Hacksaw Ridge – Die Entscheidung

Mit dem Kriegsdrama HACKSAW RIDGE – DIE ENTSCHEIDUNG meldet sich Mel Gibson als Regisseur zurück auf der großen Leinwand. Leider ist es der widerliche religiöse Pathos, der seinem ansonsten so kompromisslosen Film das Genick bricht. Mehr dazu in meiner Kritik.Hacksaw Ridge

Der Plot

Der Zweite Weltkrieg im Frühling 1945: Während des Kampfes um die japanische Insel Okinawa sticht ein einziger Mann aus der Masse der US-Soldaten heraus. Der Kriegsdienstverweigerer Desmond Doss (Andrew Garfield) riskiert alles und kämpft unbewaffnet bis zur völligen Erschöpfung für das Leben seiner verwundeten Kameraden. Was später als Heldentat belohnt werden soll, beschert Desmond Doss zunächst großes Misstrauen und Verachtung in den eigenen Reihen. Dennoch setzt er sich unerschrocken für seine Prinzipien ein und rettet in der entscheidenden Schlacht unzähligen Männern das Leben.

Kritik

Wenn sich Mel Gibson nach zehn Jahre Rückzug aus dem Regie-Business mit einem neuen Werk zurückmeldet, dann kann das nicht ohne viel Getöse vonstatten gehen. Und da der mittlerweile 61-jährige New Yorker seither vor allem mit weniger anspruchsvollen Filmen respektive Skandalen für Schlagzeilen gesorgt hat, ist diese Rückbesinnung auf die kreativen Wurzeln umso entscheidender, um als Wegweiser für die kommenden Karrierejahre zu fungieren. Tatsächlich ist „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ ein hoch gehandelter Kandidat in der diesjährigen Award-Season. Bei der Golden-Globe-Verleihung ging das auf wahren Ereignissen beruhende Kriegsdrama zwar leer aus, nominiert war er immerhin in drei Kategorien; darüber hinaus gewann er in seinem Koproduktionsland Australien neun AACTA-Awards (Australian Adacemy of Cinema and Television Arts Awards) und wurde gar für vier weitere nominiert. Doch während es bei einem „Hell or High Water“ noch positiv überrascht, dass ein eher untypischer Vertreter in der diesjährigen Filmpreissaison mitmischen darf, herrscht bei „Hacksaw Ridge“ das genau gegenteilige Gefühl vor. Geschichtsträchtige Geschichte hin oder her: Abgesehen von der inhaltlichen Relevanz setzt sich Mel Gibson mit seiner nunmehr siebten Regiearbeit mit Anlauf zwischen die Stühle. Seine visuell durchaus imposant aufbereitete Mischung aus Kriegs-Splatter (!) und zuckrigem Charakterdrama definiert sich über Effekthascherei und blinde Heroisierung, die auf der mit allerlei Symbolen gespickten Zielgeraden bis ins Unerträgliche ausgereizt wird.

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Desmond Doss (Andrew Garfield) verliebt sich auf den ersten Blick in die schöne Dorothy (Teresa Palmer).

Als Angelina Jolie vor zwei Jahren ihr ziemlich missratenes Drama „Unbroken“ veröffentlichte, waren sich die Kritiker ziemlich einig darin, die Brad-Pitt-Ex für exakt das abzustrafen, wofür Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“ nun gefeiert wird. Aus einer echten Heldengeschichte kreierte Jolie damals ein billiges Rührstück mit einer Vielzahl von Bibelparabeln – so wurde aus „Unbroken“ am Ende eine ziemlich kitschige und nur allzu konstruierte Lobpreisung, die sichtbar darauf ausgelegt war, möglichst viele Filmpreise einzusacken. Ganz so rührselig gerät „Hacksaw Ridge“ zwar nie; immerhin sorgt Mel Gibson mit seiner ausgeprägten Ader für brachiale Actioninszenierungen dafür, dass sein Kriegsdrama auf der anderen Seite auch noch deutlich herbere Töne anschlägt. Doch wo man zu Beginn vielleicht noch eine ehrenwerte Provokation zu entdecken vermag, weicht dieser Eindruck sukzessive jenem, dass Gibson zwei verschiedene Extreme ohne Fingerspitzengefühl zu vereinen versucht. Da ist auf der einen Seite das rührselige Porträt des bibeltreuen Desmond Doss, der einst in den Krieg zog, ohne zuvor auch nur eine einzige Waffe angerührt zu haben. Auf der anderen Seite zelebriert Gibson eine an die Eröffnungsminuten aus „Der Soldat James Ryan“ erinnernde Gewalt auf den Schlachtfeldern des Krieges, die einen in ihrer Effekthascherei tatsächlich darüber nachdenken lässt, weshalb beim Dreh auf 3D verzichtet wurde – immerhin wussten schon die „Saw“-Macher um die Effektivität von in Richtung Publikum fliegenden Gedärmen.

Natürlich sind die Intentionen dieser beiden Filme vollkommen verschieden. Während die „Saw“-Reihe auf derart abgehobene Gewaltspektakel zurückgreift, dass das sich daran Ergötzen zu einer perversen Freude wird, will Mel Gibson mit den Bildern in „Hacksaw Ridge“ gezielt abschrecken. Doch auch, wenn der Regisseur und Schauspieler alles Mögliche unternimmt, um mithilfe von beeindruckendem Wunden-Make-Up, brutal echt aussehenden Effekten und einem beißenden Sounddesign die Widerwärtigkeit des Krieges zu demonstrieren, geraten die Szenen um von Kugeln durchschlagenen Menschenkörpern, explodierenden Köpfen und halb-abgerissenen Gliedmaßen zu cartoonesk, um den beabsichtigten Schrecken zu erzeugen. „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ lässt immer mal wieder durchscheinen, dass hinter der Produktion ein Plädoyer gegen den Krieg und die parteilose Aussage darüber steckt, dass aus einem solchen niemals echte Sieger hervorgehen können. Letztlich sind die hier präsentierten Bilder (Kamera: Simon Duggan, „Der große Gatsby“) jedoch nie dreckig genug und zu abgehoben, um genau das auch auf visueller Ebene zu unterstreichen. Schlimmer noch: Wer um den realen Hintergrund Desmond Doss‘ nicht weiß, dem bietet die hier präsentierte Inszenierung die Gelegenheit dazu, an den Geschehnissen in „Hacksaw Ridge“ eine ähnliche Freude zu entwickeln, wie an gezielt darauf ausgelegten Ego-Shootern. So ist es ganz gleich, wie sich Mel Gibson später noch der Hauptfigur annehmen wird, rein inszenatorisch erweckt Gibsons Comeback-Film eher den Eindruck eines Splatter-, denn eines (Anti-)Kriegsfilms.

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Die schier übermenschlichen Taten von Desmond Doss verdienen gewiss einen Film. Doch verdienen sie diesen?

Während sich die eine Hälfte von „Hacksaw Ridge“ auf dem Schlachtfeld abspielt, befasst sich die andere mit der Lebensgeschichte von Desmond Doss, seiner Entwicklung zum strengen Pazifisten, der Liebe zu seiner späteren Frau Dorothy sowie der Zeit bei der Army. Getaucht in eine sonnendurchtränkte Hochglanz-Optik, wie man sie normalerweise eher aus Nicholas-Sparks-, oder Lasse-Hallström-Filmen kennt, steht die fast schon zu zuckersüße Romanze zwischen Desmond und seiner Dorothy im krassen Kontrast zur brachialen Kriegsaction. An sich eine gute Idee, um die emotionale Fallhöhe noch stärker zu betonen. Doch die Vereinigung beider Erzählebenen gerät in „Hacksaw Ridge“ holprig. Das Skript von Robert Schenkkan („Der stille Amerikaner“) und Andrew Knight („Das Versprechen eines Lebens“) verzichtet fast in Gänze darauf, den Figuren und Ereignissen bodenständige Züge abzugewinnen. Alles was hier passiert, definiert sich über große Gesten und ausladende Erklärungen. Nicht einmal ein Gespräch zwischen Desmond und Dorothy kann ganz normal vonstatten gehen – sowohl Teresa Palmer („Lights Out“) als auch Andrew Garfield („The Amazing Spider-Man“) agieren mit einem weltfremden Dauergrinsen, das sich erst im weiteren Verlauf mit einer starren Miene aus Furcht und Angst abwechselt. In „Hacksaw Ridge“ präsentiert Mel Gibson konsequent von allem zu viel, denn auch auf die Zuschauer scheint der Regisseur nicht bauen zu wollen. Anders ließe es sich nicht erklären, weshalb er uns nicht bloß die vorherrschende Gewalt mit dem Vorschlaghammer einzutrichtern versucht, sondern auch die Emotionen seiner Hauptfiguren. Das Publikum versteht auch ohne dieses Tohuwabohu, was für eine Leistung Desmond Doss einst vollbrachte…

Fazit: Mel Gibsons Intention hinter „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ ist eine ehrenwerte – die übermenschlichen Leistungen eines Desmond Doss verdienen gewiss einen Film. Doch dieser hier ist es sicher nicht. Gibsons kruder Mix aus Kriegs-Splatter und Kitsch-Romanze geht angesichts des provozierten Emotionen-Overkills und der befremdlichen Message vollkommen baden.

„Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ ist ab dem 26. Januar in den deutschen Kinos zu sehen.

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