Bad Neighbors 2

Fortsetzungen von Komödien sind nicht nur selten ebenso erfolgreich wie ihr Vorgänger, oft reichen sie auch qualitativ nicht an den ersten Teil heran. Ganz anders BAD NEIGHBORS 2, der für die zweite Runde des Nachbarschaftskrieges auf einen ganz anderen Ansatz bauen kann und damit tatsächlich noch wesentlich komischer ist. Mehr dazu in meiner Kritik.Bad Neighbors 2

Der Plot

Endlich haben es Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) geschafft: Töchterchen Stella schläft längst durch, ein zweites Baby ist unterwegs und in der Nachbarschaft ist wieder Ruhe eingekehrt. Der ideale Zeitpunkt also, um den nächsten Schritt Richtung gepflegte Bürgerlichkeit zu tun. Doch gerade als sie ihr Haus verkaufen und in die Vorstadt ziehen wollen, hält nebenan plötzlich wieder eine Studentenverbindung Einzug. Und die Mädels von Kappa Nu lassen Teddy (ZacEfron) und seine Jungs im Rückblick fast wie Traumnachbarn erscheinen. Shelby (Chloë Grace Moretz) und ihre Mitbewohnerinnen haben die Schnauze voll von den strengen und wenig Spaß orientierten Uni-Vorschriften und wollen in ihrem neuen Verbindungshaus einfach tun und lassen, wonach ihnen der Sinn steht. Was natürlich vor allem heißt: die Sau raus lassen und Partys feiern, bei denen kein Stein auf dem anderen bleibt. Die Radners haben nur eine Chance, wenn sie die unliebsamen Störenfriede loswerden und damit den Marktwert ihres Hauses retten wollen: Sie bitten ihren Ex-Rivalen Teddy um Mithilfe. Sein charmantes Lächeln und die gestählten Bauchmuskeln sollen die Party-Bitches stoppen. Doch jung und verrückt wie sie sind, geben sich Shelby und Co. nicht so schnell geschlagen.

Kritik

Die Geschichte der US-amerikanischen Komödie ist eine Geschichte voller Missverständnisse – und im Falle von „Bad Neighbors 2“ kommt es nicht von ungefähr, dass wir für den Beginn der Filmbesprechung auf das abgewandelte Zitat einer bekannten Tampon-Werbung zurückgreifen, doch dazu später mehr. Nach dem sensationellen Überraschungserfolg des ersten Teils, für den allein hierzulande über 1,7 Millionen Zuschauer in die Kinos strömten, wurde relativ schnell ein Sequel bestätigt. Doch wie setzt man eine Geschichte fort, die auf einen einzelnen Konflikt ausgelegt ist und sich somit gar nicht unbedingt dazu eignet, fortgeführt zu werden? Am besten macht man es wie die Macher der „Hangover“-Trilogie, deren Teile zwei und drei bis heute immer noch immens unterschätzt werden, und macht es sich zunutze, dass die Maxime selbst – im Falle der Wolfsrudel-Eskapaden die Folgen eines Mega-Katers und bei „Bad Neighbors“ eben ein aus dem Ruder geratener Nachbarschaftsstreit – für eine Komödie doch relativ selten sind. Was man allerdings auch tun kann, vorausgesetzt, man legt dabei das notwendige Fingerspitzengefühl an den Tag, ist das Ad-absurdum-Führen des ersten Teils. Ganz so, wie im Falle der beiden „Jump Street“-Filme, in denen der Auftakt noch eine gewöhnliche, wenn auch ungeheuer komische Persiflage des Agententhrillergenres war und der zweite Teil schließlich die Persiflage selbst noch einmal durch den Kakao zog. Und exakt so verhält es sich nun auch mit „Bad Neighbors 2“, denn dieser ist nicht nur Sequel, sondern auch eine Hommage an den ersten Teil, geknüpft an einen spielfilmlangen Meta-Kommentar auf die vermeintliche Schlüpfrigkeit desselben.

Bad Neighbors 2

Wann immer es in einer (US-)Komödie ein wenig derber zugeht, ist der kritische Betrachter schnell dazu geneigt, sich negativ dazu zu äußern. Da finden dann Attribute wie kindisch, vulgär und das beliebte „unter der Gürtellinie“ Verwendung. Doch ausgerechnet der auf den ersten Blick ebenfalls in diese Kategorie fallende „Bad Neighbors“ bewies vor knapp drei Jahren, dass es sich lohnt, genauer hinzusehen, um die wahren Stärken des vermeintlich zotenreichen Nachbarschaftsstreits zu erkennen. Sonderlich brav setzte Regisseur Nicholas Stoller („Männertrip“) all das natürlich nicht in Szene, doch wann immer das Duo Stoller-Rogen sich hier und da an dem einen oder anderen Schwanzgag (im wahrsten Sinne des Wortes!) bediente, besaß dieser tatsächlich eine inhaltliche Relevanz. Ob nun die Anfertigung von Penisskulpturen oder Momente, in denen die Radners Sex haben: Wann immer etwas passiert, was sich nicht in die Idealvorstellung des braven Kinozuschauers fügen wollte, war dies dazu da, die Handlung voranzutreiben. In „Bad Neighbors 2“ ist das nun ganz ähnlich, nur dass es sich das Drehbuchautorenquintett, zu dem neben Seth Rogen und Nicholas Stoller auch Evan Goldberg („Die highligen drei Könige“) gehört, diesmal nicht verkneifen kann, immer wieder augenzwinkernd darauf zu verweisen, dass das, was hier an Gags abgefeuert wird, in seiner anklingenden Primitivität durchaus den Unmut solcher Zeitgenossen auf sich ziehen könnte, die die Grenze zum Studentenalter ohnehin schon längst überschritten haben.

Es hat fast schon etwas von einem Finger-in-die-Wunde-drücken, wenn Zac Efrons („We Are Your Friends“) Teddy in einer minutenlangen Sequenz mit sich hadert, ob er es nun lustig oder geschmacklos finden soll, dass die Mädels von Kappa Nu vollgeblutete Tampons und Binden gegen die Fensterscheiben ihrer Nachbarn werfen; und wenn am Ende das Kind in Teddy über den Erwachsenen siegt, dann kann man als Zuschauer gar nicht anders, als zu erkennen, dass derartige Geschmacklosigkeiten so zielgenau in die Story eingebettet sind, dass man fast schon von manipulativer Kalkulation sprechen kann. Doch es funktioniert: „Bad Neighbors 2“ variiert die Geschichte aus dem Vorgänger nur vage, doch die Inszenierung ist aufgrund der vorhandenen Meta-Ebene um ein Vielfaches dynamischer und das Endergebnis ungleich klüger. Schon bald rückt in den Hintergrund, wie sich der Kleinkrieg am Gartenzaun überhaupt auflöst. Worum es wirklich geht, sind ganz andere Dinge: Sexismus, Selbstfindung und die Frage danach, was gute Eltern wirklich ausmacht. Selbst ein Thema wie Homosexualität ist hier so selbstverständlich, dass es an eine Frechheit grenzen würde, „Bad Neighbors 2“ vorzuwerfen, kindisch, anzüglich oder unreif zu sein. Doch mit seiner kernigen Over-the-Top-Inszenierung ist es nur allzu offensichtlich, dass man es hier nicht mit einer herkömmlichen Komödie zu tun hat, sondern mit einem äußerst hintersinnigen Kinoerlebnis.

Bad Neighbors 2

Unter all diesen tatsächlich sehr bedeutsamen Thematiken steckt jedoch natürlich immer noch eine kurzweilige, kreative und bisweilen brüllend komische Komödie. Dramaturgisch abgewandelt haben die Autoren die Geschichte aus Teil eins zwar nur bedingt. Erneut geht es um eine ruhesuchende Familie, die sich gegen eine Horde wildgewordener Studenten (in diesem Fall Damen auf der Suche nach Selbstfindung) behaupten muss. Wie dieser Konflikt von beiden Seiten aus ausgetragen wird, wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur so viel: Beide Parteien legen einen ungeheuren Ideenreichtum an den Tag, um der Gegenseite zu schaden. Dass dabei durchaus gewisse logische Grenzen gesprengt werden, ist ein Makel, den man an dieser Stelle erwähnen muss; gleichzeitig passt es zum Tonfall, denn in „Bad Neighbors 2“ ist ganz einfach „erlaubt, was Spaß macht“. Und wie es Spaß macht! Nicht nur die Darsteller sind einmal mehr glänzend aufgelegt und schaffen einen glaubhaften Spagat zwischen nachdenklich-sinnierend und euphorisch-frech, auch die Pointen können mit einer hohen Treffsicherheit punkten. Dabei erweist sich „Bad Neighbors 2“ zwar an manchen Stellen als durchaus vorhersehbar, doch im entscheidenden Moment passiert dann doch wieder etwas, womit man absolut nicht gerechnet hat.

Fazit: „Bad Neighbors 2“ ist nicht nur ein Sequel, sondern auch eine Verbeugung vor und Meta-Kommentar auf den ersten Teil. Mit einem noch höheren Tempo und einem wesentlich pfiffigeren Skript weist „Bad Neighbors 2“ den Vorgänger auf ähnlich kluge Weise in die Schranken, wie schon „22 Jump Street“ seinen ersten Teil.

„Bad Neighbors 2“ ist ab dem 5. Mai bundesweit in den Kinos zu sehen.

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