Porto

Im melancholischen Liebesdrama PORTO wird die gleichnamige Stadt zum Austragungsort einer Romanze, die zu schön ist, um wahr zu sein und deshalb zum Scheitern verurteilt ist. Mehr dazu erfahrt Ihr in meiner Kritik.

Der Plot

Porto, die alte portugiesische Hafenstadt mit ihrer mysteriösen, fast morbiden Atmosphäre ist der Ort, an dem Jake (Anton Yelchin) und Mati (Lucie Lucas) aufeinandertreffen. Beide sind fremd in der Stadt, beide sind Außenseiter, und beide sind auf der Suche. Als sie sich begegnen, ist es Anziehung, ja, Liebe auf den ersten Blick. Fremd, doch zugleich vertraut, stürzen sie sich Hals über Kopf in eine Affäre. Es ist nur eine einzige Nacht, die sie miteinander verbringen. Aber die Zeit scheint still zu stehen. Mit Blicken, Gesten und Worten schaffen sie eine geheimnisvolle und doch unauflösbare Verbindung. Die Vergangenheit lässt sich nicht zurückholen, aber die glücklichen und leidvollen Erinnerungen hinterlassen bei beiden ihre Spuren. Für immer.

Kritik

Der Jazz: Das ist Improvisation, Melancholie, Anarchie und Freiheit – kein Wunder also, dass der Score zu Gabe Klingers Romantikdrama „Porto“ genau dieser Musikgattung entspringt. Der Regisseur des zweifachen Biopics „Double Play: James Benning and Richard Linklater“ beobachtet in seiner gerade einmal 76 Minuten langen Geschichte zwei Liebende über den Zeitraum von einer Nacht, die sich leidenschaftlich dem Anderen hingeben und von ihren Gefühlen so übermannt werden, dass sie sich auf Anhieb schwören, für immer zusammen zu bleiben. Man möchte es ihnen gern glauben, denn diese Liebesgeschichte scheint vorherbestimmt – die gegenseitigen Zuneigungsbekundungen klingen echt und wahrhaftig, die Blicke, die die beiden Hauptfiguren Jake und Mati austauschen, stecken voller Passion und Ehrfurcht. Doch Klinger nutzt die einprägsamen Momente der Zweisamkeit lediglich als erzählerische Klammer. Dazwischen erfahren wir fern jedweder Chronologie, sprunghaft und nahezu beliebig, dass es bei dieser einen Nacht geblieben und das Pärchen längst nicht mehr zusammen ist. Es ist tragisch, denn trotzdem erhalten wir das Gefühl, hier einem Happy End zuzusehen. „Porto“ beginnt und endet mit dem verliebt-verträumten Austausch von intimen Blicken, ganz so, als hätte es das Danach nie gegeben (und zu diesem Zeitpunkt wissen die beiden schließlich noch gar nicht, dass ihr One-Night-Stand alles andere als gut ausgehen wird). Das macht die Szenerie umso tragischer, den Film als solches jedoch umso einzigartiger.

Lucie Lucas spielt die wunderschöne Mati.

„Porto“ ist wie eine Symbiose aus Richard Linklaters „Before“-Trilogie und den assoziativen Kinocollagen eines Terrence Malick („Song to Song“): Wir sehen einer Liebe dabei zu, wie sie vorsichtig aufkeimt, hören den beiden Protagonisten abwechselnd dabei zu, wie sie sich gegenseitig tragende, jedoch nie konstruiert wirkende Worte und Zitate entgegen hauchen und bekommen zwischenzeitig wunderschöne Bildmontagen der malerisch-pulsierenden Stadt Porto zu sehen, die wie keine zweite die brodelnde Stimmung zwischen den Hauptfiguren widerspiegeln könnte. Trotzdem erweist sich die Atmosphäre als nicht minder verspielt – Jake und Mati liefern sich zunächst einen zurückhaltenden Machtkampf, eh sie schließlich atemlos übereinander herfallen und sich im Zuge einer ausgiebigen, ästhetisch gefilmten und nie voyeuristischen Sexszene Orgasmus um Orgasmus bescheren. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt dieser kurzen aber heftigen Liaison, doch der Zuschauer kennt den Ausgang der Geschichte längst. In drei Akten schildern Gabe Klinger und sein Co-Autor Larry Gross („Veronika beschließt zu sterben“) die Ereignisse episodenhaft: Wir sehen das Paar gemeinsam, entnehmen den Leinwandgeschehnissen das erste Kennenlernen, das Aufeinandertreffen von Jake und Matis Ehemann, dann springt „Porto“ plötzlich zu den Aufnahmen einer Hochzeit – doch es sind nicht Jake und Mati, die heiraten, sondern es ist die Vorschau auf die Heirat von Mati und ihrem João (Paulo Calatré), der sie, so erfahren wir nach dem nächsten großen Sprung, schon bald mit ihrer gemeinsamen Tochter hat sitzen lassen. Wenn wir im nächsten Moment weiter an der Ausgangsnacht in Porto teilhaben dürfen, sehen wir die Ereignisse plötzlich mit ganz anderen Augen.

Dabei nicht in einen abwertenden Zynismus zu verfallen, ist die große Kunst von Gabe Klinger, der trotz der frühzeitigen Offenbarung des nicht vorhandenen Happy Ends weiterhin an der Ernsthaftigkeit dieser vermeintlichen Liebe festhält. Er inszeniert die Nacht als magischen Moment und als Aneinanderreihung von Unendlichkeiten, die Mati und Jake niemals genommen werden können. Die ausgetauschten Literaturzitate, die Liebesschwüre und Fragen wie diese, ob man sich denn „um den Verstand ficken“ könne, wirken zu keinem Zeitpunkt übertrieben oder gar kitschig. Stattdessen gehen die Macher voll darin auf, ihren beiden Hauptdarstellern in ihrer intuitiven Spielweise beim Entdecken ihres Gegenübers zuzusehen. Die verträumten Blicke, das hinreißende Lächeln, die flüchtigen Berührungen und das Verschmelzen der beiden Körper zu einem besitzen eine Intensität, von der die Pärchen gängiger Hollywood-Romanzen noch etwas lernen können. Und obwohl der Zuschauer früh weiß, dass es bei dieser einen Nacht bleiben wird, dass sich Mati für einen Anderen entscheidet und ihrer nächtlichen Bekanntschaft später sogar verbietet, sich ihr zu nähern, hat man das Gefühl, hier tatsächlich einer unendlichen Liebe zugesehen zu haben.

Für Mati und Jake (Anton Yelchin) wird es bei dieser einen Nacht bleiben…

Am Ende von „Porto“ steht der Schriftzug „Für Anton“ auf der Leinwand – der im vergangenen Jahr unter tragischen Umständen verstorbene Anton Yelchin („Green Room“) erlebt diesen Film als Aufbewahrungsort einer seiner letzten Rollen nicht mehr mit. Dabei ist es vermutlich die beste seiner viel zu kurzen Karriere – schüchtern und verletzlich, vom körperlichen Auftreten her kaum einer Altersklasse zuzuordnen, tänzelt er melancholisch durch das nächtliche Porto und verfällt der wunderschönen Lucie Lucas („Clem“) auf den ersten Blick, die tough und zärtlich die Führung über diese Liebesgeschichte übernimmt. Zu gern lässt sich Mati von Jake die Umzugskartons in die Wohnung tragen, während sie sich im nächsten Moment in die Arme ihres Liebhabers fallen lässt und ein anderes Mal ganz freimütig von ihrer letzten Beziehung erzählt. Mati präsentiert sich zurückhaltend und doch wie ein Gentleman. Die Faszination für sein Gegenüber ist ebenso nachvollziehbar wie die Hoffnung darauf, aus dieser einen Nacht könnte mehr entstehen. Vielleicht sogar die Liebe seines Lebens. Als Zuschauer gönnt man dem Paar ihr Happy End von Herzen – und zwar sogar dann noch, wenn man längst weiß, dass alles verloren ist. Das ist traurig, schön und traurig schön – wohl auch, weil wir uns alle die Liebe unseres gottverdammten, kleinen Lebens wünschen.

Fazit: Hätte Kinopoet Terrence Malick Richard Linklaters „Before“-Reihe inszeniert, wäre dabei vermutlich „Porto“ herausgekommen. Die melancholische Geschichte über zwei Menschen, die für eine Nacht die Liebes ihres Lebens erfahren, ist nicht nur dank des pulsierenden Schauplatzes fast zu schön, um wahr zu sein, auch die beiden Hauptdarsteller Lucie Lucas und Anton Yelchin machen sich mit diesem Film – im wahrsten Sinne des Wortes – unsterblich.

„Porto“ ist ab dem 14. September in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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