Maria Mafiosi

Auf den Spuren der Eberhofer-Krimis bewegt sich die mit viel bayerischem Lokalkolorit vollgepackte Crime-Komödie MARIA MAFIOSI, deren Erfolg jedoch weitaus übersichtlicher ausfallen dürfte, als jener der Filme von Ed Herzog. Warum, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Es scheint ‚alles paletti‘ zu sein, im so ausgelassenen Leben der hochschwangeren Polizistin Maria Moosandl (Lisa Maria Potthoff) aus Landsberg am Lech. Der Job macht ihr Spaß und sie freut sich auf die Zukunft, mit dem vor den Angehörigen noch geheim gehaltenen Vater, Rocco Pacelli (Serkan Kaya). Der junge Italiener ist Sohn des Pizzeria-Besitzers und – wie sich herausstellt – Kleinstadt-Paten Silvio (Tommaso Ragno). Rocco will seinen Eltern jetzt endlich die gute Nachricht von dem Nachwuchs und seiner Hochzeit überbringen. Doch so einfach wie er sich das vorstellt, geht das nicht. Zur leidigen Überraschung des jungen Glücks sorgt Roccos Familie ausgerechnet jetzt für gewaltige Unruhe und durchkreuzt mit Papa Silvio die Hochzeitspläne durch seine eigenwilligen italienischen Geschäftsstrategien: Rocco ist angeblich einer Italienerin versprochen! Maria findet sich in einem Chaos aus Gefühlen und Gefahren wieder, sie weiß nicht mehr, wem sie was glauben soll. Ein schockierender Leichenfund schreckt das idyllische Städtchen und seine Bürger auf. Die Polizeikollegen und Maria ermitteln in verschiedene Richtungen – aber Maria scheint schließlich alleine die heiße Spur zu finden.

Kritik

Die Eberhofer-Krimis, von denen mit „Grießnockeraffäre“ in diesem Jahr bereits der vierte in die (vornehmlich bayerischen) Kinos kommt, sind in Süddeutschland ein solch großer Hit, dass jeder von ihnen hochgerechnet auf die gesamte Bundesrepublik zwischen dreieinhalb und vier Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser gelockt hätte. Doch die Geschichten rund um den raubeinigen Polizeikommissar Eberhofer erschließen sich wohl vornehmlich denjenigen, die mit dem Lokalkolorit des Weißwurstäquators aufgewachsen sind;  viele der Gags wirken auf Außenstehende eben einfach nicht lustig und bekräftigen allenfalls Vorurteile gegenüber der bayerischen Gesellschaft. Dennoch bleiben die Bücher und Filme ein Hit – vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen sogar eine richtig sichere Bank, weshalb es nur eine Frage der Zeit war, bis sich erste Trittbrettfahrer am identischen Erfolgsprinzip „bayerische Lebens- und Mundart trifft auf weitgehend harmlose Kriminalfälle“ versuchen würden. So oder so ähnlich geschieht das zwar ohnehin schon laufend im öffentlich rechtlichen Fernsehen, mit „Maria Mafiosi“ schafft es nun allerdings auch wieder ein Film solchen Musters auf die große Leinwand. Und ganz gleich, wie viel man mit dem relativ simpel gestrickten Konzept anfangen kann, eines sieht man auch als derartigem Filmstoff abgeneigter Zuschauer sofort: „Maria Mafiosi“ ist lediglich die (weibliche) Kopie eines in gewissen Kreisen zum Kult aufgestiegenen Originals.

Im Dorf weiß noch Niemand darüber Bescheid, dass Maria (Lisa Maria Potthoff) und Rocco Pacelli (Serkan Kaya) verlobt sind.

Hauptdarstellerin Lisa Maria Potthoff ist mit dem Metier der bayerischen Kriminalkomödie bestens vertraut, spielt sie doch in den Eberhofer-Krimis auch die On-Off-Freundin des männlichen Hauptakteurs Sebastian Bezzel. In „Maria Mafiosi“ steht sie jetzt im Mittelpunkt – als hochschwangere Polizistin kurz vorm Mutterschaftsurlaub. Bereits in der Figur der Maria Moosandl vereinen sich beide Erzählebenen des Films, denn in der von Jule Ronstedt inszenierten und (mit Unterbrechungen) innerhalb von sechs Jahren (!) geschriebenen Geschichte geht es gleichermaßen um einen hochbrisanten Mordfall, sowie die privaten Scharmützel im Leben der Ermittlerin. Das beides unter einen Hut zu bekommen, gelingt Ronstedt solide; immerhin ist Moosandls Verlobter gleichermaßen auch Mitglied der des Mordes verdächtigten Familie. Doch schon bei genau dieser fangen die Probleme an, die sich in „Maria Mafiosi“ vornehmlich auf die andauernde Verwendung von Klischees konzentrieren. Wurden die Eberhofer-Krimis in den vergangenen Jahren immer kleinteiliger in der Offenlegung süddeutscher Gewohnheiten, ist „Maria Mafiosi“ nun nicht mehr als ein oberflächlicher Rundumschlag gegenüber allem, was man den Bayern (und später auch den Italienern) landläufig nachsagt. Das ist Culture-Clash in seiner uninspiriertesten Form – dass Italiener gemeinhin als heißblütig gelten und alle bei der Mafia sind, ist ebenso durchgekaut wie das Klischee, auf dem Dorf wären die Frauen ja ausschließlich damit beschäftigt, den lieben langen Tag über einander zu lästern.

So aber bahnt sich der Plot von „Maria Mafiosi“ seinen beschwerlichen Weg durch allerhand überraschungsarme Verwicklungen, nur leidlich gelungene Gags und profitiert kaum von den vielen Figuren, die allesamt am Reißbrett geläufiger Vorabendkrimis entworfen scheinen. Während Ronstedt den Handlungsstrang um Marias und Roccos Beziehung mithilfe absolut unrealistischer Entscheidungen künstlich verkompliziert (im echten Leben würden die beiden wohl einfach mal ausgiebig miteinander reden und alles wäre in Butter), gestaltet sich der Kriminalfall immerhin einen Tick unterhaltsamer. Es geht um die Mafia, um Familie, verfeindete Clans und um eine arrangierte Ehe – und irgendwie hängt natürlich alles miteinander zusammen. Einziger Lichtblick dieses generischen Krimi-Einheitsbreis ist das Finale. Hier kann „Maria Mafiosi“ endlich an Tempo zulegen und schafft es sogar, mehrere knackige One-Liner hintereinander abzufeuern, ohne dass dem Film zwischendrin die Puste ausgeht. Vorhersehbar ist das alles zwar immer noch ungemein, aber die letzten zwanzig Minuten bereiten tatsächlich Spaß; auch, weil hier  endlich mal etwas aus der Prämisse herausgeholt wird, dass die Mafia nach ihren ganz eigenen Regeln und Gesetzen handelt. Ein wenig morbide darf es da schon zugehen.

Bis zum Mutterschaftsurlaub muss Maria brav ihren Dienst als Polizistin verrichten.

Darstellerisch bewegt sich „Maria Mafiosi“ zwar auf solidem Niveau – nicht zuletzt, weil sich Lisa Maria Potthoff und Serkan Kaya („Planet Ottakring“) sichtbar Mühe geben, ihren eindimensionalen Figuren einen Hauch Persönlichkeit abzuringen, die über „typisches bayerisches Mädel“ und „typisch italienisches Muttersöhnchen“ hinaus gehen – doch auf der großen Leinwand hat ein Film wie „Maria Mafiosi“ eigentlich nichts zu suchen. Technisch spielt Ronstedts Krimi in einer ähnlich unscheinbaren Liga wie TV-Formate der Marke „Die Rosenheim Cops“. Bei den Eberhofer-Krimis ist das anders: Auch diese sind vom Produktionsaufwand her eher im Fernsehsegment zu verorten, doch Regisseur Ed Herzog kann bei seinen Filmen auf die schnittigen Buchvorlagen von Rita Falk zurückgreifen. Diese kreierte mit Frank Eberhofer und seinem persönlichen Umfeld echte Typen mit Wiedererkennungswert und geht in ihrer Entlarvung der bayerischen Lebensart weitaus bissiger vor, als sie lediglich von oben herab zu kommentieren. „Maria Mafiosi“ versucht sich nun an einer eher leichtfüßigen Variante davon. Doch genau hiervon hat es in den vergangenen Jahren einfach schon viel zu vielen gegeben. Wir finden: Das nächste Mal einfach den klassischen Weg der Fernsehausstrahlung gehen. Hier könnte Jule Ronstedt dann vielleicht tatsächlich Zuschauer holen.

Fazit: Der Schlussakt reißt mit und auch die Darsteller geben sich alle Mühe, mehr aus dem Film herauszuholen, als abgestandene Klischees über Bayern und Italiener. So richtig klappen will das allerdings nicht. „Maria Mafiosi“ kann dem Genre der deutschen Krimikomödie keine eigenen, geschweige denn neuen Facetten hinzufügen.

„Maria Mafiosi“ ist ab dem 15. Juni in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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