Schlagwort-Archiv: Sportfilm

Das startet am 20. September 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 20. September, an dem alle Augen auf Til Schweigers (natürlich vorab nicht der Presse gezeigter) Komödie „Klassentreffen“ liegen. Erste Stimmen lassen nichts Gutes erahnen. Mehr zum Film verraten wir an dieser Stelle am Donnerstag. Als Alternativprogramm gibt es mit „Searching“ einen richtig starken Thriller zu sehen, der ausschließlich auf Fernseh- und Computerbildschirmen spielt. Und auch der spanische Oscar-Kandidat „Wir sind Champions“ geht auf Zuschauerfang.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SEARCHING | Regie: Aneesh Shaganty | USA 2018

Nachdem die 16-jährige Tochter von David Kim (John Cho) spurlos verschwindet, wird eine örtliche Untersuchung eingeleitet und Kriminalkommissarin Rosemary Vick (Debra Messing) dem Fall zugeteilt. Als es 37 Stunden später immer noch kein Lebenszeichen von Margot (Michelle La) gibt, beschließt David, am einzigen Ort zu suchen, an dem bisher noch keiner nachgesehen hat – dort, wo heutzutage alle Geheimnisse aufbewahrt werden: Er durchsucht den Laptop seiner Tochter und klickt sich einmal durch die gesamten sozialen Netzwerke, die Margot vor ihrem Verschwinden aufgesucht hat. Dabei lernt er nicht bloß den Freundeskreis seiner Tochter kennen, sondern auch, dass er Margot weitaus weniger gut kannte, als er immer angenommen hat. Wird er seine Tochter rechtzeitig und vor allem lebend wiedersehen?

Auch wenn das visuelle Konzept einer sich ausschließlich auf Computer- und Fernsehscreens abspielenden Suche nach einem vermissten Mädchen in „Searching“ klar im Vordergrund steht, ist der Film obendrein auch noch ein richtig spannender und abwechslungsreicher Thriller mit angenehm unverbrauchten Gesichtern.


DAS HAUS DER GEHEIMNISVOLLEN UHREN | Regie: Eli Roth | USA 2018

Es ist das Jahr 1955: Lewis ist kürzlich verwaist und reist daher nach Michigan. Dort erwartet ihn sein lebensfroher, exzentrischer Onkel Jonathan, der ihn aber liebend gern bei sich aufnehmen würde. Jonathan lebt in einem gotischen Anwesen voller Eigenheiten: Vor dem Eingang stehen Halloween-Kürbisse, obwohl es gar nicht Ende Oktober ist, im Haus hängen Dutzende, ach, Hunderte von tickenden Uhren an den Wänden und es gibt, Schreck lass nach, keinen Fernseher! Dafür hängt Nachbarin Florence Zimmerman tagein, tagaus im Anwesen herum, eine hoch geschlossene, streng dreinblickende Frau mit trockenem, schlagfertigen Humor und großer Sympathie für Lewis, der sich zunächst nur sehr schlecht in sein neues Zuhause einlebt. Aber dann verrät ihm Onkel Jonathan, dass er ein Hexenmeister sei und dass wirklich jeder, wenn er nur genug lernt, ebenfalls einer sein kann… 

Wem der „Gänsehaut“-Film mit Jack Black zu sehr augenzwinkernde Hommage war, oder Tim Burtons „Die Insel der geheimnisvollen Kinder“ zu viel erzählerischen Leerlauf bot, ist hier genau richtig: Eli Roth präsentiert mit „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ Einsteigergrusel in Form schräg-grimmer Familienunterhaltung.


WACKERSDORF | Regie: Oliver Haffner | DE 2018

Die Oberpfalz in den Achtzigerjahren: In der kleinen Gemeinde Wackersdorf geht alles seinen gewohnten Gang, bis die bayerische Staatsregierung die Pläne für eine Wiederaufbereitungsanlage für Kernbrennstoffe aufnimmt. Damit die Bürger diesen einschneidenden Schritt fraglos über sich ergehen lassen, versuchen die Verantwortlichen Landrat Hans Schuierer auf ihre Seite zu ziehen und schmieren ihm deshalb ordentlich Honig ums Maul. Doch unter den Bürgern regen sich erste Widerstände, die auch an Schuirer nicht spurlos vorbeigehen. Sogar innerhalb seiner eigenen Familie kommen Fragen dazu auf, ob die Politiker ihnen grundsätzliche Risiken nicht einfach verschweigen. Schließlich gelingt es, gezielt Zweifel am WAA-Vorhaben zu streuen, bis auch Schuirer schließlich Widersprüche in den Versprechen seiner Vorgesetzten entdeckt… 

Regisseur Oliver Haffner ist mit „Wackersdorf“ ein Film gelungen, der gleichermaßen authentisch wie angenehm unemotional schildert, wie sich ein Dorf gemeinsam gegen eine Bedrohung stellen konnte, von der es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht mal wusste, wie groß diese später einmal werden würde.


WIR SIND CHAMPIONS | Regie: Javier Fesser | ESP 2018

Irgendwie läuft es momentan bei Marco (Javier Gutiérrez) nicht rund. Als Co-Trainer einer spanischen Basketballmannschaft heimst nur der Trainer das Lob und die Anerkennung ein und auch privat könnte es nicht schlechter laufen: Seine Ehe steht kurz vor dem Aus. Frustriert über sein Leben, und dass immer nur die anderen Gewinner sind, kommt es auf dem Spielfeld zum Eklat. Er beschimpft das Team, wird vom Feld geschmissen, betrinkt sich und baut einen Autounfall, was ihm prompt einen Gerichtsprozess beschert. Doch das Urteil ist so gar nicht nach seinem Geschmack. Er soll in seiner Freizeit gemeinnützig eine ganz besondere Basketballmannschaft trainieren: Ein Team, bestehend aus Menschen mit geistiger Behinderung. Und was er mit ihnen erlebt schüttelt sein Weltbild ordentlich durcheinander…

Der Überraschungshit aus Spanien kommt nach Deutschland! Vieles deutet daraufhin, dass der Oscar-Kandidat ein richtig feines Statement für die Berücksichtigung behinderter Menschen im Mainstream-Film setzen könnte. Inszenatorisch tut er das auch. Doch das unausgegorene Skript zieht der süßen Geschichte mit zweifelhaften Einzelszenen immer wieder die symbolischen Beine weg.


UNCLE DREW | Regie: Charles Stone III | USA 2018

Dax (Lil Rel Howery), klein, untersetzt und stark kurzsichtig, hat seine Ersparnisse bis zum letzten Dollar aufgebraucht, um eine Mannschaft beim Rucker Classic Streetball Wettbewerb in Harlem zu melden. Leider muss er einige Rückschläge einstecken, besonders hart für ihn: er verliert sein Team an seinen langjährigen Rivalen (Nick Kroll). Dax ist am Boden zerstört. Er muss das Turnier und das Preisgeld gewinnen! Zufällig trifft er auf den Mann, den Mythos die Legende: Uncle Drew (NBA All-Star Kyrie Irving). Dax überzeugt ihn, noch einmal auf das Spielfeld zurückzukehren. Die beiden Männer brechen zu einem Roadtrip auf, um Drews altes Basketballteam (Shaquille O’Neal, Chris Webber, Reggie Miller, Nate Robinson und Lisa Leslie) zusammenzutrommeln und zu beweisen, dass einer Gruppe Senioren immer noch der ganz große Wurf gelingen kann.

Der US-Überraschungserfolg „Uncle Drew“ kann mit einigen spektakulären Basketball-Szenen punkten. Doch abgesehen davon sind das anstrengende Overacting der Darsteller und die erschreckend langweilige Story auf unterschiedliche Weise nur schwer erträglich. Die für deutsche Verhältnisse ungewohnt miese Synchro gibt dem Film den Rest.


UTØYA 22. JULI | Regie: Erik Poppe | NOR 2017

Die 18-jährige Kaja (Andrea Berntzen) verbringt mit ihrer jüngeren Schwester Emilie ein paar ausgelassene Ferientage in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya. Es gibt Streit zwischen den Schwestern und Kaja geht alleine zu dem geplanten Barbecue. Angeregt diskutieren die Jugendlichen über aktuelle politische Entwicklungen, als plötzlich von der Ferne Schüsse fallen. Erschrocken suchen Kaja und die anderen Jugndlichen Schutz im Wald. Rasend kreisen ihre Gedanken. Was passiert um sie herum? Wer sollte auf sie schießen? Kein Versteck scheint sicher. Doch die Hoffnung auf Rettung bleibt. Und Kaja setzt alles daran, Emilie zu finden. Während die Schüsse nicht verstummen wollen und sich langsam herausstellt: Die Jugendlichen sind ins Visier eines wahnsinnigen Terroristen geraten. 

So intensiv sich „Utøya 22. Juli“ aus handwerklicher Sicht auch präsentiert, ist die Nachstellung des Terrorattentats auf der norwegischen Insel ein pietätloses Machwerk, das Erik Poppe mit nobler Intention begonnen haben mag, diese aber irgendwann verloren haben muss.

KLASSENTREFFEN 1.0 – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER SILBERRÜCKEN | Regie: Til Schweiger | DE 2018

Für die Freunde Nils, Andreas und Thomas steht das 30-jährige Klassentreffen bevor. Und der Zeitpunkt könnte nicht schlechter für sie sein. Denn der frustrierte Redakteur Nils hat Hämorrhoiden und leidet unter Alterssichtigkeit, weshalb er zu einem stets jammernden Knurrhahn von einem Mann geworden ist. Andreas hingegen ist geschieden und hat kürzlich erfahren, dass seine Ex ihren früheren Paartherapeuten vögelt. Und DJ Thomas, der große Frauenheld, hat seiner Neuen versprochen, monogam zu werden. Um wieder Lust und Laune am Leben zu verspüren, machen die Drei eine muntere Reise zum großen Klassentreffen, auf der sie es nochmal so richtig krachen lassen wollen. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Lili, die Tochter von Thomas‘ Freundin, hat sich als Aufpasserin mit auf die Gästeliste gesetzt. Also geht es als Quartett auf Reise… 

Ein desaströser Schnitt und eine penetrante Musikspur erdrosseln die paar stimmigen Szenen, die diese anstrengende Komödie zu bieten hat, bis nur noch ein unlustiger Einheitsbrei über bleibt. Aber kinematografisch ist „Klassentreffen 1.0“ immerhin auf dem gewohnten, hübschen Schweiger-Niveau.

Uncle Drew

In der Basketball-Komödie UNCLE DREW schlüpfen angesagte NBA-Stars in die Rollen von ehemaligen Athleten und zeigen ihren jungen Konkurrenten, wie es richtig geht. Das Problem: Abgesehen vom vollständig auf den US-Markt zugeschnittenen Thema ist die alberne Comedy einfach überhaupt nicht witzig. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

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Das startet am 12. April 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 12. April, an dem das deutsche Kino triumphiert. Mit „3 Tage in Quiberon“ kommt der Favorit des Filmpreises in die Kinos, „Steig. Nicht. Aus!“ dagegen beweist mal wieder, wie routiniert auch deutsche Filmemacher Genrekino inszenieren können. Große Aufmerksamkeit wird auch „A Queit Place“ geschenkt – zu Unrecht, denn das starke Konzept funktioniert nicht über eine Spielfilm-Lauflänge. Über die Komödie „Der Sex Pakt“ und den Glücksspielthriller „Spielmacher“ dürfen wir indes noch kein Wort verlieren. Die Reviews dazu folgen in den kommenden Tagen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

3 TAGE IN QUIBERON  | Regie:  Emily Atef | DE/AT/FR 2018

1981 verbringt der Weltstar Romy Schneider (Marie Bäumer) drei Tage mit ihrer besten Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) in dem kleinen bretonischen Kurort Quiberon, um sich dort vor ihrem nächsten Filmprojekt ein wenig Ruhe zu gönnen. Trotz ihrer negativen Erfahrungen mit der deutschen Presse willigt die zurückhaltende Schauspielerin in ein Interview mit dem STERN-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) ein, zu dem der von Romy Schneider geschätzte Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner) die dazugehörige Fotostrecke liefert. Aus dem geplanten Termin entwickelt sich ein drei Tage andauerndes Katz- und Mausspiel zwischen dem Journalisten und der Ausnahmekünstlerin, das auch Robert Lebeck und Romys Freundin Hilde an ihre Grenzen bringt…

Als Film über die weltberühmte Romy Schneider ist „3 Tage in Quiberon“ gut, da er die Schauspielerin nicht entmystifiziert. Als Film über die Mechanismen der (Klatsch-)Presse ist er dagegen noch besser – eben weil er sie entmystifiziert.


STEIG. NICHT. AUS!  | Regie: Christian Alvart | DE 2018

Auf dem Weg zur Arbeit bringt der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) noch schnell seine Kinder Josefine und Marius  zur Schule. Doch bereits kurz nachdem er das Auto startet, erhält er einen Anruf: Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung droht damit, eine Bombe, die unter dem Sitz versteckt ist, in die Luft zu sprengen, sollten Karl oder die Kinder versuchen auszusteigen! Vom Auto aus soll Karl in kürzester Zeit eine große Summe Geld beschaffen. Als seine Ehefrau Simone ihn verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt auch die Polizei die Verfolgung von Karl auf und schaltet Sprengstoffexpertin Pia Zach ein. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit: Der Bombe ausgeliefert und von der Polizei verfolgt, versucht Karl Brendt verzweifelt, seine Kinder und sich zu retten. 

„Steig. Nicht. Aus!“ ist ein intensives Thriller-Kammerspiel über einen Mann, dessen Leben von einer funktionierenden Telefonleitung abhängt. Das reduzierte Setting und die simple Grundidee sorgen für Hochspannung, die Action ist stark inszeniert. Lediglich zum Ende hin geht dem Film ein wenig die Puste aus.


DER SEX PAKT | Regie: Kay Cannon | USA 2018

Das „erste Mal“ am Tag des Abschlussballs – die drei besten Freundinnen Julie (Kathryn Newton), Kayla (Geraldine Viswanathan) und Sam (Gideon Adlon) schließen einen Pakt, denn sie können „es“ nicht mehr erwarten. Ihre Dates wissen noch nichts von ihrem Glück, genauso wenig wie ihre Eltern. Und so soll es auch bleiben. Doch leider haben sie die Rechnung ohne ihre überfürsorglichen Erziehungsberechtigten (Leslie Mann, John Cena und Ike Barinholtz) gemacht, die sich so schon immer ganz besondere Soren um ihre Sprösslinge machen. Die bekommen nämlich zufällig Wind davon und starten umgehend eine unbeholfene, überaus chaotische und absolut bizarre Nacht-und-Nebel-Aktion, um den Plan ihrer Kinder zu vereiteln. 

Zwischen derben Gags unterhalb der Gürtellinie und im Nichts verpuffenden Pointen verbirgt sich in „Der Sex Pakt“ eine durchaus charmante Geschichte über sich annähernde Eltern und ihre Kinder. Am meisten überzeugt allerdings die Interaktion der Darsteller, die sichtlich Spaß an der Sache hatten.


SPIELMACHER  | Regie: Timon Modersohn | DE 2018

Der vorbestrafte Ex-Fußballer Ivo (Frederick Lau) lernt den hoch talentierten Nachwuchsspieler Lukas kennen. Ivo unterstützt den Jungen bei dessen Traum von der Profi-Karriere – auch um den Schmerz seines eigenen geplatzten Traums zu lindern, denn ihm hätte eine große Karriere bevorgestanden, wäre er nicht auf die schiefe Bahn geraten. Als sich Ivo in Lukas’ Mutter Vera verliebt, scheint sich ihm tatsächlich ein neues Leben zu eröffnen. Doch seine kriminelle Vergangenheit holt ihn ein: Der charismatische Dejan (Oliver Masucci) wird auf Ivo aufmerksam und verwickelt ihn immer weiter in illegale Machenschaften abseits des Fußballsports, als er seine Empfänglichkeit für Sportwetten erkennt. Zu spät merkt Ivo, dass auch Lukas längst Teil von Dejans Plänen ist. Um den Jungen vor dem gleichen Schicksal wie dem eigenen zu bewahren, setzt Ivo alles auf eine Karte. 

In Timon Modersohns Regiedebüt „Spielmacher“ folgt auf jedes Pro ein Contra – das macht den stylischen Glücksspiel-Thriller mit Frederick Lau in einer starken Hauptrolle zu einem zwar interessanten, aber nie so ganz runden Kinoerlebnis.


A QUIET PLACE | Regie: John Krasinski | USA 2018

Die Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war. Menschen gibt es kaum noch. Und die wenigen Überlebenden sind zu ewigem Schweigen verpflichtet. So auch die ganze Familie von Lee, der mit seiner schwangeren Ehefrau Evelyn und seinen beiden Kindern Marcus und Regan in einem großen Farmhaus inmitten von Maisfeldern lebt. Hier kämpfen die vier mit jedem Atemzug erneut ums Überleben, denn sobald sie auch nur einen Laut von sich geben, schweben sie in größter Gefahr. Riesige Monster machen Jagd auf alles, was Geräusche von sich gibt und haben einen Großteil der Menschheit bereits vernichtet. Die Familie hat sich in ihrem Zuhause so gut wie möglich mit der Situation arrangiert und vermeidet konsequent jeden Ton. Doch über 400 Tage nach der Invasion der Monster steht die Geburt von Evelyns Baby kurz bevor… 

Das Grundkonzept von „A Quiet Place“ könnte einem Kurzfilm zu absolutem Kultstatus verhelfen – es ist gleichermaßen simpel wie genial. Ausgedehnt auf 90 Minuten ist John Krasinskis Creature-Feature allerdings nur eines von vielen.


DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN | Regie: Oded BinnunMihal Brezis | USA 2018

Der alternde Griesgram Rory MacNeil (Brian Cox) hat sein ganzes Leben auf der abgelegenen schottischen Insel Vallasay zugebracht. Hier geht er seiner Alltagsroutine nach, liefert sich Fehden mit einem alten Erzfeind und wähnt sich glücklicher, als sein Sohn, der mittlerweile in die Großstadt gezogen ist. Durch seinen Gesundheitszustand ist er gezwungen, seine geliebte Insel zu verlassen und seinen ebendiesen Sohn in San Francisco zu besuchen. Über die Jahre hat sich Rory von seinem Ian (JJ Feild) entfremdet und es fällt ihm schwer, einen Zugang zu ihm zu finden. Ganz im Gegenteil zu seinem kleinen Enkelsohn, den er schnell in sein Herz schließt. Und so entdeckt der Querkopf neue Seiten an sich und anderen, und erkennt, dass ein Lächeln selbst den Tod überdauert, wenn man wirklich gelebt hat. 

„Das etruskische Lächeln“ zeigt nichts, was man in anderen Filmen über Generationskonflikte nicht schon besser gesehen hätte und packt noch eine ordentliche Portion Klischees obendrauf. Immerhin die Nebendarsteller und einige intime Momente überzeugen.

PAPA MOLL UND DIE ENTFÜHRUNG DES FLIEGENDEN HUNDES  | Regie: Manuel Flurin Hendry | CH 2017

Ein Wochenende allein zuhause mit den Kindern – und schon bricht bei Papa Moll (Stefan Kurt) das Chaos aus. Das beginnt eines frühen Morgens, als plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und der kleine Fritz den Wachtmeister Grimm (Erich Vock) mit einem Gummipfeil beschießt. Und dann wird Papa Moll auch noch zu Überstunden verdonnert. Während Papa Moll also das Wochenende in der Schokoladenfabrik des berühmten Gründers Konrad Weich (Pierre Siegenthaler) verbringen muss, entbrennt zwischen seinen Kindern Evi (Luna Palano), Fritz (Maxwell Mare) und Willy (Yven Hess) sowie dem Nachwuchs seines Chefs Stuss ein gnadenloser Kampf: um Zuckerwatte, Schokolade, Strafaufgaben und den berühmtesten Zirkushund der Welt – Katovl Houdini. 

„Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ wirkt wie aus der Zeit gefallen. Damit meinen wir allerdings nicht das positive „zeitlos“, sondern eher das negative „altbacken“. Einen biedereren Kinder- und Familienfilm wird man in diesem Jahr kaum sehen.


LAYLA M. | Regie: Mijke de Jong | NED/BEL/DE 2017

Layla ist ein 18-jähriges Mädchen, geboren und aufgewachsen in Amsterdam. Sie ist klug, launisch, dickköpfig und von marokkanischer Herkunft. In Zeiten ständiger terroristischer Bedrohung, hat sie mit dem steigenden Argwohn gegenüber Frauen mit Kopftuch und bärtigen Männern zu kämpfen, den sie tagtäglich miterleben muss. Doch die anwachsende Frustration, stärkt ihren Glauben. Im Zuge dessen tritt sie einer muslimischen Gruppe bei, die für die islamische Freiheit kämpft. Layla veröffentlicht Filme im Internet und erstellt politische Flyer, die den syrischen Horror und die Grausamkeiten in Gaza zeigen – und gleichzeitig flirtet sie mit dem charismatischen Abdel. Als ihr friedvoller Bruder und sie von der Polizei verhaftet werden, bleibt der gefühlsverletzten und in Angst verlorenen Layla keine andere Möglichkeit den Konflikten mit ihren Eltern zu entfliehen, als von Zuhause wegzulaufen…


 Heimkinotipp: A GHOST STORY  | Regie: David Lowery | USA 2017

Es geschieht ganz plötzlich und unerwartet: C kommt bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Doch kurz darauf kehrt sein Geist zurück. Der Illusion verschrieben, seiner Frau M bei ihrem Verlust beizustehen, muss er feststellen, dass er in einer neuen Gestalt, losgelöst von jeglicher Zeit, existiert. Als passiver Beobachter ist er gezwungen, schmerzlich dabei zuzusehen, wie ihm das Leben, das er kannte, entgleitet und die Frau, die er liebte, in eine neue Zukunft entschwindet. Unfähig seine Situation zu akzeptieren, vergehen Tage, Wochen und sogar Jahre, bis C verzweifelt erkennt, dass er womöglich für immer an dieses Dasein gefesselt sein wird. Während sich die Welt um ihn drastisch verändert, verblassen Stück für Stück die Konturen seiner eigenen Existenz.  

„A Ghost Story“ fühlt sich so an, als hätte sich Kinopoet Terrence Malick an der Inszenierung eines Horrorfilms versucht. Herausgekommen ist eine melancholische Trauerstudie in hypnotischen Bildern, die vor allem eines ist: aufregend!

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