige clevere Aspekte abgewinnen, trotzdem profitiert „Hampstead Park – Aussicht auf Liebe“ in erster Linie von den beiden hervorragend miteinander harmonierenden Hauptdarstellern. Sie machen aus einer gewöhnlichen Durchschnitts-Komödie eine solche, der man die allzu schematischen Verwicklungen nicht wirklich übel nehmen kann, zumal das Finale mit Bodenständigkeit punktet und ohne Kitsch auskommt.


WESTERN  | Regie: Valeska Griesebach | DE/BGR/AUT 2017

Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter macht sich auf den Weg auf eine Auslandsbaustelle in der bulgarischen Provinz. Das fremde Land und die raue, wenig erschlossene Landschaft wecken die Abenteuerlust bei den Männern. Gleichzeitig sind sie mit ihren eigenen Vorurteilen und ihrem Misstrauen konfrontiert. Das nahe gelegene Dorf wird für zwei der Männer zur Bühne für einen Konkurrenzkampf um die Anerkennung und die Gunst der Dorfbewohner.

Die Filme von Valeska Grisebach zeichnen sich durch ihre Intensität und ihre entwaffnende Einfachheit aus – ihre Komplexität und Vielschichtigkeit liegen unter einer fast archaischen narrativen Struktur. Ihre Helden werfen uns auf unseren innersten Kern zurück, sie berühren etwas Grundlegendes. Valeska arbeitet immer mit nicht-professionellen Schauspielern.


HARD & UGLY  | Regie: Malte Wirtz | DE 2017

Et (Patrick Güldenberg), gerade frisch aus seinem Job gefeuert, weil er nicht ins Konzept passt, hat keine Lust mehr. Vor allem nicht auf das Leben. Auf einer Brücke irgendwo in Berlin kommt es zum spontanen Selbstmordversuch; doch gerade als er sich mühselig über die Brüstung gequält hat, steht Carla (Kristin Becker) vor ihm. Carla, gerade frisch von ihrem Verlobten ohne Vorwarnung auf die Straße gesetzt und genauso vom Pech verfolgt wie Et, rückt dem Selbstmörder in spe den Kopf zurecht. Ein zufälliges Treffen, das zu einem neuen Miteinander führt. Zwei Außenseiter, die sich gegenseitig aus dem Schlamassel ziehen wollen. Doch kann das gut gehen? Es ist eine außergewöhnliche Liebesgeschichte über zwei von der Gesellschaft verstoßenen, die gemeinsam einsam sind und für die aus großem Leid hemmungslose Freude und Zweisamkeit erwachsen könnte, wenn beide nur endlich über ihren Schatten springen.


 Heimkinotipp: FAST & FURIOUS 8  | Regie: F. Gary Gray | USA 2017

Alles könnte so schön sein: Nach Dom und Lettys Hochzeit, Brians und Mias Abschied und nachdem der Rest der Crew endlich von allen Anschuldigungen entlastet wurde, kann das Team beinahe ein normales Leben führen. Doch als eine rätselhafte Frau Dom verführt, ihr in die Welt der Verbrechen zu folgen, aus der er scheinbar nicht entkommen kann, und ihn dazu bringt die, die ihm am nächsten stehen, zu hintergehen, sehen sie sich mit der härtesten Prüfung ihres Lebens konfrontiert. Von der Küste Kubas über die Straßen New Yorks, bis zu den verschneiten Ebenen des arktischen Barentssees wird die etwas andere Elitetruppe die ganze Welt befahren, um eine Anarchistin daran zu hindern, das Chaos auf die Welt los zu lassen…

Hirn-Aus-Action par excellence – auch wenn Vin Diesel, Charlize Theron und Co. gern noch weniger reden dürfen, will man nach 130 Filmminuten voller irrwitzig-hanebüchener Autostunts von F. Gary Grays „Fast & Furious 8“ nur noch eines: ganz schnell mehr! Wie gut, dass der neunte Teil bereits in der Mache ist.

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