Schlagwort-Archiv: Steven Soderbergh

Das startet am 29. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 29. März, an dem es so scheint, als hätten die Verleiher Respekt vor „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“, der im Anbetracht des immensen Marketingaufwands als erster Anwärter auf einen der erfolgreichsten Filme des Jahres gehandelt werden dürfte. Das Restangebot gestaltet sich qualitativ übersichtlich, während der Bülent-Ceylan-Kinofilm „Verpiss Dich, Schneewittchen!“ der Presse noch nicht gezeigt wurde und somit bislang kein Urteil möglich ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

JIM KNOPF & LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER  | Regie:  Dennis Gansel | DE 2018

Eines Tages bringt der Postbote ein großes Paket auf die Insel Lummerland, eine kleine Insel mitten im Ozean. Die vier Bewohner Frau Waas, Herr Ärmel, König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte und Lukas der Lokomotivführer trauen ihren Augen nicht, als sie das Paket öffnen: Ein kleiner dunkelhäutiger Junge strahlt sie mit großen Kulleraugen an. Frau Waas beschließt, den kurzerhand auf den Namen Jim getauften Säugling bei sich aufzunehmen. Als Jim älter wird, schließt er auch mit dem Rest der Inselbewohner bald Freundschaft – besonders in Lukas hat er einen Zuhörer gefunden, mit dem er regelmäßig in seiner geliebten Lokomotive Emma quer über die Insel kurvt. Doch je älter Jim wird, desto mehr sehnt er sich nach der Antwort auf die Frage, wo er eigentlich herkommt…

„Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ ist ein mit viel Liebe zum Detail inszeniertes, handwerklich astreines Vergnügen für große und kleine Liebhaber der Vorlage, die sich inszenatorisch auf dem Niveau internationaler Großproduktionen befindet.


UNSANE – AUSGELIEFERT | Regie: Steven Soderbergh | USA 2018

Sawyer Valentini (Claire Foy) ist eine junge, erfolgreiche Frau, die nach einem unangenehmen Vorfall ihre Heimatstadt verlässt. In der Fremde will sie ihre belastende Vergangenheit ein für alle Mal hinter sich lassen, einen neuen Job beginnen, glücklich sein. Nach wie vor unter Angstzuständen leidend, nimmt sie eines Tages die Dienste einer Therapeutin in Anspruch. Kurz darauf wird sie gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Einrichtung festgehalten und mit ihrer größten Angst konfrontiert – aber ist sie real oder nur ihre Einbildung? Da anscheinend niemand bereit ist, ihr zu glauben und die Behörden ihr nicht helfen können oder wollen, muss sie sich mit ihren Ängsten direkt auseinandersetzen. Doch je tiefer Sawyer kramt, desto schlimmer wird es für sie…

Style-over-Substance in Reinkultur – das technische Konzept hinter Steven Soderberghs mit einem iPhone gedrehten Psychothriller „Unsane – Ausgeliefert“ ist beispielhaft und sorgt genau für die Beklemmung, die in diesem Szenario angebracht ist. Schade, dass hinter der Geschichte nicht dieselbe Cleverness steckt.

VOR UNS DAS MEER  | Regie: James Marsh | UK 2018

1968 im englischen Teignmouth: Donald Crowhurst (Colin Firth) ist ein wohlsituierter Familienvater und Hobbysegler, der seiner Familie die Probleme in der Firma bislang verschweigen konnte. Um seine Geldsorgen loszuwerden, nimmt er eines Tages beim Sunday Times Golden Globe Race teil. um der schnellste Mensch zu werden, der allein und ohne Zwischenstopp die Welt umsegelt. Mit seinem unfertigen, selbst entworfenen Boot und im Glauben, sich das für so eine Reise notwendige Fachwissen während der Fahrt selbst anzueignen, sticht Crowhurst schließlich in See. Seine Frau Clare (Rachel Weisz) und die gemeinsamen Kinder lässt er an Land zurück und begibt sich Hals über Kopf in ein gefährliches Abenteuer, das Geschichte schreiben wird. Ob aufgrund eines Sieges oder durch seinen Tod, steht dabei allerdings noch in den Sternen… 

„Vor uns das Meer“ ist ein unaufgeregtes Abenteuerdrama über einen Mann, dessen Scheitern vorbestimmt war. Colin Firth erweckt diesen Mann zum Leben und kann erzählerische Defizite weitestgehend ausgleichen. Trotzdem überzeugt die stilsichere Inszenierung mehr, als die Geschichte selbst, die letztlich zu viel behauptet und zu wenig zeigt.


IM ZWEIFEL GLÜCKLICH | Regie: Mike White | USA 2017

Eigentlich hat Brad (Ben Stiller) alles, um glücklich zu sein: Eine liebende Ehefrau (Jenna Fischer), eine erfüllende Arbeit und einen talentierten Sohn (Austin Abrams). Trotzdem beschleicht ihn ständig das Gefühl, nicht genug erreicht zu haben – im Gegensatz zu seinen früheren Studienfreunden, deren erfolgreiche Karrieren er neidisch aus der Ferne verfolgt. Als er mit seinem Sohn mögliche Colleges an der Ostküste besichtigt, ist eine Begegnung mit einem alten Freund unvermeidlich. Craig (Michael Sheen) ist inzwischen ein gefeierter Buchautor, wodurch Brad sein Mittelklassestatus umso schmerzhafter bewusst wird. Bis er bemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem erfolgreichem Leben und einem glücklichen. Auf der Reise mit seinem Sohn findet er langsam aber sicher zu sich selbst…

Ein Fazit zu „Im Zweifel glücklich“ fällt uns ebenso schwer, wie Ben Stiller in diesem Film das Glücklichsein. Einerseits gelingt Mike White mit seiner Tragikomödie eine sehenswerte Erzählung darüber, wie leicht es ist, sich selbst im Weg zu stehen. Andererseits fehlt es Skript und Inszenierung aber auch oft an Feinschliff, sodass der Film letztlich schwerfälliger daherkommt, als er müsste.


THE DEATH OF STALIN | Regie: Armando Iannucci | UK/USA/FR/BEL 2017

Moskau am 2. März 1953. Ein Mann liegt nach einem Schlaganfall im Sterben. Bald wird er das Zeitliche segnen – und wer es jetzt richtig anstellt, kann seinen Platz einnehmen. Der sterbende Mann heißt Josef Stalin (Adrian McLoughlin): Generalsekretär der UdSSR, Diktator, Tyrann und Massenmörder – und Musikliebhaber, was ihm an diesem Tag zum Verhängnis wird. Die folgenden Tage zwischen seinem unrühmlichen Ableben und seiner pompösen Beerdigung werden zu Tagen, in denen die Mitglieder des Politbüros mit allen Mitteln darum kämpfen, die Macht zu übernehmen. Tage, in denen sich der ganze Wahnsinn, die Verkommenheit und die alltägliche Unmenschlichkeit des Totalitarismus in allen Facetten offenbaren. Doch hinter dem Wahnsinn stecken Mord, Verfolgung und schwere Verbrechen an der Gesellschaft…

Eigentlich wollte Armando Iannucci eine satirische Komödie mit bösen Dramaeinschüben drehen, doch am Ende hat er zwei Filme gedreht: eine Comedy und ein hartes Kriegsdrama. Und das beides unter einen Hut zu bringen, ist ihm nicht ganz gelungen.


VERPISS DICH, SCHNEEWITTCHEN!  | Regie: Cüneyt Kaya | DE 2018

In seinen Träumen ist Sammy (Bülent Ceylan) ein Rockstar. Doch in der Realität jobbt und schrubbt er im Hamam seines Bruders Momo (Kida Khodr Ramadan). Plötzlich gibt ihm ein Musiklabel die Chance, bei einer Castingshow berühmt zu werden. Unter einer Bedingung: Der Solomusiker muss eine Band gründen. So wird aus Sammy, seiner Schwester Jessi (Josefine Preuß), dem alten Aushilfsmasseur Wolle (Paul Faßnacht) und dem dicken Mahmut (Özgür Karadeniz) kurzerhand die Gruppe „Hamam Hardrock“, eine unkonventionelle Truppe mit einem guten Gespür für Musik. Das Publikum feiert die originellen Newcomer, doch Labelchefin Thomaschewsky (Sabrina Setlur) will den Siegeszug der Multikulti-Rocker mit allen Mitteln verhindern.

„Verpiss dich, Schneewittchen!“ ist nicht die Vollkatastrophe, die sich anhand der Trailer erahnen ließ. Sie liegt in ihrem Anspruch, eine richtige Geschichte zu erzählen, sogar weit über diversen Filmen von Bülent Ceylans Comedykollegen. Doch als solcher ist die mit Nazikritik angereicherte Castingodysse leider weder Fisch noch Fleisch – nicht wirklich lustig und erst recht nicht ernsthaft dramatisch.


1000 ARTEN, DEN REGEN ZU BESCHREIBEN | Regie: Isa Prahl | DE 2017

Seit vielen Wochen ist die Tür zu: Mike (Béla Gabor Lenz), gerade 18 geworden, hat sich von dem einen auf den anderen Tag in seinem Zimmer eingeschlossen. Er ist nicht krank. Er hat sich einfach nur bewusst dazu entschieden, am Leben draußen nicht mehr teilzunehmen. Die Eltern Susanne (Bibiana Beglau) und Thomas (Bjarne Mädel) sowie Schwester Miriam (Emma Bading) stehen buchstäblich vor seiner Tür ˗ warten, fragen, fordern, flehen, rasten aus, verzweifeln, beschuldigen, ignorieren und hoffen. Dabei wird die Tür zwischen ihnen und Mike mehr und mehr zum Spiegel ihrer eigenen Geschichten. Je mehr sie nach Mikes Gründen forschen oder vor ihrer eigenen Ohnmacht fliehen, desto deutlicher werden ihnen ihre eigenen Verkettungen mit einem Leben, das sie nie wirklich hinterfragt haben, und das sie dem entsprechend nie wirklich bewusst angenommen haben.


VOR DEM FRÜHLING | Regie: George Ovashvili | GEO/DE/FR 2017

Der Präsident, einst Volksheld und Befreier seines Landes, wird entmachtet und muss in die wilde Gebirgsregion seiner Heimat flüchten, begleitet nur von einer Handvoll treuer Anhänger. In der Hoffnung auf loyale Unterstützer zu stoßen und die Macht wiederzuergreifen, ziehen sie über schneebedeckte Berge und unwegsame Pässe, durch tiefe Wälder und reißende Ströme – voll Schönheit und Gefahren. Durch den ständigen Wechsel der Verstecke versucht die Gruppe, ihren Gegnern zu entkommen, doch ein unsichtbarer Verfolger setzt sie unter unerschütterlichen psychologischen Druck. Die all umschließende Natur, ihr Zufluchtsort, stellt sich als unberechenbare Gewalt heraus, die sich jederzeit gegen sie wenden kann. Und auch nicht jedes abgelegene Heim ist von verbündeten Seelen bewohnt. Die Reise wird zu einer rastlosen – zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen Hoffnung und Zweifel. Wem kann der Präsident noch trauen?


 Heimkinotipp: PADDINGTON 2  | Regie: Paul King | UK/FR/USA 2017

Der liebenswerte Bär Paddington mit Schlapphut und Dufflecoat hat nicht nur bei Familie Brown ein Zuhause gefunden, er ist auch in der Nachbarschaft ein geschätztes Mitglied: Höflich, zuvorkommend und immer fröhlich – außerdem lieben alle seine Marmeladenbrote, ohne die er nie das Haus verlässt. Als der 100. Geburtstag von Tante Lucy ansteht, sucht Paddington nach einem geeigneten Geschenk. Fündig wird er im Antiquitäten-Laden des liebenswerten Mr. Gruber, das allerlei Schätze birgt: Ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch hat es Paddington angetan. Allerdings muss der kleine, tollpatschige Bär dafür ein paar Nebenjobs antreten – das Chaos ist vorprogrammiert. Und dann wird das Buch auch noch gestohlen! Paddington und die Browns folgen den Spuren des Diebs, der ein Meister der Verkleidung zu sein scheint… 

Paul King gelingt erneut ein Film, der dem Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und um sich im Hinblick auf unser Urteil zu Teil eins noch einmal zu steigern, genügt nur eine Erkenntnis: „Paddington 2“ ist in jeder Hinsicht makellos!

Das startet am 14. September 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 14. September, der eine überaus große Bandbreite an guten Filmen präsentiert – mit „mother!“ sogar einen der besten des Jahres. Wer von sich glaubt, nicht ganz so hartgesotten zu sein, für den gibt’s den neuesten Film von Ex-Regieaussteiger Steven Soderbergh, der mit „Logan Lucky“ ein nächstes „Ocean’s Eleven“ abliefert. „High Society“ hält indes die Flagge der deutschen Komödie hoch – und macht das gar nicht mal so schlecht. Gourmets gehen unterdessen in die melancholische Liebesgeschichte „Porto“, die in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen sein wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MOTHER!  | Regie: Darren Aronofsky | USA 2017

Sie könnten so glücklich sein – und sind es erst einmal auch: Ein namenloses Pärchen (Jennifer Lawrence und Javier Bardem) hat sich in einem altehrwürdigen Anwesen ein kleines Paradies geschaffen. Lediglich die Schreibblockade des als literarischer Dichter arbeitenden Gatten bringt die Idylle hier immer mal wieder ins Wanken. Unterdessen müht sich seine Frau darin, die einst abgebrannte Villa wieder auf Vordermann zu bringen. Doch mit der Abgeschiedenheit ist es bald vorbei, denn ein Fremder steht vor der Tür: Er (Ed Harris) behauptet von sich, ein großer Fan des Autoren zu sein und bittet unter einem Vorwand um Einlass. Auch seine Ehefrau (Michelle Pfeiffer) kommt bald hinzu. Von der Situation zunächst überfordert, aufgrund seiner Schmeicheleien jedoch angetan, beschließt das Paar, den unerwarteten Gästen einen längeren Aufenthalt zu ermöglichen. Mit fatalen Folgen… 

Darren Aronofskys Terrorfilm „mother!“ ist nicht mehr und nicht weniger als der abgefuckteste Film des Jahres. Jennifer Lawrence dominiert mit ihrer Tour-de-Force-Performance ein Ensemble, das sich leidenschaftlich einem durchgeknallten Erzähl- und Inszenierungsrausch hingibt, mit dem der Ausnahmeregisseur Tabus bricht – das wird (und darf) nicht jedem schmecken. Holy Shit!


PORTO  | Regie: Gabe Klinger | PRT/FR/USA/POL 2016

Porto, die alte portugiesische Hafenstadt mit ihrer mysteriösen, fast morbiden Atmosphäre ist der Ort, an dem der zurückhaltende Jake (Anton Yelchin) und die geheimnisvolle Mati (Lucie Lucas) aufeinandertreffen. Beide sind fremd in der Stadt, beide sind Außenseiter, und beide sind auf der Suche. Als sie sich begegnen, ist es Anziehung, ja, Liebe auf den ersten Blick. Fremd, doch zugleich vertraut, stürzen sie sich Hals über Kopf in eine Affäre. Es ist nur eine einzige Nacht, die sie miteinander verbringen. Aber die Zeit scheint still zu stehen. Mit Blicken, Gesten und Worten schaffen sie eine geheimnisvolle und doch unauflösbare Verbindung. Die Vergangenheit lässt sich nicht zurückholen, aber die glücklichen und leidvollen Erinnerungen hinterlassen bei beiden ihre Spuren. Für immer.

Hätte Kinopoet Terrence Malick Richard Linklaters „Before“-Reihe inszeniert, wäre dabei vermutlich „Porto“ bei herausgekommen. Die melancholische Geschichte über zwei Menschen, die für eine Nacht die Liebes ihres Lebens erfahren, ist nicht nur dank des pulsierenden Schauplatzes fast zu schön, um wahr zu sein, auch die beiden Hauptdarsteller Lucie Lucas und Anton Yelchin machen sich mit diesem Film – im wahrsten Sinne des Wortes – unsterblich.


MR LONG  | Regie: SABU | JPN/HKG/TWN 2017

Ein taiwanesischer Auftragskiller (Chen Chang) strandet in einer japanischen Vorstadt. Seine Mission ist missglückt und ihm bleiben fünf Tage, um Geld für die geplante Rückreise aufzutreiben. Unvermittelt erhält er dabei Hilfe: Der kleine Jun (Runyin Bai) weicht nicht von seiner Seite und ahnungslose Anwohner zeigen sich von seinen Kochkünsten so begeistert, dass sie ihm ein berufliches Standbein schaffen wollen. Eifrig organisieren sie ihrem schweigsamen „Mr. Long“, wie sie den Killer nennen, eine fahrbare Garküche, mit der er, gemeinsam mit Jun, seine chinesischen Spezialitäten unter die Leute bringen kann. Unheil droht, als Juns Mutter (Yiti Yao) von ihrem ehemaligen Dealer aufgesucht wird und dieser Mr. Longs Fährte aufnimmt. Aber auch wenn die Vergangenheit ihn einholt – es wird für Mr. Long nicht leicht zu gehen.

Das Ende bricht einem das Herz: SABUs bisweilen äußerst brutale Todesballade „Mr Long“ erzählt unaufgeregt und hochemotional von einem Auftragskiller, der sich nichts sehnlicher wünscht, als eine zweite Chance – und erkennt, dass er diese nie haben kann.


LOGAN LUCKY  | Regie: Steven Soderbergh | USA 2017

Die Brüder Jimmy und Clyde Logan werden vom Pech verfolgt. Während der impulsive Jimmy einen Job nach dem nächsten verliert, wird Barkeeper Clyde, der nur einen Arm hat, regelmäßig schikaniert. Und dann wären da noch die Geldsorgen. Aber Jimmy hat eine brillante Idee, die den beiden aus der misslichen Lage helfen soll: Ein Raubüberfall im großen Stil! Das prestigeträchtigste und legendärste NASCAR-Rennen der Welt, der Coca-Cola Cup 600, bietet scheinbar die perfekten Voraussetzungen für einen cleveren, unterirdischen Raubzug! Unterstützung erhoffen sich die Brüder vom berüchtigtsten platinblonden Safeknacker des Landes: Joe Bang – der sitzt allerdings noch im Gefängnis fest. Während der Planung des großen Coups tauchen immer neue Hindernisse auf, doch gemeinsam mit ihrer Schwester Mellie setzen die beiden Brüder alles daran, ihre lebenslange Pechsträhne endlich zu beenden… 

Im Anbetracht dieser liebenswürdigen Schmalspurganoven verzeiht man es „Logan Lucky“ gern, dass man das Konzept hinter dem Film eigentlich von Anfang an durchschaut. Die stark gespielte, rasant inszenierte und urkomische Gangsterposse hat das Herz am rechten Fleck und Feuer unterm Hintern – endlich ist Steven Soderbergh zurück!


HIGH SOCIETY  | Regie: Anika Decker | DE 2017

Anabel von Schlacht ist die wohlstandsverwahrloste Party­tochter einer schwerreichen Industriellenfamilie, die geführt wird von Mutter Trixi von Schlacht. Das dachten zumindest alle, doch ein handfester Skandal in Anabels Geburtsklinik enthüllt die Vertauschung diverser Babys und auch Anabels wahre Herkunft: Ihre leibliche Mutter Carmen Schlonz lebt mit ihren beiden anderen Kindern und einem illegalen Untermieter in einer Plattenbau­WG. Als Anabel in ihrem neuen Zuhause eintrifft, gerät sie sich direkt mit dem attraktiven Polizisten Yann in die Haare. Auch ihr weiterer Weg ist gepflastert mit skurrilen Begegnungen, familiären Konflikten und Liebesverwirrungen, führt sie jedoch zur Besinnung auf die wirklich wichtigen Werte des Lebens sowie zur Suche nach ihrer wahren Identität, dem ersten richtigen Job und zur Frage, was Familie eigentlich bedeutet. 

Zwischen Klamauk und Romantik gelingt Anika Decker mit „High Society“ eine niemals urteilende RomCom über Familie und die Unwichtigkeit von Reichtümern. Obwohl kleine Unebenheiten den Erzählrhythmus hier und da ins Stolpern bringen, reichen die vielen amüsanten Momente, treffsichere Pointen und ein leidenschaftlich aufspielender Cast locker aus, um einen Ticketkauf zu rechtfertigen.


WIE DIE MUTTER, SO DIE TOCHTER  | Regie: Noémie Saglio | FR 2017

Avril (Camille Cottin) und ihre Mutter Mado (Juliette Binoche) sind zwar ein Herz und eine Seele, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Avril, 30, ist verheiratet, angestellt und lebt ihr Leben strikt nach Plan, während ihre Mutter seit ihrer Scheidung eine zweite Pubertät durchlebt und ihrer Tochter in jeglicher Hinsicht auf der Tasche liegt. Sie hat sich sogar bei ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn eingenistet und denkt gar nicht daran, ihren Lebensstil aufzugeben. Mutter- und Tochterrolle sind komplett vertauscht und als sich die beiden Frauen dann auch noch zur gleichen Zeit schwanger unter einem Dach wiederfinden, ist der große Eklat unausweichlich. Denn genauso wenig wie Mado inmitten ihres Jugendwahns bereit ist, erneut Mutter oder gar Großmutter zu werden, kann Avril sich ihre eigene Mutter als späte Mutter vorstellen! 

Die zwei grandios aufspielenden Hauptdarstellerinnen Camille Cottin und Juliette Binoche sowie diverse kreative Ideen machen aus dieser kleinen Komödie ein kurzweiliges Vergnügen, das nicht bloß Herz und Seele berührt, sondern auch noch richtig Spaß macht. Eine kleine Überraschung!


DAS LÖWENMÄDCHEN  | Regie: Vibeke Idsøe | NOR 2016

In einer kleinen Provinzstadt in Norwegen kommt im Winter 1912 ein Mädchen (Aurora Lindseth-Løkka) zur Welt, dessen ganzer Körper von feinen blonden Härchen bedeckt ist. Für die damalige Wissenschaft ein kurioser, ein interessanter Fall. Evas Mutter stirbt bei der Geburt und ihr Vater, der Stationsmeister Arctander (Rolf Lassgård), will zunächst von dem „Löwenmädchen“ nichts wissen. Doch die kleine Eva wächst heran (als Jugendliche: Mathilde Thormine Storm). Abgeschottet und versteckt vor der Neugier der Außenwelt, erschafft sie sich ihre eigene Welt, bis sie eines Tages den Mut findet, der Enge ihres Lebens zu entfliehen (als junge Frau: Ida Ursin-Holm). Doch ihr Umfeld steht der Frau und ihrem aufkeimenden Selbstbewusstsein immer wieder im Wege. Wird Eva jemals ein eigenständiges Leben führen können? 

Vibeke Idsøes Familiendrama „Das Löwenmädchen“ hat den puppenhaft-warmherzigen Charme eines Weihnachtsmärchens, doch die Regisseurin holt aus der dramatischen Geschichte um ein von der Gesellschaft ausgestoßenes Mädchen nicht mehr heraus, als von Klischeefiguren vorgetragene Plattitüden. Schade – die fantastischen Hauptdarstellerinnen hätten Besseres verdient.


RADIANCE  | Regie: Naomi Kawase | FR/JPN 2017

Die schüchterne aber hingebungsvolle Misako (Ayame Misak) schreibt mit großer Leidenschaft Hörfassungen von Kinofilmen für Menschen mit Sehbehinderungen. Bei einer Vorführung begegnet sie dem zynischen Fotografen Nakamori (Masatoshi Nagase), der allmählich sein Augenlicht verliert. In seinen Bildern entdeckt sie eine seltsame Verbindung zu ihrer Vergangenheit – und gemeinsam entdecken die beiden eine strahlende Welt, die für Misakos Augen bislang unsichtbar war…

Die japanische Filmemacherin Naomi Kawase („Kirschblüten und rote Bohnen“, „Still the Water“) präsentiert mit ihrem neuesten Film „Radiance“ eine zärtliche, poetische und dabei überaus bildgewaltige Liebesgeschichte und Hommage an die integrierende Kraft des Kinos, der Anfang des Jahres beim Filmfestival von Cannes gezeigt wurde.


THE END OF MEAT  | Regie: Marc Pierschel | DE 2017
Ein Dokumentarfilm über die Vision einer Welt ohne Fleisch, der Philosoph*innen, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen vorstellt, die sich mit Alternativen des Zusammenlebens von Menschen und Tieren beschäftigen. In „The End of Meat“ wagt Filmemacher Marc Pierschel den Blick in eine Zukunft ohne Fleisch sowie deren Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellte, spricht mit den Pionieren der veganen Revolution in Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet geretteten „Nutztieren“ in Freiheit, trifft auf Wissenschaftler*innen, die am tierfreien Fleisch forschen, das den 600 Milliarden schweren, globalen Fleischmarkt revolutionieren soll und vieles mehr.

Heimkinotipp: DER HIMMEL WIRD WARTEN  | Regie: Marie-Castille Mention-Schaar | FR 2016

Sylvie lebt allein mit ihrer Tochter Mélanie. Sie verbringen viel Zeit miteinander und Sylvie ist stolz auf das enge Verhältnis, das sie zu ihrer Tochter hat. Doch irgendwann begegnet Mélanie im Internet einem Jungen, der ihr regelmäßig zu schreiben beginnt, ihr Komplimente macht und sie schließlich fragt, wie sie es hält mit der Religion. Eines Tages ist Mélanie verschwunden und Sylvie auf halbem Weg nach Syrien, um sie zu suchen. Catherine und Samir sind die stolzen Eltern der 17-jährigen Sonia. Gerade zurück aus den Sommerferien, wird ihr Haus eines Nachts von der Polizei gestürmt und Sonia unter Arrest gestellt. Um ihrer Familie einen Platz im Paradies zu sichern, hat sich Sonia dem Dschihad angeschlossen. Catherine und Sylvie sind tief erschüttert davon, wie fremd ihre Töchter ihnen so ganz im Stillen geworden sind.

„Der Himmel wird warten“ hätte gut und gern zwanzig Minuten länger sein dürfen, denn nicht alle Erzählansätze führt die französische Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar auch zu Ende. Trotzdem ist ihr Drama über die radikale Islamisierung zweier französischer Mädchen ein ebenso mitreißender wie niederschmetternder Film über ein wichtiges, brandaktuelles Thema, das nicht verallgemeinert und einen wichtigen da aufklärerischen Wert leistet.

Magic Mike XXL

Aufgrund seiner undifferenzierten Erzählweise und dem zu bemühten Dramaeinschlag erwies sich „Magic Mike“ vor drei Jahren als qualitativer Totalausfall. Der Erfolg an der Kinokasse ging dem Stripperdrama jedoch nicht ab. So kommt mit MAGIC MIKE XXL nun eine Fortsetzung, die uns zeigt, wie der erste Teil hätte sein können, wenn man jene Passion des Sequels schon damals an den Tag gelegt hätte. Mehr zum Film in meiner Kritik.Magic Mike XXL Weiterlesen

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