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Das startet am 26. Dezember 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 25. Dezember – Weihnachten! Und zu diesem Anlass dominieren Familienfilme das deutsche Kinoprogramm. „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ könnte aufgrund der berühmten Vorlage und der gefälligen Inszenierung hier als klarer Sieger hervorgehen. Doch auch der Animationsfilmsektor bringt eine starke Kandidaten hervor. Gar nicht gelungen ist übrigens „Cats“. Aber das hat sich ja sicher bereits rumgesprochen… 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL | Regie: Caroline Link  | DE 2019

Berlin im Jahr 1933, kurz bevor sich Adolf Hitler an die Macht wählen lässt: Anna Kemper (Riva Krymalowski) ist erst neun Jahre alt, als sich ihr Leben dadurch von Grund auf ändert: Um den Nazis zu entkommen, muss ihr Vater Arthur (Oliver Masucci), ein angesehener Theaterkritiker und bekennender regierungskritischer Journalist, nach Zürich fliehen; seine Familie – Frau Dorothea (Carla Juri) und seine beiden Kinder Anna und Max (Marinus Hohmann) – folgt ihm kurze Zeit später. Anna lässt alles zurück, auch ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen, und muss sich in der Fremde einem neuen Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen stellen. Denn auch wenn ihre Eltern versuchen, die Wahrheit so weit wie möglich vor ihren Kindern geheimzuhalten, ahnt Anna, dass diese Reise kein normale Reise ist und zudem nicht so schnell vorbei sein wird…

Die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf jüdische Verfolgte im Gewand eines Familien-Wohlfühlfilms – was zynisch und verklärend klingt, wird in den Händen von Regisseurin Caroline Link zu einem aufrichtigen Film über familiären Zusammenhalt und verdeutlicht die Wichtigkeit eingenommener Erzählperspektiven. Zudem besticht „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ mit einem tollen Cast und einem hohen Produktionsaufwand.


LATTE IGEL UND DER MAGISCHE WASSERSTEIN | Regie: Nina Wels, Regina Welker  | DE/BEL 2019

Latte ist eine aufgeweckte, selbstbewusste Igeldame. Leider hat sie in ihrem Wald nicht viele Freunde. Das ändert sich auch nicht, als sie beim Raufen mit dem Eichhörnchen Tjum aus Versehen sämtliche Wasservorräte zerstört. Da der Wald seit einiger Zeit unter einer großen Dürre leidet, sieht Latte keine andere Möglichkeit, als auf die Suche nach dem sagenumwobenen Wasserstein zu gehen und allen anderen Waldbewohnern zu beweisen, dass sie eben nicht nur ein Igel, sondern eine echte Abenteurerin ist. Tjum heftet sich an Lattes Fersen und gemeinsam treten die beiden eine aufregende Reise an. Ihr Ziel: der Bärenwald, denn sie haben gehört, dass es dort nicht bloß fließend Wasser geben, sondern sich auch der magische Wasserstein befinden soll, mit dessen Hilfe der Fluss wieder zum Fließen gebracht werden kann. Doch die Bären wollen den Stein nicht so schnell aus der Tatze geben…

Eine tolle Animationen, ein kindgerechtes Abenteuer und eine umweltpositive Botschaft – der altersübergreifende Film „Latte Igel und der magische Wasserstein“ ist eine tolle Leinwandadaption des beliebten Kinderbuchs und lohnt den Kinobesuch mit der ganzen Familie – auch für die ganz kleinen.


7500 | Regie: Patrick Vollrath | DE/AT 2019

Ein Flug von Berlin nach Paris. Alltägliche Arbeiten im Cockpit eines Airbus A319. Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) bereitet routiniert den Abflug der Maschine vor und debattiert nebenbei mit seiner als Stewardess auf dem selben Flug arbeitenden Freundin Gökce (Aylin Tezel) über den zukünftigen Kita-Platz seines Sohnes. Der Start verläuft wie immer reibungslos. Doch dann hört man Geschrei in der Kabine. Eine Gruppe junger Männer, unter ihnen der achtzehnjährige Vedat (Omid Memar), versuchen ins Cockpit einzudringen. Es beginnt ein Kampf zwischen Besatzung und Angreifern, eine Zerreißprobe zwischen dem Wunsch, einzelne Leben zu retten und noch größeren Schaden abzuwenden. Die Cockpittür wird zum Kampfgebiet und Tobias gerät in die Position, über Leben und Tod entscheiden zu müssen…

Als Flugzeugentführungsthriller funktioniert der sehr reduziert aber dadurch nicht minder hochspannend inszenierte „7500“ hervorragend. Als politischen Kommentar dagegen sollte man Patrick Vollraths Langfilmdebüt jedoch eher nicht für bare Münze nehmen.


SPIONE UNDERCOVER | Regie: Nick Bruno, Troy Quane | USA 2019

 Superspion Lance Sterling (Will Smith) ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Wissenschaftler Walter Beckett (Tom Holland). Lance ist cool, charmant und geschickt. Walter ist … es nicht. Was Walter im Bereich Sozialkompetenz fehlt, macht er durch Erfindungsreichtum und Intelligenz wieder wett. Sein wissenschaftliches Genie erfindet die Gadgets, die Lance bei seinen abenteuerlichen Missionen nutzt. Als die Ereignisse eine unvorhergesehene Wendung nehmen, müssen sich Walter und Lance plötzlich auf völlig andere Art und Weise aufeinander verlassen. Und wenn dieses seltsame Pärchen nicht lernt als Team zu arbeiten, ist die gesamte Welt in Gefahr. „Spione Undercover“, unter der Regie von Nick Bruno und Troy Quane, ist eine animierte Komödie, angesiedelt in der hyper-dynamischen Welt der internationalen Spionage.

In den besten Momenten dominieren „Spione Undercover“ herrlich skurriler Slapstick und routinierter Meta-Humor vor aufwendig animierter Kulisse. Hin und wieder präsentieren die Macher allerdings zuviel des Guten. Bedeutet: Gerade zu Beginn und Ende des Films sind die Action und knallbunten Farben arg anstrengend und dürften ein junges Publikum gar vollends überfordern.


CATS | Regie: Tom Hooper | UK/USA 2019

Die junge hübsche Katze Victoria (Francesca Hayward) wird eines nachts von ihren Herrchen auf Londons Straßen ausgesetzt. Nach anfänglicher Skepsis nehmen sie die Jellicle-Katzen unter ihre Fittiche. Eine Bande von Streunern, die zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen ist. Die Jellicle-Cats sind es auch, die einmal jährlich einen großen Ball abhalten, auf dem die weise, lebenserfahrene Alt-Deuteronimus (Judi Dench) eine Katze auswählt, um ein neues Leben zu beginnen. Jede von ihnen möchte es sein: Von der faulen, aber musikalischen Jenny Fleckenreich (Rebel Wilson) über den magischen Zauberkater Mister Mistoffelees (Laurie Davidson) bis hin zum verfressenen Bustopher Jones (James Corden). Die von den Jellicle-Katzen verstoßene Grizabella (Jennifer Hudson) dagegen hält sich derweil aus all dem Trubel raus, obwohl sie eigentlich am meisten zu erzählen hätte…

Die Macher halten sich bei ihrer Filmversion von „Cats“ nah an der Bühnenvorlage auf. Das dürfte Fans gefallen, auch wenn das bedeutet, dass sie die inhaltlichen Schwächen eins zu eins übernommen haben. Das große Problem des Films ist die Optik. Bei Aufnahmen von weiter weg lässt sich aufgrund der hochwertigen Tanz- und Gesangsperformances darüber hinwegsehen. Doch durch die vielen Nahaufnahmen von menschlichen Gesichtern in CGI-Katzenkostümen im Zusammenspiel mit der künstlichen Welt wirkt all das hier die meiste Zeit über arg befremdlich.


DER GEHEIME ROMAN DES MONSIEUR PICK | Regie: Rémi Bezançon | FR/BEL 2019

Auf einer Insel in der Bretagne liegt eine geheimnisvolle Bibliothek. Hier entdeckt die junge Verlegerin Daphné ein großartiges Manuskript und beschließt, es zu publizieren. Der Roman wird sofort zum Bestseller. Doch der Autor Henri Pick, ein bretonischer Pizzabäcker, ist seit zwei Jahren tot. Seine Witwe kann sich nicht erinnern, ihn jemals schreiben gesehen zu haben – außer wenn es um den Einkaufszettel ging. Der berühmte Literaturkritiker Jean-Michel ist überzeugt, dass Betrüger am Werk sind. Er macht es sich zur Aufgabe, ans Tageslicht zu bringen, wer den Roman wirklich geschrieben hat. Um nichts weniger geht es ihm als die Verteidigung der Literatur. Zwischen Pizzateig und Paradoxa begibt sich Jean-Michel auf Spurensuche. Doch sein detektivischer Eifer bleibt nicht folgenlos. Hier, an diesem kuriosen Ort der unerzählten Geschichten, geraten nicht nur die gewohnten Rollen von Autor und Leser in Schieflage…


PAVAROTTI | Regie: Ron Howard | UK/USA 2019

Genie, Entertainer, Superstar: Nach seiner preisgekrönten Dokumentation „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ widmet sich Regisseur Ron Howard einer weiteren Musik-Ikone. Luciano Pavarotti, berühmt als „The People’s Tenor“, nutzte seine Gabe und seine Leidenschaft auch dazu, die Oper aus der elitären Ecke zu holen und einem breiten Publikum nahe zu bringen. Mit seiner Jahrhundertstimme und einzigartigen Ausstrahlung eroberte Pavarotti die Bühnen der Welt und Millionen Herzen im Sturm.

In Interviews kommen seine Familie, namhafte Kollegen sowie Fans des Weltstars aus Modena zu Wort: von Bono über José Carreras und Plácido Domingo bis zu Prinzessin Diana. Anhand privater, bislang nie veröffentlichter Aufnahmen zeichnet Ron Howard das intime Porträt eines faszinierenden Mannes und unvergesslichen Ausnahmekünstlers.


Heimkinotipp: GLORIA | Regie: Sebastián Lelio | CHL/USA 2018

Eigentlich ist Gloria (Julianne Moore) ganz zufrieden mit ihrem Leben: Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder, temperamentvoll, geschieden und nur hin und wieder etwas einsam. Ihre Tage verbringt sie mit einem langweiligen Bürojob, ihre Nächte frei und ungezwungen auf der Tanzfläche von Single-Partys in den Clubs von Los Angeles. In einer dieser Nächte trifft sie Arnold (John Turturro) – genau wie Gloria geschieden und Single. Was wie eine abenteuerliche Bilderbuch-Romanze voller Erotik und Schmetterlingen im Bauch beginnt, muss sich schon bald wichtigen Themen des Lebens wie Familie, Beziehungsfähigkeit und Verbindlichkeit stellen. Ist Gloria bereit für eine neue Liebe, trotz des emotionalen „Gepäcks“, das ein neuer Partner mit in die Beziehung bringt? Oder hält das Leben vielleicht doch noch weitere Überraschungen für sie parat?

In dem US-Remake des gleichnamigen chilenischen Arthouse-Hits besticht Julianne Moore als titelgebende Gloria und in der Rolle der sich noch einmal voll ins Leben stürzenden, geschiedenen Zweifach-Mum. Regisseur Sebastián Lelio hält sich eng ans Original, findet aber genug eigene Facetten, um sowohl das Remake zu rechtfertigen, als auch die Vorlage nicht zu verraten.