Das startet am 20. April 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 20. April, der es zwischen zwei Blockbuster-Wochen („Fast & Furious 8“ und „Guardians of the Galaxy Vol. 2“) nicht gerade einfach hat. Entsprechend bleiben die großen Mainstream-Filme aus, stattdessen finden sich die Highlights in den Programmkinos. Ausgerechnet zwei französische Komödien geben den Ton an und könnten sich aufgrund ähnlicher Thematiken die Zuschauer klauen. Dafür gibt es mit „Conni & Co 2“ einen neuen Til-Schweiger-Film in den Kinos zu sehen, der das Segment der Kinderunterhaltung um eine weitere Auswahl ergänzt. Filme wie „Bleed for This“ oder „Queen of Katwe“ sind zwar in Ordnung, starten aber mit einer solch geringen Kopienanzahl, dass davon kaum einer Notiz nehmen wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

EIN DORF SIEHT SCHWARZ  | Regie: Julien Rambaldi | FR 2016

Frankreich 1975: Seyolo Zantoko (Marc Zinga) ist ein erfolgreicher Arzt und stammt aus dem Kongo. Als er einen Job als korrupter Leibarzt ausschlägt und stattdessen eine Stelle in einem kleinen Kaff nördlich von Paris angeboten bekommt, beschließt er, mit seiner Familie umzuziehen. Sie erwarten das noble Pariser Stadtleben, treffen aber stattdessen auf skeptische Dorfbewohner, die zum ersten Mal in ihrem Leben einem afrikanischen Arzt begegnen und alles tun, um den „Exoten“ das Leben schwer zu machen. Aber wer mutig seine Heimat verlassen hat und einen Neuanfang in einem fremden Land wagt, lässt sich so leicht nicht unterkriegen und so beschließen die Zantokos, das Beste aus der Situation zu machen.

„Ein Dorf sieht schwarz“ greift zwar gängige Klischees auf, aber nicht, um anhand von diesen eine Geschichte zu erzählen, sondern um aufzuzeigen, was passiert, wenn sie sich weiterhin in der Gesellschaft durchsetzen. Ein starker, nie pessimistischer aber doch grundehrlicher Film über Fremdsein und Fremdfühlen.


 ALLES UNTER KONTROLLE | Regie: Philippe de Chauveron | FR 2016

Für den Polizisten José Fernandez gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: er wird endlich befördert und darf sich vom unerfreulichen Alltag des Grenzpolizisten verabschieden. Die schlechte Nachricht: ein letztes Mal muss er nach Kabul, um den straffälligen Karzaoui in sein Heimatland abzuschieben. Jetzt heißt es, den Flüchtling unkompliziert loszuwerden, sonst wird es schwierig mit der Beförderung. Doch es gibt ein Problem: im Fall Karzaoui ist der Justiz eine Panne unterlaufen. José hat sich seinen letzten Flüchtling deutlich resignierter vorgestellt. Doch weit gefehlt! Als das Flugzeug auf einer Ferieninsel notlanden muss, nutzt Karzaoui die Gunst der Stunde und macht sich aus dem Staub. 

Die französische Komödie „Alles unter Kontrolle“ ist trotz seiner Thematik nicht das tragikomische Glanzstück hintersinniger Flüchtlingsfilme, sondern einfach nur eine lässig-erfrischende Comedy mit jeder Menge Gags und einem tollen Cast.


CONNI & CO 2 | Regie: Til Schweiger | DE 2017

Conni (Emma Schweiger) und ihre Freunde verbringen wie jedes Jahr ihre Sommerferien auf der Kanincheninsel vor den Toren von Neustadt. Doch das Kinder- und Naturparadies ist in Gefahr, weil der Bürgermeister und ehemalige Schuldirektor Möller (Heino Ferch) ein Hotel auf der Insel bauen möchte. Er verspricht den Neustädtern neue Jobs, und Connis Vater Jürgen (Ken Duken) soll der Architekt des neuen „Gigantotels“ werden. Als Hund Frodo einen Dino-Knochen auf der Ferieninsel findet, ist das für Conni und ihre Freunde die Chance, deren Zerstörung zu verhindern. Doch dann ist der Knochen plötzlich verschwunden, und Connis bester Freund Paul (Oskar Keymer) ist auch noch schuld daran, dass sie keinen Beweis für dessen Existenz haben. Das Abenteuer um das Geheimnis des T-Rex beginnt.

Til Schweiger gelingt mit „Conni & Co 2“ seine beste Regiearbeit seit „Zweiohrküken“. Der Film präsentiert sich ausbalanciert zwischen den Genres Familienfilm, Abenteuer sowie Komödie und lässt die Kinder die Helden sein. Lediglich der hektische Schnitt und manche Teile der Besetzung trüben das Seherlebnis ein wenig.


 BLEED FOR THIS | Regie: Ben Younger | USA 2016

Der aus dem US-Bundesstaat Rhode Island stammende, italienische Boxer Vinny Pazienza (Miles Teller) hat sich aufgrund seines aggressiven Kampfstils den Namen „The Pazmanian Devil“ erarbeitet. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere kommt er bei einem Autounfall zwar knapp mit dem Leben davon, bricht sich aber das Genick. Die niederschmetternde Prognose: Er wird vielleicht nie wieder laufen können. Doch Vinny schließt sich mit dem Trainer Kevin Rooney (Aaron Eckhart) zusammen und schafft das unmöglich Geglaubte – schon bald steht er nicht bloß wieder eigenständig auf beiden Beinen, sondern plant sogar seine Rückkehr in den Boxring. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg…

Ein Boxerdrama nach bekannten Mustern, in dem der Schmerz regiert – „Bleed for This“ punktet mit starken Darstellerleistungen und einer Entzauberung des typischen „Gib niemals auf!“-Gedanken. Doch bis zuletzt bleibt Ben Youngers Arbeit zu geradlinig, um auch nur irgendwie zu überraschen.


 THE FOUNDER | Regie: John Lee Hancock | USA 2016

Der Vertreter für Milchshake-Mixer Ray Kroc (Michael Keaton) hat Anfang der 1950er Jahre nur äußert mäßige Erfolge vorzuweisen. Trotzdem gibt der charismatische Vollblutverkäufer nicht auf und träumt den amerikanischen Traum. Als er zufällig von einem revolutionären Schnellrestaurant im kalifornischen San Bernardino hört, wittert er die Chance seines Lebens. Trotz anfänglichem Widerstand der Betreiber, der Brüder Mac (John Carroll Lynch) und Dick McDonald (Nick Offerman), gelingt es Ray durch Hartnäckigkeit und Raffinesse, die Franchise-Rechte zu erwerben. Doch bis daraus ein erfolgreiches Fast-Food-Imperium werden kann, muss Ray noch unzählige Hindernisse aus dem Weg räumen und unliebsame Entscheidungen treffen…

„The Founder“ ergründet den verrückten Erfolgsweg des Milliardenunternehmens McDonalds und konzentriert sich dabei ganz auf die ambivalente Figur des gerissenen Unternehmers Ray Kroc. Über den Fast-Food-Riesen erfährt man viel Spannendes, doch Regisseur John Lee Hancock kann sich nicht entscheiden, ob er seine Hauptfigur nun zum Helden, oder zum gerissenen Schurken machen will.


STILLE RESERVEN |  Regie: Valentin Hitz | AT/DE/CH 2016

Der Versicherungsagent Vincent Baumann (Clemens Schick), ein kalter Karrierist, Höriger eines gnadenlosen Systems, wird selber Opfer der Konzerne, die er vertritt. Von seiner knallharten Chefin Diana Dorn (Marion Mitterhammer) zum Handlager degradiert, strengt er sich verbissen an, zurückzukommen auf den Arbeitsmarkt, kämpft um den Aufstieg. Dabei erkennt er, dass es noch andere Werte gibt als Einkommen und Erfolg. Und er entscheidet sich gegen seine bisherige Weltanschauung, für einen anderen Menschen, für Lisa Sokulowa (Lena Lauzemis). Eine Zukunft haben die beiden nicht. Aber ein kleiner Triumph bleibt ihnen gegen die Übermacht des herrschenden Systems.
3 von 5

„Stille Reserven“ ist eine atmosphärische Dystopie, die trotz ihres abgehobenen Szenarios mit Realitätsnähe und Bodenständigkeit besticht. Der Cast spielt überragend, doch leider kommt Valentin Hitz‘ Film erst spät in Gang. Bis dahin muss sich der Zuschauer leider durch allzu viel Theorie kämpfen, wird aber dafür mit einem nachhallenden Finale belohnt.


QUEEN OF KATWE | Regie: Mira Nair | USA 2016

Für Phiona Mutesi und ihre Familie ist das Leben im verarmten Katwe in Kampala, Uganda, ein ständiger Kampf. Ihre Mutter Harriet ist fest entschlossen, für ihre Familie zu sorgen. Sie arbeitet unermüdlich und verkauft Gemüse auf dem Markt, um sicherzustellen, dass ihre Kinder zu essen und ein Dach über dem Kopf haben. Als Phiona auf Robert Katende trifft, der die Kinder des Dorfes im Schachspielen unterrichtet, wird sie in den Bann des Spiels gezogen. Schach erfordert ein hohes Maß an Konzentration, strategisches Denken und Risikobereitschaft, allesamt Fähigkeiten, die für das tägliche Leben unerlässlich sind. Phiona ist beeindruckt von der Intelligenz und dem Scharfsinn, die das Spiel verlangt, und es zeigt sich sofort, dass sie ein außergewöhnliches Talent hat…

„Queen of Katwe“ ist ein ruhiges Drama, das die gängigen Motive eines Sportler-Biopics nur vage variiert, dafür mit viel Authentizität und einer herausragenden Performance von Schauspieldebütantin Madina Nalwanga punkten kann.


THE BYE BYE MAN | Regie: Stacy Title | USA 2017

Als drei ahnungslose College-Freunde auf die schockierenden Ursprünge des sogenannten Bye Bye Man stoßen, erkennen sie, dass es nur einen einzigen Weg gibt, um seinem Fluch zu entgehen: „Denk ihn nicht! Sag ihn nicht!“ Denn sobald sich der Bye Bye Man im Kopf eingenistet hat, übernimmt er die Kontrolle und lässt einen die bösartigsten Dinge tun. Gibt es eine Möglichkeit, seiner Macht zu entkommen …? Wir fragen uns oft, was die Menschen tagtäglich zu grausamen Taten antreibt – aber was, wenn man sich gar nicht die Frage nach dem „was“, sondern nach dem „wer“ stellen muss? Was, wenn eine dunkle, unbarmherzige Macht hinter all dem Bösen und den Gräueltaten steckt?

So leidenschaftslos hat sich schon lange kein Horrorfilm mehr präsentiert. Gegen „The Bye Bye Man“ sieht selbst ein „Rings“ hochwertig aus. Holzschnittartige Figuren, schlechte Darsteller und hanebüchene Dialoge machen diesen Film zu einer Mutprobe für die Nerven.


CHIPS | Regie: Dax Shepard | USA 2017

Jon Baker (Dax Shepard) und Frank „Ponch“ Poncherello (Michael Peña) haben sich erfolgreich bei der California Highway Patrol (CHP) in Los Angeles beworben – aber aus ganz unterschiedlichen Gründen. Baker hat seine beste Zeit als Motorrad-Profi hinter sich und braucht einen frischen Start, um seine Ehe zu retten. Ein Platz bei der CHP könnte ihm wieder Respekt bei seiner Ehefrau einbringen. Poncherello ist ein arroganter Undercover-Agent des FBI – er untersucht einen Millionenraub, der möglicherweise von CHP-Beamten ausgeführt wurde. Der unerfahrene Neuling und der abgebrühte Profi sollen ein Team bilden, doch weil sie ständig aneinandergeraten, ist es mit ihrer Partnerschaft nicht weit her. Allerdings könnten Bakers Erfahrungen im Motorradsattel und Ponchs Herkunft aus den Problemvierteln eine unschlagbare Kombination ergeben – falls sich die beiden nicht vorher gegenseitig in den Wahnsinn treiben.


Heimkinotipp ELVIS & NIXON  |  Regie: Liza Johnson | USA 2016

Im Jahr 1970 erscheint der King of Rock‘n Roll unangekündigt vor dem Weißen Haus und möchte den mächtigsten Mann der Welt treffen: US-Präsident Richard Nixon (Kevin Spacey). Elvis (Michael Shannon) hat dabei ein dringendes Anliegen: Er möchte undercover als Federal Agent für sein Land arbeiten. Seine Martial Arts-Kenntnisse, seine Schauspielerfahrung sowie sein Geschick im Verkleiden und nicht zuletzt seine stattliche Waffensammlung sollen dabei helfen, den Kommunismus zu Fall zu bringen. Nixon hat zunächst keine große Lust, den berühmten Entertainer kennen zu lernen, aber im Tausch gegen ein Autogramm für seine Tochter lässt er sich doch überreden. Und erstaunlicherweise finden die beiden unterschiedlichen Männer überraschende Gemeinsamkeiten…
4 von 5

Auch wenn „Elvis & Nixon“ im Großen und Ganzen recht oberflächlich bleibt und sich in der ersten Hälfte ein wenig zieht, macht das süffisante Aufeinandertreffen zwischen dem legendären Musiker und dem einflussreichen Politiker eine Menge Laune, was in erster Linie den schnittig geschriebenen Dialogen und der Spielfreude sämtlicher Darsteller zu verdanken ist.

Ein Kommentar

  • Habe mir gleich das französische Doppel-Programm geleistet. Während EIN DORF SIEHT SCHWARZ durchaus Charme und Witz hatte, empfand ich ALLES UNTER KONTROLLE als plump und unlustig. Aus dieser Prämisse hätte man viel (VIEL!) mehr und besseres machen können bzw. müssen, als platten Slapstick.

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