Fast & Furious 8

Es muss weitergehen – auch ohne Paul Walker! In FAST & FURIOUS 8 begibt sich die unkonventionellste Elitetruppe der Welt in den Kampf gegen einen neuen Gegenspieler. Ob sich das Franchise langsam tot läuft, oder ob man sich gern ein weiteres Mal in die Hände von Vin Diesel, Dwayne Johnson und Co. begibt, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Alles könnte so schön sein: Nach Doms (Vin Diesel) und Lettys (Michelle Rodriguez) Hochzeit, Brians und Mias Abschied und nachdem der Rest der Crew endlich von allen Anschuldigungen entlastet wurde, kann das Team beinahe ein normales Leben führen. Doch als eine rätselhafte Frau (Charlize Theron) Dom verführt, ihr in die Welt der Verbrechen zu folgen, aus der er scheinbar nicht entkommen kann, und ihn dazu bringt die, die ihm am nächsten stehen, zu hintergehen, sehen sie sich mit der härtesten Prüfung ihres Lebens konfrontiert. Von der Küste Kubas über die Straßen New Yorks, bis zu den verschneiten Ebenen des arktischen Barentssees wird die etwas andere Elitetruppe die ganze Welt befahren, um eine Anarchistin daran zu hindern, das Chaos auf die Welt los zu lassen… und den Mann nach Hause bringen, der eine Familie aus ihnen gemacht hat.

Kritik

Mit dem Vorhaben, die „Fast & Furious“-Reihe auch nach dem Tod von Paul Walker fortzusetzen, trifft man den Kern des einst als reine Car-Racing-Reihe begonnenen Action-Franchises ziemlich genau. Wenngleich Vin Diesel („xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“) immer wieder dafür belächelt wurde, mit welcher Inbrunst er die Emotionalität der meist recht banalen Inhalte verteidigte, musste man spätestens beim Finale von „Fast & Furious 7“ doch zugeben, dass man es dem sich gern als Oberproll präsentierenden Glatzkopf zum ersten Mal abnahm, dass ihm wirklich viel an dieser Reihe liegt. „Irgendwie muss es ja weitergehen!“ – nach diesem Credo haben sich nun nicht bloß einmal mehr die Figuren vor, sondern auch die Crew hinter der Kamera versammelt, um den achten (von angeblich zehn anvisierten) Teil(en) auf die Beine zu stellen. Diese nimmt dann auch überraschend wenig Bezug auf die Abwesenheit von Paul Walkers Figur, dessen Weg sich im wirklich rührenden Schlussspurt des Vorgängers von dem seiner Gruppe trennte. Dafür fährt man auch die ganz große Emotionalität aus „Fast & Furious 7“ zurück, setzt wieder verstärkt auf große Gesten und wenig Platz für subtile Zwischentöne. Dafür brennt Regisseur F. Gary Gray („Straight Outta Compton“) ein Actionfeuerwerk ab, das scheinbar kein Ende nehmen will – und als es das nach rund zwei Stunden dann doch tut, ist man ganz schön enttäuscht, dass es nicht noch viele Stunden weitergeht.

Was hat die Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) mit Dom (Vin Diesel) vor?

Wer nach sieben Teilen „Fast & Furious“ noch immer daran festhält, die Action in diesem Filmuniversum müsse den physikalischen Gesetzen entsprechen, dem verpasst F. Gary Gray direkt mit seiner Prolog-Sequenz einen ziemlich absurden Denkzettel. In dieser liefert sich Vin Diesel ein spektakuläres Straßenrennen in einer absolut schrottreifen Karosse, die er mit ein paar Bastler-Handgriffen aufmotzt und anschließend brennend und rückwärts (!) doch irgendwie noch als erster über die Ziellinie fährt. Damit legt der Regisseur sofort den Kurs fest: Wer glaubte, die Actionreihe hätte mit aus Flugzeugen rollenden Autos, einer von Hochhaus zu Hochhaus springenden Nobelkarosse und einem von Vehikeln auf der Landebahn gehaltenen Jet bereits all ihr hanebüchenes Stunt-Potenzial verspielt, den belehrt der vielfach preisgekrönte Filmemacher eines Besseren. In „Fast & Furious 8“ werden Dutzende von teuren Luxusschlitten zu einer ferngesteuerten Einheit, es kommt zur spektakulärsten Knast-Prügelei seit „The Raid 2“ und wer dachte, dass sich Feuer und Eis gegenseitig ausschließen müssen, der bekommt mit dem rund dreißigminütigen (!) Schlussakt das Gegenteil präsentiert. „Fast & Furious 8“ gibt dem Wort „Big Budget Produktion“ eine ganz neue Bedeutung, denn das Entscheidende ist: Während man in der Anfangsphase noch den einen oder anderen nicht geglückten Computereffekt verschmerzen muss, gehen mit der Zeit immer mehr echte Autos zu Bruch. Hier wird gesprengt was nicht Niet- und Nagelfest ist. Für Liebhaber pompöser Action ist „Fast & Furious 8“ das Non plus Ultra aktueller Stunde.

Mit seinen 130 Minuten liefert der Film dann auch direkt von allem extra viel. Hier dauert eine Verfolgungsjagd keine fünf sondern eben fünfzehn Minuten. Für den Zuschauer ist das nur von Vorteil, denn seine Stärken hat „Fast & Furious 8“ erwartungsgemäß in sämtlichen Momenten, in denen sich die Figuren nicht über tiefschürfende Themen unterhalten müssen. Hier kann es mitunter auch richtig anstrengend werden. Vor allem die Interaktion zwischen der von Charlize Theron elegant-kühl verkörperten Cyber-Terroristin Cipher und dem Team-Anführer Dominic Toretto zieht sich bisweilen ziemlich in die Länge. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man Theron trotz ihrer berauschenden Leistung in „Mad Max: Fury Road“ hier lediglich als stille Kommandogeberin und Turbo-Hackerin agieren lässt; zur Waffe greifen lässt man die toughe Blondine dagegen kaum. Die von ihr fast ausschließlich mit Dom geführten Dialoge drehen sich darüber hinaus ziemlich oft im Kreis, da die Beweggründe hinter Doms „Abwerben“ von Seiten Ciphers sehr früh ersichtlich sind und nicht permanent einer erneuten Betonung bedürften. Neben der Frage um Doms Verrat bietet „Fast & Furious 8“ natürlich auch noch die gute alte Jagd nach der ultimativen Waffe, die hier einmal mehr droht, in falsche Hände zu geraten. Damit gewinnt der hier nach vier Teilen erneut verantwortlich zeichnende Drehbuchautor Chris Morgan per se keinen Blumentopf, doch in erster Linie sind die rudimentären Handlungsstränge ohnehin nur dazu da, um den gewaltigen Stunts eine Chronologie zu geben. Und wenn sich da zwischendurch sogar noch sowas wie eine persönliche Note erkennen lässt, umso besser.

Im Umgang mit seinen Schützlingen hat Neuankömmling Eric Reisner (Scott Eastwood) noch viel zu lernen.

Die „Fast & Furious“-Reihe hat schon immer einen ganz eigenen Menschentyp vertreten – die Crew rund um Dom, Letty und Co. ist eine Ansammlung PS-geiler Poser und hat damit noch nie hinterm Berg gehalten. Entsprechend oberflächlich gestalteten sich die ersten Filme der Reihe und entsprechend aufgesetzt wirkte das Bemühen darum, in späteren Filmen den klischeehaften Familien-Gedanke in den Fokus zu rücken. In „Fast & Furious 8“ ein Trinkspiel zu spielen, wann immer das Thema „Familie“ auf den Tisch kommt, ist zwar nach wie vor keine gute Idee, doch langsam aber sicher finden die Macher eine Balance zwischen absolut überdrehtem Posertum (für das Vin Diesel quasi im Alleingang sorgt), sich selbst nicht ernst nehmender Buddy-Comedy und echtem Zusammengehörigkeitsgefühl. Für letzteres sind nicht zuletzt auch die immer enger zusammen wachsenden Darsteller zuständig, von denen nicht nur alle Bekannten wieder mit an Bord sind, sondern auch einige Neu- und Wieder-Zugänge. Jason Statham reißt mit seinem „Spy“-Gedächtnisauftritt sämtliche Szenen an sich – vor allem seine permanenten Schlagabtausche mit Dwayne Johnson („Central Intelligence“) sind fantastisch – während das Duo aus Ludacris und Tyrese Gibson („Ride Along: Next Level Miami“) die Szenerie in regelmäßigen Abständen um diverse coole Sprüche ergänzt. Als sehr smarter Neuling erweist sich zudem Scott Eastwood („Suicide Squad“) als Handlanger von Mr. Nobody (Kurt Russell). Verschenkt wurde dagegen der Nun-nicht-mehr-Überraschungsauftritt von Helen Mirren („Verborgene Schönheit“). Die vorab groß angekündigte Grande Dame erhält nicht mehr als einen etwas üppiger ausfallenden Cameo-Auftritt und darf dann noch nicht mal zur Waffe greifen.

Fazit: Hirn-Aus-Action par excellence – auch wenn Vin Diesel, Charlize Theron und Co. gern noch weniger reden dürfen, will man nach 130 Filmminuten voller irrwitzig-hanebüchener Autostunts nur noch eines: ganz schnell mehr!

„Fast & Furious 8“ ist ab dem 12. April bundesweit in den Kinos zu sehen!

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